Thomas Sandkühler

deutscher Historiker und Hochschullehrer

Thomas Sandkühler (* 1962 in Münster/Westf.) ist ein deutscher Historiker, Hochschullehrer und Autor.

LebenBearbeiten

Sandkühler absolvierte nach dem Abitur ein Lehramtsstudium der Fächer Geschichte, Germanistik und Pädagogik an den Universitäten Bochum und Freiburg im Breisgau, das er 1988 mit dem ersten Lehramtsexamen für die Sekundarstufe I und II abschloss. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bielefeld tätig und wurde dort 1994 mit einer Dissertation über den Judenmord in Ostgalizien (1941–1944) zum Dr. phil. promoviert. Von 1994 bis 2002 war er wissenschaftlicher Assistent an der geschichtswissenschaftlichen und philosophischen Fakultät der Universität Bielefeld und leitete zwischenzeitlich von 1997 bis 1999 das deutsche Forschungsteam der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg in Bern. 2002 war er Miles Lerman-Fellow am United States Holocaust Memorial Museum. Ab 2003 folgte sein Referendariat und 2004 legte er das zweite Lehramtsexamen ab. Danach unterrichtete er an Gymnasien die Fächer Deutsch und Geschichte, zuletzt an der Alten Landesschule Korbach. Seit August 2009 bekleidet er den Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Sandkühler war von September 2015 bis September 2019 1. Vorsitzender der Konferenz für Geschichtsdidaktik, des Fachverbands der Geschichtsdidaktikerinnen und Geschichtsdidaktiker der Bundesrepublik, sowie Herausgeber der Zeitschrift für Geschichtsdidaktik und ihrer Beihefte.[1] Sandkühler gehört dem Arbeitsausschuss des Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands an. Ferner ist er seit 2017 Mitherausgeber der von Jörn Rüsen begründeten Buchreihe „Beiträge zur Geschichtskultur“, seit 2019 geschäftsführend.

Sandkühler ist Mitglied des Wissenschaftlichen Kuratoriums der Stiftung Gedenkstätte Weimar-Buchenwald und Mittelbau-Dora, Beisitzer des Vorstands des Verein für die Geschichte Berlins und seit März 2017 Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst.

Sandkühler ist Autor von Publikationen zum Nationalsozialismus und zum Holocaust sowie zur Geschichtstheorie und Geschichtsdidaktik. Derzeit liegen seine Forschungsschwerpunkte bei der Geschichte der westdeutschen Geschichtsdidaktik und dem historischen Lernen in Gedenkstätten. Seine Biografie Adolf Hitlers für jugendliche Leser wurde im September 2015 mit dem Emys Sachbuchpreis ausgezeichnet[2] und erschien als Übersetzung in China, Japan und Ungarn.

2016 publizierte er mit dem Verein für die Geschichte Berlins eine Dokumentation über die Reichskanzlei, in der auf über 100 Seiten viele bislang unbekannte Bilder gezeigt wurden.[3]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • „Endlösung“ in Galizien. Der Judenmord in Ostpolen und die Rettungsinitiativen von Berthold Beitz. 1941–1944. Dietz Nachfolger, Bonn 1996, ISBN 3-8012-5022-9, (Dissertation Bielefeld 1994, 592 Seiten mit Illustrationen, 24 cm Inhaltsverzeichnis).
  • mit Horst-Walter Blanke, Friedrich Jaeger (Hrsg.): Dimensionen der Historik. Geschichtstheorie, Wissenschaftsgeschichte und Geschichtskultur heute. (Festschrift Jörn Rüsen zum 60. Geburtstag), Böhlau, Köln / Weimar / Wien 1998, ISBN 3-412-03898-9 (Inhaltsverzeichnis).
  • mit Benedikt Hauser u. a.: Die Schweiz und die Goldtransaktionen im Zweiten Weltkrieg (= Veröffentlichungen der Unabhängigen Expertenkommission: Schweiz – Zweiter Weltkrieg, Band 16), Chronos Zürich, 1998, 2., erweiterte Ausgabe 2002 ISBN 3-0340-0616-0.
  • Die Schweiz und die deutschen Lösegelderpressungen in den besetzten Niederlanden. Vermögensentziehung, Freikauf, Austausch 1940-1945. (Veröffentlichungen der Unabhängigen Expertenkommission: Schweiz – Zweiter Weltkrieg, Bd. 24), Zürich 2002.
  • (Hrsg.): Europäische Integration. Deutsche Hegemonialpolitik gegenüber Westeuropa 1920–1960. (= Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 18), Wallstein, Göttingen 2002.
  • Historisches Lernen denken. Gespräche mit Geschichtsdidaktikern der Jahrgänge 1928–1947. Mit einer Dokumentation zum Historikertag 1976. Wallstein, Göttingen 2014.
  • Adolf H. Lebensweg eines Diktators. Hanser, München 2015, ISBN 978-3-446-24635-5.[4]
  • Die Reichskanzlei in der Wilhelmstraße 1871-1945 und Adolf Hitlers "Führerwohnung": Geschichte eines vergessenen Ortes. In: Susanne Kähler, Wolfgang Krogel (Hrsg.): Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins. 65. Jahrgang, Berlin 2016, S. 101–138.
  • (Hrsg.): Rolf Schörken: Demokratie lernen. Beiträge zur Geschichts- und Politikdidaktik. (= Beiträge zur Geschichtskultur, Bd. 38), Böhlau, Köln / Wien 2017, ISBN 978-3-412-22464-6.
  • mit Charlotte Bühl-Gramer u. a. (Hrsg.): Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert. Eine geschichtsdidaktische Standortbestimmung. (= Beihefte zur Zeitschrift für Geschichtsdidaktik, Bd. 17), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8471-0891-7, Lizenzausgabe in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 10294, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2019.
  • mit Horst-Walter Blanke (Hrsg.): Historisierung der Historik. Jörn Rüsen zum 80. Geburtstag. (= Beiträge zur Geschichtskultur, Bd. 39), Böhlau, Köln / Wien 2018, ISBN 978-3-412-50407-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. kgd auf https://www.historicum.net
  2. Adolf H. - Lebensweg eines Diktators. EMYS-Preisträger September 2015 auf http://www.wis-potsdam.de
  3. Bilddokumentation zum Download auf der Webseite des Vereins für die Geschichte Berlins: http://www.diegeschichteberlins.de/
  4. Ein Zombie für die Mittelstufe in FAZ vom 25. November 2015, Seite 10