Hauptmenü öffnen

Framing-Effekt oder Framing (deutsch etwa: Einrahmungseffekt) bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt – das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen. Dieser Effekt lässt sich nicht mit der Theorie der rationalen Entscheidung erklären.[1]

HintergrundBearbeiten

Die Tatsache, dass die alleinige Veränderung der Formulierungsweise von Optionen deren Präferenzordnung beeinflussen kann, widerspricht laut Daniel Kahneman und Amos Tversky grundsätzlich dem Rationalitätskriterium der „Invarianz“. Demnach ist die Veränderung der Salienz, also der Zugänglichkeit eines Reizes, ein grundlegender Mechanismus bei Framing-Effekten. Mit dem Asian Disease Problem kann aufgezeigt werden, dass gleichwertige Optionen durch die veränderte Salienz einiger Aspekte in deren Beschreibung unterschiedlich wahrgenommen werden.

BeispieleBearbeiten

Bei Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge wird oft auf die schädlichen Folgen etwa von Rauchen, ungeschütztem Sex, Übergewicht usw. hingewiesen (vgl. Furchtappell). In diesem Fall spricht man von Verlust-Framing (engl. loss frame). Bei Präventionsmaßnahmen haben jedoch Botschaften mehr Erfolg, die in einen Gewinnrahmen eingebettet sind (engl. gain frame), also die positiven Folgen der gewünschten Verhaltensänderung hervorheben.[2][3][4][5] Will man jedoch erreichen, dass bereits vorhandene Krankheiten oder Risiken (Raucher, Übergewichtige) mehr beachtet werden, sind Botschaften im Verlust-Rahmen effizienter.

Auch bei Befragungen, etwa anhand von Fragebögen, kann dieser Effekt auftreten. Deshalb sollte der Formulierung einer Frage besondere Beachtung geschenkt werden, um die Ergebnisse der Befragung nicht zu verzerren.

Empirische AnalyseBearbeiten

Wann dieser Effekt auftritt und wie stark er ausgeprägt ist, ist aktuell Thema der wissenschaftlichen Debatte. Elisabeth Wehling geht zum Beispiel davon aus, dass dieser Effekt immer vorhanden ist.[6] Neuere Untersuchungen und Metastudien relativieren jedoch zum Teil die Erkenntnisse, auf die sich die Framing-Theorie stützt. Unter anderem beruft sich Wehling in ihrem Buch „Politisches Framing“ (2016) auf eine Studie, bei der Probandinnen und Probanden angewiesen wurden, sich an eine gute bzw. schlechte Tat zu erinnern und ihnen danach Handreinigungsprodukte angeboten wurden. In der ursprünglichen Studie griffen die Probandinnen und Probanden, die an eine schlechte Tat dachten, erheblich häufiger zu den Handreinigungsprodukten.[6][7] Eine Metastudie vom September 2018 zeigt jedoch, dass dieser Effekt in größeren Studien nur marginal ausfällt.[8]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • D. Kahneman, A. Tversky (Hrsg.): Choices, values and frames. Cambridge University Press, Cambridge 2000.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Volker Stocké: Framing und Rationalität. die Bedeutung der Informationsdarstellung für das Entscheidungsverhalten. Oldenbourg, 2002, ISBN 3-486-56646-6, S. 10 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Alexander J. Rothman et al.: The influence of message framing on intentions to perform health behaviors. In: Journal of Experimental Social Psychology. Band 29, 1993, S. 408–433.
  3. Alexander J. Rothman & Salovey: Shaping perceptions to motivate healthy behavior: The role of message framing. In: Psychological Bulletin. Band 121, S. 3–19.
  4. Lee W. Jones, Robert S. Sinclair, Kerry S. Courneya: The effects of source credibility and message framing on exercise intentions, behavior and attitudes: An integration of the Elaboration Likelihood Model and Prospect Theory. In: Journal of Applied Social Psychology. Band 33, Nr. 1, 2003, S. 179–196.
  5. Beth E. Meyerowitz, Shelly Chaiken: The effect of message framing on breast self-examination attitudes, intentions, and behavior. In: Journal of Personality and Social Psychology. Band 52, Nr. 3, 1987, S. 500–510.
  6. a b Elisabeth Wehling: Politisches Framing : wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht. 1. Auflage. Herbert von Halem Verlag, Köln 2016, ISBN 978-3-86962-208-8, S. 222.
  7. Chen-Bo Zhong, Katie Liljenquist: Washing Away Your Sins: Threatened Morality and Physical Cleansing. In: Science. Band 313, Nr. 5792, 8. September 2006, ISSN 0036-8075, S. 1451–1452, doi:10.1126/science.1130726, PMID 16960010 (sciencemag.org [abgerufen am 31. Oktober 2018]).
  8. Jedidiah Siev, Shelby E. Zuckerman, Joseph J. Siev: The Relationship Between Immorality and Cleansing. In: Social Psychology. Band 49, Nr. 5, September 2018, ISSN 1864-9335, S. 303–309, doi:10.1027/1864-9335/a000349 (hogrefe.com [abgerufen am 31. Oktober 2018]).