Üsküdar

Distrikt von Istanbul

Üsküdar, früher auch als Scutari (griechisch Σκουτάριον Skutàrion) bekannt, ist eine Stadtgemeinde (Belediye) im gleichnamigen Ilçe (Landkreis) der Provinz Istanbul in der türkischen Marmararegion und gleichzeitig ein Stadtbezirk der 1984 gebildeten Büyükşehir belediyesi İstanbul (Großstadtgemeinde/Metropolprovinz). Üsküdar liegt auf der asiatischen Seite der Großstadt und ist seit der Gebietsreform ab 2013 flächen- und einwohnermäßig identisch mit dem Landkreis.

Üsküdar
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Karte der Türkei, Position von Üsküdar hervorgehoben
Maiden tower.JPG
Mädchenturm etwa 180 Meter vor Üsküdar
Basisdaten
Provinz (il): İstanbul
Koordinaten: 41° 1′ N, 29° 1′ OKoordinaten: 41° 1′ 0″ N, 29° 1′ 0″ O
Höhe: 30 m
Fläche: 58 km²
Einwohner: 520.771[1] (2020)
Bevölkerungsdichte: 8.979 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+90) 212 (europäischer Teil)
(+90) 216 (asiatischer Teil)
Postleitzahl: 34 xxx
Kfz-Kennzeichen: 34
Struktur und Verwaltung (Stand: 2021)
Gliederung: 33 Mahalle
Bürgermeister: Hilmi Türkmen (AKP)
Postanschrift: Mimar Sinan Mah.
Çavuşdere Cad. No: 35
34672 Üsküdar / İstanbul
Website:
Landkreis Üsküdar
Einwohner: 520.771[1] (2020)
Fläche: 58 km²
Bevölkerungsdichte: 8.979 Einwohner je km²
Kaymakam: Murat Sefa Demiryürek
Website (Kaymakam):

GeographieBearbeiten

Üsküdar ist der westlichste Kreis/Stadtbezirk auf der asiatischen Seite und liegt direkt am Bosporus, der damit im Westen und Nordwesten eine natürliche Grenze darstellt. Im Nordosten grenzt er außerdem an Beykoz, im Osten Ümraniye und im Süden an Kadıköy. Der Kreis/Stadtbezirk liegt auf Platz 10 (von 14) der größten Stadtbezirke von Istanbul auf asiatischer Seite bzw. auf Platz 22 für alle 39 Stadtbezirke der Großstadt. Bevölkerungsmäßig ist es Platz 3 bzw. 8.

VerwaltungBearbeiten

1867 als Sanjak gebildet, 1924 eine Provinz (Vilâyet) wurde Üsküdar 1926 zu einem Kreis (Kaza) heruntergestuft und hatte zur ersten Volkszählung (1927) eine Bevölkerungszahl von 155.092 Einwohnern (in 51 Dörfern) auf 1.090 km² Fläche. Der Verwaltungssitz Usqudar bzw. Scutarie (damalige Schreibweise) vereinte 80 % der Bevölkerung bzw. 124.555 Einw. 1985 wurden offiziell die letzten sechs Dörfer in den (Volkszählungs-)Statistiken geführt, sie wechselten 1987 in den neugegründeten Kreis Ümraniye. Seither besteht der Kreis nur noch aus der Kreisstadt.[2]

Ende 2020 bestand der Kreis/Stadtbezirk aus 33 Mahalle (Stadtviertel/Ortsteile) mit einer Durchschnittsbevölkerung von 15.781 Einwohnern. Der Cumhurıyet Mah. war der bevölkerungsreichste (36.993), gefolgt von Bulgurlu (31.362) und Acıbadem (25.035 Einw.).[3][4]

BevölkerungBearbeiten

Die linke Tabelle zeigt die Ergebnisse der Volkszählungen, die E-Books der Originaldokumente entnommen wurden. Diese können nach Suchdateneingabe von der Bibliotheksseite des TÜIK heruntergeladen werden.[5]

Die rechte Tabelle zeigt die Bevölkerungsfortschreibung des Kreises/Stadtbezirks Üsküdar und seinen Rang innerhalb der 39 Kreise von Istanbul. Die Daten wurden durch Abfrage über das MEDAS-System des Türkischen Statistikinstituts TÜIK nach Auswahl des Jahres und der Region ermittelt.[6]

Volkszählung
Jahr Kreis
bevölkerung
städt.
Bevölkerung
ländl. Anteil
(in %)
1927 145.423 124.356 16,94
1935 057.071 054.848 4,05
1940 054.969 052.859 3,99
1945 063.795 060.722 5,06
1950 072.425 069.477 4,24
1955 098.228 088.087 11,51
1960 111.821 101.814 9,83
1965 135.056 115.336 17,10
1970 171267 143.527 19,33
1975 254895 202957 25,59
1980 366.186 261.141 40,23
1985 490.185 467.212 4,92
1990 395.623 395.623 keine
2000 495.118 495.118
Bevölkerungsfortschreibung
Jahr Kreis
bevölkerung
2007 582.666
2008 524.889
2009 524.379
2010 526.947
2011 532.182
2012 535.916
2013 534.636
2014 534.970
2015 540.617
2016 535.537
2017 533.570
2018 529.145
2019 531.825
2020 520.771

GeschichteBearbeiten

 
Straßenszene im osmanischen Scutari (1890er-Jahre)
 
Istanbul vor etwa 550 Jahren, rechts Skutari (Chrysopolis)

Der Ort ist wohl im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet worden. In der Antike hieß der Ort Chrysopolis (griech. Χρυσόπολις, „goldene Stadt“), später dann Escutari, Skutarion oder Scutari, wovon sich der heutige Name Üsküdar ableitet. Chrysopolis war ein antiker Ort am Ostufer des Bosporus gegenüber von Konstantinopel. Sein Hafen besaß in der Antike wie in der byzantinischen und osmanischen Zeit große Bedeutung als einer der wichtigsten Übergänge zwischen Kleinasien und Europa.

Obwohl er von Kaiser Justinian I. „die größte Stadt des Abendlandes“ genannt wurde, war er jedoch trotz dieser Bezeichnung nie Polis, sondern ein Teil der Stadt Chalkedon. Die Bedeutung des Namens Chrysopolis war schon im Altertum nicht mehr sicher erklärbar. Einige Quellen meinen, er gehe darauf zurück, dass die Perser hier eine Sammelstelle für Goldabgaben der griechischen Städte gehabt hätten. Häufiger aber ist die Erklärung, dass hier Chrysos begraben war.

Am 18. September 324 siegte hier Kaiser Konstantin der Große mit seiner Flotte über Licinius in der Schlacht von Chrysopolis.

Das Kloster Chrysopolis ist dadurch bekannt, dass 613/14[7] bzw. 630[8] der ehemalige kaiserliche Sekretär Maximus der Bekenner dort eintrat und zum Abt gewählt worden ist. Er blieb dort, bis er 626 bzw. 640 vor den Persern nach Nordafrika fliehen musste.

Der byzantinische Kaiser Michael III. (842–867) wurde in Chrysopolis bestattet, dann aber von Leon VI. nach Konstantinopel übertragen.

1003 verbannte der Patriarch Sergios II. Symeon, den Jüngern bzw. den (neuen) Theologen, nach Chrysopolis, wo er sich beim Dorf Palutikon in einem verfallenen Oratorium, das der hl. Maria geweiht war, niederließ. Auch nach der Rehabilitation blieb er und baute dort ein neues Kloster.

Die türkische 1. Armee hat ihr Hauptquartier in der Selimiye-Kaserne (Selimiye Kışlası) in Üsküdar. Auch befindet sich hier das historische armenische Gymnasium Surp Haç Ermeni Lisesi.

Seit den 1850er Jahren besteht der Englische Friedhof Haydarpaşa.

Üsküdar als asiatischer Stadtteil von IstanbulBearbeiten

Heute ist Üsküdar eine weitläufige Wohnstadt. Das Stadtbild mit alten Bauten ist gut erhalten. Darunter alte Moscheen, Medresen, islamische Bauten von Scheichs und Tarikats, welche noch benutzt werden. Von einem Hügel des Stadtteils, dem Çamlıca-Hügel (türk. Çamlıca Tepesi), der weithin an den darauf stehenden Antennenanlagen zu erkennen ist, hat man die schönste Aussicht über die ganze Stadt. Das Wahrzeichen Üsküdars ist der im Bosporus gelegene Leanderturm (türk.: Kız Kulesi), ein ehemaliger Leuchtturm, in dem sich heute ein Restaurant und ein Café befinden.

Im Militärkrankenhaus Scutari wirkte Florence Nightingale während des Krimkrieges und begründete ihren Ruf als „Lady mit der Lampe“.

Im Viertel Harem, der an Selimiye angrenzt, befindet sich der zweite Busbahnhof Istanbuls. Von hier fahren zumeist moderne Busse in fast alle Städte des anatolischen Teils der Türkei ab.

Bekannte Mahalle von Üsküdar sind u. a.Selimiye, Kuzguncuk, Beylerbeyi, Çengelköy (mit dem Vahdettin-Pavillon), Vaniköy und Kandilli (mit dem Adile-Sultan-Palast).

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Üsküdar Nüfusu, İstanbul, abgerufen am 16. Juni 2021
  2. Tarihçe – Geschichte
  3. Mahallelerimiz – Mahalle
  4. Mahallelere göre İstanbul Üsküdar nüfusu, abgerufen am 10. Juli 2021
  5. Bücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK
  6. Merkezi Dağıtım Sistem
  7. (BBKL)
  8. (Stadlers Heiligenlexikon)
  9. Liste berühmter Persönlichkeiten aus Üsküdar. Abgerufen am 6. Dezember 2020 (türkisch).

WeblinksBearbeiten

Commons: Üsküdar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien