Martin Harnik

deutsch-österreichischer Fußballspieler

Martin Harnik (* 10. Juni 1987 in Hamburg) ist ein österreichisch-deutscher Fußballspieler. In Hamburg aufgewachsen, schaffte er bei Werder Bremen über die zweite Mannschaft in der Regionalliga Nord und 3. Liga den Sprung in die Bundesliga. Für die Bremer, den VfB Stuttgart und Hannover 96 absolvierte der Angreifer zwischen 2007 und 2019 in 11 Spielzeiten 240 Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse, in denen er 66 Tore erzielte. Dazu kamen in den Spielzeiten 2009/10, 2016/17 und 2019/20 83 Spiele und 33 Tore für Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 und den Hamburger SV in der 2. Bundesliga. Seit Anfang Oktober 2020 lässt er seine Karriere in der Oberliga Hamburg beim TuS Dassendorf ausklingen. Für die österreichische Nationalmannschaft bestritt der Sohn einer deutschen Mutter und eines österreichischen Vaters 68 Länderspiele und nahm mit ihr an zwei Europameisterschaften teil.

Martin Harnik
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Martin Harnik (2016)
Personalia
Geburtstag 10. Juni 1987
Geburtsort HamburgDeutschland
Größe 185 cm
Position Sturm
Junioren
Jahre Station
1992–2005 SC Vier- und Marschlande
2006 Werder Bremen
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
2005 SC Vier- und Marschlande 10 (14)
2006–2009 Werder Bremen II 48 (13)
2007–2009 Werder Bremen 17 0(1)
2009–2010 → Fortuna Düsseldorf (Leihe) 30 (13)
2010–2016 VfB Stuttgart 173 (53)
2016–2018 Hannover 96 60 (26)
2018–2019 Werder Bremen 20 0(4)
2019–2020 → Hamburger SV (Leihe) 23 0(3)
2020– TuS Dassendorf 0 0(0)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)2
2006–2007 Österreich U19 11 0(2)
2007 Österreich U20 7 0(0)
2006 Österreich U21 3 0(1)
2007–2017 Österreich 68 (15)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
Stand: 5. Oktober 2020

2 Stand: Karriereende

HintergrundBearbeiten

Harnik ist der Sohn einer Hamburgerin und eines Österreichers aus der Steiermark. Er wuchs mit seinen zwei älteren Brüdern im Hamburger Stadtteil Kirchwerder im Bezirk Bergedorf auf.[1] Der gelernte Versicherungskaufmann ist verheiratet.[2]

KarriereBearbeiten

VereinBearbeiten

Jugend in HamburgBearbeiten

Harnik begann 1992 in Hamburg beim TSV Kirchwerder mit dem Fußballspielen. Der Verein schloss sich 1999 mit dem SV Ochsenwerder-Moorfleet zum SC Vier- und Marschlande zusammen. Ab 2003 spielte er dort in einer Mannschaft mit dem späteren deutschen Nationalspieler Max Kruse.

Werder BremenBearbeiten
 
Martin Harnik bei Werder Bremen (2009)

In der Winterpause der Saison 2005/06 schlossen sich sowohl Harnik als auch Kruse, beide in der A-Jugend (U19) des SC Vier- und Marschlande, Werder Bremen an.[3] Während Kruse beim SV Werder zunächst in der A-Junioren-Bundesliga spielte, kam der rund ein Dreivierteljahr ältere Harnik – neben einem Einsatz in der U19 – bereits in der zweiten Mannschaft in der damals drittklassigen Regionalliga Nord zum Einsatz, absolvierte in der Rückrunde noch 13 Spiele und schaffte mit seinem neuen Team knapp den Klassenerhalt. Der gelernte Stürmer trainierte bereits in der Winterpause der Saison 2006/07 bei den Profis, ehe er sich einen Mittelfußbruch zuzog, der ihn für den Großteil der Rückrunde außer Gefecht setzte. Zur Saison 2007/08 unterschrieb er bei Werder Bremen einen Profivertrag bis 2010.

Sein Pflichtspieldebüt gab Harnik am 15. August 2007, als er in der Qualifikation zur Champions League gegen Dinamo Zagreb eingewechselt wurde. In der Bundesliga spielte er erstmals am 25. August 2007. Er wurde gegen den 1. FC Nürnberg in der 61. Minute eingewechselt und erzielte sein erstes Bundesligator in der 69. Minute. Der Nachwuchs-Stürmer kam in Bremen auch als Außenverteidiger immer wieder zu Kurzeinsätzen und wurde im Vorfeld der Saison 2009/10 gezielt zum rechten Außenverteidiger umgeschult.

Fortuna DüsseldorfBearbeiten

Am 30. August 2009 wurde er von Fortuna Düsseldorf, das damals gerade in die Zweite Liga aufgestiegen war, ausgeliehen.[4] Bei der Fortuna spielte er wieder im Sturm und erhöhte seine Torquote; am Ende der Saison hatte Harnik 13 Treffer auf dem Konto.

VfB StuttgartBearbeiten
 
Martin Harnik im Trikot des VfB Stuttgart (2010)

Zur Saison 2010/11 wechselte er zum VfB Stuttgart.[5] Am 29. Juli 2010 erzielte er bei seinem Pflichtspieldebüt für den VfB im Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde der Europa League gegen Molde FK den Siegtreffer zum 3:2-Auswärtssieg.

Beim VfB spielte er in der Hinrunde der Bundesliga-Saison 2010/11 (inklusive der Pokalwettbewerbe) nur fünfmal in der Anfangsformation, wobei er zwei Tore erzielte. Als Einwechselspieler hingegen kam er insgesamt zu 14 Einsätzen und erzielte dabei fünf Tore, drei Tore (Hattrick) allein beim 3:1 n. V. in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim Chemnitzer FC. In der Rückrunde stieg Harnik zum Stammspieler bei den Schwaben auf. Insgesamt beendete er die Saison mit 15 Pflichtspieltreffern und elf Torvorlagen, davon allein sechs in den letzten vier Bundesligaspielen. Beim Wintertrainingslager im türkischen Belek wurde er Anfang 2012 in den Mannschaftsrat des VfB gewählt. Am 11. Februar 2012 erzielte er beim 5:0-Sieg im Heimspiel gegen Hertha BSC erstmals drei Tore in einem Punktspiel. Mit dem VfB musste er am Saisonende 2015/16 den Abstieg in die Zweite Liga hinnehmen; sein Vertrag endete am 30. Juni 2016.[6]

Hannover 96Bearbeiten

Als sein Vertrag beim VfB Stuttgart ausgelaufen war, scheiterte zunächst ein Engagement Harniks beim von Felix Magath trainierten chinesischen Erstligisten Shandong Luneng Taishan.[7] Zur Saison 2016/17 schloss er sich schließlich dem ebenfalls in die 2. Bundesliga abgestiegenen Klub Hannover 96 an.[8] Am direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga war Harnik mit 17 Toren in 30 Einsätzen beteiligt. Im DFB-Pokal erzielte er vier Tore. In der Spielzeit 2017/18 erzielte er in wiederum 30 Spielen neun Treffer.

Über Werder zum HSV und KarriereausklangBearbeiten

Zur Saison 2018/19 kehrte Harnik zu Werder Bremen zurück.[9] In seiner ersten Saison nach seiner Rückkehr kam er zu 18 Bundesligaeinsätzen, in denen er vier Tore erzielte.

Anfang September 2019 kehrte Harnik in seine Geburtsstadt Hamburg zurück und schloss sich bis zum Ende der Saison 2019/20 auf Leihbasis dem Zweitligisten Hamburger SV an.[10][11] Beim HSV konnte er sich unter Dieter Hecking nicht als Stammspieler etablieren und fiel immer wieder durch kleinere Verletzungen aus. Er absolvierte 23 Zweitligaspiele (17-mal von Beginn), in denen er 3 Tore erzielte. Laut dem Werder-Sportgeschäftsführer Frank Baumann hätte bei einem Aufstieg des HSV eine Kaufverpflichtung gegriffen. Da dieser allerdings die Saison auf dem 4. Platz beendet hatte, endete sein Leih-Engagement am Saisonende.[12]

Zum Beginn der Sommervorbereitung 2020 wurde der Stürmer von Werder Bremen freigestellt, womit er nicht mehr in den Kader von Florian Kohfeldt zurückkehrte.[13] Sein noch eine Saison gültiger Vertrag wurde Anfang Oktober 2020 aufgelöst.[14] Daraufhin schloss sich der 33-Jährige in der Oberliga Hamburg dem TuS Dassendorf an, um seine Karriere ausklingen zu lassen.[15]

NationalmannschaftBearbeiten

 
Harnik in einer Spielszene im Länderspiel gegen Griechenland 2013

Weil seine Mutter Deutsche und sein Vater Österreicher ist, konnte Harnik sich aussuchen, ob er für die deutschen oder für die österreichischen Auswahlmannschaften spielen wollte. Auf eine Empfehlung von Austria Wien wurde er zur österreichischen Juniorennationalmannschaft eingeladen und landete damit auch auf dem Notizzettel von größeren Clubs sowie der deutschen Juniorennationalmannschaft.

Bei seinem ersten Einsatz für die A-Nationalmannschaft am 22. August 2007 gegen Tschechien wurde er in der 72. Spielminute eingewechselt; er erzielte in der 78. Spielminute mit seinem zweiten Ballkontakt den Ausgleichstreffer zum 1:1. Josef Hickersberger nominierte Harnik für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz, bei der er in den Vorrundenspielen auf die deutsche Mannschaft, Polen und Kroatien traf. Er kam in allen drei Partien zum Einsatz und schied mit der Alpenrepublik nach der Gruppenphase aus. Im WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer verletzte er sich am Knöchel; wegen eines Knochenödems konnte er bis zum Ende des Jahres 2008 weder für seinen Verein noch für die Nationalmannschaft spielen. Insgesamt kam er in der Qualifikation für die Weltmeisterschaftsendrunde 2010 in Südafrika zu drei Einsätzen und verpasste als Gruppendritter die Teilnahme an der WM. In der darauffolgenden Vorausscheidung zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine war Harnik unter Dietmar Constantini mit acht Einsätzen Stammspieler. Dabei kam er zu vier Toren, konnte allerdings das Scheitern in der Qualifikation als Tabellenfünfter nicht verhindern.

Im November 2011 übernahm Marcel Koller das Amt des Teamchefs der österreichischen Nationalmannschaft; in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien spielte Martin Harnik neunmal und erzielte drei Tore. Zwar wurde die Teilnahme an der Endrunde in Brasilien verpasst, doch bis zum vorletzten Spiel in Solna gegen Schweden war die Qualifikation für die Relegationsspiele möglich. Dabei gingen die Österreicher durch ein Tor von Harnik in Führung, verloren allerdings am Ende mit 1:2 und beendeten die Qualifikation letztendlich auf dem dritten Platz. Noch erfolgreicher verlief die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich, als Harnik mit drei Toren in zehn Partien zum Gruppensieg und somit zur erstmaligen sportlichen Qualifikation zu einer Europameisterschaftsendrunde beitrug. Teamchef Koller berief ihn im Sommer 2016 für den österreichischen Kader[16] und bot ihn in den ersten zwei Spielen gegen Ungarn und Portugal in der Startelf auf, im entscheidenden Spiel gegen Island kam Martin Harnik nicht zum Einsatz. Als Gruppenletzter mit einem Punkt schieden die Österreicher aus dem Turnier aus.

In der Vorausscheidung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 spielte er noch sechsmal und erzielte dabei ein Tor; als Gruppenvierter wurde die Teilnahme verpasst. Im November 2017 trat Harnik aus dem Nationalteam zurück.[17]

Titel und ErfolgeBearbeiten

VereineBearbeiten

NationalmannschaftBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

SonstigesBearbeiten

Bereits als Aktiver stieg Harnik als Gesellschafter bei Party Helden, einer Firma für Partyzubehör, ein; das Unternehmen betreibt fünf Filialen in Hamburg sowie eine in Kiel. Darüber hinaus ist er gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitspieler Daniel Ginczek Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts.[19]

WeblinksBearbeiten

Commons: Martin Harnik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Simon Braasch: Erst HSV-Profi, dann Amateurliga Martin Harnik bleibt für immer Hamburger! In: Hamburger Morgenpost. Morgenpost Verlag GmbH, 25. November 2019, abgerufen am 26. Dezember 2019.
  2. Dirk Schulz: Mit der Heimat im Herzen. Bergedorfer Zeitung, 5. Juli 2012, abgerufen am 12. Oktober 2013.
  3. Harnik und Kruse: Die Zauberer vom Zollenspieker, deichstube.de, 20. Juni 2018, abgerufen am 2. September 2019
  4. Martin Harnik kommt zu Fortuna Düsseldorf. Fortuna Düsseldorf, 30. August 2009, archiviert vom Original am 2. September 2009; abgerufen am 23. September 2019.
  5. Verstärkungen für den VfB (Memento vom 2. März 2014 im Internet Archive)
  6. Kleine Zeitung GmbH & Co KG: Verein verlängert Vertrag nicht - Stuttgart wirft Harnik hinaus. In: Kleine Zeitung. Abgerufen am 21. Juni 2016.
  7. Kicker online: Harnik doch nicht zu Magath
  8. Hannover 96: 96 lotst Harnik an die Leine, 18. Juli 2016, abgerufen am 18. Juli 2016.
  9. Werder Bremen: Harnik kehrt zum SV Werder zurück, 25. Mai 2018, abgerufen am 25. Mai 2018.
  10. HSV leiht Martin Harnik aus, hsv.de, 2. September 2019, abgerufen am 2. September 2019.
  11. Martin Harnik wechselt auf Leihbasis zum HSV , werder.de, 2. September 2019, abgerufen am 2. September 2019.
  12. Harnik muss vom HSV zurück zu Werder, aber wie lange?, deichstube.de, 29. Juni 2020, abgerufen am 29. Juni 2020.
  13. Kein Platz mehr für Martin Harnik im Training – Weder-Angreifer darf ablösefrei wechseln, deichstube.de, abgerufen am 4. August 2020
  14. Werder Bremen und Martin Harnik gehen getrennte Wege werder.de, am 4. Oktober 2020, abgerufen am 4. Oktober 2020
  15. Harnik: „Habe Dassendorf gesucht und gefunden“, amateur-fussball-hamburg.de, 5. Oktober 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  16. Trainer Marcel Koller setzt auf „Altbewährtes“ – Österreich mit der vollen Ladung Bundesliga (abgerufen am 14. Mai 2016)
  17. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Martin Harnik beendet Karriere im Nationalteam. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 22. März 2018]).
  18. Ehrung zu Niedersachsens „Fussballer des Jahres“
  19. Harniks Kampf an allen Fronten, kicker Sportmagazin, Ausgabe 36/2020, S. 41, abgerufen am 2. Mai 2020