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Ilhan Omar

somalisch-amerikanische Politikerin
Ilhan Omar (2018)

Ilhan Abdullahi Omar (* 4. Oktober 1982[1] in Mogadischu, Somalia) ist eine US-amerikanische Aktivistin und Politikerin der Demokratischen Partei. Sie gehört seit Januar 2019 für den 5. Kongresswahlbezirk von Minnesota dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten an.

Familie, Ausbildung und BerufBearbeiten

Omar wurde in Somalia als jüngstes von acht Kindern geboren. Mit ihr als Achtjährige floh ihre Familie vor dem Somalischen Bürgerkrieg und lebte zunächst im ostafrikanischen Kenia in einem Flüchtlingscamp. 1995 wanderte sie in die USA ein und wurde im Alter von 17 Jahren amerikanische Staatsbürgerin.[2] Sie besuchte die Edison High School in Minneapolis und absolvierte 2011 ein Studium (Political Science and International Studies) an der North Dakota State University. Seit 2015 war sie Direktorin für Policy & Initiatives des Women Organizing Women Network.

Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.

Politische LaufbahnBearbeiten

Im September 2017 bildete das Time Magazine Omar auf der Titelseite ab und listete sie unter „Firsts: Women who are changing the world“ als eine von 46 Frauen, die in ihrer jeweiligen Disziplin Grenzen überwunden hatten.[3]

Omar war bei der Wahl zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2018 Kandidatin ihrer Partei für den 5. Kongresswahlbezirk von Minnesota. Seit ihrem Wahlsieg ist sie die erste US-Amerikanerin aus Somalia und die erste Muslimin (zusammen mit Rashida Tlaib), die in den Kongress gewählt wurde.[2] Um ihr im Repräsentantenhaus das Tragen eines Kopftuchs zu ermöglichen, hatten die Demokraten im November 2018 mit Erfolg den Antrag gestellt, das dort geltende Verbot religiöser Kopfbedeckungen aufzuheben.[4]

Omar wurde Antisemitismus vorgeworfen. Sie hatte Israel mehrfach als „Apartheid-Staat“ bezeichnet und außerdem behauptet, es habe „die Welt hypnotisiert“.[5][6] Die gegen sie gerichteten Vorwürfe wies sie stets zurück.[7] Im August 2018 sprach sie sich gegen die Bewegung Boycott, Divestment and Sanctions aus und befürwortete die Zwei-Staaten-Lösung,[8] bekannte sich aber nach ihrer erfolgreichen Wahl im November als Unterstützerin der BDS-Kampagne.[9]

Im Februar 2019 machte Omar auf Twitter zwei Anmerkungen, die als Vorwurf gegenüber Kevin McCarthy (R) und anderen Kongressabgeordneten interpretiert wurden, sie würden von Lobby-Organisationen wie dem American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) bezahlt. McCarthy hatte sie vorher mit dem republikanischen Kongress-Abgeordneten Steve King (R) verglichen,[10] der sich als Nationalist bezeichnet und für extreme, konservative politische Positionen bekannt ist.[11] Nancy Pelosi (D) verurteilte Omars Äußerungen in einer Erklärung, die von führenden Demokraten wie Steny Hoyer, Jim Clyburn, Ben Ray Luján, Hakeem Jeffries und Katherine Clark mitgetragen wurde.[12]

Donald Trump forderte daraufhin den Ausschluss Omars aus dem Ausschuss für internationale Beziehungen und ihren Rücktritt als Abgeordnete.[13]

Omar erklärte ihrerseits, dass es niemals ihre Absicht gewesen sei, die amerikanischen Juden in ihrer Gesamtheit zu beleidigen.[14] Sie betonte jedoch den politischen Einfluss von Lobby-Organisationen und verglich AIPAC mit der National Rifle Association und der Erdöl-, Gas- und Kohleindustrie.[15] Bei den Wahlen des Jahres 2018 hatten pro-israelische Lobbyorganisationen (darunter AIPAC) und Spender (wie Sheldon Adelson) mehr als 22 Millionen US-Dollar für Lobbytätigkeit und Wahlspenden ausgegeben. Führende Vertreter der Demokratischen Partei, die Omar kritisierten und eine Entschuldigung verlangen, hatten große Summen von pro-israelischen Lobbyorganisationen erhalten, darunter Pelosi 514.000 US-Dollar im Laufe ihrer bisherigen Karriere und Hoyer 1,02 Millionen US-Dollar.[15]

Im August 2018 äußerte Omar in einem Interview mit Al Jazeera die Meinung, dass Amerikaner „mehr Angst vor weißen Männern“ als vor islamistischen Terroristen haben sollten. Sie forderte, weiße Männer zum Gegenstand von „Profiling“ und „Überwachung“ zu machen, um ihrer angeblichen „Radikalisierung“ vorzubeugen.[16]

Im Juli 2019 beleidigte Donald Trump vier nicht-weiße Abgeordnete der Demokratischen Partei, die als The Squad bekannt sind, ohne sie mit Namen zu nennen. Sie alle hatten seine Politik als „rassistisch“ kritisiert. Trump teilte per Kurznachrichtendienst mit, sie sollten „in ihre Länder mit korrupten Regierungen zurückgehen“ und helfen, diese aufzubauen. Beobachter gehen davon aus, dass insbesondere Omar gemeint war, die mit 17 Jahren US-Staatsbürgerin wurde; die anderen wurden alle in den USA geboren.[17]

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Omar, Ilhan - Legislator Record - Minnesota Legislators Past & Present. Abgerufen am 17. August 2019.
  2. a b Jung, muslimisch, Ureinwohnerin. In: tagesschau.de. 7. November 2018, abgerufen am 7. November 2018.
  3. Jaime Delage: Minneapolis Rep. Ilhan Omar featured on Time Magazine cover. In: Twin Cities Pioneer Press, 15. August 2019. Abgerufen im 8. September 8 2017. 
  4. Ilhan Omar schreibt Geschichte: Als erste Frau im US-Kongress trägt sie Kopftuch
  5. Muslim Candidate for Congress Calls Israel ‘Apartheid Regime’
  6. No, BDS Is Not Anti-Semitic, And Neither Is Ilhan Omar.
  7. Hands Off Ilhan Omar: Angela Davis & Black Women Leaders Defend Congresswoman from Attacks. 1. Mai 2019, abgerufen am 4. Mai 2019.
  8. At CD-5 Forum, DFL Frontrunners Back 2-State Solution, Oppose BDS
  9. With Election Now Over, Ilhan Omar Voices BDS Support – TC Jewfolk. In: tcjewfolk.com. 15. November 2018, abgerufen am 15. August 2019 (englisch).
  10. The controversy over Ilhan Omar and AIPAC money, explained
  11. Steve King asks how terms 'white nationalist' and 'white supremacist' became offensive
  12. Democratic Leadership Statement on Anti-Semitic Comments of Congresswoman Ilhan Omar
  13. Trump on Rep. Ilhan Omar's Anti-Semitic Comments: 'I Think She Should Resign from Congress'
  14. Benjamin Siegel: Rep. Ilhan Omar apologizes after Democratic leaders condemn 'anti-Semitic comments' on Twitter. In: ABC. 11. Februar 2019, abgerufen am 11. Februar 2019 (englisch).
  15. a b Tom Perkins: Pro-Israel donors spent over $22m on lobbying and contributions in 2018 The Guardian, 15. Februar 2019.
  16. Mark Moore: Rep. Ilhan Omar suggests people should be ‘more fearful of white men’ than jihadists in 2018 interview. In: New York Post. 25. Juli 2019, abgerufen am 27. Juli 2019 (englisch).
  17. Trump’s Racism Hit A New Level As He Told Four Congresswomen To “Go Back” To Their “Broken” Countries. Abgerufen am 15. Juli 2019 (englisch).