Wahlen zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2022

Wahl
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Wahlen zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2022
Das Siegel des US-Repräsentantenhauses
435 Abgeordnete
zudem 6 nicht-stimmberechtigte Abgeordnete
8. November 2022

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Republikanische Partei
vorher 213  
Veränderung Increase2.svg  + 8  
nachher 221  
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Demokratische Partei
vorher 222  
Veränderung Decrease2.svg  - 9  
nachher 213  

Mehrheit
Vor den Wahlen
Nach den Wahlen
Demokratische Partei
Republikanische Partei
Mehrheitsführer
Official photo of Speaker Nancy Pelosi in 2019.jpg
Noch nicht entschieden

Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2022 am 8. November 2022 wurde über die Zusammensetzung der unteren Kammer des Kongresses der Vereinigten Staaten entschieden.[1] Die US-Wahlen 2022 fanden in der Mitte von Joe Bidens erster Amtszeit statt, man spricht deshalb auch von einer Midterm election, also einer Halbzeitwahl. Dabei standen alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses zur Wahl. Die Abgeordneten wurden per Direktwahl in ihrem Kongresswahlbezirk für zwei Jahre, also für den 118. Kongress der Vereinigten Staaten, gewählt. Diese Wahlen waren die ersten, bei denen die Sitzverteilung nach Staaten gemäß der Volkszählung 2020 verwendet wurde. Deshalb wurden die Wahlbezirke soweit nötig neu zugeschnitten.[2]

Sitzverteilung im 118. Kongress (Associated Press – 3. Dezember)
   
Insgesamt 435 Sitze
  • Dem.: 213
  • Noch offen: 1
  • Rep.: 221
  • Von Demokraten gehalten
  • Von Demokraten hinzugewonnen
  • Von Republikanern gehalten
  • Von Republikanern hinzugewonnen
  • Ergebnis noch nicht bekannt
  • Demokratischer Amtsinhaber tritt erneut an
  • Demokratischer Amtsinhaber tritt nicht erneut an
  • Republikanischer Amtsinhaber tritt erneut an
  • Republikanischer Amtsinhaber tritt nicht erneut an
  • Neue Wahlbezirke; kein Amtsinhaber
  • Demokratischer und Republikanischer Amtsinhaber kandidieren gegeneinander.
  • Am 16. November 2022 erreichten die Republikaner nach Auszählung der meisten Stimmen bzw. Wahlbezirke eine Mehrheit im Repräsentantenhaus.[3]

    AusgangslageBearbeiten

    Die Demokraten hatten seit den Wahlen zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2018 eine Mehrheit im Repräsentantenhaus. 2020 gewannen die Republikaner zwar 12 Sitze von den Demokraten zurück, doch die Demokraten besaßen mit Stand Oktober 2022 noch eine Mehrheit von 220 zu 212 Sitzen (zwei demokratische und ein republikanischer Sitz waren bis zur Hauptwahl im November unbesetzt).

    Im Vorfeld der Wahlen gab es bereits 14 Sonderwahlen, die aufgrund von Todesfällen oder Rücktritten von Amtsinhabern notwendig wurden. Dabei kam es meist zu keinen Verschiebungen bei den Parteistärken, da die Partei der Amtsinhaber jeweils die Nachwahl gewinnen konnte. Bei einer Sonderwahl in Texas Mitte Juni 2022 konnte sich jedoch die Republikanerin Mayra Flores in einem bisher von den Demokraten gehaltenen Wahlbezirk durchsetzen. Bei einer weiteren Sonderwahl in Nebraska am 28. Juni 2022 konnte die Demokratin Patty Pansing Brooks einen Achtungserfolg einfahren: zwar konnte sie den stark republikanischen Bezirk am Ende nicht gewinnen, der Republikaner Mike Flood gewann die Sonderwahl aber mit nur 5 Prozent Vorsprung – üblicherweise waren im letzten Jahrzehnt in diesem Wahlbezirk Vorsprünge von mehr als 20 oder sogar 30 Prozent. Das gute Abschneiden der Demokratin wurde auch in Zusammenhang mit dem Gerichtsurteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten zur Einschränkung des Abtreibungsrechts in den USA gebracht. Welche Auswirkungen das Urteil auf die Wahlen im November haben würde, war laut Experten aber noch unklar. Bis zur Wahl im November wurden noch vier weitere Sonderwahlen im August abgehalten. Unter diesen war auch die Wahl im Bundesstaat Alaska, bei der der Kongressbezirk den gesamten Bundesstaat beinhaltet („at-large district“) und bei der die ehemalige Kandidatin zur US-Vizepräsidentin 2008, Sarah Palin, antrat. Palin wurde gleich nach Ankündigung ihrer Kandidatur vom ehemaligen republikanischen Präsidenten Donald Trump unterstützt. Die Nachwahl, die auf Bundesstaaten-Ebene abgehalten wurde, galt daher als Indikator für Trumps Macht innerhalb der republikanischen Partei, sowie für die Hauptwahl im November – ebenso wie die Sonderwahl zum 19. Kongressbezirk von New York am 23. August 2022, der von den Demokraten gehalten wurde, aber Umfragen zufolge zu den Republikanern tendiert hatte. Die beiden weiteren Sitze in Minnesota und New York, in denen Sonderwahlen abgehalten wurden, wurden von den Republikanern gehalten und galten eigentlich als ungefährdet für einen Parteiwechsel. Die Sonderwahl in Alaska konnte überraschend die Demokratin Mary Peltola mit 51,5 Prozent gegen Sarah Palin mit 48,5 Prozent der Stimmen gewinnen. Die Sonderwahl in NY-19 konnte der Demokrat Pat Ryan gewinnen, obwohl der Republikaner Marc Molinaro in allen Umfragen vorne lag. Dementsprechend war auch dieses Ergebnis politischen Experten zufolge überraschend, obwohl der Sitz schon zuvor von den Demokraten gehalten wurde. Die weiteren Sonderwahlen in MN-01 und NY-23 brachten keine Parteiwechsel, allerdings waren die Ergebnisse in diesen stark republikanischen Bezirken sehr knapp. Die republikanischen Kandidaten konnten nur mit 4 bzw. 6 Prozent Vorsprung gewinnen, statt den üblichen 15 Prozent Vorsprung.

    Drei Sitze im Repräsentantenhaus blieben bis zur Hauptwahl am 8. November unbesetzt („vacant“): der Sitz der Republikanerin Jackie Walorski aus Indiana, die im August bei einem Autounfall starb, der Sitz des Demokraten Charlie Crist aus Florida, der mit Ende August zurückgetreten ist, um sich auf seine Kandidatur zum Gouverneur von Florida zu konzentrieren und der Sitz des Demokraten Ted Deutch aus Florida, der CEO des American Jewish Committee wurde.

    Da bei Halbzeitwahlen für gewöhnlich die Partei des amtierenden Präsidenten verliert, rechneten viele Beobachter mit einer demokratischen Niederlage.[4] Aufgrund des Urteils des Obersten Gerichtshofs zu Schwangerschaftsabbrüchen hatten sich die Umfragen mit Stand Ende August aber zugunsten der Demokraten geändert, deren Wähler durch das Urteil motivierter waren. Lagen die Republikaner in den Umfragen zum Repräsentantenhaus im Frühjahr noch 5 Prozent vorne, war das Rennen im Sommer weitgehend ausgeglichen. Seit Mitte Oktober konnten die Republikaner allerdings wieder zulegen und lagen in Umfragen wieder 3–5 Prozent vor den Demokraten. Politische Experten führten dies auf die hohe Inflation bzw. Lebenshaltungskosten und die Unzufriedenheit mit Präsident Biden zurück, die vor den Wahlen die Abtreibungsthematik erneut überlagerte.

    Nicht erneut kandidierende AbgeordneteBearbeiten

    Folgende Abgeordnete verzichteten auf eine erneute Kandidatur:

    Demokraten

    1. Arizona-2: Ann Kirkpatrick
    2. Colorado-7: Ed Perlmutter
    3. Florida-7: Stephanie Murphy
    4. Florida-10: Val Demings – kandidiert für den US-Senat
    5. Florida-13: Charlie Crist – kandidiert für das Gouverneursamt in Florida
    6. Florida-22: Ted Deutch
    7. Hawaii-2: Kai Kahele – kandidiert für das Gouverneursamt von Hawaii
    8. Illinois-1: Bobby L. Rush
    9. Illinois-17: Cheri Bustos
    10. Kalifornien-9: Jerry McNerney
    11. Kalifornien-14: Jackie Speier
    12. Kalifornien-37: Karen Bass – kandidiert für das Amt des Bürgermeisters von Los Angeles
    13. Kalifornien-40: Lucille Roybal-Allard
    14. Kalifornien-47: Alan Lowenthal
    15. Kentucky-3: John Yarmuth
    16. Maryland-4: Anthony G. Brown – kandidiert für das Amt des Justizministers von Maryland
    17. Michigan-14: Brenda Lawrence
    18. New Jersey-8: Albio Sires
    19. New York-3: Thomas Suozzi – kandidiert für das Gouverneursamt von New York
    20. New York-4: Kathleen Rice
    21. New York-19: Antonio Delgado – kandidiert für das Vize-Gouverneursamt von New York
    22. North Carolina-1: G. K. Butterfield
    23. North Carolina-4: David Price
    24. Ohio-13: Tim Ryan – kandidiert für den US-Senat
    25. Oregon-4: Peter DeFazio
    26. Pennsylvania-17: Conor Lamb – kandidiert für den US-Senat
    27. Pennsylvania-18: Mike Doyle
    28. Rhode Island-2: James Langevin
    29. Tennessee-5: Jim Cooper
    30. Texas 30: Eddie Bernice Johnson
    31. Vermont-A/L: Peter Welch – kandidiert für den US-Senat
    32. Wisconsin-3: Ron Kind

    Republikaner

    1. Alabama-5: Mo Brooks – kandidiert für den US-Senat
    2. Georgia-10: Jody Hice – kandidiert für das Amt des Secretary of State von Georgia
    3. Illinois-16: Adam Kinzinger
    4. Kalifornien-22: Connie Conway
    5. Indiana-9: Trey Hollingsworth
    6. Michigan-6: Fred Upton
    7. Missouri-4: Vicky Hartzler – kandidiert für den US-Senat
    8. Missouri-7: Billy Long – kandidiert für den US-Senat
    9. New York-1: Lee Zeldin – kandidiert für das Gouverneursamt von New York
    10. New York-23: Joe Sempolinski
    11. New York-24: John Katko
    12. New York-27: Chris Jacobs
    13. North Carolina-13: Ted Budd – kandidiert für den US-Senat
    14. Ohio-7: Bob Gibbs
    15. Ohio-16: Anthony Gonzalez
    16. Oklahoma-2: Markwayne Mullin – kandidiert für den US-Senat
    17. Pennsylvania-12: Fred Keller
    18. Texas-1: Louie Gohmert – kandidiert für das Amt des Justizministers von Texas
    19. Texas-3: Van Taylor
    20. Texas-8: Kevin Brady

    In Vorwahlen besiegte AbgeordneteBearbeiten

    Folgende Abgeordnete wurden in den parteiinternen Vorwahlen von Parteikollegen besiegt und werden darum dem nächsten Repräsentantenhaus nicht mehr angehören:

    Demokraten

    Republikaner

    KampfmandateBearbeiten

    In folgenden Wahlkreisen kandidieren auf Grund der durch die Volkszählung notwendig gewordenen Neuziehungen der Grenzen der Wahlkreise zwei amtierende Abgeordnete:

    1. Florida-2: Neal Dunn (R) gegen Al Lawson (D)
    2. Georgia-7: Carolyn Bourdeaux (D) gegen Lucy McBath (D)
    3. Illinois-6: Sean Casten (D) gegen Marie Newman (D)
    4. Illinois-15: Rodney L. Davis (R) gegen Mary E. Miller (R)
    5. Michigan-11: Andy Levin (D) gegen Haley Stevens (D)
    6. New York-12: Carolyn B. Maloney (D) gegen Jerry Nadler (D)
    7. New York-17: Mondaire Jones (D) gegen Sean Patrick Maloney (D)
    8. Texas-36: Mayra Flores (R) gegen Vicente Gonzalez (D)
    9. West Virginia-2: David McKinley (R) gegen Alex Mooney (R)

    PrimariesBearbeiten

    An folgenden Tagen fanden die Vorwahlen statt:

    Louisiana kennt keine Vorwahlen; die Wahl fand am regulären Wahltag, dem 8. November 2022, statt.

    Umfragen und PrognosenBearbeiten

    Prognosen der Institute
    Institut Demokraten Republikaner Offen
    Cook 192 212 31
    DDHQ 207 228 0
    FiveThirtyEight 210 225 0
    Fox News 187 220 28
    Inside 204 211 20
    Politico 195 212 28
    Race to the White House 197 210 27
    RCP 184 218 33
    Sabato 187 215 33

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. United States House of Representatives elections, 2022. Abgerufen am 7. Juni 2021 (englisch).
    2. Dudley L. Poston Jr: Census results shift political power in Congress, presidential elections. Abgerufen am 7. Juni 2021 (englisch).
    3. Midterm Election Results for the House of Representatives 2022 | CNN Politics. Abgerufen am 17. November 2022 (englisch).
    4. What we already know about the 2022 midterm elections. In: The Millennial Source. 25. März 2021, abgerufen am 7. Juni 2021 (amerikanisches Englisch).