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Henry Maske Boxer
Henry Maske (2016)

Henry Maske (2016)

Daten
Geburtsname Henry Maske
Kampfname Der Gentleman
Gewichtsklasse Halbschwergewicht
Nationalität DeutschlandDeutschland Deutsch

Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik

Geburtstag 6. Januar 1964
Geburtsort Treuenbrietzen
Stil Rechtsauslage
Größe 1,90 m
Kampfstatistik
Kämpfe 32
Siege 31
K.-o.-Siege 11
Niederlagen 1
Profil in der BoxRec-Datenbank
Henry Maske
Medaillenspiegel

Boxen

DeutschlandDeutschland Deutschland
Europameisterschaften
0Bronze0 1983 Mittelgewicht
0Gold0 1985 Mittelgewicht
0Gold0 1987 Mittelgewicht
0Gold0 1989 Mittelgewicht
Weltmeisterschaften
0Silber0 1986 Mittelgewicht
0Gold0 1989 Halbschwergewicht
Olympische Spiele
0Gold0 1988 Mittelgewicht

Henry Maske (* 6. Januar 1964 in Treuenbrietzen) ist ein ehemaliger deutscher Boxer, der in den 1980er Jahren als Amateur große Erfolge unter anderem als Olympiasieger 1988 im Mittelgewicht feierte und anschließend Weltmeister bei den Profis war. Aufgrund seines kultivierten Auftretens in der Öffentlichkeit sowie wegen seines Boxstils[1] bekam er den Spitznamen Gentleman und gelangte deutschlandweit zu großer Popularität. Maske gilt als einer der Mitbegründer des sogenannten Box-Booms, der Anfang der 1990er Jahre Deutschland erfasste.

AmateurBearbeiten

 
Henry Maske 1983 mit Manfred Wolke
 
H.M. (2. v. r. hintere Reihe) bei einem Boxturnier 1983 in Halle/Saale

Rechtsausleger Henry Maske begann seine Karriere in Jüterbog, wo er als Siebenjähriger sein erstes Boxtraining absolvierte. Den Grundstein für seine späteren Erfolge legte er als Amateurboxer in der DDR. Zwischen 1972 und 1978 wurde er von Hans Hörnlein bei der BSG Motor Ludwigsfelde trainiert. Anschließend trainierte Maske beim ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) unter Leitung der damaligen Cheftrainer Manfred Wolke bzw. Dietrich Bleck und bekleidete als Sportinstrukteur zuletzt den Rang eines Oberleutnants der Nationalen Volksarmee. Maske war Träger des Vaterländischen Verdienstordens.[2]

Bei seinen ersten Weltmeisterschaften 1986 in Reno (USA) errang Henry Maske die Silbermedaille. Er musste sich nur im Finale dem US-Amerikaner Darin Allen beugen, wobei nicht wenige Beobachter von einem durch Heimvorteil beeinflussten Urteil sprachen. 1988 wurde Henry Maske Olympiasieger im Mittelgewicht und schlug dabei im Finale seinen späteren Gegner bei den Profis, den Kanadier Egerton Marcus, sowie im Halbfinale Christopher Sande. Da die Kubaner aus Solidarität mit Nordkorea die Olympischen Spiele in Seoul boykottierten, kam es bei diesem Turnier nicht zum Aufeinandertreffen zwischen Henry Maske und seinem damaligen Angstgegner Ángel Espinosa, gegen den er in drei Vergleichen, unter anderem im Weltcup-Finale 1987 und im Finale des Chemiepokals 1988, jedes Mal unterlegen war.

Doch bei den Weltmeisterschaften in Moskau ein Jahr später wurde auch diese Hürde genommen. Henry Maske, mittlerweile in das Halbschwergewicht aufgestiegen, besiegte im Finale überlegen den großen Favoriten und Titelverteidiger Pablo Romero aus Kuba und verhinderte damit einen Titel-Hattrick des Kubaners. Bis zu seinem Wechsel ins Profilager im März 1990 galt Henry Maske als das Maß aller Dinge im Halbschwergewicht. Seine Bilanz: 163 Siege in 181 Kämpfen.

Erfolge als AmateurBearbeiten

  • Nationale Meisterschaften: DDR-Meister 1981 (Junioren), 1983, 1985–1988 (Senioren)
  • Europameisterschaften: Dritter Platz 1983, Europameister 1985, 1987 und 1989
  • Weltmeisterschaften: Zweiter Platz 1986, Weltmeister 1989
  • Weltcup: Sieger 1985, Zweiter 1987
  • Olympische Spiele 1988 in Seoul   Gold

ProfikarriereBearbeiten

Maske entschied sich 1990 für ein Angebot des westdeutschen Promoters Wilfried Sauerland, auch mit dessen Konkurrenten Klaus-Peter Kohl hatte er sich zuvor getroffen.[2] Ab 1990 kämpfte Maske als Profi im Halbschwergewicht. Seinen ersten Profikampf bestritt er am 9. Mai 1990 in London. Er schlug in Aufbaukämpfen Gegner wie den Ex-Europameister Tom Collins, Ex-WBA-Titelträger Leslie Stewart, WBA-Herausforderer Mike Peak und Yawe Davis. Für sein Bild in der Öffentlichkeit sowie den Aufschwung des Profiboxens sei die Boxveranstaltung im September 1992 auf der Documenta IX in Kassel ein „Meilenstein“ gewesen, so Maske später.[2] Er bestritt auf der Kunstveranstaltung einen Kampf gegen Samson Cohen, auch Axel Schulz und andere Boxer stiegen auf der Documenta in den Ring.[3] „Danach gab es eine Talkshow mit Intellektuellen, die sagten alle, wie faszinierend, archaisch, inspirierend, wie phantastisch Boxen sei. Das war ein Riesenknall damals, und wir wurden plötzlich ganz anders wahrgenommen, auf einer anderen intellektuellen Ebene“, äußerte Maske 2014.[2] Ein weiterer wichtiger Aspekt, der insbesondere die Beliebtheit Maskes und des Profiboxens insgesamt förderte, war eine „gezielte Heroisierung“ durch den übertragenden Fernsehsender RTL, der die Kämpfe Maskes und seiner Stallkollegen als Großereignisse veranstaltete und mit Spektakel inszenierte. Dadurch wurde Profiboxen „salonfähig, gesellschaftsrelevant und trendig“.[4]

Am 20. März 1993 wurde er durch einen einstimmigen Punktsieg gegen den US-Amerikaner „Prince“ Charles Williams IBF-Weltmeister. Williams war in allen unabhängigen Fachzeitschriften wie dem Ring Magazine die Nummer eins und hatte den Titel mehr als fünf Jahre gehalten. Maske gewann den Kampf vor 6200 Zuschauern in der ausverkauften Philipshalle in Düsseldorf einstimmig nach Punkten, weitere 2000 Menschen mussten an den Kassen abgewiesen werden. 3,1 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die Übertragung. Maske bestimmte den Kampf mit seiner Führhand, überzeugte mit guter Beinarbeit und wies eine „ideale Mischung aus Sicherheit und Aggressivität“ auf. Maske erhielt eine Börse in Höhe von rund 100 000 DM, sein Manager Sauerland stellte seinem Schützling nach dem Kampf in Aussicht, Maske werde „in den nächsten drei Jahren Millionen scheffeln können.“[5]

Bis Ende 1996 verteidigte Maske seinen Titel zehnmal, darunter gegen die drei ungeschlagenen Pflichtherausforderer Ernesto Magdaleno, Duran Williams und Egerton Marcus sowie gegen Graciano Rocchigiani. Letzterer war zuvor ins Halbschwergewicht aufgestiegen und hatte im Supermittelgewicht 1994 einen Titelkampf des Boxverbandes WBO gegen Chris Eubank verloren. Das erste Aufeinandertreffen im Mai 1995 wurde der erste WM-Kampf, in dem sich zwei deutsche Profiboxer gegenüberstanden. Die Veranstalter hatten den Kampf unter das Motto „Eine Frage der Ehre“ gestellt. Maske wurde für den Kampf eine Gage von 1,6 Millionen DM und Rocchigiani 1,15 Millionen DM zugesichert. Rocchigiani stellte den Kampf im Vorfeld als Auseinandersetzung zwischen Ost- und Westdeutschland dar, was das Maske-Lager zurückwies und auf den sportlichen Wert des Kampfes hinwies. Das Duell hätte bereits ein Jahr zuvor stattfinden sollen, Rocchigiani und sein damaliger Manager Klaus-Peter Kohl hatten sich mit Sauerland aber nicht auf die Optionen im Falle einer Niederlage Maskes einigen können.[6]

Rocchigiani zeigte in der mit 13 000 Zuschauern vollbesetzten Dortmunder Westfalenhalle eine gute Leistung und hatte den Weltmeister in der neunten und zwölften Runde am Rand einer Niederlage. In der zwölften Runde ging Maske zu Boden, da dies aber insbesondere durch ein Herunterdrücken Rocchigianis geschehen war, wurde der Weltmeister vom US-amerikanischen Ringrichter nicht angezählt. Im Verlauf des Kampfes ließ sich der ansonsten defensiv agierende Maske zu einem Schlagabtausch hinreißen, was für ihn untypisch war. Am Ende des Kampfes war Henry Maske schwer angeschlagen. Durch einen umstrittenen Punktsieg behielt er den IBF-Weltmeistergürtel. Während Maske seinen Sieg anschließend mit den Worten einschätzte, er habe die Vielzahl der Treffer gelandet, sei der Durchgängigere gewesen und habe den Kampf über weite Strecken bestimmt, äußerte Rocchigiani: „Die Show ist auf Maskes Seite, das Geld auch. Man muss wohl gegen Henry durch K.o. gewinnen.“ Jean-Marcel Nartz, damals technischer Leiter beim Sauerland-Stall, nannte die Veranstaltung einen „der größten Kämpfe, die Deutschland jemals erlebt hat“. Die Übertragung wurde von 13,18 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt, was für RTL seinerzeit eine Bestmarke bedeutete.[7]

Ein halbes Jahr später traten beide Boxer zu dem von vielen erwarteten Rückkampf an. Dieser Kampf wurde im Vorfeld als „vorläufiger Höhepunkt des neuen deutschen Box-Booms“ eingestuft. Maske, der inzwischen über mehrere Werbeverträge verfügte, erhielt für den Rückkampf eine Börse von 1,6 Millionen DM. Der übertragende Sender RTL hatte für das zweite Duell zwischen Maske und „Rocky“ Rekordwerbepreise von 360 000 DM pro Minute aufgerufen. Die Olympiahalle von München war mit 12 240 Zuschauern ausverkauft. Maske sagte vor dem Rückkampf, er wolle sich selbst beweisen, „dass ich nicht so schlecht bin wie damals.“[8] Maske bestimmte den Kampf mit seiner Führhand und gewann einstimmig nach Punkten, während Rocchigiani seine Stärken nicht ausspielte und verkrampft auftrat. Mit 17,6 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 73,6 Prozent erreichte RTL neue Rekordzahlen, am Ring wohnten Prominente wie Boris Becker, Michael Schumacher, Michael Stich, Heino dem Kampf bei, bei dem es sich nach Einschätzung des Hamburger Abendblatts um „den pompösesten Kampf der deutschen Box-Geschichte“ handelte.[9]

Ein weiterer Gegner Maskes, Iran Barkley, hatte sich in den USA nach zwei Siegen gegen Thomas Hearns und dem Titelgewinn in drei Gewichtsklassen einen Namen gemacht. Allerdings hatte er nach schweren vorzeitigen Niederlagen gegen James Toney und Adolpho Washington Augenprobleme und wurde in keiner unabhängigen Rangliste mehr unter den Besten geführt, als Maske ihn als Herausforderer akzeptierte. Der Kampf endete schließlich wegen allzu deutlicher Überlegenheit des Weltmeisters vorzeitig.

Maske war als Profiboxer in Deutschland sehr beliebt, nicht zuletzt durch seine besonnene Art inner- und außerhalb des Boxringes. Er reagierte in der Regel auf Verbalattacken seiner Gegner im Vorfeld des Kampfes mit dem Satz, er werde die Antwort im Ring geben. Henry Maskes Kampfstil spiegelte die sogenannte „Frankfurter Schule“ wider, als dessen Begründer der Maske-Trainer und Olympiasieger von 1968 Manfred Wolke gilt. Dieser Kampfstil ist sehr defensiv geprägt nach dem Motto: „Es gewinnt nicht derjenige, der die meisten Treffer landet, sondern derjenige, der die wenigsten Treffer abbekommt.“ Maskes Erfolgsrezept bestand in der Regel darin, seinen Gegnern die Möglichkeit zu verwehren, sich im offenen Schlagabtausch beweisen zu können. Dagegen mussten diese, bedingt durch Maskes unorthodoxen Boxstil, oft völlig überraschend einzelne deutliche Treffer einstecken, lagen zur Hälfte des Kampfes dann oft nach Punkten zurück und suchten deshalb meist verstärkt den Angriff, was einem klassischen Konterboxer wie Maske entgegenkam. Diese „Marschroute“ bescherte Henry Maske den Ruf eines abgeklärten Ringstrategen, der Boxen völlig rational betrieb. Aufgrund der phasenweise recht deutlichen Überlegenheit mehrten sich mit der Zeit kritische Stimmen, die die Klasse einiger Gegner in Frage stellten. Freiwillig verteidigte Maske seinen Titel nur zweimal gegen Weltklassegegner, nämlich im Rückkampf gegen Rocchigiani, der vor dem ersten Kampf zwar nicht zur Weltspitzen gezählt wurde, wegen seiner guten Leistung aber trotz Niederlage hochgestuft wurde, und im verlorenen Vereinigungskampf gegen Virgil Hill.

Kritisiert wurde Henry Maske dafür, dass er angeblich gegen viele potentielle Gegner nicht antrat. Unter anderem kam es nicht zu einem Kampf gegen Dariusz Michalczewski, dessen Promoter behauptete, Maske mehrmals kontaktiert zu haben. In den USA hielt sich die Popularität von Henry Maske in Grenzen, da seine rationale Art zu boxen für eine großangelegte Fernsehvermarktung nicht spektakulär genug war. Außerdem wurde ihm dort nachgesagt, eher gegen schwächere Gegner anzutreten. Seine defensive Kampfesweise wurde oft als Feigheit ausgelegt.

Vor dem am 23. November 1996 in der Münchener Olympiahalle ausgetragenen WM-Vereinigungskampf mit WBA-Titelträger Virgil Hill hatte Maske angekündigt, anschließend seine Boxkarriere zu beenden. Nach 25 Jahren Boxen sei es Zeit, sich nach neuen Lebensaufgaben umzusehen, wurde Maske vor dem Duell mit Hill zitiert. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl wünschte Maske vor dem Kampf per Telegramm alles Gute.[10] Maske verlor seinen Titel des Verbandes IBF gegen Hill in einem schwer bewertbaren, unsauberen Kampf nach Punkten. Hill überzeugte mit seiner Schnelligkeit und war für Maske schwer zu treffen. Maskes sonst starke rechte Führhand kam wenig zur Geltung. Im Laufe des Kampfes häufte sich Klammern und Halten der beiden Boxer. Nach Ansicht seines Trainers Wolke zeigte Maske gegen Hill seinen schwächsten WM-Kampf.[11] Maske vermutete nach dem Kampf eine Bevorzugung des US-Amerikaners: Seine Ankündigung, nach dem Kampf endgültig seine Karriere beenden zu wollen, habe dazu geführt, dass er nicht in „das kommerzielle Konzept“ gepasst habe. „Man hat uns dorthin gestellt, wo wir von Amerika aus hingehören - in die Zweitklassigkeit“, sagt Maske nach dem Kampf.[11]

Henry Maskes Persönlichkeit, Kampfweise und nicht zuletzt der Medienrummel und die Inszenierungen des Senders RTL machten den Boxsport zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Deutschland und ihn zu einer der Leitfiguren des wiedervereinigten Deutschlands. Maske, der in Deutschland während seiner Hochzeit als Berufsboxer einen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung von 97 Prozent aufwies, wurde als „gesamtdeutsches Idol“ und „sportlicher Hauptgewinner der Einheit“ bezeichnet.[10] Trotz der Inszenierung seiner Kämpfe sei dieses Spektakel Maske lange fremd geblieben: „Noch heute geht Maske, bei Kämpfen stets unrasiert, eher wie ein Delinquent mit gesenktem Kopf zur Arbeit“, hieß es vor seinem Kampf gegen Hill im November 1996. Kabarettist und Boxreporter Werner Schneyder, der die Maske-Kämpfe bei RTL als Kommentator begleitete, bezeichnete die Marke Henry Maske 1996 als „öffentlichkeitswirksame Verbindung von großem technischen Können, gutem Aussehen und guter Verkaufe.“[10] Bis zu 18 Millionen TV-Zuschauer verfolgten seine WM-Kämpfe vor den Bildschirmen. Die Musiktitel Conquest of Paradise und Time to Say Goodbye verkauften sich insgesamt fast fünf Millionen Mal, wobei Time to Say Goodbye Maske gewidmet wurde, als dieser zu seinem letzten Kampf antrat. Beide Lieder hatten sowohl in Deutschland als auch weltweit zunächst keinen nennenswerten Erfolg. Nachdem sie jedoch zu Maskes Kämpfen gespielt wurden, brachen beide Single-Versionen die bestehenden deutschen Verkaufsrekorde.[12]

ComebackBearbeiten

 
Henry Maske 2008

Ende Januar 2006 gelang Maskes letztem Gegner Virgil Hill nach einem Wechsel ins Cruisergewicht überraschend ein Comeback. Der 43-Jährige besiegte in Atlantic City den Russen Waleri Brudow über zwölf Runden einstimmig nach Punkten und gewann damit den vakanten Weltmeistertitel der WBA. Dieser Titel ist aber nur untergeordnet; der reguläre WBA-Weltmeister war zu diesem Zeitpunkt weiterhin der WBA-Superweltmeister Jean-Marc Mormeck, gegen den Hill bereits zwei Niederlagen einstecken musste. Der neuerliche Sieg seines einstigen Bezwingers wiederum veranlasste Henry Maske dazu, im Juli 2006 in einem Interview sein Comeback für einen einzigen Revanchekampf gegen Hill anzukündigen. Die geplante Rückkehr in den Ring stieß jedoch sowohl bei Box-Experten als auch bei der Allgemeinheit überwiegend auf Unverständnis. Aufgrund der zehnjährigen fehlenden Kampfpraxis sowie seines für einen Leistungssportler hohen Alters von 42 Jahren bezweifelten viele, dass Henry Maske, selbst durch eine gezielte Vorbereitung, in der Lage wäre, einem erfahrenen Gegner wie Hill in einem Gefecht ernsthaft Paroli bieten zu können. In der Tat bleiben beim Boxen Comebackversuche, auch nach kürzerer Ringabstinenz als bei Maske, häufig erfolglos. Obwohl Maske wiederholt beteuerte, dass die sportliche Wiedergutmachung seiner einzigen Niederlage den Ausschlag für seine Comebackpläne gab, wurde die Ernsthaftigkeit seines Vorhabens immer wieder in Frage gestellt. Die Vorwürfe, mit denen sich Maske konfrontiert sah, unterstellten ihm neben dem Bedürfnis nach öffentlicher Aufmerksamkeit vor allem finanzielle Interessen als Hauptbeweggrund für seine Rückkehr. Daher gab es vereinzelt Befürchtungen, dass bei einem erfolglosen Comeback Maskes Renommee in der Öffentlichkeit irreparablen Schaden nehmen könnte.

Ende August 2006 gab Henry Maske bekannt, dass er sich in New York bei Teddy Atlas, ehemals Trainer von Mike Tyson und Michael Moorer, auf seinen Kampf gegen Hill vorbereiten wolle. Maskes früherer Trainer Manfred Wolke hatte ebenfalls seine Dienste angeboten, erhielt aber von seinem Promoter Wilfried Sauerland keine Freigabe. In Anbetracht des gescheiterten Comebackversuchs von Axel Schulz im November 2006 änderte Sauerland jedoch seine Meinung. Am 18. Dezember teilte Henry Maske mit, dass er sich von Teddy Atlas trennen und wieder bei Wolke trainieren werde. Während seiner Wettkampfvorbereitung absolvierte Henry Maske unter Ausschluss der Öffentlichkeit mehrere Kämpfe gegen aktive Profiboxer. Diese Vergleiche wurden unter Wettkampfbedingungen, das heißt mit Ring- und Punktrichtern, durchgeführt.

Am 31. März 2007 fand in der Olympiahalle München der Kampf gegen Virgil Hill statt. Für den Kampf wurde von beiden Seiten mit 86 kg ein Gewichtslimit vereinbart, welches die zum Zeitpunkt des Hinkampfes 1996 geltende Obergrenze des Cruisergewichts darstellte. Virgil Hill, der seit dem Jahr 2003 im modifizierten Cruisergewicht bis 91 kg gekämpft hatte, musste Gewicht verlieren. Entgegen der im Vorfeld vorherrschenden Meinung – laut einer Forsa-Umfrage glaubten nur 25 Prozent der Zuschauer an einen Sieg des Deutschen – überraschte Maske mit einem beeindruckenden Auftritt.

In der Anfangsphase sahen die Zuschauer einen relativ ausgeglichenen Kampf. Maske, dem man zumindest äußerlich seine jahrelange Pause nicht anmerkte, gelang es bei fortschreitender Kampfdauer zunehmend, sich gegenüber seinem Gegner leichte Vorteile zu erarbeiten. Als Konsequenz führte Maske bereits zur Mitte des Kampfes relativ deutlich bei allen drei Punktrichtern.

In der achten Runde prallten beide Gegner mit den Köpfen zusammen, wobei sich Hill eine Verletzung zuzog. Maske blieb unverletzt und bekam daher regelkonform einen Punktabzug. Trotzdem gewann er den Kampf über zwölf Runden einstimmig nach Punkten (117:110, 116:113, 117:110) und konnte sich damit für seine Niederlage vor über zehn Jahren revanchieren. Insgesamt feierte Henry Maske seinen 31. Sieg im 32. Profikampf. 3748 Tage nach seinem ersten Rücktritt gelang es Maske außerdem, nach einer der längsten Pausen im Boxsport mit einem Sieg zurückzukehren. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung erklärte Maske seinen endgültigen Abschied vom Profiboxen. Durchschnittlich 15,99 Millionen Zuschauer verfolgten den Auftritt des Deutschen im Fernsehen bei RTL.[13]

Nach Medienberichten erhielt Hill eine Kampfbörse von etwa 1,2 Millionen Euro, Maske rund 1,5 Millionen Euro.

Liste der ProfikämpfeBearbeiten

[14]

Jahr Tag Ort Gegner / Kampfziel Ergebnis für Maske
1990 9. Mai Wembley Arena, London, Großbritannien Vereinigte Staaten  Antonio Arvizu Sieg / KO 1. Runde
1. Juni Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Vereinigtes Konigreich  Mike Aubrey Punktsieg (6 Runden)
7. September Sporthalle Charlottenburg, Berlin, Deutschland Argentinien  Jorge Juan Salgado Punktsieg (6 Runden)
5. Oktober Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Vereinigte Staaten  Mike Brothers Sieg / KO 2. Runde
31. Oktober Wembley Grand Hall, London, Großbritannien Vereinigtes Konigreich  Hylton Cortwell Sieg / KO 3. Runde
16. November Sporthalle Wandsbek, Hamburg, Deutschland Irland  Sean Mannion Punktsieg (8 Runden)
7. Dezember Berlin, Deutschland Vereinigtes Konigreich  Glazz Campbell Punktsieg (8 Runden)
1991 25. Januar Diplomat Hotel, Hollywood, USA Vereinigte Staaten  Salim Muhammad Punktsieg (8 Runden)
28. Februar Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Argentinien  Miguel Angel Maldonaldo Punktsieg (8 Runden)
31. Mai Berlin, Deutschland Italien  Yawe Davis Punktsieg (10 Runden)
13. September Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Uruguay  Rodrigo Benech Punktsieg (8 Runden)
12. Oktober Halle (Saale), Deutschland Vereinigte Staaten  Mike Peak Sieg / KO 9. Runde
8. November Halle Georges Carpentier, Paris, Frankreich Vereinigte Staaten  Darryl Fromm Sieg / KO 9. Runde
6. Dezember Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Vereinigtes Konigreich  Tom Collins Sieg / TKO 8. Runde
1992 6. März Berlin, Deutschland Vereinigte Staaten  Leslie Stewart Sieg / KO 7. Runde
4. April Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Vereinigtes Konigreich  Steve McCarthy Sieg / Disqualifikation 9. Runde
27. Juni Halle (Saale), Deutschland Vereinigte Staaten  Lenzie Morgan Punktsieg (10 Runden)
19. September Kassel, Deutschland Vereinigte Staaten  Samson Cohen Sieg / KO 6. Runde
2. Oktober Deutschlandhalle, Berlin, Deutschland Vereinigte Staaten  Frank Minton Sieg / KO 2. Runde
1993 20. März Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Vereinigte Staaten  Charles Williams, IBF-Weltmeisterschaft Punktsieg (12 Runden)
18. September Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Vereinigte Staaten  Anthony Hembrick, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
11. Dezember Philipshalle, Düsseldorf, Deutschland Vereinigte Staaten  David Vedder, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
1994 26. März Westfalenhallen, Dortmund, Deutschland Vereinigte Staaten  Ernesto Magdaleno, IBF-Titelverteidigung Sieg / TKO 9. Runde
4. Juni Westfalenhallen, Dortmund, Deutschland Italien  Andrea Magi, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
8. Oktober Gerry-Weber-Stadion, Halle (Westfalen), Deutschland Vereinigte Staaten  Iran Barkley, IBF-Titelverteidigung Sieg / Aufgabe 9. Runde
1995 11. Februar Festhalle, Frankfurt, Deutschland Kanada  Egerton Marcus, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
27. Mai Westfalenhallen, Dortmund, Deutschland Deutschland  Graciano Rocchigiani, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
14. Oktober Olympiahalle, München, Deutschland Deutschland  Graciano Rocchigiani, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
1996 17. Februar Westfalenhallen, Dortmund, Deutschland Jamaika  Duran Williams, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
25. Mai Neue Messehallen, Leipzig, Deutschland Vereinigte Staaten  John Scully, IBF-Titelverteidigung Punktsieg (12 Runden)
23. November Olympiahalle, München, Deutschland Vereinigte Staaten  Virgil Hill, IBF, WBA-Titelvereinigung Punktniederlage (12 Runden)
2007 31. März Olympiahalle, München, Deutschland Vereinigte Staaten  Virgil Hill Punktsieg (12 Runden)

EhrungenBearbeiten

In der DDR wurde Henry Maske für seinen Olympiasieg 1988 in Seoul mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold ausgezeichnet.[15] Diesen Orden erhielt er auch 1986.[16] Von den deutschen Sportjournalisten wurde er 1993 zum Sportler des Jahres gewählt. 1993, 1994, 1995 und 1996 wurde er auch Brandenburgs Sportler des Jahres.[17] Durch die Leser der Zeitschrift BoxSport wurde er 1995 und 1996 zum Boxer des Jahres gewählt und erhielt in den Jahren 1995 und 1996 den Goldenen Löwen. 1995 und 2007 erhielt er zudem jeweils einen Bambi. 1997 folgte die Goldene Kamera. 2001 wurde Maske vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz verliehen. 2008 wurde Maske vom Deutschen Krawatteninstitut (Krefeld), dem Deutschen Institut für Herrenmode und der koelnmesse zum Krawattenmann des Jahres gewählt. Am 14. Juni 2010[18] wurde er mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet.[19][20] 2012 wurde er mit dem wichtigsten deutschen Sportpreis, der Goldenen Sportpyramide der Stiftung Deutsche Sporthilfe für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Verbunden damit ist die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports.[21] 2013 wurde er am Munich Olympic Walk of Stars verewigt.[22]

Nach der aktiven KarriereBearbeiten

Unter dem Motto „Faire Chancen für junge Menschen“ gründete Maske im Juni 1999 den Henry Maske Fonds, der sich für benachteiligte Jugendliche unter anderem durch die Einrichtung von Sportanlagen, Internetcafés und Werkstätten engagiert. Unterstützt wird Maske bei diesen Projekten von Prominenten wie dem US-Schauspieler Denzel Washington, der die Preview-Einnahmen seines Films Hurricane in den Fonds einfließen ließ, und der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, die mit Maske im November 1999 in Berlin das erste Henry Maske Festival eröffnete. Außerdem betreibt er als Franchisenehmer mittlerweile zehn McDonald’s-Filialen in Leverkusen, Bergisch Gladbach und Köln.[23] Zudem hält Maske Vorträge zum Thema Mitarbeiterführung und Eigenmotivation.

Mitte September 2008 wurde bekannt, dass Maske als Hauptdarsteller in einer Filmbiografie über Max Schmeling (1905–2005) unter der Regie von Uwe Boll mitwirken würde. Maske, der zuvor bereits Statistenrollen in den Fernsehproduktionen Dann kamst du (2003) und Hammer & Hart (2006) bekleidet hatte, nahm für die Rolle des deutschen Schwergewichtsweltmeisters (1930 bis 1932) mehrere Monate Schauspielunterricht. Die Kritiken für den Film, aber auch für die schauspielerische Leistung Maskes fielen jedoch vernichtend aus. Maske wirke hölzern, wie ein Fremdkörper, teilweise unfreiwillig komisch und habe seinem Idol Schmeling letztlich einen Bärendienst erwiesen. Lediglich für die Aufnahmen im Ring, für die Boxprofis wie Yoan Pablo Hernández und Arthur Abraham gewonnen werden konnten, erhielt Maske Lob.[24][25]

FamilieBearbeiten

Maske hat einen Sohn, Steven, mit seiner ersten Frau, Anke. Er wohnt heute mit seiner zweiten Frau Manuela und den gemeinsamen Töchtern Lina und Sara in Overath bei Köln.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Henry Maske – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Henry Maske - GQ-Starporträt. (Nicht mehr online verfügbar.) GQ.de, archiviert vom Original am 15. Juli 2010; abgerufen am 13. September 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gq-magazin.de
  2. a b c d Henry Maske im Gespräch: „Jeder verkauft sich auf irgendeine Weise“. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. September 2019]).
  3. BoxRec: Date. Abgerufen am 27. September 2019.
  4. Prügeln im privaten Kreis. In: Der Tagesspiegel. Abgerufen am 27. September 2019.
  5. https://www.abendblatt.de/archive/1993/pdf/19930322.pdf/ASV_HAB_19930322_HA_022.pdf
  6. https://www.abendblatt.de/archive/1995/pdf/19950526.pdf/ASV_HAB_19950526_HA_025.pdf
  7. https://www.abendblatt.de/archive/1995/pdf/19950529.pdf/ASV_HAB_19950529_HA_019.pdf
  8. https://www.abendblatt.de/archive/1995/pdf/19951013.pdf/ASV_HAB_19951013_HA_022.pdf
  9. https://www.abendblatt.de/archive/1995/pdf/19951016.pdf/ASV_HAB_19951016_HA_022.pdf
  10. a b c https://www.abendblatt.de/archive/1996/pdf/19961122.pdf/ASV_HAB_19961122_HA_024.pdf
  11. a b https://www.abendblatt.de/archive/1996/pdf/19961125.pdf/ASV_HAB_19961125_HA_020.pdf
  12. Conquest of Paradise (1992) – Chartplatzierungen. swisscharts.com, abgerufen am 13. September 2012.
  13. 15,99 Millionen sehen Maske gegen Hill - "Wetten, dass...?" erfolgreicher als "DSDS". media-control.de, 1. April 2007, abgerufen am 13. September 2012.
  14. Henry Maske in der BoxRec-Datenbank
  15. Neues Deutschland, 12./13. November 1988, S. 4.
  16. Neues Deutschland, 15. Oktober 1986, S. 7.
  17. Märkische Allgemeine, 16. Dezember 2013, S. 18.
  18. Pressemeldung der Brandenburger Staatskanzlei
  19. Bildmaterial des Presseamts der Staatskanzlei Brandenburg von der Auszeichnungsveranstaltung (Memento vom 3. August 2016 im Internet Archive)
  20. Bekanntmachung von Verleihungen des Verdienstordens des Landes Brandenburg Vom 13. Januar 2011 in: Amtsblatt für Brandenburg 2011 - Nr.6 vom 16. Februar 2011 - Seite 239
  21. Goldene Sportpyramide für Henry Maske. Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 21. Mai 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  22. Munich Olympic Walk of Stars. olympiapark.de. Abgerufen am 2. April 2016.
  23. Henry Maske eröffnet seine zehnte McDonald´s Filiale. (Nicht mehr online verfügbar.) henrymaske.de, 17. Dezember 2010, archiviert vom Original am 22. Januar 2016; abgerufen am 13. September 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.henrymaske.de
  24. Max Schmeling - Eine deutsche Legende – Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion. filmstarts.de, abgerufen am 13. September 2012.
  25. Max Schmeling ohne jegliche Inspiration. stern.de, 7. Oktober 2010, abgerufen am 13. September 2012.
VorgängerAmtNachfolger
Charles WilliamsBoxweltmeister im Halbschwergewicht (IBF)
20. März 1993 – 23. November 1996
Virgil Hill