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Werner Schneyder

österreichischer Kabarettist
Werner Schneyder bei Markus Lanz (2011)

Werner Schneyder (* 25. Jänner 1937 in Graz; † 2. März 2019 in Wien) war ein österreichischer Kabarettist, Autor, Schauspieler, Regisseur, Boxkampfrichter und Sportkommentator.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Werner Schneyder wurde 1937 in Graz geboren. Sein Vater stammte aus Wien, die Mutter aus Karlsbad. Er wuchs in Klagenfurt „zwischen Fußballplatz und Stadttheater“ auf. Schneyder studierte in Wien Publizistik und Kunstgeschichte. Daneben arbeitete er – wie schon zur Schulzeit – als Journalist und Barsänger. Nach der zeitungswissenschaftlichen Promotion schrieb er drei Jahre lang Werbetexte.

Über die Annahme eines Theaterstücks wurde er als Dramaturg an das Landestheater Salzburg engagiert. Nach einem Jahr in Linz entschloss er sich zur Existenz als freier Autor. Er schrieb für den Hörfunk Features und Hörspiele, war auch deren Regisseur, schrieb Theaterkritiken und politische Tagesgedichte für Zeitungen.

Werner Schneyder lebte in Wien und am Millstätter See in Kärnten. Mit seiner Frau Ilse war er mehr als 40 Jahre lang (1961–2005) verheiratet. Aus der Ehe ging Sohn Achim (* 1966 in Salzburg), Autor und Journalist,[1] hervor. Von 2011 bis 2018 war er mit Regine Bulling verheiratet.[2]

Schneyder starb am 2. März 2019 in seiner Wohnung in Wien.[3][4] Er wurde am 27. März 2019 in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.[5][6]

KabarettBearbeiten

1973 wurde ein Auftritt mit einer kabarettistischen Lesung in Salzburg für den befreundeten Kurt Weinzierl zum Anlass, Schneyder dem Star des im Jahr zuvor aufgelösten Ensembles der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Dieter Hildebrandt als Partner zu empfehlen. Eine zunächst unverbindliche Begegnung entwickelte sich nach dem Erscheinen von Schneyders erstem Gedicht- und Aphorismenband zu dem Plan, ein Kabarett-Duo zu gründen. Dieses startete im April 1974 und zeigte fünf Programme in acht Jahren (Talk täglich, Lametta & Co., Wie abgerissen, Keine Fragen mehr, Ende der Spielzeit). 1982 trennte sich das Paar, um sich 1985 für ein kabarettgeschichtlich bedeutsames Gastspiel in der DDR (Zugabe Leipzig) noch einmal zu formieren.[7] Schneyder war davor schon zweimal mit Solo-Gastspielen in Leipzig gewesen. Er hatte vor dem letzten Duo-Programm ein Solo mit Trio erprobt und ließ danach unter anderem Satz für Satz, Doppelt besetzt, Schon wieder nüchtern, Absage und Abschiedsabend folgen.

1996 trat Schneyder von der Kabarettbühne ab. Zwölf Jahre später kehrte er mit dem Programm Ich bin konservativ zurück. Dessen Kleintheaterversion folgte 2011 (Das ultimative Solo). Alle Duo- und Soloprogramme wurden nach großen Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz von Fernsehsendern ausgestrahlt. Daneben versuchte Schneyder auch immer wieder, literarisch-kabarettistische Elemente in neue Unterhaltungsformate (Salon, Stichwort, Meine Gäste und ich) einzubringen. Am 25. Jänner 2017, seinem 80. Geburtstag, hatte Werner Schneyder mit seinem letzten Programm Das war’s von mir Premiere im Akademietheater des Burgtheaters Wien.[8][9]

LiteraturBearbeiten

Der literarische Weg begann mit drei Taschenbüchern mit Politlyrik und Aphorismen. Daneben gab es auch einen humoristischen Roman: Die Unternehmungen des Herrn Hans. Aus den drei Paperbacks entstand ein Auswahlband: Gelächter vor dem Aus. Es folgten Satiren und Erzählbände, ein literarisches Porträt Erich Kästner – ein brauchbarer Autor, zwei Auswahlbände Schreibzeit und Zeitspiel, der Bericht über eine Theaterarbeit Meiningen oder Liebe und das Theater, der Gedichtband Reimzeit, der Essayband Ansichten eines Solisten, das Selbstporträt Ich, Werner Schneyder – meine zwölf Leben, drei Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau Ilse Krebs – eine Nacherzählung. Neben weiteren Erzählbänden veröffentlichte Werner Schneyder die Satire-Bücher Manchmal gehen mir meine Meinungen auf die Nerven, aber ich habe keine anderen (2011) und Von einem, der auszog, politisch zu werden. Die Geschichte eines „Meinungsträgers“ (2014). Zuletzt erschien Gespräch unter zwei Augen. Dialog eines Lebens (2016).

RegieBearbeiten

Ende der 1980er Jahre wurde Werner Schneyder vom Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz seine erste Theaterregie angeboten, die Operette Im weißen Rößl. Operetteninszenierungen in München, Graz, Wien, Klagenfurt, Bremen und Erfurt folgten. Daneben wurde er immer auch Regisseur des Schauspiels. Er inszenierte zum Beispiel am Wiener Theater in der Josefstadt seine Fassung von Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus, am Staatstheater Meiningen Das weite Land von Arthur Schnitzler mit Christine Zart in der weiblichen Hauptrolle, in Wien, Villach und bei den Komödienfestspielen Porcia Autoren wie Oscar Wilde, Georges Feydeau, Erich Kästner, Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr, Felix Mitterer. In Bremen brachte er Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza zur Aufführung. Zuletzt inszenierte er in Wien am Stadttheater in der Walfischgasse Betrogen von Harold Pinter und am Staatstheater Meiningen Le Dindon von Georges Feydeau. Dem folgte bei den Komödienspielen Porcia Anatol von Arthur Schnitzler.

SchauspielBearbeiten

Als Bühnenschauspieler debütierte er – wiederum in Partnerschaft mit Dieter Hildebrandt – in Neil Simons Sonny Boys (Münchner Kammerspiele, Gastspiele in Berlin und Hamburg, Tourneen und TV-Aufzeichnung). Danach schrieb er für sich die satirische Komödie Galanacht, die in zwei Inszenierungen (Berlin, Wien) 225 Mal gespielt wurde. Er dramatisierte den Roman von Erika Pluhar Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation? und spielte auch deren Partner bei Gastspielen unter anderem am Akademietheater und am Volkstheater in Wien. Zuletzt spielte er bei den Kärntner Komödienspielen in Porcia abermals den Willy in Sonny Boys, diesmal unter eigener Regie.

LiedtexteBearbeiten

Werner Schneyder schrieb für sich und Kollegen aus der Showbranche (etwa Marianne Mendt) zahlreiche Chansons und Übersetzungen. Er übersetzte auch die Songtexte der Musicals Funny Girl und Billy. Größte Beachtung fanden seine Jacques-Brel-Nachdichtungen, wie Amsterdam, Joe, Das allerletzte Glas, gesungen von Michael Heltau, Hildegard Knef und anderen. Die Wut ist jung, mit dem Lore Lorentz brillierte, stammte aus seiner Feder.[10]

SportBearbeiten

Schneyder betätigte sich schon in der Schulzeit als Sportjournalist. Lange danach kam über das Kabarett ein Kontakt mit dem ZDF zustande, der ab 1975 zur Präsentation des Aktuellen Sportstudios und 1978 zur kabarettistischen Jahresbilanzsendung Das ausgefallene Sport-Studio führte, die er bis 1990 sieben Mal moderierte. Ab den Olympischen Spielen in Los Angeles (1984) kommentierte er zunächst Amateur- und später Berufsboxen im Fernsehen. Als langjähriger Kampfrichter im Amateurboxen und als Kabarettist konnte er hier zwei seiner Kompetenzen gleichzeitig anwenden. Sein anhaltendes Interesse für Sport im Allgemeinen bewies er durch gelegentliche Kolumnen in einem Fachblatt. Während seiner Duo-Jahre mit Dieter Hildebrandt stand er im Tor des FC Schmiere, der Fußballmannschaft der Kabarett- und Kleintheaterszene jener Zeit.[10]

Auszeichnungen und EhrungenBearbeiten

Werner Schneyder erhielt u. a. den „Johann-Nestroy-Ring“ der Stadt Wien (1981), den „Mostdipf-Preis“ (1983), den „Deutschen Kabarettpreis“, den „Bayrischen Kabarettpreis“ (Ehrenpreis, 2008), den „Stern der Satire des deutschen Kabarettarchivs“ (2008), den „Salzburger Lebensstier“ (2010), das „Große Verdienstzeichen“, den „Goldenen Rathausmann“, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2012) und das Große Ehrenzeichen des Landes Kärnten (2017).

Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab (Gruppe 33G, Nummer 11) der Stadt Wien.

PublikationenBearbeiten

TonträgerBearbeiten

LPsBearbeiten

  • Talk täglich. Mit Dieter Hildebrandt. Telefunken, 1975.
  • Private Lieder. Mandragora, 1980.
  • Schlafen Sie gut, Herr Tucholsky! Alpha, 1982.
  • Querschnitte aus fünf Programmen (1974–1982). Mit Dieter Hildebrandt. Musikant, 1982.
  • Zeitgenossen, haufenweise. Werner Schneyder & Lore Lorentz singen Erich Kästner. Amaton, 1984.
  • Live. Pläne, 1985.

CDsBearbeiten

  • Zeitgenossen, haufenweise. Werner Schneyder liest Erich Kästner. Preiser, 1999.
  • Die Kabarettlegende 1: Talk täglich/Lametta & Co. Mit Dieter Hildebrandt. Preiser, 1999.
  • Die Kabarettlegende 2: Wie abgerissen/Keine Fragen mehr. Mit Dieter Hildebrandt. Preiser, 2000.
  • Die Kabarettlegende 3: Ende der Spielzeit. Mit Dieter Hildebrandt. Preiser, 2000.
  • Sonny Boys. Mit Dieter Hildebrandt. Preiser, 2001.
  • Reimzeit. Werner Schneyder liest Werner Schneyder. Preiser, 2001.
  • Sentimental. Meine Lieder. Preiser, 2004.
  • Ich bin konservativ. Live aus der Leipziger Pfeffermühle. Chromart Classics, 2012.
  • „Zugabe Leipzig“. Auftritt in der Leipziger Pfeffermühle am 9. Januar 1985. Mit Dieter Hildebrandt. Herbig, 2013.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Werner Schneyder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Autorenportrait Achim Schneyder. In: Servus.Buch.at. Abgerufen am 4. März 2019.
  2. Werner Schneyder. Zum zweiten Mal geheiratet. In: bunte.de. 27. September 2011, abgerufen am 19. März 2018.
  3. Kabarettist Werner Schneyder ist tot. In: kurier.at. 3. März 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  4. Kabarettist Werner Schneyder ist tot. In: orf.at. 3. März 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  5. Werner Schneyder bekommt Ehrengrab. In: orf.at. 5. März 2019, abgerufen am 9. März 2019.
  6. Kurier: Begräbnis: Berührender Abschied von Werner Schneyder. Artikel vom 20. März 2019, abgerufen am 20. März 2019.
  7. Willi Winkler: Der Kabarettist und Ringrichter: Zum Tod von Werner Schneyder. In: sueddeutsche.de. 3. März 2019, abgerufen am 4. März 2019.
  8. ‚Das war’s von mir – Werner Schneyder‘. In: burgtheater.at. 25. Januar 2017, archiviert vom Original am 2. Februar 2017; abgerufen am 4. März 2019 (Ankündigung des Galaabends auf der Seite des Burgtheaters).
  9. Günter Kaindlstorfer: Erfolg von Populisten. „Ein schrecklicher, aber erzwungener Reflex“. In: Deutschlandfunk-Sendung „Kulturfragen“. 22. Januar 2017, abgerufen am 4. März 2019 (Beitrag auf Deutschlandfunk zu Werner Schneyders 80. Geburtstags).
  10. a b Porträt von Werder Schneyder, Bayern 2 Radiothemen vom 17. Januar 2017, abgerufen 26. Januar 2017.