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Clara Schumann

deutsche Pianistin und Komponistin
Clara Schumann 1878/1879,
Pastell von Franz von Lenbach

Clara Josephine Schumann geb. Wieck (* 13. September 1819 in Leipzig; † 20. Mai 1896 in Frankfurt am Main) war eine deutsche Pianistin, Komponistin, Klavierprofessorin und Editorin sowie ab 1840 die Ehefrau Robert Schumanns.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Herkunft und GeschwisterBearbeiten

 
Clara Wiecks Geburtshaus Hohe Lilie (1920)

Clara Wieck wurde im Haus Hohe Lilie am Leipziger Neuen Neumarkt 48[2] (heute Neumarkt, mit Kaufhaus überbaut) geboren und am 6. Oktober 1819 in der Nikolaikirche auf den Namen Clara Josephine getauft. Ihre Eltern waren Friedrich Wieck und dessen Frau Mariane Wieck geb. Tromlitz. Der Vater war studierter Theologe. Wegen seiner Leidenschaft für die Musik ließ er sich auf dem Klavier ausbilden. Außerdem gründete er eine Klavierfabrik und eine Leihanstalt für Musikalien. Claras Mutter war Sängerin und Pianistin. Die erste Tochter Adelheid starb im Kindesalter. Dann folgten Clara und die Brüder Alwin, Gustav und Viktor. Zum Zeitpunkt der Geburt Viktors (1824) waren die Eltern aber bereits getrennt.

Friedrich Wieck heiratete 1828 die zwanzig Jahre jüngere Clementine Fechner und hatte mit ihr eine Tochter, Marie, die später Klavierunterricht bei ihm bekam sowie Cäcilie (1834–1893), die bis zu ihrer Erkrankung im 16. Lebensjahr eine sehr vielversprechende junge Pianistin war, und die Friedrich Wieck in seinen Schriften gerne neben Clara und Marie als eine seiner „drei Töchter“ nannte.[3] Aus der zweiten Ehe der Mutter Mariane Wieck mit Adolph Bargiel ging der Sohn Woldemar Bargiel hervor, der später Komponist wurde.

Friedrich Wieck als Claras Klavierlehrer und ImpresarioBearbeiten

 
Friedrich Wieck um 1830, Gemälde im Robert-Schumann-Haus Zwickau

Friedrich Wieck, der sich der Erziehung seiner Kinder verschrieben hatte, galt als autoritär und streng. Sein ganzes Augenmerk galt Clara, bei der er wegen ihres musikalischen Talents die Absicht verfolgte, sie so rasch wie möglich als Wunderkind und Klaviervirtuosin bekannt zu machen. So nahm er sie nach wenigen Jahren aus der öffentlichen Grundschule und ließ sie privat unterrichten, damit sie sich völlig auf das Klavierspielen konzentrieren konnte. Dadurch blieb die Ausbildung Claras weitgehend auf die Musik beschränkt, umfasste aber auch das Erlernen von Fremdsprachen und als Ausgleich lange Spaziergänge.

Ab 1827 führte Friedrich Wieck ein Tagebuch für Clara – in der Ich-Form, als habe sie es selbst geschrieben.[4] Später ließ er sich Claras Tagebucheintragungen zum Lesen vorlegen. Ein solcher Tagebucheintrag der neunjährigen Clara lautete:

„Mein Vater, der längst schon vergebens auf eine Sinnesänderung von meiner Seite gehofft hatte, bemerkte heute nochmals, daß ich immer noch so faul, nachlässig, unordentlich, eigensinnig, unfolgsam etc. sei, daß ich dies namentlich auch im Klavierspiel sei, und weil ich Hüntens neue Variationen op. 26 in seiner Gegenwart so schlecht spielte und nicht einmal den ersten Teil der 1. Variation spielte, so zerriß er das Exemplar vor meinen Augen, und von heute an will er mir keine Stunde mehr geben, und ich darf nichts weiter spielen als die Tonleitern, Cramers Etüden und Cerny-Trillerübungen.“

Wieck unterrichtete seine Tochter meist persönlich. In den ersten Jahren delegierte er den Klavierunterricht manchmal an die von ihm 1826 nach Leipzig geholte Klavierlehrerin Emilie Reichold.[5] Der Erfolg stellte sich bald ein. Clara erntete mit ihren Auftritten großen Applaus. Für den Vater war sie das Aushängeschild seiner klavierpädagogischen Methode, die er auch Musikern wie Robert Schumann und Hans von Bülow angedeihen ließ.

Das strenge pianistische Training war jedoch nach heutigen Maßstäben nicht kindgerecht. Clara Schumann äußerte sich dazu in einem Brief aus dem Jahr 1894, es sei ihr ein verständiger Vater zur Seite gestanden, „[…] der über ihre Gesundheit wachte, sorgte, daß sie tüchtig spazieren ginge, nie in späte Gesellschaften Einladungen annähme, nie zu viel hintereinander übte, nie am Nachmittag vor einem Abendconcerte anderes thäte als ruhete, kurz, der sie bewachte. Die Leute würden ihn freilich einen Tyrannen nennen, wie es mein Vater sich gefallen lassen mußte, – ich danke es ihm aber noch täglich; die Frische, die mir bis in’s hohe Alter geblieben ist, (in der Kunst wenigstens) dies danke ich ihm!“[6]

Zunächst bestand das weitgehend vom Vater bestimmte Vortragsprogramm aus gefälligen und zugleich technisch anspruchsvollen Kompositionen von zum Beispiel Friedrich Kalkbrenner, Camille Pleyel, Ignaz Moscheles und Henri Herz. Auch ihre eigenen, frühen Kompositionen wurden eingebunden. Erst nachdem sich der Einfluss des Vaters verringert hatte, spielte Clara in ihren Konzerten Werke von Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach und Robert Schumann.

Wieck sah sich als Claras Impresario, der die oft mit Strapazen verbundenen Konzertreisen organisierte. Er trug Sorge dafür, dass Einladungen zu Konzerten ausgesprochen wurden und dass der Flügel am Veranstaltungsort funktionierte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es oft vor, dass sich ein Flügel nur schwer beschaffen ließ oder nicht gestimmt war. Vor jedem Konzert tat sich zudem die bange Frage auf, ob die Mechanik der Instrumente „mitspielen“ würde. Es konnte passieren, dass während des Spiels plötzlich Tasten stecken blieben oder Dämpfer sich nicht auf die Saiten zurücklegten, so dass der weiterklingende Ton das Spiel ruinierte. Wieck führte daher stets ein Arsenal an Klavierwerkzeugen mit sich und betätigte sich im Vorfeld des Konzerts meistens noch als Klavierstimmer und Reparateur. Später ging er dazu über, eigens ausgesuchte Instrumente an den Ort des Auftritts vorauszuschicken, damit Clara auf einem ihr vertrauten Flügel spielen konnte.

Das Wunderkind ClaraBearbeiten

 
Clara Wieck 1828, im Jahr ihres ersten Auftritts als Pianistin, Elfenbeinminiatur (Ausschnitt)

Clara lernte erst sehr spät das Sprechen, vermutlich im Alter von vier Jahren, als sie ein Jahr lang getrennt vom Vater bei ihren Großeltern verbrachte. Im Alter von fünf Jahren erhielt sie intensiven Klavierunterricht. Am 20. Oktober 1828 trat sie zum ersten Mal öffentlich im Gewandhaus auf und spielte bei einem Konzert von Caroline Perthaler[7] neben der Klavierlehrerin Emilie Reichold – einer Schülerin Friedrich Wiecks – die rechte Partie eines vierhändigen Werks von Friedrich Kalkbrenner.[8]

Die Leipziger Allgemeine musikalische Zeitung schrieb:

„In demselben Konzerte war es uns noch besonders angenehm, die erst neunjährige, mit vielen Musikanlagen ausgestattete Clara Wieck vierhändige Variationen über einen Marsch aus ‚Moses‘ von Kalkbrenner, mit allgemeinem und verdientem Beifalle vortragen zu hören. Unter der Leitung ihres musikerfahrenen, die Kunst des Pianofortespiels wohl verstehenden und dafür mit Liebe sehr tätigen Vaters dürfen wir von ihr die größten Hoffnungen hegen.“

Clara spielte vor Goethe und wurde persönlich bekannt mit Niccolò Paganini und Franz Liszt. Sie trat in jungen Jahren in zahlreichen Städten und auch im nahen Ausland auf. In Wien wurde ihr mit noch nicht 19 Jahren die Ehre zuteil, zur k(aiserlich) k(öniglichen) Kammer-Virtuosin ernannt zu werden.[9]

Auch als Komponistin war sie sehr früh aktiv. Die Quatre Polonaises op. 1 wurden veröffentlicht, als Clara zehn oder elf Jahre alt war. Es folgten Caprices en forme de Valse, Valses romantiques, Quatre Pièces Caractéristiques, Soirées Musicales, ein Klavierkonzert und vieles mehr.

Annäherung an Robert SchumannBearbeiten

Clara lernte Robert Schumann im Jahr 1828 kennen, im Alter von etwa achteinhalb Jahren.[10] Ab Oktober 1830 wohnte Schumann als Zwanzigjähriger ein Jahr lang bei den Wiecks, als er sich von Claras Vater unterrichten ließ. Mit dem Mädchen ging er sehr nett um: So erzählte er ihr und ihren beiden Brüdern selbst erfundene Märchen.

Robert Schumann ging damals eine Beziehung mit einer jungen Frau ein, die er in seinen Tagebüchern „Christel“ nannte. 1834 verlobte er sich mit Ernestine von Fricken, einer Schülerin Wiecks, die drei Jahre älter als Clara war. Von der Verlobung nahm er wieder Abstand, als er erfuhr, dass sie ein angenommenes Kind und nicht erbberechtigt war.

 
Clara Wieck 1835, Lithografie von Julius Giere. Clara Wieck im Jahr des ersten Kusses. Die Noten stammen aus ihrem Klavierkonzert a-Moll op. 7.

Clara aber war von diesem Mann schon immer beeindruckt gewesen. Als sie 16 Jahre alt war, kamen sie einander näher; von dem ersten Kuss schwärmte Robert Schumann noch in späteren Briefen. Sie war seine „Zilia“, seine „Chiara“, wie er sie zärtlich nannte. Einem Stück aus seinem damals komponierten Klavierzyklus Carnaval op. 9 gab er den Titel Chiarina.

Claras Vater war jedoch keinesfalls bereit, sie dem jungen Mann zuzusprechen, der keinen Beruf hatte und nicht einmal mehr Pianist werden konnte, weil Beeinträchtigungen des rechten Mittelfingers und der rechten Hand, die Robert als „Schwäche“ und „Lähmung“ beschrieb, diese Karriere vorzeitig beendet hatten.[11] Auch die Tatsache, dass Robert Schumann als Musikredakteur recht erfolgreich war und mit ihm die Neue Zeitschrift für Musik gegründet hatte, konnte ihn nicht umstimmen.

Wiecks Hang, bei Clara alles zu kontrollieren, nahm tyrannische Züge an. Er untersagte dem Liebespaar jeden Kontakt. Die Trennung erreichte er zunächst dadurch, dass er Clara für zahlreiche Konzerttourneen verplante. Er überwachte sie fast rund um die Uhr und verbot ihr auch einen Briefwechsel mit Robert Schumann. Er entzog ihr offenbar sogar die Tinte, damit sie nicht schreiben konnte. Claras heimliche Briefe an Robert Schumann offenbaren ihre Not: „Nimm mir nur nicht übel, dass ich so fürchterlich schlecht geschrieben, doch stelle dir vor, dass ich stehe und das Blatt auf der Kommode liegt, worauf ich schreibe. Bei jedem Mal eindunken in das Tintenfass lauf ich in die andere Stube.“ Und ein anderes Mal: „Ich bitt dich, sei mir nicht böse, dass der Brief so kurz wird, doch denke, es ist 10 Uhr und ich schreibe voll Herzensangst stehend in meiner Kammer.“

Friedrich Wieck schickte Clara 1837 zu dem mit ihm befreundeten Ehepaar Serre nach Maxen bei Dresden, um sie von Robert Schumann zu trennen. Doch diese unterstützten die Verbindung des Liebespaars.

1838 entstanden Schumanns Novelletten, die er offiziell der in Deutschland gastierenden Clara Novello widmete. Seine Aufmerksamkeit hatte die Sopranistin jedoch vor allem durch denselben Vornamen geweckt; Clara Wieck war die eigentliche Adressatin dieser Widmung.

HeiratBearbeiten

 
Robert Schumann (1839)
 
Clara Wieck (1840)
kurz vor ihrer Heirat
 
Die Kinder der Schumanns (1854). Von links: Ludwig, Marie, Felix, Elise, Ferdinand und Eugenie. Julie fehlt auf der Fotografie. Emil war schon 1847 gestorben.
 
Robert und Clara Schumann, Lithographie von Eduard Kaiser, 1847

Im September 1839 reichten Robert Schumann und Clara Wieck schließlich beim Gericht in Leipzig Klage ein mit dem Antrag, entweder Vater Wieck zu verpflichten, der geplanten Ehe zuzustimmen, oder die Zustimmung von Amts wegen zu erteilen. Das Verfahren verzögerte sich, nicht zuletzt auch durch Zutun Friedrich Wiecks. Am 1. August 1840 genehmigte das Gericht endlich die Eheschließung, die am 12. September 1840 in der Gedächtniskirche Schönefeld bei Leipzig geschlossen wurde. Eine Gedenktafel in Leipzig Mölkau erinnert daran, dass Clara und Robert Schumann den Nachmittag im Gutspark Mölkau verbrachten.

In den ersten Jahren in Leipzig kamen zwei Töchter zur Welt: Marie (1841–1929) und Elise (1843–1928). In den nächsten Jahren (Dresden und Düsseldorf) folgten weitere sechs Kinder: Julie (1845–1872), Emil (1846–1847), Ludwig (1848–1899), Ferdinand (1849–1891), Eugenie (1851–1938) und Felix (1854–1879). Ammen bzw. Kindermädchen übernahmen das Aufziehen und die Erziehung, wie es im Bürgertum damals üblich war. Das vierte Kind, der erste Sohn Emil, starb bereits im Alter von 16 Monaten.[12]

Die ersten vier Ehejahre lebte das Paar im heutigen Schumann-Haus in Leipzig. Personen wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Hans Christian Andersen und Franz Liszt gingen ein und aus, und man veranstaltete Konzerte und Lesungen im Konzertsaal. Zu einer Versöhnung zwischen Wieck und dem Ehepaar Schumann kam es 1843; den ersten Schritt hierzu machte der Vater.

Die herbeigesehnte häusliche Gemeinschaft mit Robert Schumann hatte für Clara Schumann aber auch etwas Desillusionierendes. Die Jahre der Trennung hatten die Liebe überirdisch erscheinen lassen; nun musste sie im Alltag bestehen. Immerhin war Clara Schumann befreit von der erdrückenden Dominanz ihres Vaters. Die Ehe bot ihr endlich die Gelegenheit, die unter dem väterlichen Regime vernachlässigte allgemeine Bildung nachzuholen. Sie las Goethe, Shakespeare und Jean Paul. Neben den Werken ihres Mannes beschäftigte sie sich nun auch verstärkt mit Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und Frédéric Chopin.

Robert Schumann sah es nicht gern, dass seine Frau weiterhin konzertieren wollte; er verlangte ihre Gegenwart an seiner Seite. Auf seine Bitte hin schränkte Clara Schumann das Klavierüben ein – Robert Schumann konnte sich sonst nicht auf das Komponieren konzentrieren. Überdies war es sein Wunsch, dass Clara Schumann sich mehr der Komposition widmen und ihren Stil dem seinen annähern sollte. Eine auf Virtuosität und Bravour abzielende Art der romantischen Komposition war ihm zu unernst. Sein Ziel war „musikalische Zweisamkeit in Einheit“. So brachte ein 1841 veröffentlichter Liederzyklus des Ehepaars Schumann die Rezensenten in die Verlegenheit, nicht sagen zu können, welche der Vertonungen nun Robert und welche Clara Schumann zuzuschreiben waren.

Robert Schumann führte auch ein Ehetagebuch ein – er und Clara Schumann machten im Wechsel ihre Eintragungen. Früher hatte ihr Vater ihr Tagebuch kontrolliert, nun beteiligte sie sich an einem Tagebuch, das vom Ehemann gelesen wurde. Doch war diese Einrichtung von dem für seine Schweigsamkeit bekannten Schumann dazu gedacht, auch Mitteilungen und Bitten hineinzuschreiben, für die das gesprochene Wort nicht ausreichte. Daher nutzte Clara Schumann das Tagebuch, um ihrem Ehemann in einigen Angelegenheiten ihre Sicht der Dinge mitzuteilen.

Fortsetzung der KarriereBearbeiten

Clara Schumann setzte ihren Wunsch bald wieder durch, auf Konzertreisen zu gehen. Nicht zuletzt die finanzielle Situation der Familie ließ diesen Schritt als sehr angeraten erscheinen, denn Clara Schumann trug mit ihren Konzerteinnahmen in ganz erheblichem Maße dazu bei, dass die Schumanns sich über Wasser halten konnten. Im Übrigen kam ihr Konzertieren auch Robert Schumann selbst zugute: Da er wegen seiner Behinderung der rechten Hand nicht mehr öffentlich auftreten konnte, interpretierte sie seine Werke am Klavier und machte ihn später in ganz Europa bekannt. Sie sorgte auf diese Weise zu einem großen Teil für seinen Ruhm als Komponist.

Eine Konzerttournee nach Dänemark (mit der Eisenbahn, für Clara Schumann ein unheimliches Unterfangen) unternahm sie allein. Nach Russland, wo sie 1844 Auftritte in Sankt Petersburg und Moskau hatte, wurde sie vom Ehemann begleitet. Dort wurde Clara Schumann von der Zarenfamilie empfangen. Robert Schumanns zeitweiliger Missmut über die Erfolge seiner Frau ist bekannt; ihm behagte nicht, dass sie bei den Konzertreisen die tragende Rolle spielte. Sie wurde gefeiert; ihm wurde manchmal Geld zugesteckt.

DresdenBearbeiten

 
Fritz Klimsch: Robert Schumann und Clara Schumann – nach dem Original von Ernst Rietschel (1846)

Im Dezember 1844 zog das Ehepaar nach Dresden, wo Robert Schumann sich vergeblich bemühte, eine Festanstellung als Dirigent bei einem Konzert- oder Opernhaus zu erhalten. Bis 1846 war er oft krank und schwermütig. Immerhin lebte die Familie nun in einem größeren Haus, wo Clara Schumann in einem abgeschiedenen Zimmer ihrem Klavierspiel nachgehen konnte, ohne ihren Mann zu stören.

Am 17. Februar 1847 erlebte das Ehepaar Schumann in Berlin die erfolgreiche Aufführung von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri. Die damaligen Kontakte zu den Berliner Salons und zu den Künstlerkreisen um Felix Mendelssohn Bartholdy, Wilhelm und Fanny Hensel, Henriette Sontag und Pauline Viardot bewogen Robert und Clara Schumann, an einen Umzug nach Berlin zu denken.[13] Clara Schumann hatte sich mit Fanny Hensel angefreundet.[14] Doch nach Fanny Hensels frühem Tod am 14. Mai 1847, der die Schumanns „sehr erschüttert“ hatte,[15][16] wurde der Plan einer Übersiedelung verworfen.[13]

In den Jahren 1845 bis 1849 bekam Clara Schumann vier Kinder: die dritte Tochter Julie, Emil (der nach 16 Monaten starb), Ludwig und Ferdinand. Ende 1849 erhielt Robert Schumann das Angebot, in Düsseldorf Städtischer Musikdirektor zu werden. Er nahm das Angebot an.

DüsseldorfBearbeiten

 
Bilker Straße 15 in Düsseldorf-Carlstadt: Hier mieteten die Schumanns von August 1852 bis August 1855 zwei Etagen

1850 siedelte die Familie Schumann nach Düsseldorf über. Clara Schumann konzertierte und übernahm an Robert Schumanns Seite die musikalische Assistenz des Orchesters und des Chores. Aufreibend war die von beiden beklagte Undiszipliniertheit der Musiker, die dazu führte, dass Proben und Auftritte nicht den gewünschten Erfolg brachten. Zusätzlich belastet wurde das Ehepaar durch drei Umzüge innerhalb Düsseldorfs[17] sowie durch eine weitere Geburt und eine Fehlgeburt.

Woldemar Bargiel, Clara Schumanns Halbbruder, hielt in seinem Tagebuch die Umstände seines Besuches im Juli und August 1852 beim Ehepaar Schumann fest. Danach arbeitete Schumann in dieser Zeit viel an musikalischen Projekten und widmete sich zwischendurch seiner Familie und seinen jungen Musikerfreunden, war aber auch oft krank, was die besorgte Clara Schumann sehr mitnahm.[18] Auf Bargiel wirkte es so, „als ob Schumann und Clara einen und denselben körperlichen Organismus hätten und jede Empfindung Schumanns in sie einflöße.“[19]

Anfang 1854 erreichte Robert Schumanns Erkrankung, möglicherweise die Folge einer früher erworbenen Syphilis, einen neuen Höhepunkt. In wachsendem Maße hatte er „Gehöraffektionen“ entwickelt: Geräusche und aufdringliche Töne bis hin zu ganzen Musikstücken verfolgten ihn, raubten ihm den Schlaf, bereiteten ihm unerträgliche Schmerzen und ließen ihn zeitweilig in Halluzinationen verfallen. Seine Tagebuchnotizen berichten darüber noch bis zum 17. Februar 1854; danach gab es keine Eintragungen mehr.

Am 27. Februar, einem Rosenmontag, stürzte sich Robert Schumann von der damaligen Oberkasseler Pontonbrücke in den Rhein, um sich das Leben zu nehmen, wurde aber aus dem Wasser gezogen und gerettet.[20] Am 4. März 1854 wurde er in die Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn (heute ein Stadtteil von Bonn) eingeliefert. Clara Schumann war zu jener Zeit mit ihrem jüngsten Sohn Felix schwanger und zog mit den Kindern zu einer Freundin. Ärzte rieten ihr dringend davon ab, ihren Mann in seinem beklagenswerten Zustand zu sehen.

In verschiedenen Biographien zu Robert oder Clara Schumann findet sich die Darstellung, Robert Schumann habe sich damals als „Verbrecher“ gesehen, der seiner geliebten Frau „ein Leid antun“ könnte, und dies habe ihn zu dem Entschluss bewogen, freiwillig in eine Nervenheilanstalt zu gehen. Dies ist jedoch nicht belegt und mittlerweile höchst umstritten. In Robert Schumanns Tagebuch steht hierüber nichts. Die Quelle dieser Behauptung ist die 1908 erschienene dreibändige Biografie Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen von Clara Schumanns erstem Biografen, Berthold Litzmann (1857–1926). Die ihm von Marie Schumann anvertrauten Tagebücher und Briefe Clara Schumanns hat Litzmann aber der Nachwelt nicht zur Einsicht zur Verfügung gestellt (er oder wahrscheinlicher Marie soll sie verbrannt haben).

Clara Schumann suchte ihren Mann erst nach über zwei Jahren in der Nervenheilanstalt auf, zwei Tage vor seinem Tod. Verschiedentlich wird angenommen, Litzmann habe Robert Schumann als ein Risiko für seine Frau und die Familie dargestellt, um Clara Schumann vor Vorwürfen wegen ihres sehr späten Besuchs zu bewahren (so Dieter Kühn in Clara Schumann. Klavier). Doch Tatsache ist, dass Clara Schumann von Anfang an Besuche in Endenich aus medizinischen Gründen verwehrt wurden. Im Sommer 1854 bat sie den behandelnden Arzt Eberhard Peters in einem Brief, es sie wissen zu lassen, sobald ein Besuch ohne Nachteil für ihren Mann stattfinden könne.[21] Erst als Schumanns Ende erkennbar war, wurde sie am 23. Juli 1856 nach Endenich gerufen.[22] Sie wollte den unrettbar Kranken sofort besuchen, verzichtete aber auf Anraten der Ärzte und des mitgereisten Brahms darauf, obwohl sie schon in Endenich war. Sie sah Schumann schließlich erst am 27. Juli 1856, zwei Tage vor seinem Tod. Sie war sich sicher, dass er sie erkannte. Zu dieser Zeit hatte Schumann bereits die Essensaufnahme verweigert.[23]

Clara Schumann und Johannes BrahmsBearbeiten

 
Clara Schumann (um 1853)
 
Johannes Brahms (um 1855)

Als Johannes Brahms erstmals Robert und Clara Schumann in Düsseldorf besuchte, war die Familie Schumann in einer schwierigen Lage: Robert Schumann verlor den Rückhalt in seiner Position als Musikdirektor, und seine gesundheitlichen Probleme beeinträchtigten ihn immer mehr.[24]

Am 30. September 1853, dem Tag von Brahms' Ankunft, hielt Clara Schumann in ihrem Tagebuch fest:

„Meine letzten guten Jahre gehen dahin, meine Kräfte auch – gewiß Grund genug, mich zu betrüben. [...] Ich bin so entmutigt, daß ich es nicht sagen kann.“[25]

An demselben Tag notierte Robert Schumann ins Haushaltsbuch: „Hr. Brahms aus Hamburg.“[26]

In den folgenden Tagen wurde das Ehepaar überwältigt und erhoben von der Wirkung des jungen Johannes Brahms, dessen bereits künstlerisch reife Werke, die er ihnen ohne Noten am Klavier vorstellte, sie als Offenbarungen empfanden. Clara Schumann fasste die Eindrücke in ihrem Tagebuch zusammen:

„Dieser Monat [der Oktober 1853] brachte uns eine wunderbare Erscheinung in dem 20jährigen Komponisten Brahms aus Hamburg. Das ist wieder einmal einer, der kommt wie von Gott gesandt.“[27]

Robert Schumann sorgte mit seinem Aufsatz Neue Bahnen für die Neue Zeitschrift für Musik dafür, dass dem bis dahin unbekannten Künstler Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Bald nach Schumanns Einlieferung in die Nervenheilanstalt im März 1854 intensivierte sich der Kontakt zwischen Clara Schumann und Brahms, der zunächst in der Nähe der Schumann’schen Wohnung Quartier bezogen hatte und schließlich nach Clara Schumanns Umzug in die Poststraße im August 1855 in demselben Haus ein Zimmer mietete. Damit wurde Brahms für alle sichtbar in Clara Schumanns Familie aufgenommen. Wie bisher unterstützte er Clara Schumann in inneren und äußeren Angelegenheiten und wurde zu ihrem vertrauten Freund. Fest steht, dass Brahms in Clara Schumann verliebt war; zahlreiche Briefe zeugen davon. Was sich aber in der Zeit bis vornehmlich 1856 zwischen ihnen tatsächlich zutrug, ist wenig erhellt, weil Clara Schumann und Brahms in beiderseitigem Einvernehmen fast den gesamten Briefwechsel aus der Zeit bis 1858 vernichtet haben. Allerdings hielt sich nur Brahms vollständig an die Abmachung; Clara Schumann behielt einige Briefe, die der Nachwelt etwas über ihre Beziehung verraten.

In Brahms' erhalten gebliebenen Briefen sind alle Formen der Anrede anzutreffen: Anfangs „Verehrte Frau“, dann „Theuerste Freundin“, schließlich „Innigst geliebte Freundin“, zuletzt „Geliebte Frau Clara“. Im Brief vom 25. November 1854 brachte er seine überwältigende Freude über ein plötzliches Du zum Ausdruck:

„Theuerste Freundin, wie liebevoll blickt mich das trauliche ‚Du‘ an! Tausend Dank dafür, ich kann’s nicht genug ansehen und lesen, hörte ich es doch erst; selten habe ich das Wort so entbehrt, als beim Lesen Ihres letzten Briefes.“

Er, der Jüngere, hatte es nicht gewagt, ein Du anzubieten, und fand erst langsam in diese intime Anrede. Im Brief vom 31. Mai 1856 schrieb er sehr deutlich von Liebe und Zärtlichkeit:

„Meine geliebte Clara, ich möchte, ich könnte Dir so zärtlich schreiben, wie ich Dich liebe, und so viel Liebes und Gutes tun, wie ich Dir’s wünsche. Du bist mir so unendlich lieb, dass ich es gar nicht sagen kann. In einem fort möchte ich Dich Liebling und alles mögliche nennen, ohne satt zu werden, Dir zu schmeicheln. […] Deine Briefe sind mir wie Küsse.“

Nach dem Tod Robert Schumanns im Juli 1856 wird der Ton in den Briefen deutlich nüchterner. Aus den Briefen von Brahms spricht nun verhaltene Betroffenheit.

In einem undatierten, für ihre Kinder gedachten Tagebucheintrag, beschrieb Clara Schumann ihr Verhältnis zu Brahms:

„Gott sendet jedem Menschen, sei er auch noch so unglücklich, immer einen Trost [...] Da kam J o h a n n e s B r a h m s. Ihn liebte und verehrte euer Vater, wie außer Joachim keinen; er kam, um als treuer Freund alles Leid mit mir zu tragen; er kräftigte das Herz, das zu brechen drohte, er erhob meinen Geist, erheiterte, wo er nur konnte, mein Gemüt, kurz er war mein Freund im vollsten Sinne des Wortes. [...] Wohl kann ich euch sagen, meine Kinder, daß ich nie einen Freund so liebte wie ihn – es ist das schönste Einverständnis unsrer Seelen; [...] glaubt eurer Mutter, was sie euch sagt, und hört nicht kleinliche und neidische Seelen, die ihm meine Liebe und Freundschaft nicht gönnen, daher ihn anzutasten suchen oder gar unser schönes Verhältnis, das sie entweder wirklich nicht begreifen oder nicht begreifen wollen. [...]“[28]

Die letzten JahrzehnteBearbeiten

 
Clara Schumann, 1857
 
Clara Schumann, 1887

Nach dem Tode Robert Schumanns gab Clara Schumann fünf ihrer sieben Kinder außer Haus: Die älteren Töchter Marie und Elise wurden nach Leipzig verschickt, die dritte Tochter Julie nach Berlin, Ludwig und Ferdinand nach Bonn. Die beiden Jüngsten, Eugenie und Felix, blieben vorerst bei ihr. Im Oktober 1857 zog sie nach Berlin.[29] 1863 siedelte sie nach Baden-Baden über.

Ihr Leben war weiterhin ausgefüllt von erfolgreichen Konzertreisen in zahlreiche Städte Deutschlands und Europas. Clara Schumann blieb eine überall gefeierte Pianistin. Eine Belastung war für sie der Sohn Ludwig, der wohl geistig und körperlich zurückgeblieben war. Clara Schumann klagte: „Ludwig ist mir keine Stütze.“ Nach einem Zusammenbruch Ludwigs verfügte sie 1870 die Einweisung des jungen Mannes in die Irrenanstalt auf Schloss Colditz, wo er 1899 erblindet starb.

Sie betätigte sich als Herausgeberin der Kompositionen Robert Schumanns und förderte ihre Veröffentlichung im Musikverlag Breitkopf & Härtel. Sie publizierte auch seine Schriften und Tagebücher. Im Jahr 1878 wurde sie zur „Ersten Klavierlehrerin“ des neu gegründeten Dr. Hoch’s Konservatoriums in Frankfurt am Main berufen. Ihr letztes Konzert gab sie am 12. März 1891 im Alter von 71 Jahren.

Am 26. März 1896 erlitt Clara Schumann einen Schlaganfall und starb wenige Monate später im Alter von 76 Jahren. Ihrem Wunsch gemäß wurde sie in Bonn auf dem Alten Friedhof neben ihrem Mann beigesetzt. Eine kleine Gedenktafel in der Myliusstraße 32 in Frankfurt am Main erinnert an ihre letzte Wirkungsstätte.

Clara Schumann als VirtuosinBearbeiten

 
Denkmal des Ehrengrabes auf dem Alten Friedhof in Bonn: Clara Schumann als Muse zu Füßen ihres Mannes

Das beginnende 19. Jahrhundert brachte eine Reihe von hervorragenden Solisten hervor, deren überwältigendes Können auf ihrem Instrument das Publikum faszinierte. Dementsprechend groß war auch die Nachfrage nach solistischen Auftritten der Künstler. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren dies beispielsweise die Violinisten Niccolò Paganini und Joseph Joachim, mit dem Clara zahlreiche gemeinsame Konzerte bestritt. Unter den Pianisten waren es neben Clara Schumann Franz Liszt, Frédéric Chopin, Sigismund Thalberg und Friedrich Kalkbrenner, denen der Ruf vorauseilte, auf dem Klavier unübertroffen zu sein.

Auch objektive Umstände begünstigten den Aufstieg der Klaviervirtuosen. Die Instrumente Flügel und Klavier erfuhren in der Zeit immer wieder Verbesserungen: Stahlsaiten wurden eingezogen, der Tonumfang erweitert und die Mechanik ausgeklügelter als etwa bei Ludwig van Beethoven oder Johann Nepomuk Hummel, die als herausragende Pianisten der Wiener Klassik noch nicht in den Genuss der 1821 von Sébastien Érard erfundenen doppelten Auslösung, des double échappement (deutsch Repetitionsmechanik) gekommen waren. Den technischen Fortschritt ließen die Künstler in ihre Arbeiten einfließen, sowohl bei der Darbietung solistischer Stücke als auch in ihren Kompositionen.

Was Clara Schumann besonders auszeichnete: Sie bestand in einer männerdominierten Welt – als achtfache Mutter und zeitweise gegen den Widerstand ihres Mannes. Sie ließ sich nicht auf die Präsentation von Salonstückchen reduzieren. Sie spielte unter anderem Sonaten von Beethoven und einige seiner Klavierkonzerte (auch das fünfte, das als schwierig galt). In ganz Europa wurde sie gefeiert und mit Ehrungen bedacht. Ihr Mann hatte dagegen ständig das Gefühl, um Anerkennung ringen zu müssen. Als er Clara Schumann auf der Konzertreise nach Russland begleitete, wurde er angeblich gefragt: „Und Sie? Was machen Sie? Machen Sie auch etwas mit Musik?“

Josef Sittard berichtet in seiner Geschichte des Musik- und Concertwesens in Hamburg vom 14. Jahrhundert bis auf die Gegenwart (1890),[30] dass Clara Schumann als „ein Liebling der Hamburger“ galt. Sie trat dort bereits 1835 als Sechzehnjährige auf, bis 1881 insgesamt neunzehn Mal. Die Philharmonischen Konzerte fanden im „Apollo-Saal“ in der Drehbahn 3–5 (nahe der heutigen Hamburger Staatsoper) statt. Diesen Saal nutzte die 1828 gegründete „Philharmonische Gesellschaft“ in den ersten Jahren ihres Bestehens für ihre Konzerte.

Clara Schumanns maßgebliche Rolle bei der Entstehung des modernen Konzertrepertoires (Repertoirekanonisierung) wurde in jüngerer Zeit durch die statistische Analyse ihres Lebensrepertoires auf Grundlage von mehr als 1300 Programmzetteln ihrer sämtlichen öffentlichen Konzerte aufgezeigt.[31]

Clara Schumann als KomponistinBearbeiten

Komponieren für die Karriere als PianistinBearbeiten

Auf Anweisung von Friedrich Wieck bekam Clara Schumann schon als Kind neben dem Klavierunterricht, den ihr der Vater erteilte und zu dem auch Improvisationsübungen gehörten, ab März 1830 Theorie- und Kontrapunktunterricht bei dem Thomaskantor Christian Theodor Weinlig und ab Juni 1832 Kompositionsunterricht bei dem Kapellmeister Heinrich Dorn. Violinunterricht und Übungen im Partiturspiel sowie im Jahr 1834 Unterricht im Instrumentieren bei Carl Gottlieb Reißiger und Gesangsstunden bei Johann Aloys Miksch kamen hinzu.[32][33] Diese vielfältige Ausbildung verschaffte Clara Wieck alle nötigen Grundlagen für das eigene Komponieren und befähigte sie, bereits als junges Mädchen mit ihren 1831 gedruckten Quatre Polonaises pour le Pianoforte op. 1 in Anlehnung an bekannte Muster als Komponistin an die Öffentlichkeit zu treten.[34]

Dieses erste Werk und auch die folgenden Opera 2 bis 10 sowie einige verschollene Kompositionen dienten vornehmlich dem eigenen Vortrag in öffentlichen und halböffentlichen Auftritten. Vor allem op. 3 und opp. 7 bis 10 sind geprägt von den fortschreitenden virtuosen Möglichkeiten der Pianistin und lehnen sich an die Literatur ihrer Zeit an.[35][36] Hervorstechende Merkmale in dieser ersten Kompositionsphase sind eine farbige, an Dissonanzen reiche Harmonik,[37] eine variable Behandlung von Metrik und Rhythmik sowie besonders in opp. 5 und 6 die Vielfalt der Gattungen und Satztypen, die sich teilweise an Werken des von beiden Opera begeisterten Frédéric Chopin orientieren.[38] Bereits in einigen dieser frühen Werke hielt die Komponistin durch wechselseitige Zitate und Übernahmen von Themen und Motiven musikalische Zwiesprache mit Robert Schumann.[39]

Zur damaligen Zeit empfand man Kompositionen von einer Frau noch als ungewöhnlich. In einer Besprechung von Clara Wiecks Klavierkonzert a-Moll op. 7, komponiert im Alter von 14 bis 15 Jahren, schrieb der Musikkritiker Carl Ferdinand Becker, der dieses Konzert als „sehr vorzüglich“ bezeichnete:

„[H]ier wird man auf eine eigne Art überrascht, denn der Laie, der Kenner und der Virtuos wird auf gleiche Weise von dem Werke angezogen und fände sich nicht auf dem Titel der Name der Componistin oder hörte man das Werk, ohne den Schöpfer zu kennen, nie würde man dem Gedanken Raum geben, es sein von einer Dame geschrieben.“.[40]

Dennoch könne von einer „Recension keine Rede sein. – [...] Weil wir es mit dem Werk einer Dame zu thun haben.“ Anschließend nannte Becker aber doch einige Besonderheiten wie die außergewöhnlichen harmonischen Zusammenhänge und unterschiedlichen Längen der drei Sätze.[40] Der Musikschriftsteller August Gathy dagegen hielt die junge Komponistin in demselben Jahr ohne Einschränkungen zugehörig zur „Romantischen Schule“, die er – von Ludwig van Beethoven ausgehend – besonders durch Frédéric Chopin und Robert Schumann vertreten sah.[41]

In einer erstrebten Künstlergemeinschaft mit Robert SchumannBearbeiten

Ab den Romanzen für Klavier op. 11, die in der Verlobungszeit im regen Gedankenaustausch mit Robert Schumann entstanden, änderte sich die Zielrichtung des Komponierens. Zwar waren die Klavierwerke weiterhin für den eigenen Vortrag vorgesehen, folgten aber jetzt einer von Robert Schumann beeinflussten Ästhetik. Die Virtuosität wurde Nebensache, dagegen dominierte eine ausdrucksstarke, romantisch geprägte, vielstimmige Setzweise.

Robert Schumann sah Clara bereits in der Verlobungszeit und auch nach der Eheschließung als gleichberechtigte Komponistin an. Am 18. Juni 1939 schrieb er im Hinblick auf die erhoffte Ehegemeinschaft an sie:

„Wir geben dann auch Manches unter unseren beiden Namen heraus, die Nachwelt soll uns ganz wie ein Herz und eine Seele betrachten und nicht erfahren, was von dir, was von mir ist.“[42]

Am 10. Juli 1839 nahm er Bezug auf die Romanze g-Moll aus dem 1840 veröffentlichten op. 11:

„An Deiner Romanze hab‘ ich nun abermals von Neuem gehört, daß wir Mann und Frau werden müssen. Du vervollständigst mich als Componisten, wie ich Dich. Jeder Deiner Gedanken kommt aus meiner Seele, wie ich ja meine ganze Musik Dir zu verdanken habe.“[43]

Im vom Ehepaar ab dem Hochzeitstag geführten Ehetagebuch konkretisierte Robert Schumann seine ideale Vorstellung einer von gegenseitiger Achtung getragenen Lebens- und Schaffensgemeinschaft:

„Eine Zierde unsres Tagebüchelchens soll wie gesagt die Kritik unserer künstlerischen Leistungen werden; z. B. kömmt genau hinein, was Du vorzüglich studirt, was Du componirt, was Du Neues kennen gelernt hast und was Du davon denkst; dasselbe findet bei mir Statt.“[44]

 
Robert und Clara Schumann:
Zwölf Gedichte aus Rückert's Liebesfrühling für Gesang und Pianoforte Op.   (1841), Titelblatt

Im ersten Jahr der Ehe lenkte Robert Schumann das Interesse seiner Frau auf die Komposition von Liedern. Drei ihrer Lieder, die er für besonders gelungen hielt, gab er 1841 zusammen mit eigenen Liedern als gemeinsames Opus heraus, ohne dass dabei die Autorschaft der einzelnen Lieder offenbart wurde. Drei der zwölf Lieder nach Texten aus Friedrich Rückert's Liebesfrühling stammen von Clara Schumann: die Nummern Nr. 2, 4 und 11.[45]

Doch Clara Schumanns Hausfrauen- und Mutterpflichten erwiesen sich als Hemmschuh fürs Komponieren. Am 17. Februar 1843 hielt Robert Schumann im Ehetagebuch sein Bedauern darüber fest:

„Klara hat eine Reihe von kleineren Stücken geschrieben, in der Erfindung so zart und musikreich, wie’s ihr früher noch nicht gelungen. Aber Kinder haben und einen imer phantasierenden Mann, und componiren geht nicht zusamen. Es fehlt ihr die anhaltende Uebung, und dies rührt mich oft, da so mancher innige Gedanke verloren geht, den sie nicht auszuführen vermag.“[46]

Immer wieder war es Robert Schumann, der seine Frau zum Komponieren animierte, so auch in der Zeit gemeinsamer Kontrapunktstudien. Clara Schumanns 1845 veröffentlichte Drei Präludien und Fugen op. 16 waren ein Resultat davon.=[47]Doch der stets anstehende Vergleich ihrer Möglichkeiten mit der Schaffenskraft und Genialität Robert Schumanns bewirkte bei Clara Schumann ernste Selbstzweifel in Bezug auf die Resultate ihres Komponierens. Über ihr Klaviertrio op. 17 von 1845, das sie trotz Schwangerschaften, wirtschaftlicher Not und pianistischer Misserfolge vollendet hatte, sagte sie selbst:

„Natürlich bleibt es immer Frauenzimmerarbeit, bei der es […] an der Kraft und hie und da an der Erfindung fehlt.“[48]

In eine Schaffenskrise geriet Clara Schumann 1847. Ein im Entwurf Robert Schumann zum Geburtstag geschenktes Klavierkonzert bricht im 176. Takt ab und ist von ihr nie vollendet worden.[49] Möglicherweise wurden die nicht besetzten Opuszahlen 18 und 19 für dieses Konzert und für die 1841/42 komponierte, aber nicht veröffentlichte Klaviersonate g-Moll vorgesehen.[50]

Erst 1853 knüpfte Clara Schumann mit den Variationen über ein Thema Robert Schumanns op. 20 an die bisher veröffentlichten Klavierwerke an. Es folgten die Johannes Brahms gewidmeten Romanzen für Klavier op. 21, deren zweite Romanze den Anfang von Robert Schumanns Wiegenliedchen aus op. 124 aufgreift, und die Joseph Joachim gewidmeten Romanzen für Violine und Klavier op. 22 sowie die in wenigen Tagen komponierten Sechs Lieder aus Jucunde von Hermann Rollett op. 23. Dazu schrieb sie am 10. Juni 1853 in ihr Tagebuch: „Es macht mir großes Vergnügen das Komponieren“ und ergänzte am 22. Juni: „ich habe heute das sechste Lied von Rollett komponiert und somit ein Heft Lieder beisammen, die mir Freude machen und schöne Stunden verschafft haben [...] Es geht doch nichts über das S e l b s t p r o d u z i e r e n, und wäre es nur, daß man es täte, um diese Stunden des Selbstvergessens, wo man nur noch in Tönen atmet[51]

Nach Robert Schumanns TodBearbeiten

Mit Robert Schumanns Tod 1856 brach Clara Schumanns familiäres Lebenskonzept ein, und sie verstummte als Komponistin fast völlig.[50] Ein später Nachklang ist eine unveröffentlichte Romanze in h-Moll für Klavier, die den Vermerk „Weihnachten 1856; Liebendes Gedenken! Clara“ trägt. Danach wendete sich Clara Schumann ganz dem Konzertieren und Unterrichten zu. Nur noch einige Kadenzen zu Klavierkonzerten Wolfgang Amadé Mozarts und Ludwig van Beethovens sowie die Gelegenheitskomposition eines Marsches entstanden.

Vergessen und Neuentdeckung der KomponistinBearbeiten

Nach Clara Schumanns Tod verlor sich das Interesse an ihren Kompositionen. Im Gedächtnis der Nachwelt blieb sie als große Pianistin und Vermittlerin der Kompositionen Robert Schumanns. Seit den 1960er Jahren wurde sie als Komponistin wiederentdeckt. Seitdem wurden nach und nach nahezu alle überlieferten Kompositionen Clara Wiecks/Schumanns in modernen Noten-Editionen oder als Digitalisate von Handschriften und Drucken greifbar und sind Gegenstand der Musikwissenschaft.[50] Sie werden im Konzert sowie auf Tonträgern und in Videos dargeboten.

WerkverzeichnisBearbeiten

Werke mit OpuszahlBearbeiten

  • Op. 1 – Quatre Polonaises pour le Pianoforte (1829/1830) – Leipzig: Hofmeister 1831
  • Op. 2 – Caprices en forme de Valse Pour le Piano op. 2, gewidmet Henriette Foerster geb. Weicke (1831/1832) – Leipzig: Hofmeister 1832
  • Op. 3 – Romance varié Pour le Piano (1831–1833) – Leipzig: Hofmeister 1833
  • Op. 4 – Valses romantiques pour le Pianoforte, gewidmet Emma Eggers geb. Garlichs (1835) – Leipzig: Whistling 1835
    • Orchesterfassung (1836, verschollen)
  • Op. 5 – Quatre Pièces caractéristiques pour Pianoforte, gewidmet Sophie Kaskel (1833–1836) – Leipzig: Whistling 1836
  • Op. 6 – Soirées musicales für Klavier, gewidmet Henriette Voigt (1834–1836) – Leipzig: Hofmeister 1836
  • Op. 7 – Konzert für Klavier und Orchester a-Moll, gewidmet Louis Spohr (1833–1835) – Leipzig: Hofmeister 1837
  • Op. 8 – Variations de Concert pour le Piano-forte sur la Cavatine du Pirate de Bellini, gewidmet Adolf Henselt (1837) – Wien: Haslinger 1837
  • Op. 9 – Souvenir de Vienne. Impromptu pour le Pianoforte (1838) – Wien: Diabelli 1838
  • Op. 10 – Scherzo d-Moll für Klavier (1838) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1838
  • Op. 11 – Trois Romances für Klavier, gewidmet Robert Schumann (1838/39) – Wien: Mechetti 1840
  • Op. 12 – Zwölf Gedichte aus Friedrich Rückert's „Liebesfrühling“ für Gesang und Pianoforte von Robert und Clara Schumann (Lieder Nr. 2, 4 und 11 von Clara, gleichzeitig in Robert Schumanns op. 37) (1841) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1841
  • Op. 13 – Sechs Lieder mit Begleitung des Pianoforte, gewidmet Königin Caroline von Dänemark (1840–1842) – Leipzig: Breitkopf & Härtel ca. 1843
  • Op. 14 – Scherzo c-Moll für Klavier, gewidmet Peppina Tutein geb. Siboni (1841) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1845
  • Op. 15 – Quatre Pièces fugitives für Klavier, gewidmet Marie Wieck (1840–1844?) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1845
  • Op. 16 – Drei Präludien und Fugen für Klavier (1845) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1845
  • Op. 17 – Trio für Pianoforte, Violine und Violoncello, g-Moll (1846) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1847
  • Op. 18 – fehlt
  • Op. 19 – fehlt
  • Op. 20 – Variationen für das Pianoforte über ein Thema von Robert Schumann IHM gewidmet (1853) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1854
  • Op. 21 – Drei Romanzen für Klavier, gewidmet Johannes Brahms (1853/55) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1855
  • Op. 22 – Drei Romanzen für Violine und Klavier, gewidmet Joseph Joachim (1853/1855) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1856
  • Op. 23 – Sechs Lieder aus Jucunde von Hermann Rollett für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte, gewidmet Livia Frege (1853) – Leipzig: Breitkopf & Härtel 1856

Werke ohne OpuszahlBearbeiten

(Teilweise nicht veröffentlicht)

  • Walzer (1828, verschollen)
  • Variationen über ein Originalthema für Klavier (1830, verschollen)
  • Etüde As-Dur für Klavier (1830)
  • Variationen über ein Tyroler Lied für Klavier (1830, verschollen)
  • Phantasie-Variationen über eine Romanze von Friedrich Wieck für Klavier (1831, verschollen)
  • Lied Der Wanderer (1831)
  • Lied Der Traum (1831, verschollen)
  • Lied Alte Heimath (1831, verschollen)
  • Lied Der Wanderer in der Sägemühle (1832, auch Friedrich Wieck zugeschrieben)
  • Lied Walzer (1833?)
  • An Alexis für Klavier (1832/33, verschollen)
  • Rondo h-Moll für Klavier (1833, verschollen)
  • Scherzo für Orchester (1833, verschollen)
  • Ouverture für Orchester (1833, verschollen)
  • Lied Der Abendstern (undatiert, vielleicht 1833/1834)
  • Elfentanz für Klavier (1834, verschollen)
  • Variationen über ein Thema aus Hans Heiling (1834, verschollen)
  • Drei Impromptus (1835, verschollen)
  • Scherzi (1835, verschollen)
  • Bravour-Variationen über das Thema der G-Dur Mazurka op. 6., Nr. 5 (1836, verschollen)
  • Andante und Allegro für Klavier (1839); frühe Fassung von op. 11 Nr. 2
  • Lied Am Strande (1840)
  • Lied Ihr Bildnis (1840)
  • Lied Volkslied „Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht“ (1840)
  • Lied Die gute Nacht, die ich dir sage (1841)
  • Sonate für Klavier g-Moll (1841/1842)
  • Lied Loreley (1843)
  • Lied Oh weh des Scheidens, das er tat (1843)
  • Impromptu E-dur für Klavier (1843/44, Erstdruck 1885 in Album de Gaulois)
  • Präludium f-Moll (1845)
  • Praeludium und Fuga a 4 Voci fis-Moll (1845)
  • Lied Mein Stern (1846)
  • Lied Beim Abschied (1846)
  • Concerto f-Moll für Klavier und Orchester (1847, 1. Satz: fragmentarisches Particell)
  • Drei gemischte Chöre (Abendfeier in Venedig; Vorwärts; Gondoliera) (1848, komponiert zu Robert Schumanns 38. Geburtstag)
  • Lied Das Veilchen (1853)
  • Romanze a-Moll für Klavier (1853, ursprünglich als op. 21/1 vorgesehen)
  • Romanze h-Moll für Klavier (Weihnachten 1856; Liebendes Gedenken! Clara)
  • Marsch Es-Dur für Klavier (1879 zweihändig; 1891 vierhändig)
  • Kadenzen zu Ludwig van Beethovens Klavierkonzerten Nr. 4 G-Dur op. 58 (1846) und Nr. 3 c-Moll op. 37 (1868)
  • Kadenzen zu Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466 (1891 veröffentlicht)

Bearbeitungen von Werken Robert SchumannsBearbeiten

  • Klavierquintett op. 44 für Klavier vierhändig (1845)
  • Genoveva op. 81, Klavierauszug (1851)
  • Drei Skizzen für den Pedalflügel aus op. 56 und op. 58 für Klavier zweihändig (1883)
  • 30 Mélodies de Robert Schumann transcrites pour Piano, Paris, Maison Flaxland, Durand, Schoenewerk & Co., um 1873/74

EditionenBearbeiten

Veröffentlicht bei Breitkopf & Härtel, Leipzig

  • Domenico Scarlatti. 20 ausgewählte Sonaten für das Pianoforte (1860er Jahre)
  • Robert Schumanns Werke (1881–1893, mit Johannes Brahms und anderen)
  • Jugendbriefe von Robert Schumann. Nach den Originalen mitgeteilt (1885)
  • Robert Schumann, Klavierwerke. Erste mit Fingersätzen und Vortragsbezeichnungen versehene instruktive Ausgabe (1886)

Briefe und Tagebücher (Auswahl)Bearbeiten

  • „Mein liebes Julchen“. Briefe von Clara Schumann an ihre Enkeltochter Julie Schumann, hrsg. von Dietz-Rüdiger Moser, München 1990
  • Das Berliner Blumentagebuch der Clara Schumann, 1857–1859, hrsg. von Renate Hofmann und Harry Schmidt, Wiesbaden 1991
  • „Das Band der ewigen Liebe“. Clara Schumanns Briefwechsel mit Emilie und Elise List, hrsg. von Eugen Wendler, Stuttgart/Weimar: Metzler, 1996, ISBN 3-476-01453-3
  • Clara Schumanns Briefe an Theodor Kirchner, hrsg. von Renate Hofmann, Tutzing 1997
  • „…dass Gott mir ein Talent geschenkt“. Clara Schumanns Briefe an Hermann Härtel und Richard und Helene Schöne, hrsg. von Monica Steegmann, Zürich/Mainz 1997
  • Robert und Clara Schumann, Ehetagebücher, hrsg. von Gerd Nauhaus und Ingrid Bodsch, Bonn/Frankfurt a. M.: Stroemfeld, 2007, ISBN 3-86600-002-2
  • Clara Schumann, Jugendtagebücher 1827–1840, hrsg. von Gerd Nauhaus und Nancy B. Reich, Hildesheim: Olms 2019, ISBN 978-3-487-08621-7

Die Abbildungen von Clara SchumannBearbeiten

 
Die Lithografie von Andreas Staub

Es gibt zahlreiche Abbildungen von Clara Schumann. Die in Deutschland bekannteste dürfte die auf dem 100-DM-Schein sein. Sie basiert auf einer Lithografie von Andreas Staub aus dem Jahre 1838, die – wie es früher gern gemacht wurde – idealisiert ist. Clara bemerkte dies selbst kritisch in einem Brief an Robert Schumann. Die Daguerreotypien von ihr zeigen ein anderes Gesicht.

Clara Schumann selbst war mit vielen Bildern unzufrieden. Am meisten gefiel ihr die Pastellzeichnung von Franz von Lenbach aus dem Jahr 1879, die sie im Alter von fast 60 Jahren zeigt (siehe Abbildung am Anfang des Artikels).

EhrungenBearbeiten

Die Deutsche Bundespost legte am 13. November 1986 eine Briefmarke zu Ehren von Clara Schumann als Teil der Dauermarkenserie Frauen der deutschen Geschichte auf. Die Marke hatte einen Nennwert von achtzig Pfennig und ist unter der Michel-Nummer 1305 katalogisiert.

Clara Schumann als NamenspatinBearbeiten

 
Straßenschild der Clara-Wieck-Straße mit Widmung in Berlin-Tiergarten[52]

Schulen und Musikschulen:

Straßen (Auswahl):

Museum:

Studentinnenverein:

  • W.K.St.V. Unitas Clara Schumann, wissenschaftlicher, katholischer Studentinnenverein in Bonn

Rezeption der BiografieBearbeiten

SpielfilmeBearbeiten

TheaterstückeBearbeiten

  • Die Pianistin. Ein Nachspiel (2010). Zwei-Personen-Musiktheater. Buch und Idee: Katrin Schinköth-Haase, musikalische Einrichtung: Maria-Clara Thiele. Katrin Schinköth-Haase (Schauspiel und Gesang) und Maria-Clara Thiele (Schauspiel und am Flügel) stellen beide Clara Schumann in ihrer Genialität und Zerrissenheit dar.[53]
  • Valeria Moretti: Clara Schumann, aufgeführt im Teater Caravan, Split, mit Ksenija Prohasnka und Iryna Smirnova.[54]
  • Heimliches Flüstern (2012, Opernloft, Hamburg). Für Sopran und Mezzosopran von Susann Oberacker und Inken Rahardt. Lieder und Klavierstücke von Clara Schumann, Robert Schumann und Johannes Brahms.[55]

Literatur (chronologisch)Bearbeiten

Gesamtdarstellungen und Biographien

Artikel in Nachschlagewerken

Einzelaspekte

  • Richard Hohenemser, Clara Wieck-Schumann als Komponistin, in: Die Musik, Jg. 5.4, Band 20 (1905/06), S. 113–126 (Digitalisat) und S. 166–173 (Digitalisat)
  • Janina Klassen, Clara Wieck-Schumann. Die Virtuosin als Komponistin, Kassel: Bärenreiter 1990 (= Kieler Schriften zur Musikwissenschaft, Bd. 37)
  • Claudia de Vries, Die Pianistin Clara Wieck-Schumann. Interpretation im Spannungsfeld von Tradition und Individualität, Mainz: Schott 1996, ISBN 978-3795703196
  • Imogen Fellinger, Clara Wieck Schumann als Komponistin im Spiegel zeitgenössischer Musikkritik, in: Traditionen – Neuansätze. Für Anna Amalie Abert (1906–1996), hrsg. von Klaus Hortschansky, Tutzing 1997, S. 273–279
  • Clara Schumann. Komponistin, Interpretin, Unternehmerin, Ikone. Bericht über die Tagung anlässlich ihres 100. Todestages, hrsg. von Peter Ackermann und Herbert Schneider, Hildesheim: Olms 1999, ISBN 978-3487109749
  • Ilse Pohl, Miniaturen – Über Cornelia Goethe, Adele Schopenhauer, Clara Schumann und Annette von Droste-Hülshoff, Verlag der Cornelia-Goethe-Akademie, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-933800-06-4
  • Beatrix Borchard, „Kurz alles ist anders“ – Clara Schumann in Paris, in: Louise Farrenc und die Klassik-Rezeption in Frankreich, hrsg. von Rebecca Grotjahn und Christin Heitmann, Oldenburg 2006 (= Schriftenreihe des Sophie-Drinker-Instituts, hrsg. von Freia Hoffmann, Band 2), S. 115–134 (online)
  • Thomas Synofzik, Genderspezifische Editionsprobleme? Die Gedichte aus Rückerts Liebesfrühling von Clara Schumann op. 12, in: Louise Farrenc und die Klassik-Rezeption in Frankreich, hrsg. von Rebecca Grotjahn und Christin Heitmann, Oldenburg 2006 (= Schriftenreihe des Sophie-Drinker-Instituts, hrsg. von Freia Hoffmann, Band 2), S. 215–226 (online)
  • Kees van der Vloed, Clara Schumann-Wieck. De pijn van het gemis, Soesterberg, Niederlande, Uitgeverij Aspekt, 2012, ISBN 978-94-6153-177-3
  • Annkatrin Babbe, Clara Schumann und ihre SchülerInnen am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt a. M., (= Schriftenreihe des Sophie-Drinker-Instituts, Band 11), Oldenburg 2015

WeblinksBearbeiten

  Wikiquote: Clara Schumann – Zitate
  Commons: Clara Schumann – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Gender-orientierte Artikel

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Janina Klassen: Schumann, Clara (Josefine), geb. Wieck. Sophie Drinker Instituts für musikwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung, 2011;.
  2. Leipziger Adreßkalender 1819.
  3. Tomi Mäkelä, Christoph Kammertöns, Lena Esther Ptasczynski (Hrsg.): Friedrich Wieck - Gesammelte Schriften. Peter Lang, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-631-76745-0, S. 193 und passim.
  4. Jugendtagebücher 1827–1840. Exposé des Olms-Weidmann-Verlages
  5. Artikel über Emilie Reichold beim Sophie-Drinker-Institut. Abgerufen am 8. Mai 2019
  6. Artikel Friedrich Wieck im Schumann-Portal. Abgerufen am 8. Mai 2019
  7. Anja Herold/Marlies Nussbaumer: Perthaler, Caroline, Karoline, Karolina, Charlotte (Josefa Ottilia). In: Instrumentalistinnen-Lexikon, Sophie Drinker Institut
  8. Gerd Nauhaus, Nancy B. Reich (Hrsg.): Clara Schumann, 'Jugendtagebücher 1827–1840. Hildesheim: Olms 2019, S. 48 u. 606 f.
  9. Wien. (…) Seine k.k. Majestät (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 62/1838, 16. März 1838, S. 1, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  10. Ernst Burger: Robert Schumann. Schott Verlag, Mainz 1999, S. 67.
  11. Der Musikermediziner Eckart Altenmüller diagnostiziert eine fokale Dystonie („Musikerkrampf“). Eckart Altenmüller: Das Ende vom Lied? – Robert Schumanns Verstummen am Klavier (PDF) S. 101.
  12. Weitere Informationen zu den Kindern siehe Familie und Kinder, schumann-verein.de
  13. a b Marina Schieke-Gordienko: Robert und Clara Schumann in Berlin. Abgerufen am 13. Mai 2019.
  14. Peter Schleuning: Fanny Hensel geb. Mendelssohn. Musikerin der Romantik. Böhlau-Verlag, Köln u. a. 2007, S. 226 f.
  15. Janina Klassen, Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, Köln, Weimar, Wien: Böhlau-Verlag 2009, S. 263.
  16. Eugen Wendler (Hrsg.): »Das Band der ewigen Liebe«. Clara Schumanns Briefwechsel mit Emilie und Elise List. Metzler, Stuttgart/Weimar 1996, S. 148 f.
  17. In Düsseldorf lebte das Ehepaar Schumann insgesamt in vier Wohnungen; nach Robert Schumanns Einweisung in die Heilanstalt zog Clara Schumann noch einmal innerhalb von Düsseldorf um. Schumann in Düsseldorf. Düsseldorfer Wohnungen. schumann-gesellschaft.de, abgerufen am 30. Juli 2015
  18. Elisabeth Schmiedel u. Joachim Draheim (Hrsg.): An den Rhein und weiter. Woldemar Bargiel zu Gats bei Robert und Clara Schumann. Ein Tagebuch von 1852. Studio Verlag, Sinzig 2011, S. 11 f.
  19. Elisabeth Schmiedel u. Joachim Draheim (Hrsg.): An den Rhein und weiter. Woldemar Bargiel zu Gats bei Robert und Clara Schumann. Ein Tagebuch von 1852. Studio Verlag, Sinzig 2011, S. 46.
  20. Siehe auch Joachim Reiber: Ein Stück Leben im Spiegel der Wellen (Memento des Originals vom 1. Februar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.musikverein.at, Zeitschrift der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Dezember 2007. Die Pontonbrücke nach Oberkassel (errichtet 1839) war zu diesem Zeitpunkt die einzige Rheinbrücke in Düsseldorf.
  21. Bernhard R. Appel (Hrsg.): Robert Schumann in Endenich (1854–1856). Krankenakten, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte. Schott, Mainz 2006, S. 117.
  22. Bernhard R. Appel (Hrsg.): Robert Schumann in Endenich (1854–1856). Krankenakten, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte. Schott, Mainz 2006, S. 390.
  23. Ernst Burger: Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 332.
  24. Nanca B. Reich: Clara Schumann. The Artist an the Woman. Revied Edition. Cornell University Press, Ithaka u. London 2001, S. 17ß.
  25. Berthold Litzmann, Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen, 2. Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1905. S. 278.
  26. Gerd Nauhaus (Hrsg.): Robert Schumann Tagebücher. Band 3, Haushaltbücher. Stroemfeld/Roter Stern, Basle u. a. 1982, S. 637.
  27. Berthold Litzmann, Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen, 2. Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1905. S. 280 f.
  28. Beatrix Borchard, Clara Schumann – Ihr Leben. Eine biographische Montage, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Olms, Hildesheim 2015, S. 320.
  29. Schumann in Düsseldorf. Düsseldorfer Wohnungen. schumann-gesellschaft.de, abgerufen am 30. Juli 2015. Zitat: „… ehe sie knapp 15 Monate nach dem Tod ihres Mannes Düsseldorf mit Berlin vertauschte.“
  30. Textarchiv – Internet Archive
  31. Reinhard Kopiez, Andreas C. Lehmann, Janina Klassen: Clara Schumann’s collection of playbills: A historiometric analysis of life-span development, artistic mobility, and repertoire canonization. In: Poetics, 2009, 37(1), 50–73. ISSN 0304-422X.
  32. Nancy B. Reich: Clara Schumann, the artist and the woman. Cornell Univ. Press, Ithaca/London 2001, S. 21 f.
  33. Gerd Nauhaus, Nancy B. Reich (Hrsg.): Clara Schumann, 'Jugendtagebücher 1827–1840. Olms, Hildesheim 2019, S. 57, 122 u. 159 f.
  34. Janina Klassen: Clara Wieck-Schumann. Die Virtuosin als Komponistin. Bärenreiter, Kassel u. a. 1990, S. 16–18.
  35. Janina Klassen, Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, Köln, Weimar, Wien: Böhlau-Verlag 2009, S. 84 f.
  36. Janina Klassen: Clara Wieck-Schumann. Die Virtuosin als Komponistin. Bärenreiter, Kassel u. a. 1990, S. 79–92.
  37. Janina Klassen, Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, Köln, Weimar, Wien: Böhlau-Verlag 2009, S. 83.
  38. Gerd Nauhaus, Nancy B. Reich (Hrsg.): Clara Schumann, 'Jugendtagebücher 1827–1840. Olms, Hildesheim 2019, S. 227
  39. Janina Klassen: Clara Wieck-Schumann. Die Virtuosin als Komponistin. Bärenreiter, Kassel u. a. 1990, S. 21 f, 41–46, 52–57.
  40. a b C. F. B. (=Carl Ferdinand Becker): Concerte für das Pianoforte. Clara Wieck, erstes Concert f. d. Pfte., mit Begl. des Orch (A-Moll) – W. 7. In: NZfM Nr. 14, 17. Februar 1837, S. 56 f. Digitalisat. Abgerufen am 18. Mai 2019.
  41. August Gathy: Clara Wieck. In NZfM Nr. 14, 18. August 1837, Seite 53–55. Digitalisat. Abgerufen am 18. Mai 2019.
  42. Janina Klassen, Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, Köln, Weimar, Wien: Böhlau-Verlag 2009, S. 196.
  43. Janina Klassen: Clara Wieck-Schumann. Die Virtuosin als Komponistin. Bärenreiter, Kassel u. a. 1990, S. 16–18.
  44. Gerd Nauhaus (Hrsg.): Robert Schumann. Tagebücher. Band II. Leipzig 1987, S. 100.
  45. Janina Klassen, Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, Köln, Weimar, Wien: Böhlau-Verlag 2009, S. 211–218.
  46. Gerd Nauhaus (Hrsg.): Robert Schumann. Tagebücher. Band II. Leipzig 1987, S. 255.
  47. Janina Klassen: Clara Wieck-Schumann. Die Virtuosin als Komponistin. Bärenreiter, Kassel u. a. 1990, S. 58.
  48. Beatrix Borchard, Clara Schumann – Ihr Leben. Eine biographische Montage, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Olms, Hildesheim 2015, S. 202.
  49. Janina Klassen: Clara Wieck-Schumann. Die Virtuosin als Komponistin. Bärenreiter, Kassel u. a. 1990, S. 185–188.
  50. a b c Janina Klassen: Clara Schumann, MUGI Lexikon, 2008. Abgerufen am 18. Mai 2019.
  51. Berthold Litzmann, Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen, 2. Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1905. S. 274.
  52. Clara-Wieck-Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  53. Die Pianistin. Ein Nachspiel. (Memento vom 26. Juni 2017 im Internet Archive) Website des Musiktheaterstückes
  54. Website des Kulturhauses Zvonimir (Memento des Originals vom 2. Februar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.domkulture-zvonimir-solin.hr in Solin, Kroatien
  55. Werkbeschreibung: Heimliches Flüstern (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.opernloft.de, Opernloft Hamburg
  Dieser Artikel wurde am 24. September 2004 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.