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Bernhard Wicki

österreichischer Schauspieler und Filmregisseur

LebenBearbeiten

Bernhard Wickis Vater war ein Schweizer Ingenieur und Teilhaber einer Maschinenfabrik, seine Mutter eine Österreicherin mit ungarischen Vorfahren. In seiner Schulzeit am Köthener Ludwigsgymnasium wurde er mit 13 Jahren Mitglied der Deutschen Jungenschaft 1/11, einer kommunistischen Gruppe innerhalb der Bündischen Jugend.[3] Nach dem Abitur in Bad Warmbrunn (Schlesien) studierte er zunächst an der Universität Breslau Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik. Da er sich dann aber für eine künstlerische Laufbahn entschieden hatte, wechselte er 1938 zu Gustaf Gründgens an die Schauspielschule des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin. 1939 wurde er wegen bloßer Mitgliedschaft in der Bündischen Jugend (der dj 1.11.) für mehrere Monate bis 1939 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Entlassung siedelte er zunächst nach Wien um und studierte dort am Max Reinhardt Seminar Schauspiel und Regie. Er zog nach Salzburg. Er war Mitglied der schlagenden pennalen Burschenschaft Borussia Wien[4] und der Pennalverbindung Cheruskia Salzburg.[5] Hier sammelte er auch erste Erfahrungen mit dem Film. In dem 1939/40 gedrehten Film Der Postmeister wirkte Bernhard Wicki als Statist mit. Am Schönbrunner Schlossparktheater spielte er den Urfaust, weitere Engagements waren unter anderem in Bremen von 1941 bis 1943, am Bayerischen Staatsschauspiel in München von 1943 bis 1944. Bei den Salzburger Festspielen gab er den Pylades in Goethes „Iphigenie auf Tauris“. Weitere Engagements folgten ab 1944 in Basel und bis 1950 in Zürich. Anfang 1945 heiratete er die Schauspielerin Agnes Fink, beide verließen noch vor Kriegsende Deutschland und gingen an das Schauspielhaus Zürich. In Zürich nahm er auch die schweizerische Staatsbürgerschaft an. Dort lernte er unter anderem den Dramatiker Friedrich Dürrenmatt kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Anfang 1950 wechselte Bernhard Wicki wieder an das Staatsschauspiel in München. Im gleichen Jahr gab er sein eigentliches Debüt als Filmschauspieler in Der Fallende Stern und in „Junges Herz voller Liebe“. Es folgten u. a. Die letzte Brücke (1953), in dem er seine beste schauspielerische Leistung in der Rolle des serbischen Partisanenoffiziers Boro bot, und Es geschah am 20. Juli (1955). Nachdem er 1952 eine Fotografie-Ausstellung der Agentur Magnum in Luzern gesehen hatte, beschloss er, auch das Fotografieren zu erlernen. Er bat den Regisseur Helmut Käutner um eine Mitarbeit als Kamera-Assistent bei dessen Film Monpti (1957). 1958 führte er erstmals selbst Regie im Dokumentarfilm Warum sind sie gegen uns?. International berühmt wurde er mit einem Schlag 1959 durch den Antikriegsfilm Die Brücke nach dem Roman von Manfred Gregor, in dem er die tragische Geschichte der sinnlosen Verteidigung einer Brücke durch Jugendliche am Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt. Wicki führte in diesem Film die Regie. In den folgenden Jahren arbeitete Wicki weiterhin als Filmregisseur. Als Fotograf gab er 1960 den Bildband „Zwei Gramm Licht“ heraus. Aber auch als Theaterregisseur gehörte er mit zu den Großen dieses Fachs. So inszenierte er beispielsweise am Schauspielhaus in Zürich das Shakespeare-Stück „Antonius und Cleopatra“ und am Wiener Burgtheater „Der Sturm“, ebenfalls von William Shakespeare.

Ab 1975 arbeitete Bernhard Wicki an der Verfilmung der Novelle von Günter Herburger „Die Eroberung der Zitadelle“. Daran im Anschluss war er ab 1978 wieder für das Fernsehen tätig. Hier realisierte er ein Porträt über seinen Freund Curd Jürgens mit dem Titel „Curd Jürgens – Der Filmstar, der vom Theater kam“. Gemeinsam mit Wolfgang Kohlhaase, ebenfalls ein langjähriger Freund, arbeitete er ab 1984 in den DEFA-Studios in Potsdam-Babelsberg. Sie drehten hier den Film „Die Grünstein-Variante“, in dem drei Menschen unterschiedlicher Herkunft sich bei einem Schachspiel in einer Zelle näherkommen. Der Film ist eine klassische Studie über Erinnerungen und Vergessen zum Gegenstand der Zeit des Faschismus. Seine letzte Regiearbeit (1986–1989), die Verfilmung des Romans Das Spinnennetz von Joseph Roth, kann auch als sein Vermächtnis gesehen werden: Wicki zeigt hier die Gefahr der Verstrickung des deutschen Bürgertums in rechtsextremer Ideologie und den Antisemitismus der Weimarer Republik. In 180 Minuten schildert er den schrecklichen Werdegang eines bürgerlichen Ungeheuers. Noch während der Dreharbeiten verstarb einer der Hauptdarsteller, Richard Münch. Aber auch für Wicki selbst blieb die langwierige Arbeit am Film nicht ohne Folgen. Während der Dreharbeiten erlitt er in Prag eine Gehirnblutung, dennoch führte er das Projekt zu Ende. Die Uraufführung fand am 8. Mai 1989 in Cannes statt.

In zweiter Ehe war Wicki, nach dem Tod von Agnes Fink, seit 1995 mit der Schauspielerin Elisabeth Endriss verheiratet. In dem Dokumentarfilm Verstörung – und eine Art von Poesie (2007) porträtiert Elisabeth Wicki-Endriss später das Leben und Werk von Bernhard Wicki.

Bernhard Wicki absolvierte im Oktober 1999 seinen letzten öffentlichen Auftritt aus Anlass einer Hommage zu seinem 80. Geburtstag. Im Rollstuhl sitzend, gesundheitlich schon sichtbar angegriffen, nahm er die Ehrung durch zahlreiche Freunde und Wegbegleiter entgegen. Nach langer, schwerer Krankheit erlag er am 5. Januar 2000 einem Herzversagen in München. Wicki wurde auf dem Nymphenburger Friedhof in München beigesetzt (Grab Nr. 4-1-23).[6]

 
Grabstätte Bernhard Wicki, München, Friedhof Nymphenburg.

Nach seinem Tod wurde 2001 in München der Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds gegründet. Dieser vergibt seit 2002 den Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke. Ein Bernhard-Wicki-Filmpreis, zurzeit mit 10.000 Euro dotiert, wird seit dem Jahr 2000 im ostfriesischen Emden verliehen. Bernhard Wicki war von Beginn an ein ideeller Förderer des 1990 erstmals veranstalteten Festivals Internationales Filmfest Emden-Norderney.

FilmografieBearbeiten

Darsteller (Auswahl)Bearbeiten

RegieBearbeiten

Synchronsprecher (Auswahl)Bearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Zu Leben, Werk und Einzelaspekten
  • Richard Blank: Jenseits der Brücke. Bernhard Wicki. Ein Leben für den Film. 1999 ISBN 3-430-11473-X.
  • Elisabeth Endriss-Wicki: Die Filmlegende Bernhard Wicki. Verstörung – und eine Art von Poesie. Henschel Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89487-589-3.
  • Filmfestival Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Sanftmut und Gewalt – Der Regisseur und Schauspieler Bernhard Wicki. Filmographie, Biographie, Essays, Interview. Mit Beiträgen von Robert Fischer (Vorwort), Alexander Kluge, Laurens Straub, Wilhelm Roth, Friedrich Dürrenmatt, Hans Abich, Gunther Witte, Hermann Barth. edition filmwerkstatt, Essen 2004, ISBN 3-9807175-6-9.
  • Uli Jung: [Artikel] Bernhard Wicki. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 822–826 [mit Literaturhinweisen].
  • Inka Graeve Ingelmann (Hrsg.): Bernhard Wicki. Fotografien. Dumont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2005, Gebunden, ISBN 3-8321-7570-9, Ausstellungskatalog.
  • Michel Quint: Die schrecklichen Gärten. btb-Verlag, 2002, ISBN 3-442-75068-7, (Übersetzung von Elisabeth Edl), Originalausgabe Effroyables Jardins. Editions Joelle Losfeld, Paris 2000.
  • Andreas Weber (Hrsg.): Er kann fliegen lassen. Gespräche und Texte über Bernhard Wicki. Literaturedition Niederösterreich, St. Pölten 2000, ISBN 3-901117-47-4.
  • Kay Weniger: ‘Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …’. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 658 ff.
  • Peter Zander: Bernhard Wicki. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 1995, 2. überarbeitete Auflage, ISBN 3-929470-04-7.
Interviews und Gespräche
  • Gero von Boehm: Bernhard Wicki. 12. Oktober 1989. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 218–228.

DokumentarfilmBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bernhard Wicki im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar), abgerufen am 26. November 2012
  2. Biographie (Memento vom 19. Dezember 2013 im Internet Archive) beim Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds, abgerufen am 26. November 2012
  3. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 724.
  4. Gegründet 27.4.1907. 1926 Fusion mit der fachstud. B! Nibelungia Wien im CDC. (Quelle: "Studiosus Austriacus 2007", S. 209)
  5. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 724.
  6. knerger.de: Das Grab von Bernhard Wicki
  7. Cineman Bernhard Wicki: Das falsche Gewicht, BRD 1971
  8. Kulturamt Düsseldorf Laudatorin: Charlotte Kerr, Filmregisseurin und Publizistin
  9. „Verstörung – und eine Art von Poesie“ (Memento vom 2. Mai 2007 im Internet Archive) – Offizielle Filmseite