Unruhige Nacht (1958)

Film von Falk Harnack (1958)

Unruhige Nacht ist ein filmisches Kriegsdrama aus dem Jahr 1958. Es basiert auf der gleichnamigen Kriegsnovelle Unruhige Nacht von Albrecht Goes. Der Film erzählt die Geschichte des protestantischen Kriegspfarrers Brunner (Bernhard Wicki), der die letzten Stunden des zum Tode verurteilten Deserteurs, des Wehrmachtssoldaten Fedor Baranowski (Hansjörg Felmy), begleitet. Im Film wird dabei die Zwiespältigkeit des Amtes eines Pfarrers und einem Militär offensichtlich. Produziert wurde der Film von Carlton-Film GmbH, Filmaufbau GmbH, Real-Film GmbH in Hamburg.[1] Die deutsche Uraufführung fand am 30. Oktober 1958 in Berlin im Ufa-Pavillon statt.

Film
OriginaltitelUnruhige Nacht
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1958
Länge95 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieFalk Harnack
DrehbuchHorst Budjuhn
ProduktionGünther Stapenhorst
MusikHans-Martin Majewski
KameraFriedl Behn-Grund
SchnittEva Kroll, Georg Jaun
Besetzung

HandlungBearbeiten

1942, Deutsch-Sowjetischer Krieg: Der Soldat Baranowski soll in Proskurow für seine Einheit Eier und Wodka gegen Quittung auftreiben. Dabei lernt er im letzten Haus, das er besucht, die ukrainische Kriegerwitwe Ljuba und ihren kleinen Sohn Stano kennen. Er verliebt sich in Ljuba. Baranowski bringt Tage später dem Kleinen Schuhe mit und Ljuba einen Schafspelzmantel. Er will sich mit Ljuba treffen und erstellt dazu auf dem Quittungsblock (Wehrmachtsformular HVA 570) für Ljuba eine Skizze, wo sie sich treffen wollen. Dabei zeichnet er die Stellungen seiner Einheit als Orientierungspunkte ein. Wehrmachtssoldaten finden bei der Hausdurchsuchung in Ljubas Hütte das Formular mit der Skizze. Es kommt zur Anhörung durch den Kompaniechef und anschließend zu einer Verurteilung: zunächst 5 Jahre Gefängnis, welches dann, auf Grund seiner Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, auf 2 Jahre Bewährungsbataillon verringert wird. Während der Fahrt der Einheit im Eisenbahntransport spricht er mit einem Unteroffizier über das Urteil und erfährt dabei, dass eine Bewährungseinheit einem Todesurteil gleichkommt. Es kommt zu einem Halt wegen eines Fliegerangriffs, diesen Umstand nutzt Baranowski zur Flucht. Baranowski flüchtet zu Ljuba und findet die Hütte leer und verwüstet vor. Eine alte Frau sagt ihm, wo Ljuba ist, und er läuft zu ihr. Völlig erschöpft kommt er in der Hütte im Wald an und fällt auf den Boden und wird ins Bett gelegt. Dabei fragt er Ljuba nach Stano, dieser liegt im Bettchen und schläft. Ein Hundeführer einer Wehrmachtsstreife inspiziert die Hütte und beschäftigt sich mit Stano, diese Situation nutzt Baranowski, um zu flüchten. In Ljubas Dorf steht Baranowski mit anderen Männern mit dem Gesicht zur Kirche. Auf den Befehl „Kehrt!“ wendet sich Baranowski militärisch und wird durch seinen Vorgesetzten, den Zahlmeister, trotz Zivilkleidung erkannt. In der anschließenden Kriegsgerichtsverhandlung wird Fahnenflucht festgestellt und Baranowski soll hingerichtet werden. Daraufhin bestellt man einen protestantischen Militärgeistlichen aus einem Lazarett in Winniza, da man auf eigene nicht zurückgreifen kann.

Oberfeldkommandantur Proskurow anfordert ev. Kriegspfarrer. Eintreffen Mittwoch 17 Uhr erforderlich. Meldung bei Abteilung IIIa. Rückfahrt Donnerstag.“

Kriegspfarrer Brunner meldet sich darauf hin bei der Ortskommandantur, um dem Soldaten Baranowski Beistand zu leisten. Um die Tat des Soldaten zu verstehen, besorgt Brunner sich die Akte beim zuständigen Kriegsrat Dr. Greitner, der ihm eröffnet, dass das Gnadengesuch durch den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Ukraine, abgelehnt wurde: Baranowski soll in der Morgendämmerung um 5.45 Uhr füsiliert werden. Brunner begibt sich ins Wehrmachtsheim, eine kleine Gaststube im Ort, um sein Quartier zu beziehen, dann begibt er sich in das Wehrmachtsgefängnis Proskurow, um den Soldaten Baranowski unauffällig kennenzulernen. Dazu schlägt Oberfeldwebel Mascha ihm vor, eine kleine Abendandacht zu halten. Vor dem Gefängnis wird Brunner von seinem Amtsbruder Oberleutnant Ernst empfangen. Ernst ist der Führer des Erschiessungskommandos und hat moralische Bedenken für die Ausführung seines Befehls. Er sieht den Befehl von Major Kartuschke als eine Schikane gegen sein Priesteramt an. Als die beiden Major Kartuschke vor dem Casino antreffen, kommt es fast zum Äußersten: Ernst zieht die Pistole, bringt aber nicht den Mut auf um Kartuschke zu erschießen. Er kommt von seinem Plan ab und lässt Kartuschke ziehen. Diese Situation versinnbildlicht das Problem des deutschen militärischen Widerstands: zwischen Gewissen und Gehorsam, aus Angst vor den Konsequenzen verschont man den Tyrannen. Im Quartier angekommen, muss Brunner feststellen, dass er das Zimmer mit Hauptmann von Arnim teilen muss. Von Arnim kommt mit Brunner ins Gespräch und teilt ihm mit, dass seine Verlobte unten vor der Tür wartet und er die Nacht mit ihr verbringen möchte. Als der Strom ausfällt, holt von Arnim die Verlobte ab, Brunner bekommt im Flur ein Petroleumlicht. Auf der Stube erkennt Brunner, dass die Verlobte die DRK-Schwester ist, die er mit nach Proskurow nahm. Die beiden ziehen sich, nach einem Umtrunk der drei, mit dem Prost „Auf Morgen“ zurück, und Brunner beginnt, die Akte durchzulesen. Mit dem Studium der Verfahrensakte beginnt für Brunner ein Kampf mit dem Gewissen: Die erlebte Situation mit Oberleutnant Ernst, das abgelehnte Gnadengesuch, sowie die Intime Situation zwischen von Arnim und seiner Verlobten. Diese Umstände lassen Brunner erkennen -sie hat Angst um sein Leben, er beruft sich auf seine Soldatenpflicht-, warum Baranowski floh: Aus Liebe zu Ljuba und Stano sowie die Angst vor dem Tod. Brunner ist in seiner Ergriffenheit jedoch ohnmächtig, etwas dagegen zu tun.. Brunner findet sich vor dem Exekutionstermin wieder im Gefängnis ein, spricht Baranowski zu, betet noch mit ihm und lässt ihn einen Brief an Ljuba schreiben:

„Ljuba, muss Dir leider mitteilen, dass ich in einer Stunde erschossen werde. Danke Dir für alle, für alle Deine Liebe. Ich denke immer an unser… Ich küsse Dich in Ewigkeit Dein Fjodor.“

Der Pfarrer verspricht Baranowski, den Brief persönlich Ljuba zukommen zu lassen. Kurz darauf erscheint Kriegsgerichtsrat Dr. Greitner in der Zellentür, der Baranowski eröffnet, dass das Gnadengesuch abgelehnt worden ist und er jetzt exekutiert wird. Nach der Hinrichtung findet der Kriegsgerichtsrat folgende zynische Worte für Brunner:

„Tadellos hinbekommen haben Sie das, meine Hochachtung!“

DVDBearbeiten

Am 16. Februar 2007 wurde der Film bei dem Label Kinowelt GmbH veröffentlicht. Das Bildformat ist 4:3 und in Dolby Digital 1.0 Mono gefasst.

KritikenBearbeiten

  • Evangelischer Filmbeobachter (1958): „Damit wird mit einer Deutlichkeit gegen den Krieg Stellung bezogen, wie es sich der deutsche Nachkriegsfilm noch nie geleistet hat. In einer Zeit, in der das Thema Krieg auf der Leinwand ohne Bedenken und Verantwortung zu Schundpreisen ausgebeutet wird, kann diese Tat nicht hoch genug veranschlagt werden.“
  • Kinozeit: „Unruhige Nacht ist eine konsequente und unerbittliche Absage an den Krieg. Harnack kontrastiert bewusst Sekundärtugenden wie Ordnung und Gehorsam, die den Nazis das Regieren überhaupt ermöglichten, mit Werten wie Liebe und Freiheit, die von dem totalitären Regime sofort unterdrückt werden, um seinen Bestand nicht zu gefährden.“
  • Kriegsfilm: Schluß mit Jubel. In: Der Spiegel. Nr. 43, 1958 (online22. Oktober 1958).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Film und Geschichte – Unruhige Nacht. In: geschichte-projekte-hannover.de. Filminstitut Hannover, abgerufen am 3. Oktober 2019.