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Erschiessung serbischer Zivilisten im 1. Weltkrieg
Hinrichtung sowjetischer Partisanen durch ein Erschiessungskommando der Wehrmacht

Eine Erschießung, im militärischen Bereich früher auch als eine Füsilierung oder Füsillade (von französisch fusil ‚Gewehr‘) bezeichnet, ist die Hinrichtung eines Gefangenen bzw. Vollstreckung eines Todesurteils durch den Gebrauch von Schusswaffen.[1] In der Soldatensprache wird diese Hinrichtungsart auch an die Wand stellen genannt.

MethodenBearbeiten

Als Methode der Hinrichtung wurde und wird Erschießen auf mehrere Weisen durchgeführt.

Erschießung durch PelotonBearbeiten

Nachgestellte Erschießung, 1898

Meist wird der Todeskandidat an eine Mauer gestellt oder an einen Pfahl gebunden. Oft verbindet man ihm die Augen, mancher lehnt dies aber auch ab. Offizielle Erschießungen werden von mehreren Schützen durchgeführt (Peloton). Teilweise werden einige Gewehre des Pelotons mit Platzpatronen an Stelle von scharfer Munition geladen. Dies soll das Gewissen der Schützen erleichtern, da sie sich dadurch nicht sicher sein können, einen der tödlichen Schüsse abgegeben zu haben.[2][3] Einem geübten Schützen ist jedoch der Unterschied in Schussverhalten und Rückstoß deutlich erkennbar.

Häufig wird den Exekutierten im Anschluss an die Salve des Pelotons noch aus sehr kurzer Entfernung ein so genannter „Gnadenschuss“ gegeben, bei dem im Normalfall sofort der Tod eintritt.

 
Anton Dostler unmittelbar vor seiner Erschießung. Rechts im Bild ein Militärseelsorger, der ihm auf dem Weg aus der Bibel vorlas.

Erschießungen in dieser Form gelten nach dem soldatischen Ehrenkodex als „würdevoll“, weshalb man sie Kriegsverbrechern, oft auch Spionen, gewöhnlich verweigert. Manchmal wird der Verurteilte vor und während der Hinrichtung von einem Geistlichen, respektive einem Militärseelsorger begleitet. Als Hinrichtungsart für gegen Zivilisten verhängte Todesurteile sind Erschiessungen selten; sie wurden in Kriegszeiten nach Militärstrafrecht und nach Standrecht („standrechtliche Erschießung“) durchgeführt. Eine Ausnahme von dieser Regel stellt die Praxis in Bayern zwischen dem 12. Juli 1919 und dem 1. April 1924 dar. In dieser Periode wurden sämtliche durch die Volksgerichte verhängten Todesurteile – auch solche wegen krimineller Verbrechen – durch Pelotons des Militärs oder der Landespolizei vollstreckt.

Das erste offiziell bekannte Foto dieser Form der Hinrichtung entstand Anfang 1886 im burmesischen Mandalay. Der englische Militärfotograf Willoughby Wallace Hooper nutzte die neue Technik hochempfindlicher Glasplatten aus, um mit kurzer Belichtungszeit die Gesichter von Delinquenten in der Sekunde vor ihrem Tod festzuhalten. Dieses Foto führte zu einem Skandal.

Während der NS-Diktatur wurden militärische Todesurteile zwischen 1934 und 1945 durch Erschießen vollstreckt. Dazu wurden bis zu zwölf Soldaten herangezogen, wobei Vorgesetzte vor allem auf disziplinarisch auffällige Mannschaften zurückgreifen sollten. In Sondereinheiten, die aus vorbestraften Soldaten bestanden (Bewährungsbataillone) mussten zum Tode Verurteilte durch die eigenen Kameraden erschossen werden. Als 1944 vermehrt Standgerichte die regulären Militärgerichte ersetzten, wurden die – dann sofort vollstreckbaren – Todesstrafen auch durch Erhängen durchgeführt. Die aufgrund standgerichtlicher Urteile Erschossenen oder Erhängten wurden ab Herbst 1944 vereinzelt, seit Februar 1945 dann umfangreich – öffentlich zur Schau gestellt und mit einem Hinweisschild versehen, auf denen der Strafgrund mit meist schmähenden Worten aufgeschrieben war.[4]

GenickschussBearbeiten

Eine weitere Art des Erschießens ist der Genickschuss, wobei eine Feuerwaffe direkt an das Genick des Verurteilten gehalten wird. Eine ähnliche Methode der Erschießung wurde in deutschen Konzentrationslagern in so genannten Genickschussanlagen durchgeführt. Auch heute noch wird z. B. in Weißrussland mit dem Genickschuss hingerichtet (siehe Todesstrafe in Weißrussland).[5]

AnwendungBearbeiten

Erschießen als Hinrichtungsmethode ist in einigen Teilen der Welt verbreitet.

Vereinigte StaatenBearbeiten

Der US-Bundesstaat Utah räumte das Erschießen neben der Giftspritze als eine Methode zur Ausführung der Todesstrafe bis 2004 als Alternative ein. Der Verurteilte konnte zwischen den beiden Arten wählen. Nunmehr darf die Hinrichtung durch Erschießung nur noch von denjenigen Tätern ausgewählt werden, die vor dem Stichtag des Jahres 2004 verurteilt wurden. Gary Gilmore, der erste Verurteilte, der nach dem kurzzeitigen Aussetzen der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten 1977 hingerichtet wurde, wurde erschossen. Im Jahr 1996 wählte John Albert Taylor diese Methode. Zuletzt entschied sich Ronnie Gardner 2010 gegen die Giftspritze und wurde am 18. Juni des Jahres um 00:00 Uhr Ortszeit im Staatsgefängnis Utah durch Erschießung hingerichtet. Dies war ihm möglich, da er vor besagtem Stichtag verurteilt worden war.[6] Heute erlaubt außer Utah nur noch Oklahoma diese Hinrichtungsart, allerdings nur, falls die Hinrichtung durch die Giftspritze aus irgendwelchen Gründen nicht möglich sein sollte. Die Verwendung dieser Hinrichtungsmethode in Utah, und früher auch im nördlich angrenzenden Idaho, erklärte sich aus der früheren mormonischen Tradition der sogenannten „Blutsühne(blood atonement), nach der auch schwerste Verbrechen als gesühnt und hier auf Erden bereinigt galten (so dass der Verbrecher im Leben nach dem Tod keine weitere Strafe dafür zu befürchten hatte), wenn er dem Vergießen seines eigenen Blutes zustimmte.

DDRBearbeiten

Der unerwartete Nahschuss war von 1968 bis zur gesetzlichen Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 1987 die einzige Hinrichtungsmethode in der DDR. Zunächst wurden ab 1952 Todesurteile überwiegend durch das Fallbeil vollstreckt. Ab 1968 wurden alle Exekutionen durch den sogenannten „Nahschuss ins Hinterhaupt“ vollzogen, was in der Zentralen Hinrichtungsstätte der DDR in der Justizvollzugsanstalt Leipzig im Gebäude des ehemaligen Königlichen Landgerichts geschah. Die Erschießung des Sexualstraftäters und mehrfachen Kindermörders Erwin Hagedorn am 15. September 1972 war die letzte Hinrichtung eines Zivilisten in der DDR. Am 26. Juni 1981 wurde gegen den Hauptmann der Staatssicherheit Werner Teske wegen Spionage das letzte Todesurteil in der DDR vollstreckt. Die Leichen der Hingerichteten wurden unter größter Geheimhaltung zum nahe gelegenen Südfriedhof gebracht und anonym verbrannt. In den Krematoriumsbüchern stehen keine Namen, sondern lediglich der Vermerk „Anatomie“. Die Asche wurde anonym begraben.[7]

Medizinische BetrachtungBearbeiten

 
Computertomographie einer tödlichen Kopfschussverletzung

Je nach der Körperregion, in die das Geschoss eindringt, stirbt der Erschossene an einer Herzbeuteltamponade oder am Hämatothorax, an einer vasovagalen Synkope, an einer Schocksituation, durch Verbluten oder an einer totalen Depolarisation der Hirnnerven. Die Wundballistik ist eine Fachdisziplin der Forensik, die unter anderem vorstehende Umstände genauer untersucht.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Burkhard Müller-Ullrich: „Vollpfosten“ und „Shitstorm“ gehören zum deutschen Sprachschatz. Auf: dradio.de am 3. Juli 2013
  2. Procedure for Military Executions. (PDF; 891 kB) Department of the Army, US War Office, 1947, abgerufen am 8. Mai 2014.
  3. Kathryn Westcott: How and why Gardner was shot. In: BBC News. 18. Juni 2010, abgerufen am 8. Mai 2014.
  4. Peter Lutz Kalmbach, „Das neue Recht ermöglicht energisches Vorgehen“, in: Deutsche Richterzeitung 2016, S. 26–31.
  5. Anschlag in Minsk: Gericht verhängt Todesstrafe gegen Metro-Attentäter. In: Stern.de. 30. November 2011, abgerufen am 8. Mai 2014.
  6. Exekution in den USA – Erschießungskommando richtet Häftling hin (Memento vom 21. Juni 2010 im Internet Archive)
  7. Hinrichtungen in Leipzig. Auf: runde-ecke-leipzig.de

WeblinksBearbeiten

  Commons: Erschießung – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: Erschießung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen