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Ignaz Moscheles

böhmisch-österreichischer Komponist, Pianist und Musikpädagoge
Ignaz Moscheles. Grafik von Hermann Scherenberg.
Ignaz Moscheles.

Ignaz Isaak Moscheles, auch Ignaz Isack Moscheles (* 23. Mai 1794 in Prag, Königreich Böhmen; † 10. März 1870 in Leipzig, Königreich Sachsen) war ein böhmischer Komponist, Pianist und Musikpädagoge.

LebenBearbeiten

Moscheles, Sohn jüdischer Eltern, war zunächst Schüler von Friedrich Dionys Weber[1] am Prager Konservatorium und studierte später in Wien bei Johann Georg Albrechtsberger[1] und Antonio Salieri[1] Komposition. 1824 unterrichtete er auf Wunsch von dessen Mutter den jungen Felix Mendelssohn Bartholdy[2], was eine lebenslange Freundschaft mit dem Komponisten begründete. Er war befreundet mit seinem Idol Ludwig van Beethoven. Nach der Heirat mit der Protestantin Charlotte Embden (1805–1889) im Jahre 1825 in Hamburg folgten die Jahre in London, wo er bis 1846 lebte und arbeitete. Vorwiegend in den Wintermonaten reiste er mit seiner Frau auf dem Kontinent, wo er auch Klavierkonzerte gab.

1846[1] übernahm er auf Einladung seines Freundes Felix Mendelssohn Bartholdy die Klavierklasse am 1843 gegründeten Leipziger Konservatorium. Moscheles stand zeit seines Lebens im Ruf, einer der hervorragendsten Klaviervirtuosen Europas zu sein, als Pädagoge war er von vorbildlicher Gewissenhaftigkeit. Er vertrat die Clementi-Schule und achtete auf ruhige Handhaltung – eine Spielweise, bei der es vor allem auf die Beweglichkeit der Finger ankommt, während der Gebrauch der Pedale so weit wie möglich vermieden wird.

Ignaz Moscheles war der Vater des Malers Felix Moscheles und Schwiegervater der Malerin Margaret Moscheles und des Orientalisten Georg Rosen (1820–1891) durch seine Tochter Serena Anna Moscheles (1830–1902), ebenfalls Malerin.[3] Zu seinen Enkelkindern gehören Friedrich Rosen, deutscher Außenminister im Jahr 1921, und die Malerin Jelka Rosen, Ehefrau des englischen Komponisten Frederick Delius. Sein Urenkel, der deutsche Diplomat Georg Rosen (1895–1961), rettete im japanischen Massaker von Nanking 1937 gemeinsam mit dem deutschen Kaufmann John Rabe Tausenden Chinesen das Leben.

Nach seinem Tode wurde im Jahr 1873 in Leipzig eine Straße nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

Seine Klavierkompositionen, beispielsweise das Klavierkonzert in g-Moll und die virtuosen Etudes, wurden zu seinen Lebzeiten sehr bewundert und werden auch heute noch gespielt.

  • Drei Allegri di Bravura, op. 51, 1. La Forza (Die Stärke), 2. La Leggerezza (Die Leichtigkeit), 3. Il Capriccio (Die Laune)
  • Klavierkonzert Nr. 1, F-Dur, op. 45 (1818)
  • Klavierkonzert Nr. 2, Es-Dur, op. 56 (1815)
  • Klavierkonzert Nr. 3, g-Moll, op. 58 (1820)
  • Klavierkonzert Nr. 4, E-Dur, op. 64 (o. J.)
  • Klavierkonzert Nr. 5, C-Dur, op. 87 (1830)
  • Klavierkonzert Nr. 6, B-Dur, op. 90 (1834) Concert fantastique
  • Klavierkonzert Nr. 7, c-Moll, op. 93 (1835) Concert pathétique
  • Charakteristische Studien, op. 95, für Klavier (1836)
  • Studien für Pianoforte op. 70 charakteristische Tonstücke
  • Sextett Es-Dur, op. 35
  • Septett D-Dur, op. 88
  • Impromptu martial für Klavier G-Dur über einen Marsch aus Salieris Oper Palmira, regina di Persia op. 65
  • Fantaisie heroique Es-Dur für Klavier op. 13 (1816), Salieri gewidmet
  • Symphonie C-Dur, op. 81

Schüler (Auswahl)Bearbeiten

DiskografieBearbeiten

  • Klavierkonzerte 1 und 2. Hyperion Records, 1999 (Serie: The Romantic Piano Concerto, Vol. 20)[4]
  • Klavierwerke. Klaviersonate d-Moll op. 73; Suite Nr. 2 op. 71; 7 Albumblätter für die Jugend op. 33; Legende aus Suite Nr. 3 op. 76; Sarabande aus Suite Nr. 3 op. 76; Romanze op. 57 Nr. 5; Cavatine aus Suite Nr. 4 op. 80. Klavier: Alexandra Oehler. cpo 2008.[5]

SchülerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Charlotte Moscheles (Hrsg.): Aus Moscheles’ Leben : nach Briefen und Tagebüchern. Duncker & Humblot, Leipzig 1872/73 (Digitalisat)
  • Briefe von Felix Mendelssohn Bartholdy an Ignaz und Charlotte Moscheles. Duncker & Humblot, Leipzig 1888 (Digitalisat)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Clive Unger-Hamilton, Neil Fairbairn, Derek Walters; deutsche Bearbeitung: Christian Barth, Holger Fliessbach, Horst Leuchtmann, et al.: Die Musik – 1000 Jahre illustrierte Musikgeschichte. Unipart-Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-8122-0132-1, S. 109.
  2. Cornelia Bartsch: Lea Mendelssohn, Biographie in MUGI - Musik und Gender im Internet, Projekt der Hochschule für Musik und Theater Hamburg auf hfmt-hamburg.de, Stand: 2008, gesehen am 21. Januar 2019
  3. Vgl. Gregor Pelger: Rosen, Georg Friedrich Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 51 f. (Digitalisat).
  4. Hörproben, www.hyperion-records.co.uk
  5. Hörproben