Richard Hohenemser

deutscher Musikwissenschaftler

Richard Heinrich Hohenemser (* 10. August 1870 in Frankfurt am Main; † 8. April 1942 in Berlin) war ein deutscher Musikwissenschaftler.

LebenBearbeiten

Hohenemser studierte 1892 bis 1896 an der Berliner Universität Musikwissenschaft bei Philipp Spitta, Heinrich Bellermann und Oskar Fleischer. 1896 bis 1899 setzte er seine Studien an der Universität München fort, wo er zu den Schülern von Adolf Sandberger gehörte und 1899 promoviert wurde.

Ab 1905 lebte er in Berlin, ab 1919 in seiner Heimatstadt Frankfurt. Später zog er wieder nach Berlin.

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft gehörte er ab 1933 zu den Verfolgten des NS-Regimes. Zuletzt wohnte er in Berlin-Lankwitz, Havensteinstraße 26.[1]

Um der Deportation zu entgehen, nahm er sich dort am 8. April 1942 zusammen mit seiner Frau das Leben, indem er Gas verströmen ließ. Seine Nichte Elisabeth Schumacher geb. Hohenemser und ihr Freund Philipp Schaeffer versuchten noch, das Paar zu retten, kamen aber zu spät. Beide wurden kurze Zeit darauf wegen ihrer Mitgliedschaft in der Widerstandsgruppe Rote Kapelle zum Tode verurteilt und hingerichtet.

FamilieBearbeiten

Hohenemser war seit dem am 7. Januar 1905 mit der Engländerin Alice Salt (1879–1942) verheiratet.[2] Ihr gemeinsamer Sohn ist der Flugzeugkonstrukteur Kurt Hohenemser (1906–2001), der 1947 in die USA emigrierte. Daneben hatte er zwei Schwestern, die beide blind waren und vor ihrer Deportation Selbstmord begingen.

  • Julie Clara Hohenemser (* 29. Dezember 1868; † 17. August 1942),
  • Martha Elisabeth Hohenemser (* 14. Januar 1889 in Frankfurt am Main; † 22. September 1942).

VeröffentlichungenBearbeiten

BücherBearbeiten

  • Welche Einflüsse hatte die Wiederbelebung der älteren Musik im 19. Jahrhundert auf die deutschen Komponisten?, Leipzig: Breitkopf & Härtel 1899 (Diss.)
  • Luigi Cherubini. Sein Leben und seine Werke, Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1913
  • Arthur Schopenhauer als Psychologe, Leipzig: Barth 1924

Aufsätze (Auswahl)Bearbeiten

  • Johannes Brahms und die Volksmusik, in: Die Musik, Jg. 2.3, Band 7 (1902), S. 199, 422
  • J. K. F. Fischer als Klavier- und Orgelkomponist, in: Monatshefte zur Musik-Geschichte, Jg. 34 (1902), S. 154–163, 167–176 und 183–189 (Digitalisat)
  • Clara Wieck-Schumann als Komponistin, in: Die Musik, Jg. 5.4, Band 20 (1905/06), S. 113–126 (Digitalisat) und 166–173 (Digitalisat)
  • Robert Schumann unter dem Einfluss der Alten, in: Die Musik (1909)
  • Beethoven als Bearbeiter schottischer und anderer Volksweisen, in: Die Musik (1910)
  • Formale Eigentümlichkeiten in Robert Schumanns Klaviermusik, in: Festschrift zum 50. Geburtstag Adolf Sandberger überreicht von seinen Schülern, München: F. Zierfuss, 1918, S. 21–50
  • Zu Beethovens „Sonate pathétique, in: Die Musik, Jg. 15.2 (Juni 1923), S. 655–658 (Digitalisat)
  • Eduard Hanslick zum 100. Todestag, in: Die Musik, Jg. 17.2 (August 1925), S. 891–898 (Digitalisat)
  • Joseph Joachim, in: Die Musik, Jg. 23.2 (Mai 1931), S. 641–644 (Digitalisat)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Berliner Adreßbuch 1942, Berlin 1942, Band 1, S. 1186 (Digitalisat)
  2. Guide to the Kurt Hohenemser Collection