Astana Pro Team

kasachisches Radportteam

Das Astana Pro Team ist ein kasachisches Radsportteam mit dem Status als UCI WorldTeam.

Astana Pro Team
Pro Team Astana Logo.svg
Teamdaten
UCI-Code AST
Nationalität KasachstanKasachstan Kasachstan
Lizenz UCI WorldTeam
Betreiber Abacanto SA
Erste Saison 2007
Disziplin Straße
Radhersteller Wilier
Personal
General-Manager KasachstanKasachstan Alexander Winokurow
Team-Manager KasachstanKasachstan Dmitri Fofonow
Sportl. Leiter ItalienItalien Bruno Cenghialta
ItalienItalien Giuseppe Martinelli
KasachstanKasachstan Sergei Jakowlew
KasachstanKasachstan Alexander Schefer
RusslandRussland Dmitri Sedoun
SlowenienSlowenien Gorazd Štangelj
ItalienItalien Stefano Zanini
Namensgeschichte
Jahre Name
2007–2010
2011
2012–
Astana
Pro Team Astana
Astana Pro Team
Mannschaftsfoto
Mannschaftsfoto Astana Pro Team
Website
www.astanaproteam.kz

GeschichteBearbeiten

Das Team wurde 2007 im Zuge der Auflösung des spanischen ProTeams Liberty Seguros gegründet. Am 23. Mai 2006 wurde Teamleiter Saiz im Zuge der Ermittlungen im Dopingskandal Fuentes verhaftet. Hierauf zog sich der Hauptsponsor Liberty Seguros am 25. Mai 2006 zurück, so dass das Team vorübergehend nach dem Co-Sponsor Würth benannt wurde. Neuer Hauptsponsor wurde am 2. Juni 2006 auf Initiative des Fahrers Alexander Winokurow[1] ein Konsortium kasachischer Firmen, worauf das Team nach der kasachischen Hauptstadt Astana benannt wurde.[2] Nachdem fünf Fahrer des Aufgebots für die Tour de France 2006 wegen ihrer Verwicklung in die Dopingermittlungen zurückgezogen wurden, durfte die Mannschaft insgesamt nicht starten, da sie die Mindeststarterzahl von sechs Fahrern unterschritt.[3]

Winokurow wollte daraufhin zusammen mit dem kasachischen Konsortium Astana die Betreibergesellschaft „Active Bay“, die das Team „Astana“ betreibt, von den bisherigen Eigentümern Pablo Anton und Manolo Saiz übernehmen. Als Teamchef ab 2007 wollte er den ehemaligen Vuelta-a-España-Gewinner Tony Rominger gewinnen und hatte bereits den ehemaligen Teamchef von T-Mobile, Walter Godefroot, als Berater der sportlichen Leitung ins Team geholt. Alexander Winokurow selbst wollte dann 2008 als Sportlicher Leiter ins Team einsteigen.[4] Am 16. Dezember 2006 widerrief die Lizenzierungskommission des Weltradsportverbands UCI die UCI ProTeam-Lizenz der Betreiberfirma Active Bay, während das kasachische Sponsorenkonsortium sich unter demselben Namen, neuem Management und großen Teilen des Kaders um eine solche Lizenz erfolgreich bewarb.[5] Später wurde als Hauptsponsor u. a. die kasachische staatliche Unternehmensgruppe Samruk-Kasyna (Russisch: Самрук-Казына) und der Astana Presidential Club genannt.[6]

Bei der Tour de France 2007 wurde Winokurow des Blutdopings überführt und später gesperrt. Im September 2007 wurde Teammanager Biver durch den früheren Discovery-Manager und Lance-Armstrong-Vertrauten Johan Bruyneel abgelöst,[7] der später wegen seiner Verwicklung in die Dopingaffäre Armstrong lebenslang gesperrte wurde. Unter Bruyneel gewann Alberto Contador die Tour de France 2010; der Erfolg wurde jedoch wegen Dopings aberkannt.

Bruyneel wurde nach Ablauf der Saison 2012 durch Winokurow abgelöst; Sportlicher Leiter wurde Giuseppe Martinelli,[1] der früher Marco Pantani betreute. Ende des Jahres 2012 beantragte das Team die Mitgliedschaft in der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport MPCC[8] und suspendierte den Fahrer Andrei Kaschetschkin, weil er sich weigerte, die teaminternen Antidopingregeln zu unterzeichnen.[9]

Unter Martinelli gewann das Team mit Vincenzo Nibali den Giro d’Italia 2013 und die Tour de France 2014.

Nach zwei Dopingfällen der Astana-Fahrer Maxim und WValentin Iglinski am Ende der Saison 2014 suspendierte sich das Team entsprechend den Regeln des MPCC selbst und sagte die Teilnahme am Finalrennen der UCI World Tour 2014, der Peking-Rundfahrt, ab.[10] Nach einem weiteren Dopingfall des Stagiaires Ilja Dawidenok gab die UCI im Oktober 2014 bekannt, dass die Lizenz-Kommission die ProTeam-Lizenz des Teams näher untersuchen werde.[11] Am 10. Dezember 2014 wurde die WorldTour-Lizenz für 2015 durch die Lizenzkommission der UCI auf Bewährung erteilt. Dem Team wurde zur Auflage gemacht, sich einem Audit des Sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Lausanne zu unterziehen und unverzüglich die erst 2017 in Kraft tretenden Regeln für UCI WorldTeams anzuwenden. Der Entzug der Lizenz bei weiteren Dopingfällen oder neuen Erkenntnissen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Padua, bei der u. a. eine mögliche Zusammenarbeit des Teams mit dem umstrittenen Sportmediziner Michele Ferrari untersucht wird, wurde ausdrücklich angedroht.[12][13]

Nach Vorlage des Untersuchungsberichts des Sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Lausanne ISSUL kündigte die UCI am 27. Februar 2015 an, bei der Lizenzierungskommission die Entziehung der Lizenz zu beantragen. Nach den vorliegenden Erkenntnissen habe es große Unterschiede zwischen der proklamierten Anti-Doping-Politik und der Realität der Mannschaft gegeben. Außerdem habe das ausgewertete Material der Staatsanwaltschaft von Padua eine Verwicklung von Teammitgliedern in die dortigen Vorwürfe ergeben.[14][15] Am 23. April 2015 wurde bekannt, dass die Lizenzkommission die Lizenz nicht entzog, aber weitere Auflagen in Zusammenarbeit mit dem ISSUL aufstellte.[16]

Nachdem das Team entgegen den Regeln des MPCC den Niederländer Lars Boom bei der Tour de France 2015 starten ließ, obwohl dieser bei einem Test einen zu niedrigen Cortisol-Level aufwies, wurde sie im darauffolgenden September aus dem MPCC ausgeschlossen.[17]

Mit Ablauf der Saison 2015 wurde Giuseppe Martinelli als Teammanager durch Dmitri Fofonow abgelöst.[18]

Im Februar 2018 gab Teammanager Winokurow bekannt, dass das Team derzeit keine Gehälter auszahlt, da der kasachische Staat als Hauptsponsor seit Jahresbeginn keine Zahlungen geleistet habe.[19] Mehrere Fahrer und der Pressesprecher widersprachen dieser Aussage. Demnach werden die Gehälter aktuell aus Rücklagen des Teams gezahlt, diese würden aber nicht für das komplette Jahr reichen.[20]

Den Astana-Fahrern Jakob Fuglsang und Alexei Luzenko wurde im Februar 2020 unter Bezugnahme auf einen durch Indiskretionen an die Öffentlichkeit gelangten Report der Cycling Antidoping Foundation (CADF) vorgeworfen, verbotener Weise Kontakte zum im Sportbereich wegen Dopingvergabe gesperrten Mediziner Michele Ferrari zu unterhalten, was mit einer Sperre von einem bis zwei Jahren geahndet werden würde.[21] Die CADF gab am kurz darauf bekannt, dass keine hinreichenden Beweise für die Einleitung eines Disziplinarverfahrens vorlägen.[22]

Saison 2020Bearbeiten

Erfolge in der UCI WorldTourBearbeiten

Datum Rennen Fahrer
15. August Italien  Il Lombardia Danemark  Jakob Fuglsang
3. September Frankreich  6. Etappe Tour de France Kasachstan  Alexei Luzenko
16. September Frankreich  17. Etappe Tour de France Kolumbien  Miguel Ángel López
25. Oktober Spanien  6. Etappe Vuelta a España Spanien  Ion Izagirre

Erfolge in der UCI ProSeriesBearbeiten

Datum Rennen Fahrer
14. Februar Frankreich  2. Etappe Tour de La Provence Russland  Alexander Wlassow
19. Februar Spanien  1. Etappe Andalusien-Rundfahrt Danemark  Jakob Fuglsang
21. Februar Spanien  3. Etappe Andalusien-Rundfahrt Danemark  Jakob Fuglsang
22. Februar Portugal  4. Etappe Algarve-Rundfahrt Kolumbien  Miguel Ángel López
19.–23. Februar Spanien  Gesamtwertung Andalusien-Rundfahrt Danemark  Jakob Fuglsang
3. August Italien  Gran Trittico Lombardo Spanien  Gorka Izagirre
18. August Italien  Giro dell’Emilia Russland  Alexander Wlassow

Erfolge in den UCI Continental CircuitsBearbeiten

Datum Rennen Kat. Fahrer
15. Februar Spanien  2. Etappe Murcia-Rundfahrt 2.1 Spanien  Luis León Sánchez
6. August Frankreich  Mont Ventoux Denivele Challenge 1.1 Russland  Alexander Wlassow
30. August Italien  Memorial Marco Pantani 1.1 Italien  Fabio Felline

Nationale Straßen-RadsportmeisterBearbeiten

Datum Rennen Fahrer
23. August Spanien  Spanische Meisterschaft – Straßenrennen Spanien  Luis León Sánchez

MannschaftBearbeiten

 Teamkader
NameGeburtsdatumLandVorheriges Team
Alex Aranburu19. September 1995  SpanienCaja Rural-Seguros RGA (2019)
Jandos Bijigitov10. Juni 1991  KasachstanVino 4-ever SKO (2016)
Manuele Boaro12. März 1987  ItalienBahrain-Merida (2018)
Hernando Bohórquez22. Juni 1992  KolumbienManzana Postobón (2018)
Rodrigo Contreras2. Juni 1994  KolumbienEPM (2018)
Laurens De Vreese29. September 1988  BelgienWanty-Groupe Gobert (2014)
Fabio Felline29. März 1990  ItalienTrek-Segafredo (2019)
Daniil Fominych28. August 1991  KasachstanAstana Continental (2013)
Omar Fraile17. Juli 1990  SpanienDimension Data (2017)
Jakob Fuglsang22. März 1985  DänemarkRadioShack-Nissan (2012)
Jewgeni Giditsch19. Mai 1996  KasachstanVino-Astana Motors (2017)
Jonas Gregaard30. Juli 1996  DänemarkRiwal CeramicSpeed (2018)
Dmitri Grusdew13. März 1986  KasachstanUlan (2008)
Hugo Houle27. September 1990  KanadaAG2R La Mondiale (2017)
Gorka Izagirre7. Oktober 1987  SpanienBahrain-Merida (2018)
Ion Izagirre4. Februar 1989  SpanienBahrain-Merida (2018)
Merhawi Kudus23. Januar 1994  EritreaDimension Data (2018)
Miguel Ángel López 4. Februar 1994  Kolumbien
Alexei Luzenko7. September 1992  KasachstanAstana Continental (2012)
Davide Martinelli31. Mai 1993  ItalienDeceuninck-Quick-Step (2019)
Juri Natarow28. Dezember 1996  KasachstanAstana City (2018)
Wadim Pronski4. Juni 1998  KasachstanVino-Astana Motors (2019)
Óscar Rodríguez6. Mai 1995  SpanienEuskadi Basque Country-Murias (2019)
Luis León Sánchez24. November 1983  SpanienCaja Rural-Seguros RGA (2014)
Nikita Stalnow14. September 1991  KasachstanAstana City (2016)
Harold Tejada27. April 1997  KolumbienMedellín (2019)
Aleksandr Vlasov23. April 1996  RusslandGazprom-RusVelo (2019)
Artjom Sacharow27. Oktober 1991  KasachstanSeven Rivers (2015)
Quelle: UCI

Platzierungen in UCI-RanglistenBearbeiten

UCI ProTour

Saison Mannschaftswertung Fahrerwertung
2007 12. Deutschland  Andreas Klöden (31.)
2008 2. Deutschland  Andreas Klöden (3.)

UCI World Calendar

Saison Mannschaftswertung Fahrerwertung
2009 1. Spanien  Alberto Contador (1.)
2010 3. Kasachstan  Alexander Winokurow (11.)

UCI World Tour

Saison Mannschaftswertung Fahrerwertung
2011 15. Kasachstan  Alexander Winokurow (15.)
2012 10. Tschechien  Roman Kreuziger (20.)
2013 5. Italien  Vincenzo Nibali (5.)
2014 10. Italien  Vincenzo Nibali (5.)
2015 5. Italien  Fabio Aru (5.)
2016 10. Italien  Vincenzo Nibali (12.)
2017 15. Italien  Fabio Aru (26.)
2018 6. Danemark  Michael Valgren (12.)

UCI World Ranking

Saison Mannschaftswertung Fahrerwertung
2019 5. Danemark  Jakob Fuglsang (3.)

TrikothistorieBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b radsport-news.com vom 23. November 2012:Macht Astana bei der Bewegung für glaubwürdigen Radsport mit?
  2. cyclingnews.com vom 3. Juni 2006: Sáiz's team becomes Astana-Würth
  3. Winokurow darf nicht starten. radsport-news.com, 30. Juni 2006, abgerufen am 16. November 2014.
  4. Dominik Jozic: Godefroot kehrt in den Radsport zurück. Handelsblatt, 21. Juli 2006, abgerufen am 16. November 2014.
  5. cyclingnews.com vom 16. Dezember 2006: Unibet in, Saiz out, ProTour place still possible for Astana
  6. Team. Offizielle Website, abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  7. radsport-news.com vom 17. September 2007: Astana will Biver loswerden
  8. Vinokourov applies for MPCC membership for Astana team. VeloNation Press, 26. Dezember 2012, abgerufen am 29. Dezember 2012 (englisch).
  9. Shane Stokes: Kashechkin suspended over refusal to sign Astana team’s internal regulations. velonation.com, 28. Dezember 2012, abgerufen am 29. Dezember 2012 (englisch).
  10. radsport-news.com vom 6. Oktober 2014: Astana für acht Tage suspendiert - kein Start bei Peking-Rundfahrt
  11. radsport-news.com vom 15. Oktober 2014: WorldTour-Lizenz in Gefahr: Dritter Dopingfall im Team Astana
  12. Astana bekommt die WorldTour-Lizenz „auf Bewährung“. radsport-news.com, 11. Dezember 2014, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  13. 2015 UCI WorldTour: Decisions of the Licence Commission. uci.ch, 10. Dezember 2014, abgerufen am 11. Dezember 2014 (englisch).
  14. Die UCI zeigt Winokurow die Rote Karte. radsport-news.com, 27. Februar 2015, abgerufen am 28. Februar 2015.
  15. The UCI requests withdrawal of Astana Pro Team licence. uci.ch, 27. Februar 2015, abgerufen am 28. Februar 2015 (englisch).
  16. Astana behält seine Lizenz. radsportnews.com, 23. April 2015, abgerufen am 24. April 2015.
  17. Astana aus MPCC ausgeschlossen, Boaro bleibt bei Tinkoff-Saxo. radsport-news.com, 4. September 2015, abgerufen am 4. September 2015.
  18. Martinelli to leave post as general manager in Astana. cyclingnews.com, 13. Dezember 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015 (englisch).
  19. Astana zahlt derzeit keine Fahrergehälter. In: radsport-news.com. 24. Februar 2018, abgerufen am 25. Februar 2018.
  20. Astana: Fahrergehälter werden durch Rücklagen finanziert. In: radsport-news.com. 25. Februar 2018, abgerufen am 26. Februar 2018.
  21. Astana: „Keine Zusammenarbeit mit Ferrari“. In: radsport-news.com. 3. Februar 2020, abgerufen am 3. Februar 2020.
  22. Winokurow fordert Untersuchung zu „geleaktem“ CADF-Bericht. In: radsport-news.com. 6. Februar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.

WeblinksBearbeiten