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Aeroflot

Russische Fluggesellschaft
Aeroflot
Аэрофлот
Logo der Aeroflot
Boeing 777-300ER der Aeroflot
IATA-Code: SU
ICAO-Code: AFL
Rufzeichen: AEROFLOT
Gründung: 1923
Sitz: Moskau,
RusslandRussland Russland
Drehkreuz:

Moskau-Scheremetjewo

Heimatflughafen: Moskau-Scheremetjewo
Unternehmensform: PAO (Öffentliche Aktiengesellschaft)
ISIN: RU0009062285
IATA-Prefixcode: 555
Leitung:

Witalij Saweljew[1]

Mitarbeiterzahl: 21.600 Aeroflot (2016)
36.600 Aeroflot Gruppe [2]
Umsatz: 495,9 Mrd. RUB[3]
Aeroflot Gruppe (2016)
Fluggastaufkommen: 32,85 Mio. Aeroflot
50,13 Mio. Aeroflot Gruppe (2017)[4]
Frachtaufkommen: 226.590 t (2017)[5]
Allianz: SkyTeam
Vielfliegerprogramm: Aeroflot Bonus
Flottenstärke: 247 (+ 194 Bestellungen)
Ziele: national und international
Website: www.aeroflot.ru

Aeroflot, eigentlich Aeroflot – Russische Luftfahrtlinien (russisch Аэрофлот – Российские авиалинии/Transkription Aeroflot – Rossiskije awialinii), ist die größte russische Fluggesellschaft mit Sitz in Moskau und Drehkreuz auf dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo. Sie ist Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam und war mehrere Jahrzehnte lang die größte Fluggesellschaft der Welt. Als Staatsunternehmen befindet sich Aeroflot mehrheitlich im Eigentum des russischen Staates.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

AnfangsjahreBearbeiten

Der 9. Februar 1923 wird offiziell als Geburtsdatum der russischen Zivilluftfahrt angesehen. Der Arbeiter- und Verteidigungsrat gab an diesem Tag eine Entschließung heraus, die die Verwaltung der zentralen Luftflotte bevollmächtigte, die technische Überwachung von Fluglinien und die Gründung eines Zivilluftfahrt-Rates vorzunehmen.[6] Am 8. März 1923 wurde in der jungen Sowjetunion der „Verein der Luftfahrtfreunde“ gegründet, der es sich zum Ziel machte, Geldmittel für den Bau von Flugzeugen zu sammeln und die Vorteile der Luftfahrt zu propagieren. Nur wenige Tage später, am 17. März, fand die konstituierende Versammlung der „Aktiengesellschaft Dobroljot“ (russisch Добролёт), der ersten Luftfahrtgesellschaft der Sowjetunion, statt. Neben den Vereinsmitgliedern kauften auch Funktionäre die zum Preis von je 1,05 Rubel emittierten Aktien. Selbst Lenin soll 60 Aktien gekauft haben.

Im selben Jahr wurde die ukrainische Luftfahrtgesellschaft „Ukrwosduchput“ sowie die kaukasische „SakAvia“ gegründet. Durch Parolen wie etwa „Wer nicht Aktionär von Dobroljot ist, der ist auch kein Bürger der Sowjetunion“ eingeschüchtert, spendeten die Arbeiter ihren Lohn und die Bauern ihre Erzeugnisse an den Verein unter Vorsitz von Felix Edmundowitsch Dserschinski und Michail Wassiljewitsch Frunse oder kauften Aktien von Dobroljot.

Für die erste Flotte der neuen Luftfahrtgesellschaft wurden in Deutschland 15 Flugzeuge vom Typ Junkers F 13 gekauft. Die erste Linie von Moskau nach Nischni Nowgorod wurde am 15. Juli 1923 mit einer F-13, gesteuert von J. N. Moissejew, eröffnet. Ein großer Anteil ausländischer Typen, vor allem deutsche und US-amerikanische, sollten noch bis weit in die 1930er Jahre hinein das Bild der zivilen Luftfahrt der Sowjetunion prägen. Mit der AK-1 flog 1924 das erste einheimische Modell bei Dobroljot. Auslandsflüge konnte die Gesellschaft immer noch nicht ausführen und so verlängerte die Regierung der Sowjetunion den Vertrag mit der deutsch-russischen Fluggesellschaft Deruluft für Flüge von Moskau über Königsberg nach Berlin.

Am 29. Oktober 1930 fusionierte Dobroljot mit der Aktiengesellschaft Ukrwosduchput, die schon zuvor 1925 die SakAvia übernommen hatte, zur „Allunionsvereinigung der Zivilluftflotte“ (WO GWF).

Nach Entstehen der AeroflotBearbeiten

 
Eine Tupolew Tu-124 der Aeroflot im Jahr 1967
 
Eine Iljuschin Il-62 der Aeroflot im Jahr 1976
 
Aktuelles Logo der Aeroflot in kyrillischer Schrift

Am 25. Februar 1932 wurde die WO GWF zur „Hauptverwaltung der Zivilluftflotte“ (GU GWF) umgewandelt und ihr sämtliche zivilfliegerische Aktivitäten des Landes unterstellt mit Ausnahme der Polarluftflotte (Poljarnaja Awiazija), für die die Hauptverwaltung Nördlicher Seeweg verantwortlich zeichnete.[7] Die mittlerweile zu einem riesigen Verband der zivilen Luftfahrt angewachsene GU GWF erhielt am 5. März gleichen Jahres als Kurzbezeichnung den Namen „Aeroflot“.[6] Die Flotte der Fluggesellschaft zählte nun über 100 aktive Flugzeuge, darunter einige sowjetische wie ANT-9 und K-5. Eines der wichtigsten Modelle der Aeroflot war Ende der 1930er Jahre die in mehreren tausend Exemplaren produzierte Li-2, eine Lizenzversion der DC-3. Bis 1940 war das Streckennetz der Aeroflot auf 138.700 km angewachsen, auf denen in jenem Jahr 400.000 Passagiere und 58.400 t Fracht befördert wurden.[8] Während des Zweiten Weltkrieges wurden sämtliche Aktivitäten in den Dienst des Militärs gestellt. So wurden Transportflüge zur Versorgung des eingeschlossenen Leningrad oder von Partisanen im deutschen Hinterland ebenso durchgeführt wie das Absetzen von Luftlandetruppen oder Verwundetentransporte. Von 1941 bis 1945 beförderte Aeroflot solchermaßen 4,5 Mio. Personen sowie etwa 400.000 t Fracht.

In den Folgejahren nach Kriegsende sonderte Aeroflot ihre bis dahin genutzten Modelle wie die Li-2 aus und ersetzte sie durch neuentwickelte Typen wie Il-12 oder Il-14. Im Jahr 1956 setzte die Gesellschaft als eine der ersten weltweit mit der Tu-104 ein ziviles Strahlverkehrsflugzeug ein. Weitere Meilensteine stellen die Einführung der Turboprop-Verkehrsflugzeuge Tu-114 und Il-18 Ende der 1950er Jahre dar. In großer Zahl wurden ab den 1960er Jahren die Tu-134 und Il-62 in den Bestand aufgenommen.

Die Aeroflot, mit rund 3000 Flugzeugen in den 1960er-Jahren größte Fluggesellschaft der Welt, ermöglichte es Sowjetbürgern, sehr günstig zu reisen. Die Tickets waren teils günstiger als eine Bahnfahrt und der Spiegel schrieb 1967, mit einem Korb Kirschen, den man schwarz in Moskau verkaufte, hätte man das Ticket von der Krim nach Moskau amortisieren können. Die Flüge waren insgesamt auch signifikant kürzer als zum Beispiel in den USA. Gemäß Sommerflugplan 1966 fanden täglich 1.700 Flüge statt; insgesamt flogen im Jahr 1966 48 Millionen Passagiere mit der Aeroflot, deren Liniennetz 565.000 Kilometer umfasste.[9]

Im Jahr 1975 begann Aeroflot den Flugbetrieb des Überschallverkehrsflugzeuges Tu-144, der allerdings knapp drei Jahre später wieder eingestellt wurde.

Die Flotte der Aeroflot erreichte bis mehr als 10.000 Flugzeuge, davon etwa 700 größere Verkehrsflugzeuge, sie versorgte das ganze Land flächendeckend. 1982 umfasste allein das Inlandroutennetz rund 1 Mio Kilometer mit 3600 angeflogenen Zielen. Die Transportleistung betrug in jenem Jahr 500 Mio Passagiere und 14 Mio Tonnen Fracht. Im Ausland wurden 111 Ziele in 90 Ländern angeflogen. Die Aeroflot betrieb auch Hubschrauber und Agrarflugzeuge wie z. B. die Mi-6 oder An-2.

Aeroflot-Filialen waren während des Kalten Krieges Anlaufstellen für Kuriere und Verbindungsleute der sowjetischen Geheimdienste und gemäß Schätzungen zu über 50 Prozent mit Personal aus ausgebildeten KGB-, aber vor allem GRU-Agenten besetzt.[10][11] Die Flugzeuge der Gesellschaft fertigten zudem strategische Luftaufnahmen an[9], immer wieder „verflogen“ sich dabei Flugzeuge der Aeroflot weg von Luftstrassen.

Bei der Privatisierung der Airline sei die Durchtränkung der Gesellschaft mit dem Geheimdienstnetzwerk und dessen mächtigen Interessen laut Alex Goldfarb als eine besondere Herausforderung während des Kaufs von Beteiligungen durch Boris Beresowski erkannt worden.[12] Der durch die Fürsprache von Beresowski eingesetzte Manager Nikolai Gluschkow berichtete, er hätte bei einem Personalbestand von 14.000 Mitarbeitern im Jahr 1996 den Geheimdiensten einfach für jene 3000 Mitarbeiter, welche ihm gar nicht operationell unterstanden, Rechnungen für deren Gehälter versendet.[13]

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ging auch der Zerfall der Aeroflot und seiner Flotte von über 5.000 Flugzeugen einher. Zahlreiche Gesellschaften wurden regional selbständig und bildeten hunderte Einzelgesellschaften.[14] Einzelne daraus hervor gegangene Gesellschaften konkurrieren heute mit der Aeroflot. Seit 1992 ist die Aeroflot eine offene Aktiengesellschaft und im RTS-Index gelistet, 1993 richtete sie sich neu aus und benannte sich in „Aeroflot – Russian International Airlines“ (ARIA) um.

Seit dem 14. April 2006 ist Aeroflot Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam, der beispielsweise auch Air France angehört. Zu diesem Zeitpunkt war sie also die erste russische Airline in einer weltweiten Allianz.

Im Februar 2010 wurde bekannt, dass Aeroflot binnen zwei Jahren mit Rossija sowie weiteren fünf kleineren russischen Regionalfluggesellschaften unter der Marke Aeroflot fusionieren soll:[15] Vladivostok Avia, Kavminvodyavia, Orenair, Saravia und SAT Airlines.

Am 30. März 2014 musterte Aeroflot ihre letzten von ehemals sechs Iljuschin Il-96-300 aufgrund deren bereits länger bemängelten Unwirtschaftlichkeit aus.[16]

In den Jahren 2014 und 2015 flog die Aeroflot Verluste ein im Zusammenhang mit der Rubel-Abwertung und Wirtschaftskrise, im Jahr 2016 schrieb die Gesellschaft wieder Gewinn, unter anderem nach einer Passagierzunahme um 10 Prozent nach der Einstellung der Flüge von Transaero.[17]

FlugzieleBearbeiten

Aeroflot bedient ein dichtes Netz an Verbindungen innerhalb Russlands und fliegt darüber hinaus zahlreiche europäische Metropolen wie beispielsweise London, Madrid, Paris, Rom und Wien an. Des Weiteren werden mehrere Langstreckenziele, darunter Bangkok, Hongkong, Los Angeles, Havanna und Tokio angeflogen.

In Deutschland werden Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Stuttgart und Hannover angesteuert[18], während in Österreich neben Wien saisonal auch Salzburg und Innsbruck und in der Schweiz Zürich und Genf bedient werden.

FlotteBearbeiten

 
Ein Airbus A320-200 der Aeroflot
 
Ein Airbus A330-200 der Aeroflot
 
Ein Suchoi Superjet 100 der Aeroflot
 
Business-Klasse an Bord eines Airbus A330-200 der Aeroflot

Mit Stand September 2018 besteht die Flotte der Aeroflot aus 247 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 4,1 Jahren:[19]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt[20][21][22][23] Anmerkungen Sitzplätze[24][25][26]
(Business/Economy Plus/Economy)
Airbus A320-200 078 002 zum Teil mit Sharklets ausgestattet 140 (20/-/120)

158 (8/-/150)

Airbus A321-200 039 19 mit Sharklets ausgestattet 170 (28/-/142)
183 (16/-/167)
Airbus A330-200 005 241 (34/-/207)
Airbus A330-300 017 296 (28/-/268)
300 (36/-/264)
302 (34/-/268)
Airbus A350-900 014 – offen –
Boeing 737-800 042 mit Winglets ausgestattet 158 (20/-/138)

164 (8/6/150)
168 (12/6-/150)

Boeing 777-300ER 017 005 402 (30/48/324)
Boeing 787-8 018 – offen –
Boeing 787-9 004 – offen –
Irkut MS-21 050 Zulauf zwischen 2020 und 2026 geplant[27] 169 (16/-/153)
Suchoi Superjet 100 049 101 eine inaktiv 87 (12/-/75)
Gesamt 247 194

Um hohe Importsteuern für im Ausland hergestellte Flugzeuge (die die deutliche Mehrheit der Flotte ausmachen) zu vermeiden, lässt Aeroflot ihre Airbus- und Boeing-Flugzeuge auf den Bermudas registrieren. Deren Luftfahrzeugkennzeichen beginnen daher mit den entsprechenden Staatszugehörigkeitszeichen VP-B oder VQ-B anstelle der mit RA- beginnenden für in Russland registrierte Flugzeuge.

Ehemalige FlugzeugtypenBearbeiten

Eigentümerstruktur der FluggesellschaftBearbeiten

Die Fluggesellschaft Aeroflot befindet sich mit knapp 51,2 % mehrheitlich im Besitz des russischen Staates (Rosimuschtschestwo). Weitere größere Teile der Aktien halten der russische Zentralverwahrer NRD (34,6 %), Aeroflot Finance (4,5 %), Aviakapital Service (1,75 %) und Rostec (1,5 %). Außerdem sind über 11.000 russische Privatanleger an der Aeroflot Gruppe beteiligt.[28] Gut 45 % der Aktien werden frei unter anderem an der Moskauer Börse gehandelt.[29] Das Grundkapital der Fluglinie beträgt gut 1,11 Mrd. Rubel.

Aeroflot GruppeBearbeiten

Aeroflot hat zahlreiche Beteiligungen an russischen Fluggesellschaften und Firmen, die im Bereich der Luftfahrt tätig sind.[30][31] Neben den 100%igen Tochterfluggesellschaften Donavia, Orenair und Pobeda hält die Aeroflot Gruppe Mehrheitsanteile an Rossija (75 % minus eine Aktie) und Aurora (51 %). Andere Mehrheitsbeteiligungen bestehen am Anbieter von u. a. Bordverpflegung Aeromar (51 %, zusammen mit LSG Sky Chefs) und am Verwaltungsunternehmen Scherotel (100 %), welches das Flughafenhotel Novotel und Loungen in den Terminals D, E und F am Flughafen Scheremetjewo betreut. Die 100%ige Tochter A Technics bietet mit eigenen Hangars an den Flughäfen Moskau-Wnukowo und Orenburg Wartungsdienstleistungen für Flugzeuge an. Ebenso verfügt Aeroflot über 100 % der Anteile an der eigenen Aeroflot-Flugschule unweit des Flughafens Scheremetjetwo. Die Finanztochter Aeroflot Finance gehört der Gruppe zu 99,99 %. Diese hält ebenfalls Anteile an Aeroflot und verkaufte im September 2017 4,84 % an der Fluglinie.[32]

ZwischenfälleBearbeiten

Die Unfall-Datenbank von AirDisaster.com listet seit 1953 insgesamt 127 Unfälle auf, in die Maschinen der Aeroflot verwickelt waren. Insgesamt kamen dabei 6.875 Menschen an Bord der Maschinen sowie 20 Menschen am Boden ums Leben. Bei der Einordnung dieser Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, dass zu Zeiten der Sowjetunion die russische Luftfahrt eine völlig andere Struktur hatte als im Westen üblich. Die Aeroflot umfasste die komplette zivile Luftfahrt sowie einen Teil der militärischen Flugzeuge, zeitweise trugen etwa 10.000 Flugzeuge des zivilen Fluggeräts den Namen Aeroflot. Viele Piloten waren Offiziere der Reserve, und insgesamt war diese Fluggesellschaft sehr eng mit den russischen Luftstreitkräften verwoben.[33] Beispiele:

  • Am 1. Januar 1966 kam es bei einer Iljuschin Il-14P (Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-61618) der Aeroflot im Reiseflug von Magadan nach Petropawlowsk zu einem Triebwerksausfall. Da die Höhe nicht gehalten werden konnte, schlug der Copilot eine Notlandung im Schnee vor. Der Kapitän lehnte dies jedoch ab. Die Maschine flog in die Flanke des Berges Yurchik, 60 km nordwestlich Petropawlowsk-Kamtschatski. Alle 23 Insassen, 5 Besatzungsmitglieder und 18 Passagiere, kamen dabei ums Leben.[34]
  • Am 7. Oktober 1978 stürzte eine Jakowlew Jak-40 auf dem Aeroflot-Flug 1080 von Swerdlowsk nach Qostanai kurz nach dem Start ab, wobei alle 38 Insassen starben.
  • Am 23. Oktober 1978 verunglückte eine Antonow An-24 auf dem Aeroflot-Flug 6515 von Stawropol nach Simferopol, wobei alle 26 Insassen starben. Ursächlich für das Unglück war ein Kontrollverlust infolge vereister Tragflächen, da die Enteisungsanlage während des Fluges zu spät eingeschaltet wurde.
  • Am 11. August 1979 stießen auf Grund des Fehlers eines Fluglotsen zwei Aeroflot-Maschinen des Typs Tupolew Tu-134 (Flug 7628 und 7880) im Luftraum von Dniprodserschynsk zusammen. Alle 178 Insassen an Bord beider Flugzeuge kamen bei dem Zusammenstoß ums Leben, darunter auch 17 Fußballspieler des damaligen sowjetischen Erstligisten Paxtakor Taschkent.
  • Am 28. Juni 1982 verunglückte eine Jakowlew Jak-42 auf dem Aeroflot-Flug 8641 von Leningrad nach Kiew durch einen mechanischen Defekt in der Trimmung des Höhenleitwerks. Alle 132 Insassen kamen bei dem Absturz ums Leben.
  • Am 6. Juli 1982 stürzte eine Iljuschin Il-62 auf dem Aeroflot-Flug 411 vom Flughafen Moskau-Scheremetjewo nach Freetown in Sierra Leone ab. Sekunden nach dem Start war ein Triebwerk explodiert und hatte einen Brand im Heck der Maschine ausgelöst. Die Piloten schalteten nacheinander zwei Triebwerke ab und änderten den Kurs, um zum Flughafen zurückzukehren. Bei dem Versuch, die Flughöhe zu halten, kam es zu einem Strömungsabriss und das Flugzeug stürzte ab. Von den 90 Personen an Bord starben 89 durch den Absturz, der letzte überlebende Fluggast erlag zwei Tage später seinen schweren Verletzungen.
  • Am 11. Oktober 1984 verunglückte eine Tupolew Tu-154 auf dem Aeroflot-Flug 3352 bei der Landung auf dem Flughafen Omsk. Die Crew hatte eine dumpfe Antwort durch den Funk als Landungsfreigabe fehlinterpretiert. Tatsächlich war die verregnete Landebahn zu diesem Zeitpunkt gesperrt und das Bodenpersonal versuchte sie mit drei Fahrzeugen zu trocknen. Bei der Landung kollidierte das Flugzeug mit den Fahrzeugen auf der Landebahn. Von den 179 Personen an Bord der Maschine starben 174, zudem vier Personen am Boden.
  • Am 23. Dezember 1984 verunglückte eine Tupolew Tu-154 auf dem Aeroflot-Flug 3519 von Krasnojarsk nach Irkutsk. Wenige Minuten nach dem Start war eine Niederdruckkomperessorscheibe in einem der Triebwerke gebrochen, die umherfliegenden Trümmer beschädigten Kraftstoffleitungen sowie die elektrischen Leitungen zu einem weiteren Triebwerk und es kam zu einem Feuer an Bord. Die Piloten versuchten, zum Flughafen Jemeljanowo zurückzukehren. Während der Notlandung stürzte das Flugzeug ab, wobei 110 der 111 Passagiere an Bord starben.
  • Am 10. Juli 1985 war es während des Flugs einer Tupolew Tu-154 (Aeroflot-Flug 5143) von Qarshi nach Sankt Petersburg nach dem Abheben auf Grund zu geringer Fluggeschwindigkeit zu Vibrationen gekommen. Die Piloten nahmen irrtümlicherweise ein Triebwerkproblem als Ursache an und schalteten die Schubhebel zweimal hintereinander in den Leerlauf. Dadurch erhöhte sich der Anstellwinkel um 25°, es kam zum Strömungsabriss an den Tragflächen und einem Flammabriss an den Triebwerken. Das Flugzeug stürzte nahe Uchquduq ab, wobei alle 200 Personen an Bord starben.
  • Am 20. Oktober 1986 verunglückte durch einen Pilotenfehler eine Tupolew Tu-134 auf dem Flug von Jeketarinburg nach Grosny. Von 94 Personen an Bord starben 70.
  • Am 12. Dezember 1986 verunglückte eine Tupolew Tu-134 (Aeroflot-Flug 892) beim Flughafen Berlin-Schönefeld: Die Piloten flogen während des Landeanflugs irrtümlich eine gesperrte Landebahn an. Als das Flugzeug durch die tiefliegende Wolkendecke stieß, bemerkte die Besatzung ihren Irrtum, versuchte aber nicht, ein Durchstartemannöver einzuleiten, sondern änderte im letzten Moment den Flugkurs. Dabei streifte das Flugzeug mehrere Baumwipfel und stürzte in das angrenzende Waldstück. Von 82 Personen an Bord starben 72.

Seit den frühen 1990er Jahren verbesserte sich die bis dahin sehr negative Sicherheitsbilanz der Aeroflot, da aufgrund der regionalen und strukturellen (Agrarflüge etc.) Aufteilung ihre Flotte ab 1992 um ca. 98 % verkleinert wurde. Aber auch seit 1990 kam es zu etlichen Totalverlusten bei Aeroflot und ihren verschiedenen „Civil Aviation Directorates“ bis zu deren Auflösung oder Verselbständigung. Beispiele:

  • Nahe dem sibirischen Meschduretschensk stürzte am 23. März 1994 ein Airbus A310-300 der Aeroflot (F-OGQS) auf dem Aeroflot-Flug 593 ab, nachdem der Pilot seinen Sohn ans Steuer gelassen hatte. Dieser deaktivierte versehentlich einen Kanal des Autopiloten, wodurch das Flugzeug allmählich in eine abnormale Fluglage geriet, die von der Besatzung zu spät bemerkt wurde.
  • Am 14. September 2008 stürzte eine Boeing 737-500 (VP-BKO) aus Moskau kommend während des Landeanflugs auf den Flughafen von Perm ab. Alle 88 Insassen kamen dabei ums Leben.[35] Obwohl der Flug aus dem Flugplan von Aeroflot stammte, war er nicht von Aeroflot selbst, sondern von deren Tochtergesellschaft Aeroflot-Nord im Rahmen eines gegenseitigen Beförderungsabkommens durchgeführt worden. Die Untersuchung ergab, dass der übermüdete und unter Alkoholeinfluss stehende Kapitän nach räumlicher Desorientierung die Kontrolle verloren hatte (siehe Aeroflot-Flug 821).[36]

TriviaBearbeiten

Durch eine Gesetzesänderung können seit Juli 2014 auch ausländische Piloten für die Aeroflot fliegen. Am 24. September 2014 flog der Deutsche Klaus-Dieter Rohlfs (* 1968) als Pilot eines Airbus A320 von Moskau nach Prag und ist damit der erste ausländische Pilot der Aeroflot.[38]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Aeroflot – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vorstand. In: aeroflot.ru. Abgerufen am 24. November 2015.
  2. Jahresbericht der Aeroflot Gruppe 2016. Aeroflot, 25. Mai 2017, S. 101, abgerufen am 9. November 2017 (PDF, 18,7 MB, russisch).
  3. Jahresbericht der Aeroflot Gruppe 2016. Aeroflot, 25. Mai 2017, S. 2 ff., abgerufen am 9. November 2017 (PDF, 18,7 MB, russisch).
  4. Russische Luftfahrtagentur: Passagierstatistik russischer Fluglinien 2016/2017. Abgerufen am 28. Januar 2018 (PDF, 236 KB, russisch).
  5. Russische Luftfahrtagentur: Frachtstatistik russischer Fluglinien 2016/2017. Abgerufen am 28. Januar 2018 (PDF, 238 KB, russisch).
  6. a b Aeroflot-Geschichte. In: aeroflot.ru. Aeroflot, abgerufen am 25. Januar 2017.
  7. Heinz A. F. Schmidt: 50 Jahre Aeroflot. In: Flieger-Jahrbuch 1973. Transpress, Berlin 1972, S. 58.
  8. Wilfried Kopenhagen: Lexikon Sowjetluftfahrt. Elbe-Dnjepr, Klitzschen 2007, ISBN 978-3-933395-90-0, S. 302
  9. a b Kaviar und Kognak, Spiegel, 4. September 1967
  10. Joachim Westerbarkey: Das Geheimnis: Zur funktionalen Ambivalenz von Kommunikationsstrukturen, Springer-Verlag, 2013 ISBN 978-3-322-83908-4, Seite 87
  11. James M. Olson: Fair Play: The Moral Dilemmas of Spying, Potomac Books, Inc., 2006, ISBN 978-1-57488-949-9, Seite 253
  12. Alex Goldfarb: Death of a Dissident: The Poisoning of Alexander Litvinenko and the Return of the KGB Verlag Simon and Schuster, 2010, ISBN 978-1-4165-6076-0, Seite 141, (sinngemäß: Aeroflot war von allen großen Staatsbetrieben der am meisten mit Spionagediensten gesättigte)
  13. Alex Goldfarb: Death of a Dissident: The Poisoning of Alexander Litvinenko and the Return of the KGB Verlag Simon and Schuster, 2010, ISBN 978-1-4165-6076-0, Seite 142, (sinngemäß übersetzt: Die Spione hatten die Airline in eine Milchkuh zur Finanzierung der Auslandsaktivitäten verwandelt. Alle Leiter der Auslandsbüros waren Geheimdienstmitarbeiter und dem Management keine Rechenschaft schuldig), zitiert auch als Fußnote 73 in Manfred Quiring: Russland: Orientierung im Riesenreich, Ch. Links Verlag, 2013, ISBN 978-3-86284-230-8
  14. Aeroflot – Phönix aus der Asche, aero.de, 23. September 2010
  15. Aeroflot auf dem Weg zu alter Größe? In: airliners.de. 3. Februar 2010, abgerufen am 25. Januar 2017.
  16. Aeroflot retires the Ilyushin IL-96 from service. In: ch-aviation.com. 1. April 2014, abgerufen am 25. Januar 2017 (englisch).
  17. Der Kreml will russische Maschinen am Himmel sehen, NZZ, 31. Januar 2017
  18. Wie „Aeroflot“ zur besten Airline der Welt wurde. In: sputniknews.com, 17. Februar 2017. Abgerufen am 17. Februar 2017.
  19. Aeroflot - Russian Airlines Fleet Details and History. 7. September 2018, abgerufen am 11. September 2018 (englisch).
  20. AirbusOrders & deliveries (englisch), abgerufen am 11. September 2018
  21. Boeing - Orders and Deliveres (englisch), abgerufen am 11. September 2018
  22. Aeroflot soll einheimisch kaufen. In: drwn.de. 11. Dezember 2014, abgerufen am 30. Juni 2016.
  23. Aeroflot bestellt 100 weitere Superjets. In: aerotelegraph.com. 10. September 2018, abgerufen am 11. September 2018.
  24. Ch-aviationAeroflot (englisch), abgerufen am 1. Oktober 2017
  25. Rossija (Fluggesellschaft)Plane park (englisch), abgerufen am 1. Oktober 2017
  26. Aeroflot – Sitzplatzschema, abgerufen am 1. Oktober 2017
  27. Aeroflot ergänzt Flotte mit 50 MS-21, abgerufen am 5. Februar 2018
  28. Eigentümerstruktur der Aeroflot Gruppe. Wedomosti, 27. Oktober 2017, abgerufen am 29. November 2017 (russisch).
  29. Über Aeroflot. Aeroflot, abgerufen am 29. November 2017 (russisch).
  30. Tochterfirmen der Aeroflot Gruppe. Aeroflot, abgerufen am 30. November 2017.
  31. Jahresbericht der Aeroflot Gruppe 2016. Aeroflot, 25. Mai 2017, S. 138, abgerufen am 9. November 2017 (PDF, 18,7 MB, russisch).
  32. Aeroflot Finance beabsichtigt 4,84 % an Aeroflot zu verkaufen. RNS, 19. September 2017, abgerufen am 29. November 2017 (russisch).
  33. Soviet Union – Aeroflot Operations. In: lcweb2.loc.gov. Library of Congress Country Studies, 1989, abgerufen am 30. Juli 2010 (englisch).
  34. Unfallbericht IL-14 CCCP-61618, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. Januar 2018.
  35. Unglück im Ural: 88 Tote bei Flugzeugabsturz in Russland. In: faz.net. 14. September 2008, abgerufen am 25. Januar 2017.
  36. Unfallbericht B-737-500 VP-BKO, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. Januar 2018.
  37. Anna Baumbach: Jet von Aeroflot fängt Feuer. In: aerotelegraph.com. 3. Juni 2014, abgerufen am 25. Januar 2017.
  38. Stefan Eiselin: Wer ist der Deutsche bei Aeroflot? In: aerotelegraph.com 29. September 2014, abgerufen am 25. Januar 2017.