Hauptmenü öffnen

Die Antonow An-24 (NATO-Codename: Coke) ist ein Kurzstrecken-Passagierflugzeug sowjetischer Herkunft. Ausgelegt als typischer Antonow-Schulterdecker und angetrieben von zwei Turboprop-Triebwerken wird sie vorrangig in der zivilen Luftfahrt eingesetzt. Über 1300 Flugzeuge dieses Typs wurden gebaut.

Antonow An-24
Antonow an-24.jpg
An-24 am Flughafen Uschhorod, Ukraine
Typ: Kurzstrecken-Passagierflugzeug
Entwurfsland:

SowjetunionSowjetunion Sowjetunion

Hersteller:

Antonow

Erstflug: 20. Oktober 1959
Indienststellung: 1962
Produktionszeit:

1962–1979

Stückzahl: 1367

130 aller gebauten An-24, also etwa 10 %, wurden bis heute bei Unfällen zerstört. Allerdings ist ein großer Teil dieser Verluste auf mangelhafte Wartung oder schlechten Ausbildungsstand der Besatzung zurückzuführen, da die An-24 als zuverlässig gilt. Seit 1990 wurden viele An-24 an Fluggesellschaften in der Dritten Welt verkauft.

GeschichteBearbeiten

Ziel der Ende 1956 begonnenen Entwicklung war ein Kurzstrecken-Turboprop-Verkehrsflugzeug, das in der Lage sein sollte, auf schlecht befestigten Kleinflugplätzen unter wechselnden Witterungsbedingungen zu operieren. Im April 1960 hob die An-24 erstmals ab und wurde im September 1963 bei Aeroflot in Dienst gestellt. Zirka ein Drittel aller Passagierbewegungen in der Sowjetunion wurden später mit An-24 abgewickelt.[1] Im Laufe der Zeit entstanden um das Basismodell eine ganze Reihe erfolgreicher Flugzeuge, so zum Beispiel die An-24RW mit einem zusätzlichen Strahltriebwerk, die Frachtversion An-24T und das Löschflugzeug An-24P. Die An-24 wurde in der Volksrepublik China als Xian Y-7 weiter produziert.

Aus der An-24 wurden die militärische Transportvariante An-26 und das Luftbildflugzeug An-30 abgeleitet. Ziviles Nachfolgemodell ist die An-140.

ZwischenfälleBearbeiten

Seit 1962 kam es bis Februar 2017 zu insgesamt 160 Totalverlusten der An-24, dabei kamen 2143 Menschen ums Leben.[2] Auswahl:

  • Am 18. März 1966 stürzte eine von Nikosia kommende An-24B der ägyptischen United Arab Airlines (Luftfahrzeugkennzeichen SU-AOA) beim Landeanflug auf den Flughafen Kairo fünf Kilometer nordöstlich davon ab. Niemand der 30 Personen an Bord überlebte den Unfall.[3]
  • Am 18. August 1968 stürzte eine An-24B der ägyptischen United Arab Airlines (Kennzeichen SU-AOL) auf einem internationalen Linienflug von Kairo nach Damaskus ins Mittelmeer. Niemand der 40 Personen an Bord überlebte den Absturz.[4]
  • Am 2. April 1969 flog eine An-24B (SP-LTF) der polnischen Fluggesellschaft Polskie Linie Lotnicze LOT abseits der Flugroute in den Hang des Berges Polica in der Gemarkung von Zawoja in den Westkarpaten, nachdem die Crew aus einer nicht abschließend geklärten Ursache den Zielflughafen Krakau um ca. 50 Kilometer verfehlt hatte. Alle 53 Personen an Bord der vollbesetzten Antonow An-24B wurden dabei getötet (siehe auch LOT-Flug 165).[5]
  • Am 30. Januar 1970 brach bei einer An-24B der ägyptischen United Arab Airlines (SU-AOK) bei der Landung auf dem Flughafen Luxor das Fahrwerk zusammen. Die Maschine wurde irreparabel beschädigt. Alle Personen an Bord überlebten den Unfall.[6]
  • Am 21. Januar 1973 stürzte eine An-24B der Aeroflot (CCCP-46276) auf dem Linienflug von Krasnodar nach Perm aus einer Höhe von 5400 Metern ab. Dabei kamen alle 39 Insassen ums Leben (siehe auch Aeroflot-Flug 6263).[8]
  • Am 24. Dezember 1983 stürzte eine Antonow An-24RW der Aeroflot (CCCP-46617) nach einem Strömungsabriss beim Durchstarten nach einem misslungenen Landeanflug auf den Flughafen Leschukonskoje ab. Von den 49 Personen an Bord überlebten nur 5 den Unfall.[10]
  • Am 23. März 1991 schoss eine aus Taschkent kommende An-24RV der Aeroflot (CCCP-46472) bei der Landung in Nawoi, Usbekistan über die Bahn hinaus und fing Feuer. Die vierköpfige Besatzung sowie 34 der 63 Passagiere kamen ums Leben. Die Maschine ist für 50 Passagiere zugelassen.[11]
  • Am 26. November 1991 verunglückte vermutlich wegen eines vereisten Höhenleitwerks eine An-24 der Aeroflot (CCCP-47823) mit 41 Menschen an Bord beim Durchstartversuch im Landeanflug auf Bugulma, Tatarstan, Russland. Niemand überlebte.[12]
  • Am 13. Dezember 1995 stürzte eine durch Romavia für Banat Air betriebene Antonow An-24 (YR-AMR) kurz nach dem Start vom Flughafen Verona wegen eines Strömungsabrisses in den Boden. Ursache war, dass die Maschine trotz Schneefalls nicht enteist worden war. Darüber hinaus war sie um mindestens zwei Tonnen überladen. Alle 49 Menschen an Bord wurden getötet (siehe auch Banat-Air-Flug 166).[13]
  • Am 13. Februar 2013 stürzte eine Antonow An-24 der ukrainischen South Airlines (UR-WRA) beim Flug von Odessa nach Donezk durch einen Strömungsabriss während eines Durchstartversuchs ab. Der Kapitän hatte vorher bereits die vorgeschriebene Entscheidungshöhe unterschritten. Von den 52 Insassen starben 5, weitere 8 wurden verletzt.[15]
  • Am 27. Juni 2019 führte die Besatzung einer An-24 der russischen Angara Airlines (RA-47366) in Nischneangarsk in der russischen autonomen Republik Burjatien nach einem Triebwerksausfall eine Notlandung durch. Dabei kam sie von der Landebahn ab und kollidierte mit den Gebäuden einer Wasseraufbereitungsanlage. Von den 47 Personen an Bord[16] überlebten zwei das Unglück nicht, der Kommandant und der Flugingenieur.[17][18]

Technische DatenBearbeiten

 
Dreiseitenriss
 
Cockpit der An-24
 
An-24 auf einer Briefmarke der DDR von 1969. Die Interflug betrieb ab 1966 bis in die 1970er Jahre hinein sieben An-24W.[19]
Kenngröße Daten der An-24W
Besatzung 3–5
Passagiere 50
Länge 23,53 m
Spannweite 29,20 m
Höhe 8,32 m
Flügelfläche 74,98 m²
Leermasse 13.300 kg
Nutzlast 6.750 kg
Startmasse 21.000 kg
Höchstgeschwindigkeit 680 km/h in 8000 m
Reisegeschwindigkeit 450 km/h
Dienstgipfelhöhe 8400 m
Reichweite 550–2440 km
Triebwerke zwei Iwtschenko AI-24A Turboprop-Triebwerke mit je 1.877 kW (2.552 PS)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Soviet Civil Aircraft Dokumentation
  2. Antonov 24 Statistics, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. März 2017.
  3. Unfallbericht An-24 SU-AOA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 26. August 2017.
  4. Unfallbericht AN-24 SU-AOL, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. August 2017.
  5. Unfallbericht An-24 SP-LTF, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  6. Unfallbericht AN-24 SU-AOK, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 28. Dezember 2018.
  7. Unfallbericht An-24 CCCP-47751, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  8. Unfallbericht An-24 CCCP-46276, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  9. Unfallbericht AN-24 СССР-46280, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  10. Unfallbericht AN-24 CCCP-46617, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 11. November 2017.
  11. Unfallbericht AN-24 CCCP-46472, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  12. Unfallbericht Antonow An-24 CCCP-47823, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  13. Unfallbericht YR-AMR, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Juni 2016.
  14. Unfallbericht An-24 RA-46524, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  15. Unfallbericht An-24 UR-WRA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  16. Das Katastrophenschutzministerium der Russischen Föderation gab die Anzahl der Passagiere an Bord des Flugzeugs an, das in Burjatien abgestürzt war, TASS, 27. Juni 2019
  17. Unfallbericht An-24 RA-47366, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Juli 2019.
  18. In Burjatien starben zwei Menschen bei der Notlandung eines Passagierflugzeugs An-24, TASS, 27. Juni 2019
  19. Detlef Billig, Manfred Meyer: Flugzeuge der DDR. Band 2. 2002, ISBN 3-613-02241-9, S. 102–109.