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Tulle (okzitanisch Tula) ist eine Stadt in Zentralfrankreich und Präfektur des Départements Corrèze. Ihre 14.453 Einwohner (Stand 1. Januar 2016) nennen sich Tullistes. Die Stadt ist Bischofssitz und somit ein wichtiges geistliches Zentrum des Limousin. Bekannt ist Tulle auch aufgrund seiner historischen Rolle in mehreren Industriezweigen: So gab die Stadt der Tüllspitze, die hier zuerst produziert wurde, ihren Namen; auch in der Akkordeonfabrikation und Waffenherstellung hatte sie lange Zeit eine herausragende Bedeutung.

Tulle
Wappen von Tulle
Tulle (Frankreich)
Tulle
Sunt rupes virtutis iter.
Felsen sind der Tugend Pfad (Latein)
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Corrèze (Präfektur)
Arrondissement Tulle
Kanton Tulle (Hauptort)
Gemeindeverband Tulle Agglo
Koordinaten 45° 16′ N, 1° 46′ OKoordinaten: 45° 16′ N, 1° 46′ O
Höhe 185–460 m
Fläche 24,44 km2
Einwohner 14.453 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 591 Einw./km2
Postleitzahl 19000
INSEE-Code
Website www.ville-tulle.fr

Tulle mit dem Fluss Corrèze
Tulle (mit dem Büroturm der Cité administrative, 86 m hoch, Architekt: Jacques Sarrabezolles, eröffnet 1975)
Place Gambetta

GeographieBearbeiten

Tulle liegt am westlichen Rand des Zentralmassivs an beiden Ufern der Corrèze, unmittelbar vor ihrem Austritt aus dem engen Flusstal in das Bassin von Brive-la-Gaillarde.

KlimaBearbeiten

Durch die Lage von Tulle an der Nahtstelle zwischen dem Zentralmassiv und dem Bassin von Brive ist die Stadt bereits klimatisch begünstigt, sie erhält zugleich jedoch erhebliche Niederschlagsmengen. Das Maximum der Niederschläge entfällt hierbei auf das Winterhalbjahr, während die Sommer zeitweise trocken ausfallen können.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Tulle
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 3,4 4,75 6,78 9,43 13,06 16,52 19,16 18,77 16,43 12,29 6,9 3,86 Ø 11
Niederschlag (mm) 71 66 66 69 90 65 50 66 67 73 68 77 Σ 828
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Quelle: Mapped Planet[1]

NachbargemeindenBearbeiten

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Tulle:

Naves Naves Naves und Gimel-les-Cascades
Chameyrat und Naves   Chanac-les-Mines
Chameyrat Sainte-Fortunade Chanac-les-Mines und Laguenne-sur-Avalouze mit Laguenne

GeschichteBearbeiten

 
Kathedrale Notre-Dame

Entwicklung bis zum Zweiten WeltkriegBearbeiten

Der Name Tulle leitet sich her von Tutela, der alten Kraft römischer Gottheiten, die Menschen, Sachen und Orte beschützt. Zu gallisch-römischer Zeit wurde auf der langen Reise von Aremorica zum Mittelmeer hier an dem Ort, in der Nähe der Abtei Saint-Martin, Tutela angerufen. Dies geschah noch bis ins Mittelalter hinein. Im 7. Jahrhundert entstand hier ein Kloster, wo sich dann im Laufe der Zeit immer mehr Menschen ansiedelten. 1130 wurde die im 11. Jahrhundert zerstörte Abtei wieder errichtet. Im Jahre 1317 wurde Tulle von Papst Johannes XXII. zum Bistum erhoben und aus der Abtei wurde eine Kathedrale. Deren Turm ist 75 m hoch und stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert.[2][3]

Während der Religionskriege stand Tulle auf Seiten der katholischen Liga und widerstand den Angriffen der Hugenotten im Jahre 1577, jedoch wurde die Stadt 1585 von den Truppen des Vicomte von Turenne, Henri de La Tour d’Auvergne, duc de Bouillon, verwüstet. Aber die Erschütterungen durch die Französische Revolution waren noch viel weitreichender, so wurden Kathedrale und Abtei zu Waffenfabriken umgewandelt und erst 1803 wieder eröffnet und 1823 erneut zur Kathedrale geweiht.

Massaker von TulleBearbeiten

Am 9. Juni 1944 verübte die deutsche Waffen-SS an der männlichen Bevölkerung der Stadt ein Kriegsverbrechen, dem 99 Personen zum Opfer fielen.[4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr[5] 1793 1821 1851 1872 1901 1921 1946 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2016
Einwohner 9.662 8.097 11.895 13.680 17.412 13.732 18.202 19.084 20.016 20.100 18.800 17.164 15.496 15.647 14.453

Politik und VerwaltungBearbeiten

 
Präfektur
 
Gericht
 
Stadttheater
 
Zentrum

WappenBearbeiten

Beschreibung: In Rot drei (2;1) goldene Roch unter blauen Schildhaupt mit balkenweis drei goldenen Lilien.

Bürgermeister seit 1925Bearbeiten

  • 1925–1945: Jacques de Chammard, Radical
  • 1944–1947: Jules Lafue[7]
  • 1947–1949: Clément Chausson, PCF
  • 1949–1959: Jean Massoulier
  • 1959–1971: Jean Montalat, SFIO
  • 1971–1977: Georges Mouly, RPR
  • 1977–1995: Jean Bombasteil, PCF
  • 1995–2001: Raymon-Max Aubert, RPR
  • 2001–2008: François Hollande, PS
  • 2008–2014: Bernard Combes,[8] PS
  • 2014–2020: Bernard Combes,[9] PS

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Seit 1964 besteht zudem eine Partnerschaft der Handwerkskammern Osnabrück-Emsland und der der Corrèze.[10] Bis zu Beginn der 1990er Jahre gab es dabei ein jährliches erfolgreiches gegenseitiges Besuchsprogramm für Auszubildende beider Kammern.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

IndustrieBearbeiten

Tulle war früher Sitz der Waffenfabrik Manufacture nationale d’armes de Tulle (MAT), die heute nur noch durch ein Waffenmuseum repräsentiert ist. Seit 1919 besteht in Tulle das Unternehmen Maugein, das Akkordeons herstellt. Ein Akkordeonmuseum ist im Entstehen.

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Tulle, 1987

Der Bahnhof Tulle war bis 1970 ein bedeutender Knotenpunkt. Dort wendeten die Züge der P.O.-Strecke Clermont-FerrandBrive, es gab durchgehende Verbindungen von Lyon nach Bordeaux. Er war Ausgangspunkt für die Meterspurzüge nach Argentat, Uzerche und Treignac (bis 1970) sowie Ussel (bis 1959).

Aktuell wird der Bahnhof von Intercités der Relation Clermont-Ferrand–Bordeaux und TER-Zügen des Limousin-Netzes bedient.

Die Stadt liegt direkt an der Achse BordeauxLyon und zwar einerseits durch die Nationalstraße 89 und durch die Autobahn A89 sowie die Nationalstraße 120 zwischen Uzerche und Aurillac.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Helga Bories, Rolf Sawala: J’écris ton nom: Liberté. La France occupée et la Résistance; Schöningh, Paderborn 2002; ISBN 3-14-045500-3 (Diese Quellensammlung beginnt mit dem Bericht, wie eine der bekannten Täterinnen von 1944, genannt „Die Hündin“, im Jahr 1978 in Tulle erkannt wird, als sie regionale Feinkost zum Weiterverkauf in Deutschland erwirbt und wie die Menschen darauf reagieren.)
  • Collaboration and Resistance in France; ISBN 0-8109-4123-6 (auch in frz. Version gedruckt); S. 207: Bild „Lachende Deutsche neben den erhängten Zivilisten“ (eine Illustration, die genau zu Theweleits „Männerphantasien“ passt)
  • Bruno Kartheuser: Die Erhängungen von Tulle. Der 9. Juni 1944. Band 3 des unten angeführten Reihenwerks von Kartheuser. St. Vith/Belgien, 2004. ISBN 2-87316-020-9. Franz.: Les pendaisons de Tulle. Le 9 juin 1944.
  • Bruno Kartheuser: Die Erhängungen von Tulle. Ein ungesühntes Verbrechen. Band 4 des unten angeführte Reihenwerkes von Kartheuser. Franz.: Les pendaisons de Tulle. Crime sans chatiment. Deutsch: 2008 ISBN 2-87316-032-2
    • Bruno Kartheuser: Walter, SD in Tulle. Reihenwerk aus 4 Bänden & einem Register; Edition Krautgarten, St. Vith/Belgien. (Über den belgischen Staatsangehörigen und Mitglied des SD Walter Schmald und seine Verwicklung in das Massaker von Tulle).
Bd. 2: Die Tragödie des 9. Juni 1944. Das besetzte Frankreich 1940–1943. 2004 ISBN 2-87316-015-2. Franz.: La France occupée 1940–1943. 2002
Bd. 1: Die 30er Jahre in Eupen-Malmedy. Einblick in das Netzwerk der reichsdeutschen Subversion. (viele Täter kamen aus Ostbelgien). In Niederländisch: De jaren dertig in Eupen-Malmedy. Een blik op het netwerk van de Groot-Duitse subversie. In Französisch: Les années trente à Eupen-Malmedy. Regard sur le réseau de la subversion allemande.
Register: Tulle Band 1–4. Namensregister. Index des noms propres. 2009
  • ders.: Un regard vrai sur les événements de Tulle. Droit de questions. Peuple et Culture, Conférence le 10 nov. 2008, PEC Tulle. Ed. Krautgarten, St. Vith 2009
  • Alan Shillaker: The martyrs of Tulle. (in englischer Sprache) ebd. 2005

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mapped Planet.
  2. Tulle - Kathedrale Notre Dame (Memento des Originals vom 28. Mai 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tulle-en-correze.com.
  3. Eintrag zu Tulle auf catholic-hierarchy.org
  4. Bruno Kartheuser: Die Erhängungen von Tulle. Der 9. Juni 1944. St. Vith/Belgien, 2004, ISBN 2-87316-020-9, S. 450 ff.
  5. Statistik auf cassini.ehess.fr. Abgerufen am 7. August 2011 (französisch).
  6. Site du conseil général de la Corrèze.
  7. www.ajpn.org/juste-1587.html.
  8. www.annuaire-mairie.fr/ville-tulle.html.
  9. www.annuaire-mairie.fr/ville-tulle.html.
  10. www.hwk-os-el.de/index.php?option=com_content&view=article&id=147&Itemid=161.