Schtschegly (Kaliningrad)

Schtschegly (russisch Щеглы, deutsch Saugwethen, 1938–1945 Saugehnen, litauisch Saugviečiai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Tschernjachowsk im Rajon Tschernjachowsk.

Siedlung
Schtschegly
Saugwethen (Saugehnen)

Щеглы
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Tschernjachowsk
Frühere Namen Kuschineren (vor 1565),
Saucken (vor 1584),
Szaugwehten (nach 1785),
Szauken (um 1818),
Saugwethen (bis 1938),
Saugehnen (1938–1946)
Bevölkerung 270 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40141
Postleitzahl 238172
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 239 804 010
Geographische Lage
Koordinaten 54° 46′ N, 22° 3′ OKoordinaten: 54° 46′ 10″ N, 22° 3′ 22″ O
Schtschegly (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
(54° 46′ 10″ N, 22° 3′ 22″O)
Lage im Westteil Russlands
Schtschegly (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
(54° 46′ 10″ N, 22° 3′ 22″O)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Geographische LageBearbeiten

Schtschegly liegt 21 Kilometer nordöstlich der Rajonstadt Tschernjachowsk (Insterburg) am kleinen Flüsschen Buda (dt. Niebudies, 1938–1945 Kutte). Die nächste Bahnstation war bis 1945 Stablacken (heute russisch: Priosjornoje) an der inzwischen außer Betrieb gestellten Bahnstrecke Insterburg–Kraupischken der Insterburger Kleinbahnen.

GeschichteBearbeiten

Der zu Beginn des 16. Jahrhunderts Kuschineren genannte Ort[2] war vor 1945 ein Dorf mit vielen verstreuten kleinen Höfen und Gehöften. Im Jahre 1874 wurde es in den neu errichteten Amtsbezirk Kaukern[3] (heute russisch: Sagorjewka) eingegliedert, der – ab 1930 in „Amtsbezirk Bärensprung“ umbenannt – bis 1945 bestand und zum Kreis Insterburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Mit dem vor 1908 eingemeindeten Ortsteil Saugwethelen zählte Saugwethen im Jahre 1910 insgesamt 122 Einwohner.[4]

Am 1. Oktober 1929 erfolgte der Zusammenschluss der Landgemeinde Saugwethen mit den Landgemeinden Antschögstupönen, Bednohren (1938–1945: Bednoren) und Skardupönen (Ksp. Pelleningken; russisch nach 1945 Wologodskoje, nicht mehr existent) zur neuen Landgemeinde Saugwethen. Die Einwohnerzahl stieg so bis 1933 auf 286 und betrug 1939 noch 241.[5] Am 3. Juni – amtlich bestätigt am 16. Juli – des Jahres 1938 erhielt Saugwethen aus politisch-ideologischen Gründen den neuen Namen „Saugehnen“.

Im Jahre 1945 kam der Ort mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1950 (als Saugwethen und Bednohren) die russische Bezeichnung „Schtschegly“.[6] Der Ort wurde dem Dorfsowjet Sagorski selski sowjet im Rajon Tschernjachowsk zugeordnet. Von 2008 bis 2015 gehörte Schschegly zur Landgemeinde Kaluschskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Tschernjachowsk.

KircheBearbeiten

Vor 1945 war die Einwohnerschaft Saugwethens resp. Saugehnens fast ausnahmslos evangelischer Konfession und dadurch in das Kirchspiel Pelleningken (1938–1946: Strigengrund, heute russisch: Sagorskoje) eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Insterburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Folge des Zweiten Weltkrieges sowie die restriktive Kirchenpolitik der Sowjetunion ließen das kirchliche Leben hier wie im ganzen nördlichen Ostpreußen einbrechen. Erst in den 1990er Jahren entstand in Schtschegly wie auch in zahlreichen anderen Orten in der Oblast Kaliningrad neues kirchliches Leben in einer evangelisch-lutherischen Gemeinde, die heute zur Kirchenregion Tschernjachowsk in der Propstei Kaliningrad[7] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Zwischen der Gemeinde in Schtschegly und der Gemeinde Berlin-Kaulsdorf besteht eine Partnerschaftsbeziehung.[8]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Saugehnen
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Kaukern/Bärensprung
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Insterburg
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Insterburg (russ. Tschernjachowsk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)
  7. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info
  8. die Kirche - Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz, Nr. 18, 3. Mai 2020, S. 6