Ottendorf-Okrilla

Gemeinde im Landkreis Bautzen, Sachsen, Deutschland

Ottendorf-Okrilla ist eine Gemeinde im Landkreis Bautzen in Sachsen. Mit rund 10.000 Einwohnern ist Ottendorf-Okrilla die sechstgrößte Gemeinde des Landkreises sowie dessen größte Gemeinde ohne Stadtrecht.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ottendorf-Okrilla
Ottendorf-Okrilla
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ottendorf-Okrilla hervorgehoben

Koordinaten: 51° 11′ N, 13° 50′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 180 m ü. NHN
Fläche: 25,93 km2
Einwohner: 9980 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 385 Einwohner je km2
Postleitzahl: 01458
Vorwahl: 035205
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 430
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Radeburger Str. 34
01458 Ottendorf-Okrilla
Website: www.ottendorf-okrilla.de
Bürgermeister: Michael Langwald (parteilos)
Lage der Gemeinde Ottendorf-Okrilla im Landkreis Bautzen
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Über dieses Bild
Rathaus

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Ottendorf-Okrilla liegt im äußersten Westen des Landkreises Bautzen und ist vom Stadtzentrum Dresden ungefähr 20 Kilometer in nordöstlicher Richtung entfernt. Im Norden grenzt die Gemeinde an die Laußnitzer Heide, im Süden an die Große Röder. Die Nord-Süd-Ausdehnung der Gemeinde beträgt ca. sechs Kilometer, die Ost-West-Ausdehnung ca. sieben. Sie hat eine Fläche von 2588 Hektar, davon werden 158 ha gewerblich genutzt.

NachbargemeindenBearbeiten

 
Schloss Medingen

Angrenzende Gemeinden sind:

OrtsgliederungBearbeiten

Die Gemeinde gliedert sich in die Ortsteile Grünberg (, mit Diensdorf), Hermsdorf (, oft Hermsdorf bei Dresden[2]), Medingen und den Hauptort Ottendorf-Okrilla, der sich wiederum aus den Orten Ottendorf, Moritzdorf, Großokrilla, Kleinokrilla und Cunnersdorf zusammensetzt, die jedoch keinen Ortsteilstatus haben.

GeschichteBearbeiten

Okrilla ist ein slawisches Wort und bedeutet „rundes Dorf“. Runddörfer waren für slawische Dörfer typisch. Okrilla ist damit wesentlich älter als das erst nach 1200 gegründete Ottendorf. Der Ortsname Ottendorf ist eine Zusammensetzung des Personennamens Otto und Dorf.[3][4]

Ottendorf wurde 1346 in einem Bistumsartikel unter dem Markgrafen Friedrich II. (der Ernsthafte) erstmals erwähnt.[3][4]

Im Jahr 1846 wurde die heutige Radeberger Straße in Ottendorf-Okrilla als feste Chaussee ausgebaut. Diese Straße war eine wichtige Handelsstraße. Auf der „Böhmischen Glasstraße“ wurde Glas aus Böhmen nach Preußen transportiert. Gleichzeitig war dies auch eine wichtige „Salzstraße“, über die das Salz von Halle nach Böhmen und Schlesien transportiert wurde. 1849 entstand zwischen Cunnersdorf und Medingen eine Getreidemühle. Hier wurde auch Brot gebacken und verkauft.[3][4]

1865 wurde die erste Glashütte eröffnet. Das Glaswerk befand sich an der Königsbrücker Straße, gegenüber der heutigen Gaststätte „Zum Goldenen Ring“. Weitere Glaswerke im Ort waren die Glashütte Brockwitz (gegründet 1898), Glasraffinerie Grohmann (gegründet 1893), die heute alle nicht mehr existieren. Ebenfalls 1865 erfolgte die Eröffnung eines Sägewerkes. Die Dampfschneidemühle verarbeitete das Holz aus der Laußnitzer Heide.[3][4]

Seit Oktober 1884 verkehrte die Eisenbahn am Ort. Eine Schmalspurbahn verband Königsbrück mit Dresden-Klotzsche und führte über Ottendorf-Okrilla. 1897 wurde die Schmalspurbahn in eine normalspurige Strecke umgebaut. Für die Industrialisierung des Ortes war dies ein wichtiger Standortvorteil. 1885 wurden 799 Tonnen Güter transportiert. In den Folgejahren nahm der Warentransport enorm zu. 1865 kam es zur Gründung der ersten Möbeltischlerei. Die Möglichkeit, das Holz preiswert vor Ort zu beziehen, ließ weitere Möbeltischlereien im Ort entstehen. Das erste Steinkohlewerk ging 1909 in Betrieb. Damit war es erstmals möglich, eine öffentliche Straßenbeleuchtung zu installieren.[3][4]

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem großen wirtschaftlichen Aufschwung. Ottendorf-Okrilla wurde Industrie- und Arbeiterwohnsitzgemeinde. Während des Krieges wurden jedoch alle verfügbaren Ressourcen in die Kriegsführung investiert. Der private Wohnungsbau stagnierte und im Jahr 1920 herrschte extreme Wohnungsnot, weshalb es zur Errichtung neuer Wohnhäuser an der neuen Straße „Siedlung“ kam. Seit 1922 versorgte das Elektrizitätswerk Pulnitz den Ort mit Strom. Ab 1926 wurde gewerblich Kies abgebaut. Ab 1927 begann der Bau einer zentralen Trinkwasserversorgung.[4]

Nach Einbrüchen durch die Weltwirtschaftskrise verbesserte sich die wirtschaftliche Situation ab 1933.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus kam es im März 1933 zu schweren Übergriffen. SA-Männer errichteten vor dem Gasthof „Zum schwarzen Roß“ einen Scheiterhaufen und folterten dort festgenommene Regimegegner. Besonders brutal misshandeln sie den körperbehinderten Kommunisten Josef Hannemann.[5] Zu DDR-Zeiten wurde am Haus Radeberger Straße 12 eine Gedenktafel für ihn angebracht. Auch das als Kulturhaus genutzte Gebäude trug seinen Namen, bis es nach 1990 aufgrund zunehmenden baulichen Verfalls abgerissen wurde.[4]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam es teilweise zu Einquartierungen russischer Soldaten.

In der Zeit der DDR wurde der Ort immer mehr zum Industriestandort. Zu den schon länger ansässigen Glaswerken, der Kiesgrube, dem Holzhandel und den Köhlereien kamen neue Unternehmen hinzu, zum Beispiel die Plaste-Verarbeitung. Die deutsche Wiedervereinigung brachte einen Strukturwandel mit sich. Viele Betriebe mussten nach der Wende schließen, so u. a. auch das Glaswerk, das Möbelwerk und wenig später das Betonwerk. Einige Betriebe (u. a. die Plaste-Verarbeitung) wurden verkauft und überlebten die Privatisierung durch die Treuhandanstalt zumindest teilweise.

1991 wurde das Gewerbegebiet Ottendorf-Okrilla gebaut, womit sich das Ortsbild der Gemeinde wesentlich veränderte. Zudem wurde auch neuer Wohnraum errichtet.

EingemeindungenBearbeiten

Bereits am 24. Oktober 1911 fusionierten die Gemeinden Ottendorf b. Medingen und Moritzdorf zu Ottendorf-Moritzdorf. 1920 wurde Cunnersdorf b. Medingen in die Gemeinde Ottendorf-Moritzdorf eingegliedert, genau ein Jahr später folgte Kleinokrilla. Letztlich wurde am 1. Juli 1921 Großokrilla eingegliedert und die neue Gemeinde gleichzeitig in Ottendorf-Okrilla umbenannt. Bei der Eingemeindung zählte man etwa 4500, bei der Volkszählung vom 16. Juni 1925 schon 4753 Einwohner. Im Zuge der sächsischen Gemeindegebietsreformen in den 90er Jahren wurden am 1. Januar 1994 Grünberg[6] und am 1. Januar 1999 Hermsdorf und Medingen[7] jeweils auf der Grundlage freiwilliger Vereinbarungen angegliedert.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

(Stand jeweils 31. Dezember)[8]

Jahr 1998 2000 2002 2007 2009 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Einwohner 10.253 10.343 10.273 10.076 9.920 9.826 9.861 9.892 9.935 9.941 9.971

ReligionenBearbeiten

Evangelische Kirchen[9]
Katholische Kirchen
Freikirchliche Gemeinden
  • Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Ottendorf-Okrilla
  • Christuszentrum Ottendorf-Okrilla (Pfingstgemeinde)

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2019[10]
Wahlbeteiligung: 69,1 % (2014: 54,0 %)
 %
50
40
30
20
10
0
30,2 %
(-10,9 %p)
20,8 %
(-3,5 %p)
9,8 %
(+0,3 %p)
17,7 %
(+3,1 %p)
18,3 %
(n. k.)
3,2 %
(-7,2 %p)
2014

2019


GemeinderatBearbeiten

Die 17 Sitze im Gemeinderat verteilen sich seit der Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 folgendermaßen:

Partei / Liste Sitze + / –
CDU 6 − 2
Die Linke 4 ± 0
AfD 2 + 2
FDP 2 + 1
Aktionsbündnis Parteilose (AP) 3 ± 0

BürgermeisterBearbeiten

Die letzten Bürgermeisterwahlen fanden am 10. März 2013 statt. Amtsinhaber Michael Langwald (vorgeschlagen von LINKE, FDP und SPD) setzte sich mit 66,5 % der Stimmen gegen den Herausforderer Mirko Thomas (CDU) durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,5 %.[11]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Ottendorf-Okrilla aufgeführt.

Weiterhin gibt es seit 2018 einen Skater-Rundweg im Gewerbegebiet, der im Rahmen eines Schülerprojektes gebaut wurde.[12]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Gewerbegebiet Ottendorf-Okrilla

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über drei Grundschulen (eine davon in Hermsdorf, eine in Medingen) sowie eine Oberschule.

GewerbeBearbeiten

In Ottendorf-Okrilla gibt es neben dem Brief- und dem Paketzentrum der Deutschen Post AG in ungefähr 700 Betrieben ca. 6500 Arbeitsplätze. Zu DDR-Zeiten befand sich am Ort ein großes Presswerk für Kunststoffteile.

VerkehrBearbeiten

 
Ottendorf-Okrilla liegt an der Bundesautobahn A4
 
Desiro-Regionalzug am Bahnhof Ottendorf-Okrilla Nord

Ottendorf-Okrilla befindet sich nördlich der BAB 4 an der B 97. Über die Autobahnanschlussstellen Hermsdorf und Ottendorf-Okrilla ist die Gemeinde leicht erreichbar.

Außerdem ist die Gemeinde an die Bahnstrecke Dresden–Königsbrück angeschlossen. Es existieren folgende Bahnhöfe bzw. Haltepunkte im Gemeindegebiet:

  • Haltepunkt Hermsdorf (bei Dresden)
  • Bahnhof Ottendorf-Okrilla Süd
  • Haltepunkt Ottendorf-Okrilla
  • Bahnhof Ottendorf-Okrilla Nord
 
Zwölfeckhaus in Ottendorf-Okrilla 2013

TriviaBearbeiten

Am 4. März 1959 um 13:51 Uhr stürzte 5,70 km vor der Landebahn des Flughafens Dresden nahe Ottendorf-Okrilla bei seinem zweiten Erprobungsflug das erste und einzige von der DDR eigenentwickelte Flugzeug vom Typ 152/V1, Kennzeichen DM-ZYA, ab. Alle vier Besatzungsmitglieder starben.

In Ottendorf-Okrilla steht eines der seltenen Zwölfeckhäuser, ein Beispiel für die DDR-Architektur der 1970er Jahre.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Dresdner Heide, Pillnitz, Radeberger Land (= Werte unserer Heimat. Band 27). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1976, S. 24.
  • Karl Gottlieb Dressler: Chronik der Parochie Ottendorf sowie der Dörfer Lausa, Hermsdorf, Grünberg und Cunnersdorf nach sicheren Quellen. Meissen 1890 (Digitalisat)

WeblinksBearbeiten

Commons: Ottendorf-Okrilla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen nach Gemeinden am 31. Dezember 2019 (Hilfe dazu).
  2. z. B.: Haltestellenfahrplan − Haltestelle Hermsdorf b Dresden, Hermsdorf (b Dresden). (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 1. Mai 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.vvo-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. a b c d e K. G. Dreßler: In: Chronik der Parochie Ottendorf sowie der Dörfer Lausa, Hermsdorf, Grünberg, Cunnersdorf, 1890
  4. a b c d e f g Moritz Endler: In: Chronik der Gemeinde Ottendorf-Okrilla, 1934
  5. Bund der Antifaschisten, Region Dresden e.V.: Radeberger Land unter dem Hakenkreuz. In: http://aardb.blogsport.de/images/RadebergerLandunterdemHakenkreuz.pdf. Autorengruppe unter Leitung von Professor Dr. Helfried Wehner, abgerufen am 31. August 2018.
  6. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  8. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden. Abgerufen am 13. Januar 2020.
  9. Internetpräsenz der Gemeinde- Kirchliche Einrichtungen, abgerufen am 29. April 2015
  10. Statistik Sachsen – Wahlergebnisse Kommunalwahl 2019 – Ottendorf-Okrilla, abgerufen am 25. Juli 2019
  11. Ergebnis der Bürgermeisterwahl 2013 in Ottendorf-Okrilla
  12. Skate-Rundweg - Gemeinde Ottendorf-Okrilla. Abgerufen am 25. Dezember 2018.