Göda

Gemeinde im Landkreis Bautzen, Sachsen, Deutschland

Göda, sorbisch Hodźij?/i, ist ein Ort und die gleichnamige Gemeinde in der Oberlausitz westlich von Bautzen. Die Gemeinde zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben.[2]

Wappen Deutschlandkarte
Göda
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Göda hervorgehoben

Koordinaten: 51° 11′ N, 14° 19′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 210 m ü. NHN
Fläche: 43,27 km2
Einwohner: 2972 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km2
Postleitzahl: 02633
Vorwahlen: 035930, 035937, 035953
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 150
Gemeindegliederung: 32 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 14
02633 Göda
Website: www.goeda.de
Bürgermeister: Gerald Meyer (parteilos)
Lage der Gemeinde Göda im Landkreis Bautzen
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Über dieses Bild
Göda aus der Luft (Blick Richtung Westen; im Vordergrund Rückhaltebecken und Gödaer Schanze)

GeografieBearbeiten

Die Gemeinde Göda befindet sich im fruchtbaren Altsiedelland des Oberlausitzer Gefildes westlich der Stadt Bautzen. Der Ort selbst erhebt sich am rechten Ufer des Langen Wassers, welches hier seit Jahrhunderten von einer Furt durchquert wurde. Auch die heutige Staatsstraße 111 (vormals B 6) folgt im Wesentlichen dem Verlauf dieses alten Handelsweges. Am höchsten Punkt im Ort steht die Pfarrkirche St. Peter und Paul. Südlich des Ortes verläuft die Bahnstrecke Görlitz–Dresden mit dem Haltepunkt Seitschen auf Gemeindegebiet.

Das Lange Wasser führte insbesondere in den Jahren 1897, 1945 und 1981 verheerende Hochwasser, die erhebliche Schäden anrichteten. Daher wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Rückhaltebecken am Oberlauf errichtet. Das Gödaer Becken wurde 1962 in Betrieb genommen.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde besteht aus 6 Hauptortsteilen, denen jeweils noch kleinere Dörfer zugeordnet sind:

GeschichteBearbeiten

 
Göda um 1840
 
Blick von Westen auf Göda mit dem charakteristischen Doppelturm von St. Peter und Paul
 
Dorfplatz mit Kriegerdenkmal

Die ältesten nachweisbaren Besiedlungsspuren, die in Göda selbst gefunden wurden, stammen aus der Bronzezeit. Nahe der Straße nach Seitschen befindet sich am Langen Wasser die sogenannte Alte Schanze, auch Gödaer Schanze genannt, ein ovaler Ringwall, der von den ansässigen slawischen Milzenern zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert genutzt wurde. Etwas flussabwärts, etwa an der Stelle der heutigen Brücke über das Lange Wasser, befand sich auch um 1000 schon eine wichtige Furt der Frankenstraße, auf deren beiden Seiten später Rasthäuser erbaut wurden. Das sorbische Dorf stand südlich der heutigen Kirche, also am Südhang. Erst mit der Ankunft der Deutschen und der Errichtung der Kirche wurde die Hügelkuppe selbst bebaut.

Der Ort Göda wurde erstmals 1006 in einer Urkunde des ostfränkischen Königs Heinrich II. als Burgward Godobi erwähnt, der dem Bistum Meißen zusammen mit zwei weiteren Burganlagen als Schenkung zukam. Nach Bautzen war Göda seit 1076 der zweitälteste Pfarrort des Bistums Meißen in der Oberlausitz und als solcher ein Zentrum der von Bischof Benno von Meißen begonnenen christlichen Mission unter den hiesigen Sorben. Später wurden Filialkirchen in Gaußig und Neschwitz und Kapellen in Uhyst am Taucher und Pohla begründet. Östlich der alten Schanze wurde ein fester Rittersitz errichtet, der 1253 als Herrenhaus genannt wird. Im 13. Jahrhundert erstreckte sich das Gebiet des bischöflichen Besitzes Göda noch bis zur Sebnitz im Süden und zur Röder im Westen.

Im späten 15. Jahrhundert wurde die Burg Stolpen zum Bischofssitz und Göda zum Verwaltungszentrum der „Wendischen Pflege“, also der sorbischsprachigen Gegenden des Bistums. Nach dessen Säkularisation 1559 kam es direkt in den Besitz der sächsischen Kurfürsten, war also anders als große Teile der Oberlausitz niemals böhmisch. Aufgrund dieser Sonderstellung blieb Göda zunächst ein regionales Zentrum der Verwaltung, Kirche und niederen Gerichtsbarkeit, wobei letztere nach 1559 nicht mehr in den Händen des Gödaer Pfarrers lag, sondern beim sogenannten Gödaer Dingstuhl, der sie bis 1810 ausübte.

Kurfürst August ließ die Gödaer Lateinschule, die vornehmlich von sorbischen Schülern besucht wurde, ausbauen und fördern. Junge Sorben wurden an dieser Schule auf ein Theologiestudium vorbereitet. Ein großer Anteil der sorbischsprachigen, protestantischen Geistlichen im Kurfürstentum hat also seine Ausbildung in Göda begonnen.

Vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war Göda der Tagungsort des wendischen Landgerichts. An diesem Gericht fanden Prozesse nach altem wendischen Recht statt. Es war für die sorbische Bevölkerung der weiteren Umgebung zuständig.

Bevölkerung und SpracheBearbeiten

 
Blick in Richtung Storcha

Von den reichlich 3.100 Einwohnern der Gemeinde leben etwa 900 in Göda selbst. Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts für den Ort eine Bevölkerungszahl von 574 Einwohnern; davon waren 468 Sorben (82 %) und 106 Deutsche[6]. Ernst Tschernik zählte – bedingt durch die sprachliche Assimilation v. a. in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – 1956 einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von nur noch 24 %. Heute wird Sorbisch nur noch in den überwiegend katholischen Dörfern des nördlichen Gemeindegebietes als Alltagssprache gesprochen, und zwar vorwiegend in Storcha, wo seit den 1890er Jahren auch eine sorbische Pfarrkirche steht, sowie in Dreikretscham.

Beim Zensus 2011 waren 47,2 % der Gödaer Gemeindebevölkerung konfessionslos, 39 % gehörten der evangelischen Kirche an und 13,9 % der römisch-katholischen Kirche, wobei letztere vorwiegend in den nördlichen Ortsteilen leben.[7] Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Göda umfasst heute 40 Dörfer mit etwa 2000 Gemeindemitgliedern.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Von weitem sichtbar ist die im Ortskern stehende Kirche St. Peter und Paul mit ihrem charakteristischen Doppelturm. Die erste Kirche an dieser Stelle wurde 1076 durch Bischof Benno von Meißen begründet. Sie fungierte als eine Keimzelle der Christianisierung in den sorbischen Dörfern zwischen der Bergkette des Picho und dem Klosterwasser.

Ein zweiter romanischer Kirchenbau erfolgte im Laufe des 13. Jahrhunderts, davon erhalten sind der dickwandige Unterbau des Turms und die massige Gestalt des Taufsteins.

Der heutige Baukörper, eine spätgotische Hallenkirche bestehend aus dreischiffigem Langhaus mit Netzgewölbe und einem Chor mit Sterngewölbe und Fünfachtelabschluss, entstand kurz vor der Reformation zwischen 1505 und 1517 unter Bischof Johann VI. von Saalhausen. Aus dieser Zeit haben sich die sandsteinerne Kanzel, ein Weihwasserbecken und vor allem die Spitzbogenfenster bis heute erhalten. Im 16. Jahrhundert umfasste der Gödaer Pfarrbezirk insgesamt 75 Dörfer.[8]

Der massive Doppelturm wurde erst beim Wiederaufbau der im Winter 1580 durch einen Brand verwüsteten Kirche errichtet. Hundert Jahre später, 1680, brannte der Kirchturm erneut aus.[9] Seine gegenwärtige neogotische Erscheinung und den Doppelhelm bekam der Turm bei der Umgestaltung im Jahre 1892 durch den Architekten Christian Gottfried Schramm.

Der Innenraum der Kirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts barock gestaltet und erhielt 1892 eine neogotische Fassung. Bei der Neugestaltung in den Jahren 1976 bis 1981 durch den Bildhauer Friedrich Press wurde die neogotische Ausstattung entfernt, mehrere Farbschichten abgetragen und Deckenbemalungen aus der gotischen Bauzeit freigelegt. Aus dem Holz der abgebauten Emporen entstand das Pflaster für den Fußboden. Heute präsentiert sich der Innenraum als ein Zusammenklang von lichter gotischer Architektur und moderner Bildhauerkunst. Dazu schuf Friedrich Press unter dem Thema „Mission“ eine Gruppe von 12 eingefärbten fast mannshohen Holzfiguren, die jetzt auf Holzpodesten im Chor stehen: ein Christus in V-Form (V wie Victoria als Zeichen des Sieges über den Tod) und 11 einzeln oder in Gruppen stehende Apostel. Der Altar ruht auf einem Podest, das wie eine Halbinsel in das Kirchenschiff hineinragt, so dass die Gemeinde an drei Seiten um den Altar sitzt. Der ebenfalls von Friedrich Press geschaffene Altartisch mit seinen 12 Beinen und 12 Flammen symbolisiert das Pfingstfest und die 12 Stämme Israels. Für die wiederentdeckte gotische Kanzel schuf er einen Schalldeckel in Form einer Taube. Der Entwurf für den Prospekt der 1988 geweihten Orgel von Hermann Eule Orgelbau Bautzen stammt ebenfalls von Friedrich Press[10].

Seit 1993 sind in der Turmhalle mehrere Grabmale der Pirnaer Bildhauerschule für Gutsherren aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufgestellt. Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof befindet sich u. a. das Grab von Jaroměr Hendrich Imiš.

Seit 1965 findet auf der Festwiese in der Nähe der Schanze jährlich das Hexenbrennen nebst Theatervorstellung statt.

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2019[11]
Wahlbeteiligung: 70,3 % (2014: 56,7 %)
 %
50
40
30
20
10
0
47,8 %
19,3 %
7,1 %
25,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 30
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
−11,9 %p
−11,9 %p
−1,9 %p
+25,8 %p

Die Wahlen der vergangenen Jahre führten zu folgende Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften 2019 2014 2009 2004
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
Freie Wähler (2004: FW Göda) 47,8 8 59,7 10 59,2 10 60,4 10
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 19,3 3 31,2 5 28,1 4 30,8 5
Freie Demokratische Partei (FDP) 0,0 0 0,0 0 12,7 2 8,8 1
DIE LINKE 7,1 1 9,1 1
Alternative für Deutschland (AfD) 25,8 4
gesamt 100,00 16 100 16 100,0 16 100,0 16
Wahlbeteiligung 70,3 % 56,7 % 56,4 % 52,5 %
Sitzverteilung im Gemeinderat
    
Insgesamt 16 Sitze

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist seit 2015 der parteilose Gerald Meyer. Er wurde 2022 wiedergewählt.

OrtspartnerschaftenBearbeiten

BildungBearbeiten

Die Gemeinde Göda verfügt über eine Grundschule. Die Mittelschule wurde im Jahr 2006 geschlossen.

PersönlichkeitenBearbeiten

Galerie der OrtsteileBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Göda – tausendjährig. Festschrift zum Jubiläum, hrsg. von der Gemeindeverwaltung Göda. 2. Aufl. Lusatia Verlag, Bautzen 2006.
  • Lausitzer Bergland um Pulsnitz und Bischofswerda (= Werte unserer Heimat. Band 40). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1983, S. 85ff..
  • Cornelius Gurlitt: Göda. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 31. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (I. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 61.

WeblinksBearbeiten

Commons: Göda/Hodźij – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Göda – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung der Gemeinden Sachsens am 31. Dezember 2021 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011 (Gebietsstand 01.01.2021). Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 21. Juni 2022. (Hilfe dazu).
  2. Anlage (zu § 3 Abs. 2) des Sächsischen Sorbengesetzes
  3. zu Jannowitz
  4. mit Buscheritz
  5. Stand: 31. Dezember 2019; Angaben der Gemeindeverwaltung Göda
  6. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 50.
  7. Zensusergebnisse 2011: Göda
  8. Georg Krahl: Tausend Schritte durch Göda. In: Göda - tausendjährig. Festschrift zum Jubiläum. S. 8
  9. Rüdiger Laue: Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Göda seit der Reformation bis zur Gegenwart. In: Göda - tausendjährig. Festschrift zum Jubiläum. S. 52ff.
  10. Unsere Kirche > Heute. In: Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Göda St. Peter und Paul. Abgerufen am 12. Februar 2022.
  11. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2019
  12. Partnergemeinden auf goeda.de, abgerufen am 8. Juni 2022