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NK Široki Brijeg

bosnisch-herzegowinischer Fußballverein

Der NK Široki Brijeg ist ein 1948 gegründeter Fußballverein aus der bosnisch-herzegowinischen Stadt Široki Brijeg.

NK Široki Brijeg
NK Siroki Brijeg.png
Basisdaten
Name Nogometni klub Široki Brijeg
Sitz Široki Brijeg
Gründung 1948
Farben blau-weiß
Präsident Zlatan Mijo Jelić
Vorstand Dario Knezović
Website nk-sirokibrijeg.com
Erste Mannschaft
Cheftrainer Branko Karačić
Spielstätte Pecara-Stadion
Plätze 9.093 (5.726 Sitzplätze)
Liga Premijer Liga
2018/19 3. Platz
Heim
Auswärts

Die Fußballmannschaft spielt in der Premijer Liga, die seit ihrer Gründung im Jahr 2000 die höchste Spielklasse im Vereinsfußball von Bosnien und Herzegowina ist. Der NK Široki Brijeg ist einer der erfolgreichsten Fußballvereine des Landes und hat zweimal die Meisterschaft sowie viermal die Vizemeisterschaft errungen. Zudem ist er dreifacher Pokalsieger sowie vierfacher Vizepokalsieger. In der ehemaligen 1. Liga von Herceg-Bosna (1993–2000) errang der NK Široki Brijeg fünfmal die Meisterschaft. Auf europäischer Ebene spielt der Verein regelmäßig in der Qualifikation der UEFA Europa League.

Der Verein verzeichnete in der Saison 2000/01 mit einem 9:0 gegen FK Krajina Cazin sowohl seinen höchsten Sieg als auch mit einem 1:4 bei FK Željezničar Sarajevo seine höchste Niederlage.[1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Verein wurde im Frühjahr 1948 im Haus von Luco Zeljko unter dem Namen NK Borak gegründet. Er wurde nach der Quelle des Flusses Lištica benannt.

Im darauffolgenden Jahr änderte der Verein seinen Namen in NK Boksit (FC Bauxit) und verlegte seine Spielstätte vom Ortsteil Puringaj in den Ortsteil Trn.

Im Jahr 1950 änderte der Verein seinen Namen in NK Lištica und verlegte seine Spielstätte wieder zurück in den Ortsteil Puringaj. Als NK Lištica spielte er in der ehemaligen Regionalliga der Herzegowina.

Im Juli 1957 änderte der Verein seinen Namen in NK Mladost (FC Jugend). Seit der Saison 1962/63 spielte der Verein in der Herzegowina Liga und wurde darin 1972/73 Meister. Der Erfolg brachte den Verein damals fast bis in die 2. jugoslawische Fußballliga. Er spielte auch in der Liga von Bosnien und Herzegowina, der damaligen dritten Spielklassenebene in Jugoslawien.

In den nachfolgenden Saisons spielte der Verein an der Spitze der damaligen Regionalliga der Herzegowina und qualifizierte sich 1979 für die Regionalliga Süd von Bosnien-Herzegowina. In dieser Liga spielte der Verein bis zum Ausbruch des Kroatienkrieges und erreichte mit einem fünften Platz im Jahr 1980 sein bestes Ergebnis.

Im Februar 1991 kombinierte der Verein seinen Namen mit dem seines Hauptsponsors und nannte sich NK Mladost-Dubint. Nach der Hälfte der Saison löste sich die Regionalliga Süd von Bosnien-Herzegowina durch den Bosnienkrieg auf. Danach spielte der Verein in der 1. Liga von Herceg-Bosna und feierte seine größten Erfolge Mitte der 1990er-Jahre.

 
Freundschaftsspiel gegen den kroatischen Rekordmeister/-pokalsieger Dinamo Zagreb im heimischen Pecara-Stadion (2013)

Am 1. Oktober 1995 folgte die Umbenennung des Vereins in NK Široki Brijeg. Im Mai 1998, dem Jahr des 50-jährigen Bestehens des Vereins, spielte der Verein als einer der bestplatzierten der Liga von Herceg-Bosna gegen die bestplatzierten Teams der bosnischen Liga um die Startplätze der UEFA-Wettbewerbe.

Die erste Saison der Premijer Liga von Bosnien-Herzegowina im Jahr 2000 beendete der NK Široki Brijeg mit dem siebten Platz. Bereits in der darauffolgenden Saison qualifizierte sich der Verein als Zweitplatzierter für UEFA-Wettbewerbe. Das erste Spiel auf europäischer Ebene fand am 15. Oktober 2002 statt. In der Saison 2003/04 wurde der Verein erstmals Meister der Premijer Liga von Bosnien-Herzegowina; der zweite Meistertitel folgte in der Saison 2005/06.

Im Jahr 2007 wurde der NK Široki Brijeg erstmals Bosnisch-herzegowinischer Fußballpokalsieger. 2013 gelang der zweite Pokalsieg gegen den Hauptstadtclub und Rekordpokalsieger FK Željezničar Sarajevo durch ein 5:4 nach Elfmeterschießen, nachdem Hin- und auch Rückspiel jeweils mit einem 1:1 geendet waren.[2]

ErfolgeBearbeiten

 
Pecara-Stadion in Široki Brijeg

EuropapokalbilanzBearbeiten

Saison Wettbewerb Runde Gegner Gesamt Hin Rück
2002/03 UEFA-Pokal Qualifikation Slowakei  KOBA Senec 5:1 2:1 (A) 3:0 (H)
1. Runde Tschechien  Sparta Prag 0:4 0:3 (A) 0:1 (H)
2004/05 UEFA Champions League 1. Qualifikationsrunde Aserbaidschan  Neftçi Baku PFK (a)2:2(a) 2:1 (H) 0:1 (A)
2005/06 UEFA-Pokal 1. Qualifikationsrunde Albanien  KS Teuta Durrës 4:3 1:3 (A) 3:0 (H)
2. Qualifikationsrunde Serbien und Montenegro  Zeta Golubovci 5:2 1:0 (A) 4:2 (H)
1. Runde Schweiz  FC Basel 0:6 0:5 (A) 0:1 (H)
2006/07 UEFA Champions League 1. Qualifikationsrunde Weissrussland  FK Schachzjor Salihorsk 2:0 1:0 (A) 1:0 (H)
2. Qualifikationsrunde Schottland  Heart of Midlothian 0:3 0:3 (A) 0:0 (H)
2007/08 UEFA-Pokal 1. Qualifikationsrunde Slowenien  FC Anet Koper 6:3 3:1 (H) 3:2 (A)
2. Qualifikationsrunde Israel  Hapoel Tel Aviv 0:6 0:3 (H) 0:3 (A)
2008/09 UEFA-Pokal 1. Qualifikationsrunde Albanien  FK Partizani Tirana 3:1 0:0 (H) 3:1 (A)
2. Qualifikationsrunde Turkei  Beşiktaş Istanbul 1:6 1:2 (H) 0:4 (A)
2009/10 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde Armenien  FC Banants Jerewan 2:1 2:0 (A) 0:1 (H)
2. Qualifikationsrunde Osterreich  SK Sturm Graz 2:3 1:2 (A) 1:1 (H)
2010/11 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde Slowenien  NK Olimpija Ljubljana 5:0 2:0 (A) 3:0 (H)
2. Qualifikationsrunde Osterreich  FK Austria Wien 2:3 2:2 (A) 0:1 (H)
2011/12 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde Slowenien  NK Olimpija Ljubljana 0:3 0:0 (H) 0:3 (A)
2012/13 UEFA Europa League 2. Qualifikationsrunde Irland  St Patrick’s Athletic 2:3 1:1 (H) 1:2 n. V. (A)
2013/14 UEFA Europa League 2. Qualifikationsrunde Kasachstan  Ertis Pawlodar 4:3 2:3 (A) 2:0 (H)
3. Qualifikationsrunde Italien  Udinese Calcio 1:7 1:3 (A) 0:4 (H)
2014/15 UEFA Europa League 2. Qualifikationsrunde Aserbaidschan  FK Qəbələ 5:0 2:0 (A) 3:0 (H)
3. Qualifikationsrunde Tschechien  FK Mladá Boleslav 1:6 1:2 (H) 0:4 (A)
2016/17 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde Malta  FC Birkirkara 1:3 1:1 (H) 0:2 (A)
2017/18 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde Kasachstan  Ordabassy Schymkent 2:0 2:0 (H) 0:0 (A)
2. Qualifikationsrunde Schottland  FC Aberdeen 1:3 1:1 (A) 0:2 (H)
2018/19 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde Slowenien  NK Domzale (a)3:3(a) 2:2 (H) 1:1 (A)
2019/20 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde Kasachstan  FK Qairat Almaty 2:4 1:2 (H) 1:2 (A)

Legende: (H) – Heimspiel, (A) – Auswärtsspiel, (N) – neutraler Platz, (a) – Auswärtstorregel, (i. E.) – im Elfmeterschießen, (n. V.) – nach Verlängerung

Gesamtbilanz: 54 Spiele, 18 Siege, 11 Unentschieden, 25 Niederlagen, 61:79 Tore (Tordifferenz −18)

StadionBearbeiten

Die Heimspielstätte liegt seit 1953 im Ortsteil Pecara. Das dortige Pecara-Stadion erfüllt die Kriterien der UEFA und erhielt im Jahr 1974 erstmals einen neuen Rasen und die südliche Zuschauertribüne.

Das heutige Erscheinungsbild zeigt eine nördliche, östliche und südliche Zuschauertribüne, mit insgesamt 5.726 überdachten Sitzplätzen. Eine Flutlichtanlage, Anzeigetafel, moderne Umkleideräume und anderen begleitenden Einrichtungen erhielt das Stadion in den späten 1990er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends.

Seinen Besucherrekord mit rund 10.000 Zuschauern hatte das Stadion beim Spiel der führenden Spitzenmannschaften Kroatiens Dinamo Zagreb gegen Hajduk Split, im Finale des 3. Gojko-Šušak-Erinnerungsturniers am 10. Februar 2002.

TrainingscampBearbeiten

Seit dem 8. Oktober 2010 unterhält der Verein im Gebiet Mostarsko Blato, nur 7 km östlich vom Pecara-Stadion entfernt, das Trainingscamp „Musa-Karačić“. Benannt ist das Camp nach den ehemaligen Spielern Josip Musa (1985–2000) und Ivo Karačić (1988–2007).

Das Trainingscamp besitzt einen großen Sportkomplex mit Umkleideräumen, Büros und anderen Hilfseinrichtungen. Es gibt drei Fußballfelder, davon zwei mit natürlichem Rasen und eins mit Kunstrasen. Für Fußball, Handball, Basketball und Volleyball wird das Camp von allen Altersgruppen des Vereins und Freizeitsportlern aus Široki Brijeg und Umgebung genutzt.

FansBearbeiten

 
Fan-Choreografie der Škripari (2009)

Der Bevölkerungsstruktur der Stadt entsprechend, wird der NK Široki Brijeg von kroatischen Fans unterstützt. Der Fanclub des Vereins ist die Ultra-Gruppierung Škripari, gegründet am 9. September 1996.

Der Name Škripari wurde in Verehrung für die gleichnamigen Angehörigen der Kroatischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg gewählt, die noch nach dem Ende des Krieges dem kommunistischen Regime in Jugoslawien als antikommunistische Guerillas bewaffneten Widerstand leisteten. Diese versteckten sich oft in Karsthöhlen (regional: škripine).

Um die Zeit ihrer Entstehung (ab der Saison 1993/94 mit Höhepunkt 1998) gehörten die Škripari zu den organisiertesten Fanclubs in der Herzegowina.

Die frühere Namensidee Broadly Hill Boys entstammte dem Jahr 1989, als Fans während eines Basketballspieles der nationalen Liga von Bosnien-Herzegowina zwischen KK Mladost (heute HKK Široki Brijeg) und KK Borac Čapljina diesen Namen wählten. Er wurde kurz danach angenommen und bis in die Zeit des Bosnienkrieges, konnte man ein blaues Spruchband mit den in Weiß geschriebenen Worten „Broadly Hill Boys“ bei allen Spielen der lokalen Vereine von Široki Brijeg sehen. Der Name war eine Anspielung auf die Ultra-Gruppierung Bad Blue Boys des kroatischen Fußballvereins Dinamo Zagreb in Verbindung mit dem Namen des Ortes Široki Brijeg („Breiter Hügel“).

Die meisten Škripari unterstützen auch andere Sportvereine aus Široki Brijeg, vor allem den HKK Široki Brijeg im Basketball sowie die Kroatische Fußballnationalmannschaft.

Das offizielle Lied der Škripari ist Igraj, igraj Široki (Spiel, spiel, Široki). Zusätzlich nahmen sie mit der kroatischen Hip-Hop-Band Beretta das Lied U mom srcu riječi te (Diese Worte in meinem Herz) auf. Beide Lieder können auf der Internetpräsenz der Škripari heruntergeladen werden (s. Weblinks).

Am 4. Oktober 2009 kam es bei einem sogenannten „Spiel des Jahres“ gegen den FK Sarajevo in Široki Brijeg zu schweren Fanausschreitungen. Die Ultras-Gruppe Horde Zla (Horde des Bösen) aus Sarajevo, die hauptsächlich aus Bosniaken besteht, hatte an diesem Tag ihr 22-jähriges Bestehen und erschien mit über 600 Personen zum Spiel. Darunter viele Hooligans und Unterweltgestalten, die teils auf Schleichwegen nach Široki Brijeg kamen.

Zwei Wochen zuvor waren die Škripari in Sarajevo in einen Hinterhalt gelockt worden und versuchten sich nun zu revanchieren. Aber die Hooligans aus Sarajevo durchbrachen eine Polizeikette und jagten die Škripari bis ans Ende des Stadtzentrums. Dazu fingen sie an Pubs und Cafés, in denen sich Škripari verbarrikadierten, anzugreifen und zu zerstören. Für das zu erwartende Risikospiel standen nur 20 Polizisten bereit, die nun die Spielerkabine und die örtliche Tankstelle schützen. Diverse Hilfspolizisten, die vor dem Spiel ernannt worden waren, gehörten zu den Škripari oder sympathisierten mit diesen. Die Verantwortlichen hatten versäumt zusätzliche Polizeikräfte für das Risikospiel anzufordern.

Der 24-jährige Vedran Puljić, Mitglied der Horde Zla, wurde durch einen Kopfschuss getötet. Der örtliche Polizist Oliver Knezović, angeblich ein ehemaliger Angehöriger des Kažnjenička bojna, wurde später dafür festgenommen. Die Innenstadt wurde verwüstet und es wurden Polizeiautos angezündet. Es entwickelte sich ein Kampf zwischen den Hooligans aus Sarajevo und der örtlichen Polizei, Bürgerwehr und Hooligans, bei dem schließlich sogar Sturmgewehre einsetzt wurden. Nur die Ankunft von Spezialpolizisten und Militärpolizisten aus der gesamten Republik brachten die Lage unter Kontrolle. Es kam zu über 30 schwer verletzten Fans, 16 schwer verletzten Polizisten und einem Toten.

SonstigesBearbeiten

Anlässlich des 60. Geburtstages des NK Široki Brijeg im Jahr 2008, gab die Kroatische Post Mostar zwei Sondermarken, einen Sonderstempel und einen Ersttagsbrief für Bosnien und Herzegowina aus.

Spielerkader 2014–15Bearbeiten

Tor Abwehr Mittelfeld Angriff
12 Luka Bilobrk Bosnien und Herzegowina 
01 Nikola Marić Bosnien und Herzegowina 
23 Antonio Soldo Bosnien und Herzegowina 
06 Josip Barišić Bosnien und Herzegowina 
21 Slavko Brekalo Bosnien und Herzegowina 
24 Matej Karačić Bosnien und Herzegowina 
02 Damir Džidić Bosnien und Herzegowina 
03 Ivica Džidić Bosnien und Herzegowina 
33 Stipo Marković Bosnien und Herzegowina 
05 Boris Pandža Bosnien und Herzegowina 
16 Josip Čorluka Bosnien und Herzegowina 
10 Jure Ivanković Bosnien und Herzegowina 
04 Danijel Kožul Bosnien und Herzegowina 
18 Zvonimir Kožulj Bosnien und Herzegowina 
14 Davor Landeka Bosnien und Herzegowina 
15 Wagner Lago Brasilien 
11 Goran Zakarić Bosnien und Herzegowina 
08 Mate Pehar Bosnien und Herzegowina 
28 Zoran Plazonić Kroatien 
27 Taianan Brasilien 
19 Ivan Peko Bosnien und Herzegowina 
20 Ivan Buhač Bosnien und Herzegowina 
32 Dino Kresinger Kroatien 

Bekannte ehemalige SpielerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Miljenko Karačić: Zlatne godine : Šest desetljeća nogometa u Širokom Brijegu [Die goldenen Jahre : Sechs Jahrzehnte des Fußballs in Široki Brijeg]. Hrsg.: NK Široki Brijeg. Široki Brijeg 2008 (nk-sirokibrijeg.com [PDF]).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Omar Gisler: Das große Buch der Fußball-Rekorde : Superlative, Kuriositäten, Sensationen. 4. überarbeitete Auflage. Stiebner Verlag GmbH, 2012, ISBN 978-3-7679-1080-5, S. 102.
  2. UEFA.com: Široki Brijeg gewinnt bosnischen Pokal. Abgerufen am 17. Mai 2013.