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GeographieBearbeiten

Die Ortschaft Krevese liegt ca. 5 km nordwestlich der Stadt Osterburg (Altmark). Das hügelige Gebiet um Krevese erreicht mit 73 m ü. NN nahe Polkern den höchsten Punkt der nordöstlichen Altmark. Von hier aus blickt man über die tischebene Wische in die Elbe bis hin zum etwa 20 km entfernten Havelberger Dom. Nach Süden und Osten fällt das Gelände zur Biese, nach Westen zum Zehrengraben ab.

OrtschaftsgliederungBearbeiten

Zur Ortschaft Krevese gehören die Ortsteile Krevese, Dequede, Polkern und Röthenberg.

GeschichteBearbeiten

 
Ehemalige Klosterkirche Krevese

Krevese (früher auch: Crevese) wurde 956 erstmals urkundlich als Kribci erwähnt, als Otto I. dem Stift Quedlinburg sechs slawische Dörfer aus der Marca Lipani schenkte.[2]

Das Dorf gehörte dem Benediktinerinnenkloster „Marienthal“ im Ort, das der Mutter Maria und dem Heiligen Anisius geweiht war.

Der Streit mit dem Benediktinerinnenkloster Dobbertin in Mecklenburg um das Sandpropsteidorf Lärz wurde am 21. September 1249 in Röbel nach Zahlung einer Entschädigungssumme von 30 Mark Slawischer Pfennige an das Kloster Krevese zugunsten Dobbertins gelöst.[3]

Gemäß der Sage „Die spukenden Nonnen in der Klosterkirche zu Crevese“ erlosch das Kloster 1540; die letzte Domina war Catharina von Jeetze († 1569).

„Die Sage vom Emmakreuze“ dagegen berichtet, dass das Kloster im Jahre 1268 durch Brandstiftung einer unfreiwilligen Nonne abbrannte, wieder aufgebaut wurde, 1280 erneut niederbrannte und danach aus Geldnot nicht wieder auflebte. Früher hatte Krevese eine eigene Kirche, seitdem diese aber abgebrannt ist, wurde der Gottesdienst für die Guts- und Dorfgemeinde in der Klosterkirche eingerichtet.

1562 erhielt die Familie von Bismarck im Tausch für ihren Besitz Schloss Burgstall die Propstei Krevese und baute sie zu einem feudalen Rittergut um. Im Dreißigjährigen Krieg wurden das Rittergut und besonders auch das Dorf Krevese stark in Mitleidenschaft gezogen. Es dauerte bis 1725, bis aus den Ruinen des Krieges das neue streng preußisch-barocke Herrenhaus entsteht und die verwaisten Hofstellen im Dorf neu besetzt sind.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein gehörte das Rittergut Krevese der Familie von Bismarck. 1819 ging es in den Besitz der Familie von Jagow über, die es bis 1860 bewirtschaftete und es dann an die Industriellenfamilie Brückner aus Calbe/Saale verkaufte. Letzter Gutsherr war der 1939 kinderlos verstorbene Joachim Brückner.

Nach der Enteignung wurde das Herrenhaus als SED-Parteischule des Kreises Osterburg genutzt und entsprechend umgestaltet, später nutzte es die Polytechnische Oberschule Krevese, die 1993 schließen musste. Die Ländereien des Gutes wurden zu DDR-Zeiten von zwei Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften bewirtschaftet; eine war in der Pflanzen-, die andere in der Tierproduktion tätig.

In der Nähe des Fernsehturms in einem Waldstück bei Dequede bestand in den 1950er-Jahren ein Pionierferienlager.[4]

Nach zehn Jahren Leerstand und Verfall sind das Herrenhaus und der Park seit 2003 in Privatbesitz und werden behutsam wiederbelebt. Das Herrenhaus ist heute wieder ein Wohnhaus und wird als Designatelier sowie für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Polkern eingegliedert.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Ballerstedt (am 24. November 2008), Düsedau (am 12. November 2008), Erxleben (am 10. November 2008), Flessau (am 27. November 2008), Gladigau (am 26. November 2008), Königsmark (am 25. November 2008), Krevese (am 12. November 2008), Meseberg (am 19. November 2008), Rossau (am 10. November 2008), Walsleben (am 10. November 2008) und der Hansestadt Osterburg (Altmark) (am 6. November 2008), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Einheitsgemeinde mit dem Namen Hansestadt Osterburg (Altmark) vereinigt wurden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Juli 2009 in Kraft.[5][6]

Nach Umsetzung des Gebietsänderungsvertrages der bisher selbständigen Gemeinde Krevese wurden Krevese, Dequede, Polkern und Röthenberg Ortsteile der neuen Hansestadt Osterburg (Altmark). Für die eingeflossene Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die aufgenommene Gemeinde Krevese und künftigen Ortsteile Krevese, Dequede, Polkern und Röthenberg wurden zur Ortschaft der neuen Hansestadt Osterburg (Altmark). In der eingeflossenen Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Krevese wurde ein Ortschaftsrat mit sechs Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Geschichte einzelner OrtsteileBearbeiten

DequedeBearbeiten

Der Ortsname ist deutschen Ursprungs, der auf eine Teichquelle oder einen Quellsumpf hindeutet – mit dem weithin sichtbaren, 184,5 m hohen Fernsehturm Dequede.

RöthenbergBearbeiten

Der Ortsteil Röthenberg ist ein ehemaliges Vorwerk. Es gehörte ursprünglich zum Gutsbezirk Bretsch und wurde am 30. September 1928 mit der Landgemeinde Dequede vereinigt.[7]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Die letzte Bürgermeisterin der Gemeinde war Jutta Berger.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Gespalten von Silber und Blau, vorn eine romanische blaue Säule, hinten ein von drei silbernen Eichenblättern bewinkeltes, dreiblättriges silbernes Kleeblatt.“ (v. Bismarck)

Die Farben der ehemaligen Gemeinde – abgeleitet von den Farben der Schildspaltung – sind Silber (Weiß)/Blau.

Es war Wunsch und Beschluss der ehemaligen Gemeinde, Symbole im Ortswappen zu verwenden, die sich auf das Kloster und auf die Familie von Bismarck beziehen. Sie drücken sich aus durch die romanische Säule auf der rechten Schildseite und durch das Bismarcksche Kleeblatt auf der linken Schildseite. Die Tinkturen beziehen sich auf die Bismarckschen Farben Blau-Silber.

Das Wappen wurde 2004 vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und ins Genehmigungsverfahren geführt.

FlaggeBearbeiten

Die Flagge ist Blau – Weiß (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend; Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

VerkehrsanbindungBearbeiten

Eine Landesstraße verbindet Kerkuhn im Westen über Kerkuhn mit Osterburg (Altmark) im Osten. Kreisstraßen führen nach Norden und Süden. Wenige Kilometer östlich von Krevese verläuft die Bundesstraße 189 und die parallele Bahnstrecke Stendal–Wittenberge (nächster Bahnhof in Osterburg).

Söhne und Töchter (Auswahl)Bearbeiten

Literatur und QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Baldeweg: Krevese 956 bis 1956. Zur Geschichte eines altmärkischen Dörfchens. Krevese: Rat der Gemeinde, Festausschuß für die 1000-Jahr-Feier, 1956, 89 S.
  • Gemeinde Krevese: 1050 Jahre Krevese – Festschrift. Textgestaltung: Jan Kleemeier, Birgit Maaß und Susann Hollenbach, Mai 2006, 40 S.
  • Joachim Pohl: Krevese, Benediktinerinnen. In: Brandenburgisches Klosterbuch Band I., 2007, S. 687–702

Gedruckte QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Krevese – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hauptsatzung der Hansestadt Osterburg (Altmark). 2. Juli 2014 (PDF; 117 KB [abgerufen am 6. Dezember 2015]).
  2. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 25, 1863, S. 166 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001003_00177~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  3. MUB I. (1863) Nr. 634.
  4. Facebook-Eintrag
  5. Amtsblatt des Landkreises Nr. 2/2009, S. 13–19 (PDF; 524 kB)
  6. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
  7. Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg, 1928, S. 213