Klub 27

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Als Klub 27 (auch Club 27; englisch meist 27 Club oder Forever 27 Club), wird in uneinheitlicher Abgrenzung eine Reihe von bedeutenden Musikern vor allem aus den Bereichen der Rock- und Bluesmusik bezeichnet, die im Alter von 27 Jahren starben. Daraus wird die – wissenschaftlich widerlegte – Vorstellung abgeleitet, dieses Alter sei für Musiker besonders gefährlich, und mehr Musiker würden damit sterben als mit vergleichbaren Lebensaltern.

Ein Graffito in Tel Aviv ergänzt den Maler Jean-Michel Basquiat (dritter von rechts) zu den Big Six, chronologisch geordnet von links: Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse

Den engsten, stets inkludierten Kern des Klub 27 bilden vier amerikanische Musiklegenden: die Anfang der 1970er verstorbenen Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison, sowie Kurt Cobain, nach dessen Tod 1994 das Konzept des Klub 27 erst formuliert wurde und breitere Bekanntheit erlangte. Meist hinzugezählt werden zwei Engländer – Brian Jones († 1969), der solcherart zum ersten ‚Mitglied‘ des Klubs wurde, und seit ihrem Tod im Jahr 2011 Amy Winehouse, die dem Klub 27 zu einem Popularitätsschub verhalf. Diese sechs werden im Kontext der verschiedenen Erweiterungen auch die Big Six des Klubs genannt oder anderweitig als seine Hauptmitglieder ausgewiesen.

Verschiedene Auflistungen ergänzen nach eigenem Ermessen weitere Musiker, häufig beispielsweise die Amerikaner Robert Johnson († 1938), Alan Wilson († 1970), Ron McKernan († 1973) und Kristen Pfaff († 1994) sowie den Briten Pete Ham († 1975). Im weit gefassten Sinne umfasst der Klub alle namhaften Musiker, die in diesem Alter starben. Viele Listen erweitern auch die Grundmenge auf „Stars“ oder allgemein Berühmtheiten und ergänzen sie wiederum durch Schauspieler (wie Anton Yelchin, † 2016) und andere Künstler (etwa den Maler Jean-Michel Basquiat, † 1988), seltener durch Sportler und andere Prominente.

Dem Klub wurden bereits mehrere Ausstellungen gewidmet und neben dem Vertrieb von Merchandising-Produkten griffen auch Romane, Filme und Bühnenstücke das Thema auf. Verschiedene Theorien und Spekulationen ranken sich um die Ursachen der frühen Tode und mögliche Zusammenhänge. Andere Quellen bezeichnen, auch auf Basis statistischer Untersuchungen, eine Häufung von Musikertoden im Lebensalter von 27 Jahren als Mythos, basierend auf selektiver Wahrnehmung.

BegriffsbildungBearbeiten

Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison starben in den Jahren 1969 bis 1971, durch die Todestage von Jones (3. Juli 1969) und Morrison (3. Juli 1971) zudem innerhalb eines Zeitraums von genau zwei Jahren.[1] Doch in der breiten Öffentlichkeit wurde keine Verbindung zwischen dem gemeinsamen Todesalter gezogen. Der Zusammenhang wurde zwar hin und wieder bemerkt,[2][3] blieb aber eher eine Randnotiz. Erst mit dem Tode Kurt Cobains, knapp zweieinhalb Jahrzehnte nach den anderen, verbreitete sich die Vorstellung eines Klub 27 in der öffentlichen Wahrnehmung.[4] Der Hendrix- und Cobain-Biograf Charles R. Cross macht hierfür einerseits die wachsende Bedeutung der Medien – namentlich von Internet, Fernsehen und Zeitschriften –, andererseits eine Interview-Antwort von Cobains Mutter mitverantwortlich. Diese hatte gegenüber einem Reporter der Aberdeener Zeitung The Daily World gesagt:

“Now he’s gone and joined that stupid club. I told him not to join that stupid club.”

„Jetzt ist er von uns gegangen und diesem blöden Klub beigetreten. Ich habe ihm gesagt, er soll diesem blöden Klub nicht beitreten.“

Wendy Fradenburg Cobain O’Connor: Interview, zitiert nach: Heavier Than Heaven[5]

Cross vermutet, dass sie sich damit auf Hendrix’, Joplins und Morrisons gemeinsames Todesalter bezog,[5] weitere Autoren teilen seine Auffassung.[6] Dagegen gehen Josh Hunter und Eric Segalstad, Verfasser eines Sachbuches zu den „27ern“, davon aus, dass Cobains Mutter sich auf einen tragischen Ausschnitt aus der Familiengeschichte bezog: Zwei Onkel und ein Großonkel von Kurt waren allesamt durch Suizid gestorben.[7]

Das Zitat wurde in der Newsweek-Ausgabe vom 18. April 1994 veröffentlicht, von der Nachrichtenagentur Associated Press weltweit verbreitet, von Radio-DJs diskutiert und fand Widerhall in Internetforen und später auch in Blogs. Hier entwickelten sich Theorien wie die, dass Cobain seinen Freitod bewusst mit 27 gewählt habe, um dem Klub beitreten zu können.[4] Trotzdem blieb die Bekanntheit des Klubs vorerst begrenzt. Zum 28. Geburtstag von Britney Spears 2009 titelte die Online-Boulevardzeitung TMZ.com „Britney Defeats Curse You Didn't Know Existed“; sie sah also angesichts der entsprechenden Spekulationen einerseits die Relevanz, darüber zu berichten, ging aber andererseits noch nicht von einer breiten Bekanntheit des Klub 27 aus.[8] Diese entwickelte sich mit der Berichterstattung über den Tod von Winehouse 2011.

Mitglieder des „Klub 27“Bearbeiten

Der „Klub 27“ hat seit Cobains Tod keine allgemein anerkannte Definition erfahren, sodass unterschiedliche Auffassungen existieren, wer zu seinen Mitgliedern zählt. Vor dem Tod von Winehouse wurden meist die fünf anderen besagten Musiker genannt,[9][10][11][12][13][14][15] im engsten Sinne eingeschränkt auf die amerikanischen Musiker, also unter Ausschluss von Jones.[4][16][17] Alternativ werden weitere Musiker aufgenommen, häufig beispielsweise Robert Johnson.[18][19]

Im weiten Sinne werden alle bekannten Musiker und teils auch andere Künstler eingeschlossen, die im Alter von 27 starben. Dieses Todesalter soll nach diversen Quellen bei erfolgreichen Musikern besonders häufig auftreten,[20][21] doch dies ist gemäß statistischen Untersuchungen sehr umstritten.

Die HauptmitgliederBearbeiten

Die folgenden sechs Musiker werden immer oder meistens als Mitglieder bezeichnet:

Foto Name Todestag Alter Offizielle Todesursache Rolle in der Musik
  Brian Jones 3. Juli 1969 27 Jahre und
125 Tage
ertrunken in einem Schwimmbecken,
genaue Todesumstände wurden nicht aufgeklärt
Gründungsmitglied der Rolling Stones, Gitarrist und Multi-Instrumentalist
  Jimi Hendrix 18. Sep. 1970 27 Jahre und
295 Tage
erstickt an Erbrochenem
nach einer Überdosis Alkohol und Schlaftabletten
Rockgitarrist, Sänger und Songschreiber
  Janis Joplin 4. Okt. 1970 27 Jahre und
258 Tage
Überdosis Heroin Leadsängerin und Songschreiberin mehrerer Rock- und Blues-Bands
  Jim Morrison 3. Juli 1971 27 Jahre und
207 Tage
Herzversagen,
genaue Todesumstände wurden nicht aufgeklärt
Sänger, Songschreiber und Videoregisseur von The Doors
  Kurt Cobain 5. Apr. 1994 27 Jahre und
44 Tage
Suizid mit einer Schusswaffe unter Heroineinfluss Sänger, Songschreiber und Gitarrist von Nirvana
  Amy Winehouse 23. Juli 2011 27 Jahre und
312 Tage
Alkoholvergiftung Soul-Sängerin und Songschreiberin

Weitere Musiker, die im Alter von 27 Jahren starbenBearbeiten

Die nachstehende Liste gibt einen Überblick über eine Reihe von Musikern, die im Alter von 27 Jahren starben und von verschiedenen Quellen zum Klub 27 gezählt wurden. Beim häufig hinzugefügten Richey James Edwards wird der Tag seines spurlosen Verschwindens am 1. Februar 1995 als Todestag angenommen.

Name Todestag Offizielle Todesursache Rolle in der Musik
Alexandre Levy[22] 17. Jan. 1892 unbekannt Komponist, Pianist und Dirigent
Louis Chauvin[22] 26. März 1908 Syphilis Ragtime-Pianist und -Komponist
Robert Johnson[23][4] 16. Aug. 1938 ungeklärt Bluesmusiker, Gitarrist
Nat Jaffe[22] 5. Aug. 1945 Bluthochdruck Swing-Pianist
Jesse Belvin[22] 6. Feb. 1960 Verkehrsunfall R&B-Sänger, -Pianist und -Songwriter
Doug Watkins 5. Feb. 1962 Verkehrsunfall Hardbop-Bassist, Gründungsmitglied der Jazz Messengers
Rudy Lewis[22] 20. Mai 1964 ungeklärt, evtl. Drogen-Überdosis[24] Mitglied der R&B-Band The Drifters
Joe Henderson[25] 24. Okt. 1964 Herzinfarkt Gospel-Sänger
Rockin' Robin Roberts[26] 22. Dez. 1967 Autounfall Sänger, unter anderem der Rock-n'-Roll-Band The Wailers
Malcolm Hale[22] 30. Okt. 1968 Kohlenstoffmonoxidintoxikation durch defekten Gasofen[27] Mitglied der Folk-Pop-Gruppe Spanky and Our Gang
Dickie Pride[28] 26. März 1969 Überdosis Schlaftabletten englischer Popsänger
Alexandra[29] 31. Juli 1969 Verkehrsunfall Schlager- und Chansonsängerin, Gitarristin und Komponistin
Ria Bartok[30] 2. März 1970 Wohnungsbrand Deutsch-französische Popsängerin
Alan Wilson[4] 3. Sep. 1970 Überdosis Barbiturate Gründungsmitglied der Bluesrock-Band Canned Heat
Arlester „Dyke“ Christian[22] 13. März 1971 erschossen Mitglied der Funkband Dyke & the Blazers
Linda Jones[31] 14. März 1972 Diabetes Soul-Sängerin
Leslie Harvey[4] 3. Mai 1972 Stromschlag vom Mikrofon Mitglied der Bluesrock-Band Stone the Crows
Ron McKernan[23][4] 8. März 1973 Gastrointestinale Blutung Gründungsmitglied der Rockband Grateful Dead
Roger Lee Durham[22] 27. Juli 1973 Reitunfall Mitglied der Funkband Bloodstone
Wallace Yohn[22] 12. Aug. 1974 Flugzeugabsturz Mitglied der Rockband Chase
Dave Alexander[4] 10. Feb. 1975 Lungenödem infolge Alkoholmissbrauchs[32] Bassist der Rockband The Stooges
Pete Ham[23][4] 23. Apr. 1975 Suizid Mitglied der Rockband Badfinger
Gary Thain[23][4] 8. Dez. 1975 nicht geklärt Mitglied der Hardrock-Band Uriah Heep
Evangelina Sobredo Galanes („Cecilia“) 2. Aug. 1976 Verkehrsunfall Spanische Komponistin und Sängerin
Helmut Köllen[22] 3. Mai 1977 Kohlenstoffmonoxidvergiftung durch laufenden Automotor[33] Mitglied der Rockband Triumvirat
Debbie Weems[31] 22. Feb. 1978 Medikamentenüberdosis, wahrscheinlich Suizid Darstellerin und Sängerin in der Kindershow Captain Kangaroo
Chris Bell[23][4] 27. Dez. 1978 Verkehrsunfall Sänger, Gitarrist und Liedschreiber der Rock-’n’-Roll-Band Big Star
Jacob Miller[34] 23. März 1980 Verkehrsunfall Leadsänger der Reggae-Band Inner Circle
D. Boon[4] 22. Dez. 1985 Verkehrsunfall Leadsänger und Gitarrist der Punkrock-Band Minutemen
Alexander Baschlatschow[31] 17. Feb. 1988 Sturz aus dem Fenster, ungeklärt, möglicherweise Suizid einflussreicher Vertreter der russischen Rockmusik
Amar Singh Chamkila[35] 8. März 1988 erschossen populärer Sänger und Liedermacher im Punjab
Pete de Freitas[22] 14. Juni 1989 Verkehrsunfall Schlagzeuger der Rockband Echo & the Bunnymen
Dimitar Voev[36] 15. Sep. 1992 Krebs Gründer der bulgarischen New-Wave-Band Nova Generatsia
Mia Zapata[23][4] 7. Juli 1993 erwürgt Leadsängerin der Punkrock-Band The Gits
Kristen Pfaff[23][4] 16. Juni 1994 Drogen-Überdosis Bassistin der Grungeband Hole
Richey James Edwards[20] 1. Feb. 1995∗∗ spurlos verschwunden, mutmaßlich Suizid Gitarrist und Texter der Rockband Manic Street Preachers
Randy Walker[37] 30. Nov. 1995 erschossen Rapper, bekannt als „Stretch“
Patrick „Fat Pat“ Hawkins[22] 3. Feb. 1998 erschossen Rapper
Freaky Tah[23][4] 28. März 1999 erschossen Rapper bei der Hip-Hop-Gruppe The Lost Boyz
Kami[38] 21. Juni 1999 Subarachnoidalblutung Drummer von Malice Mizer
Sean McCabe 28. Aug. 2000 erstickt an Erbrochenem nach einer Überdosis Alkohol[39] Mitglied der Punkband Ink & Dagger
Rodrigo Alejandro Bueno 24. Juni 2000 Verkehrsunfall[40] argentinischer Cuarteto-Sänger
Maria Serrano Serrano[22] 24. Nov. 2001 Flugzeugabsturz Mitglied der Popgruppe Passion Fruit
Jeremy Ward[4] 25. Mai 2003 Drogen-Überdosis Mitglied der Rockband The Mars Volta
Bryan Ottoson[22] 19. Apr. 2005 Medikamenten-Überdosis Gitarrist der Metal-Band American Head Charge
Tsakani Mhinga[41] 27. Feb. 2006 Drogenüberdosis südafrikanische R&B-Sängerin
Valentín Elizalde[22] 25. Nov. 2006 erschossen mexikanischer Sänger
Damien Morris[42] 19. Dez. 2007[43] Verkehrsunfall Leadsänger der australischen Death-Metal-Band The Red Shore
Orish Grinstead[1] 20. Apr. 2008 Nierenversagen Mitglied der Girl-Band 702
Elizabeth Amirian[42] 12. Feb. 2009 von ihrem Verlobten vergewaltigt und ermordet Singer-Songwriter
Lily Tembo[31] 14. Sep. 2009 Gastritis sambische Sängerin und Radiomoderatorin
Nate Niec[42] 6. Okt. 2009[44] Motorradunfall Bassspieler unter anderem in den Punkbands No Holds Barred und Das Maniacs
Richard Turner[45] 11. Aug. 2011 Schwimmunfall britischer Jazztrompeter
Nicole Bogner[46] 5. Jan. 2012 Krankheit österreichische ehemalige Sängerin der Symphonic-Metal-Band Visions of Atlantis
Sahara Davenport[26] 1. Okt. 2012 Herzversagen Amerikanische Drag Queen, Sängerin und Tänzerin
Souroush Farazmand[38] 11. Nov. 2013 Zusammen mit seinem Bruder Arash von einem früheren Bandmitglied erschossen Gitarrist von The Yellow Dogs
Slađa Guduraš[25] 10. Dez. 2014 Autounfall Bosnisch-serbische Sängerin und Schauspielerin
Tomas Lowe[47] 13. Feb. 2016 Autounfall Bassist der britischen Indierock-Band Viola Beach
Thomas Fekete[25] 31. Mai 2016 Krebs Gitarrist der Indie-Rock-Band Surfer Blood
Kim Jong-hyun 18. Dez. 2017 Suizid durch Kohlenstoffmonoxidintoxikation[48] südkoreanischer Sänger der K-Pop-Band SHINee
Fredo Santana 19. Jan. 2018 Leberzirrhose durch Medikamentenmissbrauch amerikanischer Rapper
Ron McKernan wurde am 8. März 1973 tot aufgefunden. Verschiedene Quellen datieren den Tod auf die davorliegenden Tage.[49]
∗∗ Richey James Edwards verschwand am 1. Februar 1995 spurlos. Viel weist auf Suizid hin, aber er wurde nie mehr aufgefunden. Am 23. November 2008 wurde er für “presumed dead” (deutsch: „vermutlich tot“) erklärt. Ausgehend vom Tag seines Verschwindens – 324 Tage vor seinem 28. Geburtstag – wird er ebenfalls regelmäßig dem „Klub 27“ zugerechnet.

Andere Künstler und ProminenteBearbeiten

Auch bekannte Vertreter anderer künstlerischer Sparten, die im Alter von 27 Jahren verstarben, werden von bestimmten Quellen zum „Klub 27“ gezählt oder zumindest parallel zu den darin Verstorbenen genannt.

Der Feuilletonist Frank Fischer listete, inspiriert vom Klub 27, zwanzig deutschsprachige Dichter und Schriftsteller auf, die in einem Alter von unter 30 Jahren starben. Darunter war 27 das häufigste Todesalter, von fünf Personen, die teilweise auch in anderen Quellen zusammen mit dem Klub 27 genannt werden:[50]

Weitere Künstler, die zum Klub 27 ergänzt werden, sind unter anderem:

Weniger oft werden auch Profisportler der Liste hinzugefügt. Beispiele hierfür sind:

Hinzu kommen manchmal einige andere, aus verschiedenen Gründen berühmte oder medial präsente Personen.

Manchmal zum Klub 27 gezählt trotz anderem TodesalterBearbeiten

Nach verschiedenen Quellen[4][17] wird auch Frederick Heath, besser bekannt unter dem Pseudonym „Johnny Kidd“, Frontmann der Rock-’n’-Roll-Band Johnny Kidd & the Pirates, zum weiteren Kreis des Klub 27 gezählt. Heath starb 1966 bei einem Verkehrsunfall, gemäß von ihm angegebenem Geburtsdatum im Dezember 1939 über zwei Monate vor seinem 27. Geburtstag.[17][23] Tatsächlich hatte sich Heath aus Marketinggründen jünger gemacht, war 1935 geboren und bei seinem Tod bereits 30 Jahre alt.[61]

Das Musikmagazin Rolling Stone veröffentlichte eine Liste, die außerdem Don Drummond (1932–1969) von The Skatalites, den Singer-Songwriter Tim Buckley (1947–1975) und den Pennywise-Bassisten Jason Thirsk (1967–1996) enthielt.[23] Allerdings starb keiner der Genannten im Alter von 27 Jahren: Drummond nahm sich mit 37 das Leben, Buckley war 28, als er an einer Drogen-Überdosis starb, und Thirsk fügte sich im gleichen Alter unter Drogeneinfluss eine tödliche Schussverletzung zu.

Trotz des Todesalters von jeweils ebenfalls 28 Jahren werden auch der Schauspieler Heath Ledger[62] (1979–2008) und der deutsche Rapper Samson Wieland[63] (1990–2018) vom Duo SAM manchmal zum Klub 27 gezählt. Die ebenfalls von einzelnen Quellen gelisteten amerikanischen Maler William Bliss Baker[35] (1859–1886) und Arman Manookian[35] (1904–1931) und der Schauspieler Jon-Erik Hexum[17] (1957–1984) starben jeweils kurz vor dem 27. Geburtstag.

Gemeinsamkeiten der MusikerBearbeiten

Der nach dem Tode Cobains im Jahr 1994 breite Wahrnehmung erlangende „Klub 27“ im engeren Sinne – also bestehend aus Jones, Hendrix, Joplin, Morrison und Cobain – wurde häufig als Zusammenfassung von Musikern dargestellt, die eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten eint. Neben dem Todesalter nennen die Quellen häufig den exzessiven Lebensstil der Künstler, ihren außergewöhnlichen musikalischen Einfluss sowie die Ursachen und Umstände der jeweiligen Tode. Nach dem Tode von Winehouse wurde auch sie in die Analyse von Gemeinsamkeiten einbezogen, insbesondere hinsichtlich des Rauschmittelmissbrauchs.[64]

Besondere musikalische BedeutungBearbeiten

Die Musiker beziehungsweise ihre jeweiligen Bands zählen zu den einflussreichsten der Rockgeschichte. Jones war Lead-Gitarrist der Rolling Stones, einer der kommerziell erfolgreichsten Rockbands überhaupt.[65] Hendrix’ Gitarrenspiel nahm nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Rockgeschichte. Joplin gilt als eine der Zentralfiguren der Hippiezeit. Morrisons Band The Doors war stilprägend für die 1960er Jahre. Cobain verhalf mit Nirvana dem Grunge zu seiner Hochphase und brachte den Indie-Rock zum Mainstream.[66] Das Musikmagazin Rock Hard nannte die Band daher die „wichtigste Rockband der 90er Jahre“.[67] Jeremy Simmonds, der Autor von Number One in Heaven: The heroes who died for Rock ’n’ Roll[68], zählt diese Musiker wegen ihrer Bedeutung zu den in den USA so genannten heritage artists, also den Künstlern, die das kulturelle Erbe mitbestimmt haben:

“Someone who’s made a real difference to rock’n’roll. Hendrix, Joplin, The Doors, Nirvana, The Stones – these are all bands and individuals whose music was truly great.”

„Jemand der Rock ’n’ Roll sehr entscheidend verändert hat. Hendrix, Joplin, The Doors, Nirvana, The Stones – alles Bands und Individuen, deren Musik herausragend war.“[21]

Rauschmittel als gemeinsame TodesursacheBearbeiten

Als Gemeinsamkeit dieser Tode wird in Darstellungen des „Klub 27“ immer wieder herausgestellt, dass alle auf den Missbrauch von Alkohol oder anderen Suchtmitteln zurückgeführt werden können.[9][17][23] Bei Hendrix waren zunächst härtere Drogen als Todesursache vermutet worden; jedoch wurde später festgestellt, dass er Alkohol und Schlaftabletten konsumiert hatte und an seinem Erbrochenen erstickt war.[69][70] Bei Joplin wurde eine Überdosis an Heroin und Alkohol als offizielle Todesursache attestiert.[71][72] Cobain hatte sich mit einem Kopfschuss das Leben genommen. Die Autopsie wies in seinem Körper allerdings Beruhigungsmittel und Heroin in einer so hohen Dosis nach, dass diese ebenfalls schnell zum Tode geführt hätte.[73][74] Die Todesumstände von Jones und Morrison wurden zwar nicht abschließend aufgeklärt, aber auch bei ihnen darf angenommen werden, dass Drogen im Spiel waren. Jones war für seinen Drogenkonsum bekannt und soll auch am Abend seines Todes Alkohol und Beruhigungsmittel zu sich genommen haben. Sein Ertrinken könnte auf einen Asthmaanfall unter dem Einfluss dieser Rauschmittel zurückzuführen sein.[11][75] Auch Morrison konsumierte regelmäßig Heroin. Sein Leichnam wurde nur deshalb nicht obduziert, weil die Untersuchungsbeamten sich sicher waren, dass eine Obduktion den Verdacht einer Überdosis bestätigen würde. Eine solche Untersuchung war nur im Falle des Mordverdachts vorgeschrieben.[76][77] Stattdessen wurde lapidar „Herzversagen“ als Todesursache festgehalten.[78]

Mordtheorien und andere SpekulationenBearbeiten

Eine weitere Verbindung, die regelmäßig zwischen diesen Musikern gezogen wird, ist der Tod „unter mysteriösen Umständen“.[16][14][23] Während die offiziell festgestellte Todesursache von Joplin weitgehend anerkannt ist, werden zumindest bei Jones, Hendrix, Morrison und Cobain offen andere Möglichkeiten diskutiert. So heißt es, Brian Jones sei vom Bauunternehmer Frank Thorogood ermordet worden. Laut Stephen Wolleys Film Stoned[79] habe Thorogood den Mord 1993 auf dem Sterbebett gestanden. Der Fall wurde daraufhin polizeilich erneut untersucht,[75][80] die offizielle Todesursache jedoch nicht geändert.[11] Bezüglich Hendrix wird unter anderem spekuliert, er sei von seinem Manager ermordet worden.[81] Außerdem ermittelte Scotland Yard 1993 nochmals ergebnislos gegen Monika Dannemann, in deren Hotelzimmer Hendrix gestorben war.[70] Zu Jim Morrisons Tod gibt es mehrere Theorien. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist das Fehlen einer Obduktion. Biografen werfen beispielsweise die Möglichkeiten auf, Morrison sei das Opfer einer Verschwörung gewesen oder habe seinen Tod nur vorgetäuscht.[82] Auch zum Tode Kurt Cobains wurden verschiedene Mordtheorien entwickelt. Nach der wohl bekanntesten – vorgestellt etwa durch Nick Broomfields Dokumentarfilm Kurt & Courtney[83] – soll Cobains Frau Courtney Love für den Tod des Musikers verantwortlich sein. Daneben wird bisweilen die eingangs erwähnte Theorie vertreten, Cobain habe sich selbst in der Absicht getötet, in den „Klub 27“ zu kommen. In der Tat wusste Cobain, dass Hendrix, Joplin und Morrison alle nur 27 Jahre alt geworden waren, und hatte als Kind fälschlicherweise geglaubt, alle seien durch Suizid gestorben. Als 14-Jähriger hatte er zu Schulfreunden gesagt, er wolle ein berühmter Musiker werden und sich dann umbringen wie Jimi Hendrix.[84] Später erklärte er außerdem, er wolle nicht dreißig werden.[85] Diese Äußerungen werden zur Unterstützung der Theorie herangezogen. Allerdings seien solche Aussagen laut Cross nicht unüblich für Jungen dieses Alters[4] und weder Cobains Abschiedsbrief[86] noch sein Verhalten kurz vor dem Suizid weisen auf den Klub 27 hin.[87] Darüber hinaus hatte Cobain bereits mehrere Suizidversuche unternommen, bevor er 27 geworden war.[4]

ErklärungsansätzeBearbeiten

Vor allem, wenn der „Klub 27“ nach der weiteren Definition verstanden wird, die alle berühmten, mit 27 gestorbenen Musiker einschließt, stellt sich die Frage, warum gerade das Todesalter maßgebliches Abgrenzungskriterium der Gruppe sein soll. Diese Frage wird unterschiedlich behandelt: Zum einen wird behauptet, es trete bei Erfolgsmusikern besonders häufig auf; verschiedene Theorien versuchen, diese vermeintliche Besonderheit zu erklären. Zum anderen wird die Zahl 27 als Zufallsprodukt gedeutet; es sei ebenso möglich, „Klubs“ mit anderen Todesaltern zusammenzustellen. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte eine statistisch signifikante Häufung von Todesfällen bei 27-jährigen Musikern nicht nachgewiesen werden. Der Klub 27 ist deshalb ein vor allem von den Medien geprägter Begriff.

Theorien zum Todesalter 27Bearbeiten

Unter der Voraussetzung, dass der Klub 27 tatsächlich ein reales Phänomen darstellt und überdurchschnittlich viele Musikstars im Alter von 27 Jahren sterben, wurden über die Ursachen bereits unterschiedliche Vermutungen angestellt.

Exzessiver LebensstilBearbeiten

Beispielsweise wird als Grund deren exzessiver Lebensstil angegeben, der häufig mit Redensarten wie “Live Fast, Love Hard, Die Young” (deutsch: „Lebe schnell, liebe intensiv, stirb jung“) oder “Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll” (deutsch: „Sex und Drogen und Rock ’n’ Roll“) umschrieben wird. Welt-Autor Pilz folgert daraus, dass Musiker „entweder mit 27 an ihren Berufskrankheiten sterben oder sich von tödlichen Gewohnheiten verabschieden“, um dann deutlich länger zu leben.[20] Der Rolling Stone untermauert diese Theorie mit der Feststellung, dass die Todesursachen der 27-jährig gestorbenen Musiker meist „tragisch“ seien: „Heroin, Alkohol, Schlaftabletten oder eine krude Kombination daraus.“[23]

Borderline-SyndromBearbeiten

Borwin Bandelow, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, vermutet, dass das Borderline-Syndrom die Ursache für die maßlose Lebensweise vieler Künstler des Klub 27 ist. Dieses Syndrom äußert sich vor allem durch Impulskontrollstörungen und tritt häufig zusammen mit selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität auf. Darüber hinaus sieht er einen Zusammenhang zwischen dieser Persönlichkeitsstörung und dem Todesalter, da er in einer Studie beobachtet hat, dass Borderline-Störungen durchschnittlich im Alter von 26,9 Jahren ihre schwerste Ausprägung erreichen.[88]

Quarterlife CrisisBearbeiten

Auf der Suche nach einer Erklärung zieht Christian Koch für das britische Lifestyle-Magazin Stylist die sogenannte Quarterlife Crisis heran. Unter Berufung auf einen Neurowissenschaftler und Psychiater sowie auf einen Quarterlife-Crisis-Spezialisten kommt er zu dem Schluss, diese Sinnkrise, die Menschen Mitte zwanzig ereilt, wirke sich bei Rockstars stärker aus, weil sie sich aufgrund ihrer Bekanntheit seltener im Freien zeigten. Dadurch komme es zu einem geringen Vitamin-D-Spiegel im Körper, der die Musiker für Depressionen und damit für Suizid und Alkohol- oder Drogenmissbrauch anfälliger mache.[89]

Selbsterfüllende ProphezeiungBearbeiten

Alternativ könne es sich laut Koch auch um einen Fall einer selbsterfüllenden Prophezeiung handeln: Schon das Wissen vom Klub 27 führe zu Ängsten und selbstzerstörerischem Verhalten. Bei Menschen, die unter besonderer Aufmerksamkeit der Medien stehen, nehme die Suizidrate daher zu.[89]

Tatsächlich äußerten verschiedene Musikstars Befürchtungen, mit 27 Jahren zu sterben. Beispielsweise erklärte die Country-Sängerin Gretchen Wilson im Hinblick auf den Klub, sie habe sich besonders gefreut, mehr als 27 Geburtstage erlebt zu haben.[7] Auch die Popsängerin Britney Spears soll gegenüber dem Journalisten Ian Halperin ihre Furcht geäußert haben, wie Joplin und Cobain mit 27 Jahren zu sterben.[22] Ähnliche Ängste soll die britische Soulsängerin Amy Winehouse, die später tatsächlich 27-jährig starb, ihrem ehemaligen persönlichen Assistenten Alex Haines gestanden haben.[90][91]

Die Frage nach der realen Basis des Klub 27Bearbeiten

Behauptungen einer Häufung von Musikertoden im Alter von 27 JahrenBearbeiten

In Beschreibungen des Klub 27 wird regelmäßig vorgebracht, eine außergewöhnlich hohe Zahl bedeutender Musiker sei in diesem Alter gestorben. Beispielsweise äußerte Charles R. Cross hierzu: “[The] number of musicians who passed away at 27 is truly remarkable by any standard. Though humans die regularly at all ages, there is a statistical spike for musicians who die at 27.” (deutsch: „[Die] Anzahl der Musiker, die mit 27 starben, ist im Vergleich wirklich erstaunlich. Obwohl Menschen gleichmäßig in jedem Alter sterben, gibt es eine statistische Spitze für Musiker, die mit 27 sterben.“) In der Gesamtbevölkerung gebe es diesen statistischen Anstieg nicht, nur unter Musikern. Letztlich, so Cross, könne der Klub 27 auch als Zufall oder, sofern man daran glaube, als Fluch erklärt werden.[4] Michael Pilz schrieb für Die Welt, der Klub 27 sei kein Mythos, Wissenschaftler hätten sich damit befasst und festgestellt, dass Popstars „rein statistisch“ häufig mit 27 sterben würden.[20] Allerdings nennen beide Autoren weder Zahlen noch die Statistiken, auf die sie sich berufen.

Zweifel an einer HäufungBearbeiten

In ähnlichem Maße, wie Erklärungen für das Phänomen Klub 27 gesucht werden, wird hinterfragt, ob es überhaupt eine statistische Besonderheit am Todesalter 27 gebe. Hunter und Segalstad drücken aus, dass es sich beim Klub 27 ihrer Meinung nach um einen Fall von Legendenbildung handelt: Im Widerspruch zu Aussagen wie der von Pilz, der Klub 27 sei kein Mythos, nannten sie ihr Buch zu diesem Thema The 27s: The Greatest Myth of Rock & Roll (deutsch: Die 27er: Der größte Mythos des Rock ’n’ Roll). In der Einleitung zu diesem Werk schreiben sie: “The 27 Club is a pop culture enigma, and for those who believe in it, it is a curse that ends the lives of extremely talented musicians once they hit the age of 27.” (deutsch: „Der Klub 27 ist ein popkulturelles Mysterium, und für diejenigen, die an ihn glauben, ist er ein Fluch, der das Leben extrem talentierter Musiker beendet, sobald sie 27 werden.“)[7]

Um zu verdeutlichen, dass die Konzentration auf die Zahl 27 auch das Ergebnis eines Zufalls sein könnte, wird immer wieder argumentiert, man könne auch verstorbene Musikstars mit einem anderen gemeinsamen Todesalter gruppieren. Als Beispiele nennt Cross Lester Bangs, Bon Scott von AC/DC und Blind Lemon Jefferson, die allesamt 33-jährig verstarben, sowie den DJ Alan Freed, Richard Manuel von der Rockgruppe The Band, Peter Tosh und Elvis Presley, die man als „Klub 42“ zusammenfassen könnte.[4] Häufig werden zum Klub 27 auch near misses vorgestellt, also Musiker, die das Todesalter 27 knapp verfehlten. So nennt Francesca Steele in einem Artikel für die britische Tageszeitung The Times unter anderem Otis Redding, Paul Kossoff, Gram Parsons und Nick Drake, die jeweils nur 26 Jahre alt wurden.[21] Allerdings wurde keiner solchen Gruppe die Aufmerksamkeit zuteil, die der Klub 27 erfährt.

Statistische StudienBearbeiten

Wissenschaftliche Studien untersuchten, ob es bei Musikern eine Häufung im Alter von 27 Jahren gab. Dabei ergibt sich die grundsätzliche Frage, was genau die zu untersuchende Grundmenge ist, und das Problem der leicht passierenden Stichprobenverzerrung zugunsten von Musikertoden im Alter von 27 Jahren durch die Aufmerksamkeit, die der Klub auf diese Musiker und ihre engeren Umfelder lenkt. Die Studien wiesen einerseits eine für Musiker deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit nach, in jungen Jahren zu sterben. Die Frage einer Häufung beim Todesalter von 27 Jahren lieferte widersprüchliche Ergebnisse.

Eine nicht direkt im Zusammenhang mit dem Klub 27 stehende, 2007 im britischen Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichte Studie der Liverpool John Moores University ergab, dass Rockstars im Vergleich zum Rest der Bevölkerung früher sterben, und dass die Sterbewahrscheinlichkeit vor allem in den ersten fünf Jahren des Ruhmes besonders hoch ist.[92] In den 1960er und 1970er Jahren war der Unterschied sogar noch größer als zu Beginn des 21. Jahrhunderts.[93]

Die kanadische Zeitung The Globe and Mail sammelte nach dem Tod von Amy Winehouse im Juli 2011 die Lebensdaten von 115 Musikern, die im Alter von unter 50 Jahren verstorben waren. Hier war 27 das mit Abstand häufigste Todesalter, mit 23 Musikern oder genau 20 %. Das zweitmeisten Toten gab es mit 30 Jahren – nur 9 an der Zahl.[94]

Eine Studie an der Universität Queensland in Australien, deren Ergebnisse Ende 2011 veröffentlicht wurden,[95] konnte keine statistische Signifikanz nachweisen. Zwar gebe es eine zwei- bis dreimal höhere Wahrscheinlichkeit für Musiker, im Alter zwischen 20 und 40 zu sterben, aber für das exakte Alter 27 gebe es keine statistisch auffällige Häufung. Untersucht wurden über 1000 Musiker, die in den Jahren 1956 bis 2007 mindestens ein Nummer-eins-Album in Großbritannien hatten. Für jedes Alter wurde zunächst als Grundmenge die Anzahl der Musiker bestimmt, die einerseits in spätestens diesem Alter bereits einen Nummer-1-Hit hatten, und andererseits dieses Lebensalter überhaupt erreichten. Aus der jeweiligen Grundmenge wurden wiederum jene Musiker bestimmt, die genau in diesem Alter starben. Für das Alter von 27 Jahren ergab dies eine Grundmenge von 522 Musikern, und hiervon 3 Musiker oder 0,57 % Todesfälle (nämlich Jones, Cobain und Winehouse). Die analoge Rechnung ergab – bei jeweils ebenfalls 3 Todesfällen – eine Sterberate von 0,56 % im Alter von 25 Jahren und von 0,54 % im Alter von 32 Jahren, also keine erkennbare Häufung bei 27. Die Autoren der Studie weisen allerdings selbst auf das stark eingeschränkte Datenmaterial hin. Da insbesondere Hendrix, Joplin und Morrison keine Nummer-eins-Alben in Großbritannien hatten, waren ihre Daten nicht Bestandteil der Studie.[96][97]

Rezeption und KommerzialisierungBearbeiten

 
Am Grab Jim Morrisons auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise liegen unter anderem Blumen, Fotos und Briefe.

Waren die sechs zentralen Personen des Klubs zu Lebzeiten bereits äußerst erfolgreiche Künstler gewesen, so avancierten sie spätestens posthum zu Musiklegenden. Aber nicht nur die einzelnen Mitglieder, auch der Klub selbst erlangte im Laufe der Zeit Kultstatus. Er wird in Medien und Kultur referenziert und für Merchandising-Produkte wie T-Shirts, Poster oder Sachbücher kommerzialisiert. In einer im Jahr 2010 veröffentlichten Hitliste der 50 schlimmsten Sachen, die der Musik passieren können des amerikanischen Musikmagazins Blender nahm The age of 27 (deutsch: Das Alter 27) den achten Platz ein.[18] Fans widmen dem Klub Websites.[98] Verschiedene Ausstellungen machten sich den Klub zum Gegenstand, zum Beispiel die im Jahr 2008 eröffnete Fotoausstellung Forever 27 in der Londoner Galerie Proud Camden[11][21] oder die Sonderausstellung von 2009 The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore – Tod und Sterben in der Rockmusik im Gronauer rock’n’popmuseum.[99]

Mehrere fiktionale Werke greifen das Thema auf. Der Film The 27 Club[100] feierte im Jahr 2008 auf dem Tribeca Film Festival Premiere. Er dreht sich um einen Musiker, dessen Bandkollege kurz nach seinem 27. Geburtstag Suizid beging.[22] Paul McComas’ Roman Unplugged[101] aus dem Jahr 2002 erzählt von der Krise einer Rockmusikerin, die im Alter von 27 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verschwindet.[22] Im Mai 2011 erschien der Debütroman 27 von Kim Frank, dem Sänger der Gruppe Echt, der die Angst eines Rockmusikers schildert, seinen 28. Geburtstag nicht mehr zu erleben. Das Cover des Buchs zieren die Konterfeis von Jones, Hendrix, Joplin, Morrison und Cobain.[102] Ian Halperins Off-Broadway-Stück 27 Heaven zeigt, wie Kurt Cobain nach seiner Selbsttötung im Himmel auf Hendrix, Morrison und Joplin trifft.[22]

Auch in der Rockmusik selbst wurde der Klub 27 thematisiert. Beispielsweise behandelt die Single Out of Control des australischen Rock-Trios Tin Alley das Thema, wie Jim Siourthas, Sänger und Gitarrist der Gruppe, in einem Interview erklärte. Anlass, den Song zu schreiben, war, dass der Tin-Alley-Schlagzeuger Peter Hofbauer bei einem Verkehrsunfall mit 27 Jahren beinahe gestorben wäre.[103]

Selbst zu Werbezwecken wurde der Klub 27 herangezogen. So werden etwa auf der Website Term Life Insurance unter Verweis auf die Todesfälle des Klubs Lebensversicherungen beworben.[104][105]

Die holländische Bluesrock-Band DeWolff schrieb über den Klub 27 den Song Made it to 27, der sich auf dem 2020 erschienenen Album Tascam Tapes befindet.

Im April 2021 veröffentlichten der Musiker Thees Uhlmann und der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre den gemeinsamen Song Club 27[106] aus Anlass des 27. Todestages von Kurt Cobain.[107]

2021 veröffentlichte das Unternehmen Over The Bridge ein Sammlung von Stilkopien, die von einer Künstlichen Intelligenz per Computer angefertigt wurden. Dabei unter anderem Amy Winehouse, Jimi Hendrix und Kurt Cobain.[108]

LiteraturBearbeiten

  • Josh Hunter, Eric Segalstad: The 27s: The Greatest Myth of Rock & Roll. Samadhi Creations, Berkeley Lake 2008, ISBN 978-0-615-18964-2 (the27s.com Website zum Buch [abgerufen am 20. September 2010]).
  • R. Gary Patterson: Take a Walk on the Dark Side: Rock and Roll Myths, Legends, and Curses. Simon and Schuster, 2004, ISBN 978-0-7432-4423-7, Kapitel 10: The Club, S. 217 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 10. Oktober 2010]).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

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  2. siehe etwa: Nesta Roberts: Flower bower. In: The Guardian. 10. September 1971, S. 13.
  3. siehe etwa: James Riordan, Jerry Prochnicky: Break on Through. The Life and Death of Jim Morrison. It Books, 1992, ISBN 978-0-688-11915-7, S. 416, 467 (englisch).
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Charles R. Cross: P-I's Writer in Residence Charles R. Cross explores the darker side of 'only the good die young'. In: Seattle Post-Intelligencer. 23. Februar 2007, abgerufen am 18. September 2010 (englisch).
  5. a b Charles R. Cross: Heavier Than Heaven: A Biography of Kurt Cobain. 2. Auflage. Hyperion, 2002, ISBN 978-0-7868-8402-5, S. 357.
  6. R. Gary Patterson: Take a Walk on the Dark Side: Rock and Roll Myths, Legends, and Curses. S. 259.
  7. a b c Josh Hunter, Eric Segalstad: The 27s: The Greatest Myth of Rock & Roll. Samadhi Creations, Berkeley Lake 2008, ISBN 978-0-615-18964-2, S. 12 (the27s.com [abgerufen am 20. September 2010]). the27s.com (Memento vom 19. September 2010 im Internet Archive)
  8. Britney Defeats Curse You Didn't Know Existed. TMZ.com, 2. Dezember 2009, abgerufen am 24. Juni 2022.
  9. a b Claus Strunz: Haydn, Basie, Michael Jackson – Genies bleiben! In: Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatts. 30. Juni 2009, abgerufen am 15. Oktober 2010.
  10. Mark Zeller: "Live Fast, Love Hard, Die Young". (Nicht mehr online verfügbar.) In: RP Online. 14. Oktober 2009, archiviert vom Original am 24. Dezember 2017; abgerufen am 15. Oktober 2010.
  11. a b c d Anita Singh: Rock legends who will remain 'Forever 27'. In: Internetseiten des Daily Telegraph. 20. August 2008, abgerufen am 21. September 2010 (englisch).
  12. Früher Tod, ewiger Ruhm: Stars und ihr Mythos. In: Focus Online. 29. Juni 2009, abgerufen am 19. September 2010.
  13. Tom Townshend: Forever 27 Club. (Nicht mehr online verfügbar.) In: MSN. 16. Oktober 2009, archiviert vom Original am 8. Mai 2012; abgerufen am 19. Oktober 2010 (englisch).
  14. a b Britney Defeats Curse You Didn’t Know Existed. 2. Dezember 2009, abgerufen am 16. Oktober 2010 (englisch).
  15. The 27 Club: Musicians Who Died At The Age of 27. In: UpVenue. 17. Februar 2009, abgerufen am 18. September 2010 (englisch).
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  17. a b c d e What is the circle of 27? (Memento vom 24. November 2016 im Internet Archive)
  18. a b The 50 Worst Things Ever to Happen to Music. Nr. 8: the age of 27. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Blender. April 2006, archiviert vom Original am 1. Mai 2006; abgerufen am 23. September 2015 (englisch).
  19. Michael Pilz: "CLUB 27": Vor 40 Jahren ertrank Brian Jones in seinem Pool. In: Welt Online. 3. Juli 2009, abgerufen am 16. Oktober 2010.
  20. a b c d Michael Pilz: Musikerlegenden: Der wahre Rockstar stirbt mit 27. In: Welt Online. 5. März 2009, abgerufen am 4. Oktober 2010.
  21. a b c d Francesca Steele: Live fast, die at 27: how Jimi Hendrix, Jim Morrison, Brian Jones, Janis Joplin and Kurt Cobain joined the 27 Club. In: The Times. 20. August 2008 (entertainment.timesonline.co.uk (Memento vom 1. Juni 2010 im Internet Archive) [abgerufen am 8. Oktober 2010]).
  22. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Josh Hunter, Eric Segalstad: The 27s: The Greatest Myth of Rock & Roll.
  23. a b c d e f g h i j k l m Der Club der 27: Your funeral, my trial. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Internetseiten des Rolling Stone. Archiviert vom Original am 10. Februar 2009; abgerufen am 23. September 2015.
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  83. Kurt & Courtney in der Internet Movie Database (englisch)
  84. Charles R. Cross: Heavier Than Heaven: A Biography of Kurt Cobain. 2. Auflage. Hyperion, 2002, ISBN 978-0-7868-8402-5, S. 34: „I’m going to be a superstar musician, kill myself, and go out in a flame of glory. […] I want to be rich and famous and kill myself like Jimi Hendrix.“
  85. Charles R. Cross: Heavier Than Heaven: A Biography of Kurt Cobain. 2. Auflage. Hyperion, 2002, ISBN 978-0-7868-8402-5, S. 79: „I’m not worried about what’s going to happen when I’m thirty, because I am never going to make it to thirty. You know what life is like after thirty, I don’t want that.“
  86. Kurt Cobain suicide note. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Bipolar-Lives.com. Archiviert vom Original am 19. Oktober 2010; abgerufen am 23. September 2015 (englisch, Text und Foto von Kurt Cobains Abschiedsbrief).
  87. Kurt Cobain and manic depression. In: Bipolar-Lives.com. Abgerufen am 13. Oktober 2010 (englisch).
  88. Eva Lindner: Die tödliche Berufskrankheit des "Club 27". In: Online-Ausgabe der Berliner Morgenpost. 28. Juli 2011, abgerufen am 19. August 2011.
  89. a b Christian Koch: The 27 Club. In: Stylist. Nr. 42, 11. August 2010, S. 35. Artikel online (Memento vom 31. Oktober 2010 im Internet Archive)
  90. Elizabeth Snead: Report: Ex-lover on Amy Winehouse’s darkest days. In: Zap2it. 28. Dezember 2008, abgerufen am 20. Oktober 2010 (englisch).
  91. Amy Winehouse fears joining the 27 club. (Nicht mehr online verfügbar.) In: InMusic. 29. Dezember 2008, archiviert vom Original am 1. April 2009; abgerufen am 23. September 2015 (englisch).
  92. Mark A. Bellis, Tom Hennell, Clare Lushey, Karen Hughes, Karen Tocque, John R. Ashton: Elvis to Eminem: Quantifying the Price of Fame Through Early Mortality of European and North American Rock and Pop Stars. In: Journal of Epidemiology and Community Health. Nr. 61, 2007, S. 896–901, doi:10.1136/jech.2007.059915.
  93. Rockstars sterben früher. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Internetseiten des ORF. Archiviert vom Original am 15. April 2012; abgerufen am 12. August 2011.
  94. J.D. Considine: Statistically speaking, the 27 club has a lot to do with coincidence. The Globe and Mail, 24. Juli 2011, abgerufen am 30. Januar 2022.
  95. Is 27 really a dangerous age for famous musicians? A retrospective cohort study, abgerufen am 21. Dezember 2011.
  96. Der „Club 27“ bleibt ein Mythos. Tagesschau.de; abgerufen am 21. Dezember 2011 7:30
  97. „Club 32“ könnte den berühmten „Club 27“ ablösen. Welt Online, 20. Dezember 2011; abgerufen am 21. Dezember 2011
  98. siehe beispielsweise die umfangreiche Fansite unter www.forever27.co.uk
  99. Michael Pilz: Trau keinem unter 27. In: Die Welt. 3. März 2009 (welt.de).
  100. The 27 Club in der Internet Movie Database (englisch)
  101. Paul McComas: Unplugged. J. Daniel, 2002, ISBN 978-1-880284-60-5.
  102. rotfuchs. Kinder- & Jugendbuch. November 2010 bis April 2011. (PDF; 6,9 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Rowohlt Verlag, S. 2 ff., archiviert vom Original am 10. November 2012; abgerufen am 17. Oktober 2010 (Buchankündigungen des Verlags).
  103. Out of Control: Tin Alley song about The 27 Club. (Nicht mehr online verfügbar.) In: the27club.net. 21. November 2009, archiviert vom Original am 24. Juli 2011; abgerufen am 17. Oktober 2010 (englisch).
  104. The Club 27. Death of a Rock Star. Abgerufen am 17. Oktober 2010 (englisch).
  105. The 27 Club advertising your next Life Insurance policy? (Nicht mehr online verfügbar.) In: the27club.net. 29. September 2010, archiviert vom Original am 2. März 2012; abgerufen am 17. Oktober 2010 (englisch).
  106. Uhlmann und Stuckrad-Barre über den „Club 27“. (Memento des Originals vom 6. April 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mannheimer-morgen.de Mannheimer Morgen, dpa-Meldung, 4. April 2021
  107. Dennis Drögemüller: Thees Uhlmann singt Single „Club 27“ von Benjamin von Stuckrad-Barre. Online-News des Musikmagazins Visions, 6. April 2021
  108. * Ohne Autor: Homepage: Lost Tapes of the 27 Club. In: losttapesofthe27club.com. (englisch).