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Todesursache

Ursache für den Eintritt des Sterbevorgangs und des Todes

Die Todesursache ist die Ursache für den Eintritt des Sterbevorgangs und des Todes. Je nach Betrachtungsweise kann man den Begriff unterschiedlich definieren. Zu den Todesursachen im weiteren Sinn zählen Ereignisse und Umstände, die Todesfälle nach sich ziehen können, zum Beispiel übermäßiger Alkoholkonsum. Medizinisch wird eine (konkrete) Erkrankung oder äußere Gewalteinwirkung als Todesursache bezeichnet.

Der Begriff Todesart bezieht sich auf die Unterscheidung der Todesursachen in drei Kategorien: natürlich, nicht natürlich oder ungeklärt.

Bestimmung der TodesursacheBearbeiten

Die Todesfeststellung ist Sache der Ärzte. Der Fachbegriff dafür ist Leichenschau, diese wird in Deutschland durch einen approbierten Arzt durchgeführt. In der Todesbescheinigung (Totenschein, Leichenschein) wird möglichst die Todesursache angegeben.

Wenn keine natürliche Todesursache festgestellt wird (also unnatürliche oder unklare Ursache), entscheidet der Staatsanwalt über das weitere Vorgehen (Todesermittlungsverfahren). In der Regel folgt eine Obduktion durch einen Gerichtsmediziner. Die Bestimmung der genauen Todesursache durch die Obduktion ermöglicht auch eine wichtige Qualitätskontrolle hinsichtlich der vorhergehenden Diagnosestellung und Therapie.

Insbesondere bei unerwarteten Todesfällen sollte untersucht werden, welche Erkrankung oder Gewalteinwirkung zum Tod geführt hat.

Innerhalb des Sterbevorgangs kann eine weitere Komplikation letztlich zum Tode führen, ohne medizinisch betrachtet Auslöser des Sterbeprozesses zu sein, bei dem immer mehr Organsysteme irreversibel ihre Funktion einstellen. Wenn zum Beispiel jemand mit einem tödlichen Krebsleiden zuletzt an einer Lungenentzündung stirbt, gilt die Krebserkrankung als (auslösende) Todesursache. Bei Menschen mit mehreren Erkrankungen (Multimorbidität) ist es oft nicht leicht, die ausschlaggebende Todesursache und die Abfolge der Zustände, die dazu führten, herauszufinden. Dies kann juristisch von ausschlaggebender Bedeutung sein bei Versicherungsfällen, gewaltsamen Todesfällen oder medizinischen Kunstfehlern, aber auch beim sogenannten „Spättod“ nach Unfall. Das letztendlich zum Tode führende Ereignis kann schon Wochen oder Jahre zurückliegen. Beispiel: traumatische Hirnschädigung → Demenz und Bettlägerigkeit → Lungenembolie → Spättod; Fazit: nichtnatürlicher Tod durch Hirntrauma.

StatistikenBearbeiten

Die Todesursachenstatistik basiert auf den ärztlichen Totenscheinen. Dort muss auch bei Vorliegen mehrerer zum Tode führender Krankheiten eine einzelne Angabe als Todesursache angekreuzt werden.

Die weltweite Todesursachenstatistik unterscheidet sich stark von der Statistik eines Landes wie Deutschland. Am häufigsten werden in Mitteleuropa die Kreislaufkrankheiten und Krebserkrankungen als Todesursache genannt. In Entwicklungsländern dominieren Infektionskrankheiten (oft auf dem Boden einer Mangelernährung), Unfälle und Gewalteinflüsse wie Krieg und Bürgerkrieg.

Von den etwa 150.000 Todesfällen, die sich täglich auf der Welt zutragen, werden 100.000, also etwa zwei Drittel, durch Alterskrankheiten verursacht.[1] In entwickelten Ländern – zu denen Deutschland zählt – ist dieses Verhältnis noch extremer und kann 90 Prozent erreichen.[1]

DeutschlandBearbeiten

 
Todesursachengruppen in Deutschland im Jahr 2012
 
Die zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland nach der ICD-10 im Jahre 2007

In Deutschland starben in den Jahren 1990 bis 2016 jährlich zwischen 818.000 und 925.000 Menschen, siehe Geburtenbilanz#Deutschland. Im Jahr 2016 starben 910.902 Menschen.

Die häufigsten natürlichen Todesursachen (Stand 2015)[2]:

Die häufigsten nichtnatürlichen Todesursachen:

  • Stürze: knapp 13.000 Personen
  • Suizid: über 11.000 Personen, davon 74 % Männer und 26 % Frauen[3]
  • Verkehrsunfälle: rund 4.000 Personen[4]

Die Reihenfolge der häufigsten Todesursachen unterscheidet sich weiter nach Geschlecht und Altersgruppen, die separat betrachtet werden können (z. B. durch die Alterskrankheiten).

SchweizBearbeiten

Im Jahr 2015 starben in der Schweiz 67.606 Menschen, 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Grippewelle im Frühjahr, die Hitzewelle im Juli und die Alterung der Bevölkerung haben dazu beigetragen. Entsprechend nahmen die Mortalitätsrate und die verlorenen potenziellen Lebensjahre zu, die Lebenserwartung bei Geburt ging vorübergehend zurück. Die häufigsten Todesursachen sind zwischen dem 15. und dem 40. Altersjahr Unfälle und Suizid, zwischen dem 40. und 80. Altersjahr Krebs und bei über 80 Jahren die Herzkreislaufkrankheiten. Dies geht aus der neuen Todesursachenstatistik des Bundesamts für Statistik hervor.[5]

WeltweitBearbeiten

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation waren 2006 die zwölf Infektionskrankheiten mit den meisten Todesfällen weltweit:

Wurmerkrankungen standen im Jahr 1996 mit 135.000 Opfern noch an zehnter Stelle.

2013 starben an den Folgen von AIDS nur noch 1,5 Millionen Menschen.[6]

Weltweit gibt es jährlich ca. 1,2 Mio. Verkehrstote (siehe auch Verkehrstod).

Fehl- und TotgeburtenBearbeiten

Die statistischen Angaben beziehen sich üblicherweise auf Lebendgeborene, sodass Fehl- und Totgeburten nicht erfasst werden. Infektionen, Fehlbildungen, Mangelversorgung oder Schwangerschaftsabbrüche von Ungeborenen werden daher in den offiziellen Statistiken auch nicht als Todesursache aufgeführt.

In Österreich wurden zwischen 1970 und 2010 bei 3.597.777 Lebendgeburten 19.110 Totgeburten (0,5 %) verzeichnet. Die Säuglingssterblichkeit liegt 2010 bei 3,9 ‰.[7][8]

Todesursache DrogenBearbeiten

Häufigere Todesursache sind nicht die illegalen, sondern die legalen Drogen. In Deutschland ist die Zahl der Drogentoten durch illegale Drogen seit Beginn des Jahrtausends von ca. 2000 auf ca. 1000 (im Jahr 2011) gesunken.[9][10]

Die Zahl der Todesfälle als Folge von Alkoholmissbrauch wurde in den Berichten der Drogenbeauftragten der Bundesregierung 2002 bis 2008 mit „über 40.000 Menschen“ angegeben.[11] Seit dem Bericht von 2009 (bis einschließlich 2012) werden aufgrund neuerer Berechnungen deutlich höhere Zahlen angegeben, wonach „über 73.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs“ sterben.[11][9] Die häufigste alkoholbedingte Todesursache ist die alkoholische Leberzirrhose. Vom Tod durch Alkoholmissbrauch sind Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Infolge des Tabakrauchens sterben in Deutschland jährlich 110.000 bis 140.000 Menschen (weltweit 5,4 Millionen pro Jahr).[11] Zusätzlich wird von 3300 Todesfällen durch Passivrauchen ausgegangen.[9]

Im Zuge der Drogenkrise in den USA überholten Überdosen 2016 die Herzerkrankungen als häufigste Todesursache bei den unter 55-Jährigen.[12]

Todesursache KriegsdienstBearbeiten

Im Zweiten Weltkrieg sind in einzelnen Geburtsjahrgängen bis zur Hälfte eines Jahrgangs der deutschen Männer umgekommen. In der Nachkriegsbevölkerung stirbt die Menge der überlebenden Männer tendenziell früher, als dies in einer durch Krieg unbeeinträchtigten Bevölkerung zu erwarten wäre. Verletzungen, psychische Belastungen, Mangelernährung oder gesundheitliche Gefährdungen durch Kampfhandlungen verkürzen bei Überlebenden die Lebenserwartung. Da diese Männer aber auch 50 und mehr Lebensjahre erreichen und erst dann verstärkt sterben, wirkt sich diese Veränderung der Gesundheitslage vom Krieg Betroffener nicht gleich nach Kriegsende aus.

Bei einer Untersuchung der überlebenden Deutschen beider Weltkriege wurde festgestellt, dass die männlichen Jugendlichen zu Kriegsende später eine deutlich erhöhte Mortalität in den mittleren Altersstufen aufwiesen. Bei deutschen Frauen ist derartiges nicht erkennbar. Ähnliches lässt sich, nicht in gleichem Ausmaß, bei den anderen kriegsführenden Ländern beider Weltkriege beobachten. Erklärt wird das dadurch, dass durch Mangelernährung die Blutgefäßstrukturen beeinträchtigt werden, was sich aber erst in den Altersstufen auswirkt, in denen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache darstellen. Das betrifft Jugendliche am Kriegsende am meisten, da Unterernährung in den letzten Wachstumsjahren später nicht mehr ausgeglichen werden kann, wie es bei kleineren Kindern der Fall ist. Dass sich das ausschließlich bei Männern auswirkt, wird damit erklärt, dass Frauen mehr Fett speichern können.[13][14]

Unnatürliche TodesursachenBearbeiten

Die nachfolgende Liste enthält Beispiele für unnatürliche Todesursachen.

Unfälle:

Absichtliche Tötung:

Sonstiges:

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Todesursache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b de Grey Aubrey D.N.J: Life Span Extension Research and Public Debate: Societal Considerations. (PDF) In: Studies in Ethics, Law, and Technology. 1, Nr. 1, Article 5, 2007. doi:10.2202/1941-6008.1011. Abgerufen am 7. August 2011.
  2. Todesursachen in Deutschland 2015. Abgerufen am 29. November 2019.
  3. Statistisches Bundesamt: Anzahl der Gestorbenen nach ausgewählten Todesursachen 2015. Abgerufen am 29. November 2019.
  4. Statistisches Bundesamt: Anzahl der Gestorbenen nach ausgewählten Todesursachen 2015. Abgerufen am 29. November 2019.
  5. Todesursachenstatistik 2015 In: bfs.admin.ch, 14. November 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017.
  6. afp.com: D-UNO-Aids-Krankheiten-Gesundheit: UNO: Zahl der Aids-Toten seit 2004 um Drittel gefallen. In: welt.de. 16. Juli 2014, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  7. Lebend-/Totgeburten nach Berichtsjahr. Statistik Austria, abgerufen am 28. Februar 2012 (SDB-Online-Datenbank: Links oben Tab „Datenbanken → Statistiken → Bevölkerung → Geburten → Geborene“ auswählen; Jahren 1970–2010).
  8. Gestorbene und Säuglingssterblichkeit seit 1946. Statistik Austria, 19. Mai 2011, abgerufen am 28. Februar 2012.
  9. a b c Drogen- und Suchtbericht 2012 (Memento des Originals vom 26. Mai 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.drogenbeauftragte.de (PDF; 2,5 MB) der Drogenbeauftragten der Bundesregierung
  10. Drogen- und Suchtbericht 2002 (PDF; 983 kB) der Drogenbeauftragten der Bundesregierung
  11. a b c Die einzelnen Berichte können auf der Publikationenübersicht (Memento des Originals vom 27. Januar 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.drogenbeauftragte.de auf der Drogenbeauftragen der Bundesregierung abgerufen werden.
  12. Josh Katz und Abby Goodnough: "The Opioid Crisis Is Getting Worse — Particularly for Black Americans" New York Times vom 22. Dezember 2017
  13. Marc Luy: Warum Frauen länger leben. Erkenntnisse aus einem Vergleich von Kloster- und Allgemeinbevölkerung. In: Materialien zur Bevölkerungswissenschaft. Nr. 106. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2002, ISSN 0178-918X, DNB 965668789, LCCN 2003-362130, S. 13 f. (PDF; 1,5 MB [abgerufen am 6. Dezember 2015] Zugl. Diplomarbeit 1998). PDF; 1,5 MB (Memento des Originals vom 6. Dezember 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bib-demografie.de
  14. Marc Luy: Insa Cassens, Marc Luy, Rembrandt Scholz (Hrsg.): Die Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland. Demografische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen seit der Wende. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8350-7022-6, Die geschlechtsspezifischen Sterblichkeitsunterschiede in West- und Ostdeutschland unter besonderer Berücksichtigung der kriegsbedingten Langzeitfolgen auf die Kohortenmortalität, S. 169–198 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).