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Harvey Weinstein

US-amerikanischer Filmproduzent
Harvey Weinstein (2011)

Harvey Weinstein, CBE ([ˈhɑːvɪ ˈwaɪ̯nstiːn]; * 19. März 1952 in Flushing, Queens, New York) ist ein US-amerikanischer Filmproduzent. Im Oktober 2017 wurde Weinstein beschuldigt, eine große Anzahl Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt zu haben. Die Vorwürfe weiteten sich zum Weinstein-Skandal aus, der zu seiner Entlassung aus der Weinstein Company und dem Ausschluss aus der AMPAS führte.

Inhaltsverzeichnis

Leben und KarriereBearbeiten

Harvey Weinstein wurde als ältester Sohn in eine gutsituierte jüdische Familie im New Yorker Stadtteil Queens geboren. Sein Vater Max war Diamantenschleifer. Weinstein studierte an der State University of New York; er besaß bereits während seines Studiums zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Bob ein kleines Theater, das Century Theater, in dem sie unter anderem kleine Filmfestivals veranstalteten.[1] Die Brüder wurden zu den erfolgreichsten Filmproduzenten der USA; dabei lag der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit stets in New York, nicht in Los Angeles.

Im Jahr 1979 gründeten Harvey und Bob Weinstein das Produktionsunternehmen Miramax, das sie 1993 an Disney verkauften. Zu den erfolgreichsten Filmen von Miramax und den Weinstein-Brüdern zählen Der englische Patient (1996), Shakespeare in Love (1998, Oscar und British Academy Film Award für den besten Film, Satellite Award für die beste Komödie oder das beste Musical), Scary Movie (2000), Chicago (2002) und Gangs of New York (2002). Trotz der großen Erfolge von Miramax kam es häufig zu künstlerischen Differenzen zwischen den Weinstein-Brüdern und Disney. Der Konflikt um die Dokumentation Fahrenheit 9/11 (2004) von Michael Moore, die Disney nicht veröffentlichen wollte, führte dazu, dass die Weinsteins die Rechte des Projektes von ihrem Privatvermögen kauften. Im September 2005 verließen Harvey und Bob Weinstein ihr Unternehmen Miramax und gründeten mit der erhaltenen Ablösesumme von 140 Millionen US-Dollar die Weinstein Company in New York.

Weinsteins Fernseh-Castingshow Project Runway war fünfmal für den Emmy nominiert, Project Greenlight dreimal. Insgesamt waren seine Produktionen 19 Mal für den Oscar als Bester Film nominiert, fünf der Filme erhielten die Auszeichnung. Er selbst erhielt 1999 den Oscar für die Produktion von Shakespeare in Love. Bis auf wenige Ausnahmen (wie Gangs of New York) wird Harvey Weinstein in den Film-Credits als Executive Producer oder Co-Executive Producer bezeichnet.

Vorwürfe wegen sexueller ÜbergriffeBearbeiten

Hauptartikel: Weinstein-Skandal

Im Oktober 2017 wurde Weinstein beschuldigt, eine große Anzahl Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt zu haben; Vorwürfe wurden unter anderem von den Schauspielerinnen Asia Argento, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Rosanna Arquette, Salma Hayek, Angelina Jolie, Léa Seydoux, Cara Delevingne und Uma Thurman[2] erhoben.[3][4][5][6][7] Die Vorfälle sollen bis in die 1980er Jahre zurückreichen und in der US-Medienbranche lange ein offenes Geheimnis gewesen sein.[8]

Weinstein entschuldigte sich und kündigte eine Auszeit an, um seine „Dämonen“ in den Griff zu bekommen. Am 8. Oktober 2017 wurde Weinstein aus der Produktionsfirma The Weinstein Company entlassen.[9] Eine Woche später wurde er aus der AMPAS, der Oscar-Akademie, ausgeschlossen.[10]

The New Yorker enthüllte am 6. November 2017, dass Weinstein offenbar frühere Mossad-Agenten auf seine mutmaßlichen Opfer angesetzt hatte, um das Risiko möglicher Enthüllungen zu ermitteln.[11] Eine israelische Sicherheitsfirma entschuldigte sich daraufhin für ihre Beteiligung daran.[12]

Am 25. Mai 2018 wurde Weinstein von der New Yorker Polizei wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verhaftet, nachdem er sich selbst gestellt hatte. Er wurde gegen Kautionsauflagen vom zuständigen Gericht mit elektronischer Fußfessel[13] auf freien Fuß gesetzt.[14] Als Teil der Auflagen hat er seinen Pass abgegeben[15] und darf die Staaten New York und Connecticut nur mit Erlaubnis des Gerichts verlassen.[16] Strafverteidiger von Weinstein ist Benjamin Brafman.[17]

PrivatlebenBearbeiten

Harvey Weinstein war von 1986 bis 2004 mit Eve Chilton Weinstein verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Töchter (* 1995, 1998, 2002) hervor. Im Jahr 2000 überlebte er einen Herzinfarkt. Seit 2007 ist er mit der Modedesignerin Georgina Chapman (* 1976) verheiratet. Sie haben eine Tochter (* 2010) und einen Sohn (* 2013). Nach Bekanntwerden der Vergewaltigungsvorwürfe gab Chapman die Trennung von ihrem Mann bekannt[18] und reichte die Scheidung ein.[19]

Weinstein hat große Summen für Wahlkämpfe der Demokratischen Partei gesammelt, unter anderem für den Wahlkampf 2012 von Barack Obama, den Wahlkampf 2016 von Hillary Clinton und die beiden Wahlkämpfe von Bill Clinton. Er selbst spendete seit 1990 fast 1,5 Millionen Dollar an demokratische Kandidaten.[20] Er war mehrmals Obamas Gast im Weißen Haus. Obamas Tochter Malia absolvierte ein Praktikum bei der Weinstein Company. Weinstein gilt als langjähriger Freund von Bill Clinton und dessen Frau Hillary.[21]

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

Produzent

Executive Producer

LiteraturBearbeiten

  • Peter Biskind: Sex, Lies & Pulp Fiction. Hinter den Kulissen des neuen amerikanischen Films. Rogner & Bernhard, 2005, ISBN 3-8077-1004-3.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Harvey Weinstein – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Till Brockmann: Der Produzent als Kreativer. In: NZZ Online. 1. Oktober 2013, abgerufen am 24. November 2017.
  2. Maureen Dowd: Opinion. This Is Why Uma Thurman Is Angry. In: New York Times. 3. Februar 2018, abgerufen am 3. Februar 2018.
  3. Jodi Kantor, Rachel Abrams: Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie and Others Say Weinstein Harassed Them. In: New York Times. 10. Oktober 2017.
  4. Marc Pitzke: Kultur der Komplizenschaft. In: Spiegel Online. 11. Oktober 2017.
  5. Ronan Farrow: From Aggressive Overtures to Sexual Assault: Harvey Weinstein’s Accusers Tell Their Stories. In: The New Yorker. 10. Oktober 2017, abgerufen am 11. Oktober 2017.
  6. Lea Seydoux: „I had to defend myself“: the night Harvey Weinstein jumped on me. In: The Guardian. 11. Oktober 2017.
  7. Neuer Vorwurf gegen Weinstein. „Ich habe mich sehr machtlos gefühlt“. In: FAZ.net. 12. Oktober 2017.
  8. Marc Pitzke: Gewusst und verschwiegen. In: Spiegel Online. 12. Oktober 2017.
  9. Vorwürfe der sexuellen Belästigung. US-Produzent Weinstein gefeuert. In: tagesschau.de. 9. Oktober 2017.
  10. Harvey Weinstein aus Oscar-Akademie ausgeschlossen. In: Kurier Online. 15. Oktober 2017.
  11. Ronan Farrow: Harvey Weinstein’s Army of Spies. In: The New Yorker. 6. November 2017.
  12. Weinstein soll Spitzelliste mit fast hundert Namen geführt haben. In: Spiegel Online. 19. November 2017.
  13. Laura Italiano: Harvey Weinstein now has to wear this clunky device 24/7. In: Page Six. 26. Mai 2018, abgerufen am 29. Mai 2018.
  14. Nach sexuellen Übergriffen: Filmproduzent Weinstein wegen Vergewaltigung verklagt. In: Süddeutsche.de. 25. Mai 2018, abgerufen am 25. Mai 2018.
  15. Amanda Holpuch, Jamiles Lartey: Harvey Weinstein appears in court charged with rape and other sexual offences. 25. Mai 2018, abgerufen am 29. Mai 2018.
  16. Tracy Connor, Meredith Mandell: Harvey Weinstein’s lawyer takes aim at rape accuser. In: NBC News. 29. Mai 2018, abgerufen am 29. Mai 2018.
  17. US-Staranwalt. Für viele prominente Männer ist er die letzte Hoffnung. In: Süddeutsche.de. 7. März 2018.
  18. Ehefrau von Harvey Weinstein. „Ich habe entschieden, meinen Mann zu verlassen.“ In: Spiegel Online. 11. Oktober 2017.
  19. Weinsteins Noch-Ehefrau. „Beschämt und gebrochen.“ In: FAZ.net. 11. Mai 2018.
  20. Marc Pitzke: Hollywoods schmutziges Geheimnis. In: Spiegel Online. 9. Oktober 2017, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  21. Eli Watkins: Hillary Clinton, Obamas condemn longtime Democratic donor Harvey Weinstein. In: CNN.com. 10. Oktober 2017.