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Greiz

Kreisstadt des Landkreises Greiz, Thüringen, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Greiz
Greiz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Greiz hervorgehoben

Koordinaten: 50° 39′ N, 12° 12′ O

Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Greiz
Erfüllende Gemeinde: für Neumühle/Elster
Höhe: 265 m ü. NHN
Fläche: 76,44 km2
Einwohner: 20.103 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 263 Einwohner je km2
Postleitzahl: 07973
Vorwahlen: 03661, 036621
Kfz-Kennzeichen: GRZ, ZR
Gemeindeschlüssel: 16 0 76 022
Stadtgliederung: 33 Orte in Kernstadt und 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 12
07973 Greiz
Website: www.greiz.de
Bürgermeister: Alexander Schulze (parteilos, von CDU unterstützt)
Lage der Kreisstadt Greiz
im gleichnamigen Landkreis
Auma-WeidatalBad KöstritzBerga/ElsterBethenhausenBockaBrahmenauBraunichswaldeCaaschwitzCrimlaEndschützGauernGreizGroßensteinLangenwetzendorfHarth-PöllnitzHartmannsdorfHilbersdorfHirschfeldHohenleubenWeidaHundhauptenKauernKorbußenKraftsdorfKühdorfLangenwetzendorfLangenwolschendorfLederhoseLindaLindenkreuzLangenwetzendorfMohlsdorf-TeichwolframsdorfMünchenbernsdorfLangenwetzendorfNeumühlePaitzdorfPölzigReichstädtRonneburgRückersdorfSaaraWeidaSchwaaraSchwarzbachSeelingstädtWeidaTeichwitzWeidaWeißendorfLangenwetzendorfWünschendorfZedlitzZeulenroda-TriebesThüringenKarte
Über dieses Bild

Greiz ist eine Stadt im Südosten Thüringens, unmittelbar an der Landesgrenze zu Sachsen gelegen. Sie ist die Kreisstadt des Landkreises Greiz und Mittelzentrum für den südlichen Teil des Landkreises. Die Stadt liegt im Tal der Weißen Elster im thüringischen Vogtland. Wegen ihrer reizvollen Lage in einem Talkessel und ihrer zahlreichen historischen Bauten trägt sie den Beinamen „Perle des Vogtlandes“. Greiz war die Residenzstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie, das bis 1918 als selbstständiger Bundesstaat im Deutschen Kaiserreich bestand und vom Haus Reuß regiert wurde. Von 1922 bis 1950 war Greiz kreisfreie Stadt im Land Thüringen.

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Das Zentrum von Greiz liegt im engen Tal der Weißen Elster, unterhalb der Mündung der Göltzsch. Die wichtigsten größeren Städte in der Nähe von Greiz sind Gera, Zwickau und Plauen. Weitere nahe Städte sind Berga/Elster und Zeulenroda-Triebes sowie in Sachsen die Städte Reichenbach im Vogtland, Netzschkau, Elsterberg und Werdau.

StadtgliederungBearbeiten

 
Gliederung der Stadt Greiz
Entwicklung des Stadtgebietes
 
1. Mai 1920: Gründung des Landes Thüringen
 
1. April 1921: Eingemeindung von Irchwitz und Pohlitz
 
1. Januar 1922: Zusammenschluss von Caselwitz und Obergrochlitz zu Caselwitz-Grochlitz
 
1. April 1922: Eingemeindung von Rothenthal und Sachswitz nach Dölau
 
1. Oktober 1922: Eingemeindung von Altgommla, Caselwitz-Grochlitz, Dölau, Kurtschau, Moschwitz, Neugommla, Raasdorf, Schönfeld und Untergrochlitz sowie des Waldbezirks Heinrichsgrün
 
1. April 1928: Gebietstausch zwischen Sachsen und Thüringen
 
1. Juli 1950: Eingemeindung von Gablau nach Leiningen, Schönbach nach Cossengrün, Waltersdorf nach Reinsdorf
 
1. Januar 1956: Ausgemeindung von Schönbach aus Cossengrün, Wechsel des Göltzschhammers von Kleingera nach Greiz
 
1. Juli 1958: Eingemeindung von Pansdorf nach Tremnitz
 
22. Januar 1994: Eingemeindung von Leiningen und Tremnitz nach Hohndorf
 
30. Juni 1994: Eingemeindung von Reinsdorf
 
1. Juli 1999: Bildung der Gemeinde Vogtländisches Oberland
 
31. Dezember 2012: Eingemeindung von Teilen der Gemeinde Vogtländisches Oberland

Greiz ist territorial untergliedert in die Kernstadt sowie 9 Ortsteile, die jeweils eine Ortsteilverfassung und einen eigenen Ortsteilbürgermeister und Ortsteilrat besitzen. Die Eingemeindung von Neumühle/Elster ist zum Jahreswechsel 2019/2020 geplant.[2]

Die unbewohnten Wälder direkt westlich und nordwestlich der Greizer Kernstadt gehören zu keinem Ortsteil, sondern bilden den innerhalb der Stadt eigenständigen Waldbezirk Heinrichsgrün.

Ortsteil Eingemeindung Orte, Weiler und Siedlungen Erste Eingemeindung Gemarkung
Greiz (Innenstadt) Altstadt, Neustadt, Reißberg, Laagweg und Kupferhammer Greiz
1856 Obertannendorf
Untertannendorf
1. April 1921 Pohlitz mit Herrenreuth Pohlitz
Irchwitz mit Aubachtal, St. Adelheid und Thalbach Irchwitz
1. Oktober 1922 Schönfeld Schönfeld
Cossengrün/Hohndorf/Schönbach 31. Dezember 2012 Cossengrün 1. Juli 1999 nach Vogtländisches Oberland Cossengrün
Eubenberg mit Kesselmühle 1. Juli 1950 nach Arnsgrün Eubenberg
Gablau 1. Juli 1950 nach Leiningen Gablau-Leiningen
Hohndorf mit Landesgrenze und Steinermühle 1. Juli 1999 nach Vogtländisches Oberland Hohndorf
Leiningen 22. Januar 1994 nach Hohndorf Gablau-Leiningen
Pansdorf 1. Juli 1958 nach Tremnitz Pansdorf
Schönbach mit Kölbelmühle 1. Juli 1999 nach Vogtländisches Oberland Schönbach
Tremnitz 22. Januar 1994 nach Hohndorf Tremnitz
Gommla 1. Oktober 1922 Gommla mit Pommeranz Gommla
Kurtschau 1. Oktober 1922 Kurtschau mit Neukurtschau Kurtschau
Moschwitz 1. Oktober 1922 Moschwitz mit Lindenhäuser, Krellenhäuser, Mühlenhäuser und Neu‑Moschwitz 2 Moschwitz
Obergrochlitz/Caselwitz 1. Oktober 1922 Obergrochlitz mit Schleußengut 1. April 1922 nach Caselwitz-Grochlitz Grochlitz
Caselwitz mit Eichleite 1. April 1922 nach Caselwitz-Grochlitz Caselwitz, Dölau
Raasdorf 1. Oktober 1922 Raasdorf Raasdorf
Reinsdorf 30. Juni 1994 Reinsdorf Reinsdorf
Waltersdorf 1. Juli 1950 nach Reinsdorf Waltersdorf b. Greiz
Sachswitz/Dölau/Rothenthal 1. Oktober 1922 Dölau Dölau
Rothenthal 1. April 1922 nach Dölau Rothenthal
Sachswitz 1. April 1922 nach Dölau Sachswitz
Untergrochlitz 1. Oktober 1922 Untergrochlitz Grochlitz, Moschwitz

War ein Ort nie eine eigenständige Gemeinde, wird er in der Spalte "Orte, Weiler und Siedlungen" bei dem Ort aufgeführt, zu welchem er anfänglich gehörte.

NachbargemeindenBearbeiten

Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an Greiz:

Langenwetzendorf Neumühle/Elster Mohlsdorf-Teichwolframsdorf
Zeulenroda-Triebes   Reichenbach im Vogtland
Plauen, Pöhl, Rosenbach/Vogtl. Elsterberg Netzschkau

GeschichteBearbeiten

 
Greiz vom Schiessplatz an der Elster aus (1838)
 
Sommerpalais im Greizer Park
 
Historische Ansicht 1837

Ursprung bis 1800Bearbeiten

Bereits seit der jüngeren Steinzeit war der Talkessel der Weißen Elster bewohnt. Auf Kelten und Germanen folgten ab dem 7. Jahrhundert slawische Bewohner. Das heutige Greiz, ehemals Grewcz, ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs (slawisch: gradec, „befestigter Ort“) und wurde 1209 erstmals urkundlich erwähnt.[3] Bei den Überlegungen zum Ursprung des Namens wird von der früheren Schreibweise Grouts ausgegangen. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Namensbezeichnung.

Im Jahr 1225 wird für Greiz erstmals eine Burganlage und ein Vorgängerbau der Stadtkirche St. Marien, erbaut durch die Weidaer Vögte, erwähnt.[4] Bei der Teilung des Vogtlandes 1237 erhielt der jüngste der drei Weidaer Vögte Heinrich V. (geb. um 1209) das Gebiet um Greiz-Werdau-Reichenbach. Er verlegte seinen Sitz auf die Greizer Burg und nannte sich Vogt von Greiz. Damit war Greiz erstmals Sitz einer Herrschaft. Bereits 1240 kinderlos verstorben, fiel sein Besitz an Heinrich I. von Plauen, den ältesten Sohn seines älteren Bruders, Heinrich IV. von Gera. 1269 wird Greiz erstmals urkundlich als Dorf erwähnt[5] und im Jahr 1302 zwei Bürger von Greiz. Nachdem Vogt Heinrich I. von Plauen, der seine drei Söhne überlebt, 1303 starb, teilten seine zwei lebenden Enkel, Heinrich (III.) von Seeberg, Sohn Heinrichs (II.) des Böhmen, und Heinrich II. (Reuß-Greiz), Sohn von Heinrich Ruthenus (des Ruszen oder Reußen) im Jahr 1306 das bisher gemeinsam verwaltete Gebiet auf. Heinrich Ruthenus wurde durch seinen Sohn Heinrich (II.) Reuß zum Gründer der jüngeren Linie, der Reußen von Plauen zu Greiz, der die Herrschaft Greiz mit Greiz als Residenz, Werdau, Reichenbach, Mylau, Ronneburg und Schmölln erhielt.[6]

Im Vogtländischen Krieg 1354/55 unter die Lehnshoheit der wettinischen Markgrafen zu Meißen geraten, schlichteten die Markgrafen zu Meißen im Juni 1359 einen Bruderzwist der Reußen in einem „Aussöhnungs- und Erbteilungsvertrag“, in dem Greiz erstmals urkundlich als Stadt erwähnt wird.[7] Am 23. Mai 1449 belehnte Kurfürst Friedrich II. der Sanftmütige von Sachsen die beiden reußischen Brüder Heinrich IX. und Heinrich X. mit der Herrschaft Greiz in den beiden Teilen Hinter- und Vorderschloß, benannt nach den beiden Hauptflügeln des Herrschaftssitzes auf dem Greizer Schlossberg. Diese Teilungsurkunde ist insofern wichtig, da alle dazugehörenden Dörfer aufgeführt werden und so für viele Dörfer eine urkundliche Ersterwähnung erfolgte.[8]

1474 wird erstmals ein Schulmeister und 1486 ein Greizer Gemeinderat erwähnt. Bürgermeister, Rat und Stadtsiegel sind nachweisbar.[9] 1494 wurden bei einem großen Stadtbrand 51 Häuser zerstört. Das älteste vorhandene Stadtprivileg, das auf den 15. März 1527 datiert, ist eine Erneuerung älterer, nicht mehr vorhandener Greizer Stadtprivilegien durch Heinrich XIII. Am 14. Oktober 1537 erfolgte eine Neubestätigung. Ab Herbst 1533 begann die vom sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen angeordnete Kirchenvisitation zur Einführung der Reformation, die spätestens im Frühjahr 1534 abgeschlossen wurde. Infolge eines Blitzschlags brannte das Obere Schloss am 3. Juni 1540 in größeren Teilen ab.[10]

Nach der Niederlage der Protestanten unter der Führung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen in der Schlacht bei Mühlberg/Elbe am 24. April 1547, an der Heinrich XIV., der Ältere Reuß teilnahm, verfielen die drei reußischen Brüder der Reichsacht und verloren ihren Greizer Besitz. Wohnsitz nahmen sie in Oberkranichfeld, welches sie behalten durften.[11] Gleichzeitig ging, entsprechend dem auf die reußischen Lande bezogenen Artikel des Prager Vertrages vom 14. Oktober 1546, die Lehnshoheit vom Kurfürstentum Sachsen an das Königreich Böhmen über. Mit dem feierlichen Lehnsbrief über die reußische und die gerischen Herrschaften wurde Heinrich IV. von Plauen aus der burggräflichen Linie der Plauener Vögte, am 21. Januar 1549 vom böhmischen König Ferdinand offiziell als Landesherr von Greiz eingesetzt.[12] Nach Heinrichs Tod am 19. Mai 1554 wurde sein Sohn Heinrich V. von Plauen Landesherr in Greiz. Nach langen Kampf hatten die Bemühungen der Reußen zur Rückgabe ihrer Gebiete Erfolg. Am 14. März 1562 erhielten die Brüder Reuß durch kaiserlichen Schiedsspruch das Greizer Gebiet als Neubelehnung zurück.[11]

Im Jahr 1564 kam es zu der folgenschweren Landesteilung der reußischen Gebiete:[9]

  • Untergreiz mit Heinrich XIV., dem Älteren
  • Obergreiz mit Heinrich XV., dem Mittleren
  • Gera mit Heinrich XVI., dem Jüngeren

Noch im gleichen Jahr begann der Bau der Residenz Heinrich XIV. in der Stadt, des zweiten Schlosses in Greiz, dem späteren „Unteren Schloss“.[13]

Wie alle Reußen teilten auch die älterer Linie, am 26. August 1673 in den erblichen Reichsgrafenstand unter Lehnshoheit zur böhmischen Krone erhoben, immer weiter und erst 1768 kam es zur Vereinigung der beiden verbliebenen Linien zur Grafschaft Reuß älterer Linie, die 1778 zum Fürstentum wurde.

 
Greiz Gasparinentempel, Baujahr 1822

1800 bis jetztBearbeiten

Ein großer Brand zerstörte Greiz am 6. April 1802 fast gänzlich. Insgesamt brannten etwa 430 Gebäude nieder, darunter 237 Bürgerhäuser, der Rest Nebengebäude und Scheunen. Viele weitere Gebäude hat man während des Brandes abgerissen, um das rasch anwachsende Feuer aufzuhalten.[14]

 
Greiz, Großbrand, Marktplatz, 1908

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt auch zu einem bedeutenden Industriestandort, 1865 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Vor allem durch die Errichtung zahlreicher größerer Woll- und Seidenwebereien mit der Spezialisierung auf hochwertige Kostüm-, Kleider- und Anzugstoffe aus Kammgarn und Seide wuchsen die Industriebetriebe in Greiz und Umgebung stetig. Dadurch bedingt verlagerte die Georg Schleber AG in Reichenbach als eines der führenden sächsischen Textil-Veredlungsunternehmen 1871 mit Errichtung eines bedeutenden Zweigwerks ihren Produktionsschwerpunkt nach Greiz. (Zu DDR-Zeiten entstand durch Verstaatlichung und Zusammenfassung der Textilbetriebe der VEB Greika.) Durch diese Entwicklung entstanden auch Maschinenfabriken als Zulieferindustrien (Webstuhlbau, insbesondere von Jacquard-Webstühlen), aber ebenso Betriebe der chemischen Industrie. Weiterhin erfuhr die Herstellung von Spezialpapieren und die Verarbeitung dieser Papiere durch Spezialdruckereien einen Aufschwung.

1902 kam es erneut zu einem Brand, der einige innerstädtische Quartiere um die Thomasstraße vernichtete. Beim Wiederaufbau errichtete man hier repräsentative Jugendstilbauten, die ein geschlossenes Ensemble bilden.

Seit 1920 gehört die Stadt zum Freistaat Thüringen und ist seitdem Kreisstadt des Landkreises Greiz. 1922 wurde Greiz zur kreisfreien Stadt, wobei zahlreiche umliegende Gemeinden eingegliedert wurden. Seit 1950 ist die Stadt wieder ein Teil des Landkreises Greiz.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden auch in Greiz die Gegner der Nationalsozialisten verfolgt. Zwischen 1934 und 1943 wurden im Landeskrankenhaus Wichmannstraße 809 Personen zwangssterilisiert. Das Städtische Altersheim und das Kreispflegeheim gaben 122 Kranke zur „Euthanasie“ frei. Während des Zweiten Weltkriegs mussten hunderte Kriegsgefangene sowie Männer und Frauen aus von Deutschland besetzten Ländern im Sorgwald bei Thalbach und in anderen Wirtschaftsunternehmen Zwangsarbeit leisten. Mindestens 102 von ihnen kamen dabei um. An sie wird auf der Gedenkanlage des Alten Friedhofs erinnert. An den Wehrmachts-Offizier Kurt von Westernhagen, der im April 1945 auf die Sprengung der Brücken und damit auf die Verteidigung der Stadt verzichtete, erinnert der nach ihm benannte Platz, auf dem er von der Gestapo erschossen wurde.[15]

Greiz war von Mai 1944 bis April 1945 mehrmals Ziel US-amerikanischer Luftangriffe.[16] 25 Todesopfer und erhebliche Gebäudeschäden waren zu beklagen.[17]

Greiz wurde im April 1945 von US-Truppen besetzt, Anfang Juli 1945 jedoch an die Rote Armee übergeben. Damit wurde die Stadt Teil der SBZ und ab 1949 der DDR.

Ende 1945 und Anfang 1946 wurden in Greiz vom sowjetischen Sicherheitsdienst NKWD 15 Jugendliche (15 bis 19 Jahre alt) verhaftet. Sie wurden beschuldigt, dem „Werwolf“ angehört zu haben. Im März 1946 verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal elf von ihnen zum Tode, die vier jüngsten wurden zu 15 bis 20 Jahren Lagerhaft begnadigt. Die restlichen vier Jugendlichen wurden zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Todesurteile vollstreckte der NKWD im Metschwald bei Triebes, wo auch insgeheim die Leichen verscharrt wurden. 1994 erfolgte die Rehabilitierung durch die russische Justiz, 1997 die feierliche Aufstellung eines Gedenksteins am Tatort.[18]

Während der DDR-Zeit war Greiz nach Auflösung des Landes Thüringen im Jahre 1952 die Kreisstadt des Kreises Greiz im Bezirk Gera. Greiz gilt als die „Hauptstadt des Thüringer Vogtlands“, zu dem neben ihr unter anderem auch noch die Städte Gera, Weida, Zeulenroda-Triebes und Schleiz gehören. Aufgrund der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1209 veranstaltete Greiz 2009 ein Festjahr zu seiner 800-Jahr-Feier. Zeitgleich besaß Greiz seit 650 Jahren die Stadtrechte. Vom 19. bis 21. Juni 2009 fand unter dem Motto Greiz hat Reiz der 12. Thüringentag statt, der 210.000 Besucher anlockte. Da Greiz vom Hochwasser 2013 sehr stark getroffen wurde, soll ein zwei Kilometer langer Kanal um die Neustadt gebaut werden, wodurch die Innenstadt auf beiden Seiten des Flusses geschützt würde.[19]

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2019[20][21]
Wahlbeteiligung: 57,6 % (2014: 53,0 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,2 %
17,4 %
13,9 %
13,5 %
12,5 %
1,6 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+13,8 %p
-4,6 %p
+13,9 %p
-11,3 %p
-4,8 %p
-0,3 %p
-6,6 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit e. V

StadtratBearbeiten

      
Insgesamt 30 Sitze

Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 erhielten die CDU 12, die Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit e. V. 5, Die Linke, die SPD und die AfD jeweils 4 und die FDP 1 Sitz im Greizer Stadtrat.[20] Zuvor war die NPD noch mit 2 Sitzen vertreten.

BürgermeisterBearbeiten

 
Rathaus

Der erste Bürgermeister der Stadt nach der Befreiung vom Nationalsozialismus war von 1945 bis 1950 der kommunistische Widerstandskämpfer Walter Kopp, der nach acht Jahren Zuchthaus und Strafbataillon im Juni 1945 nach Greiz kam. Sein wichtigstes Verdienst bestand in der Initiierung eines Theaterensembles und dem Wiederaufbau des Greizer Orchesters. Auf sein Wirken geht auch die Gründung der "Greizer Musikwochen" zurück.[22]

Von 1948 bis 1953 war Fritz Kunst Oberbürgermeister von Greiz.

Bei der Bürgermeisterwahl 2006 erhielt kein Bewerber im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Bei der fälligen Stichwahl setzte sich bei einer Wahlbeteiligung von unter 50 % der bisherige 1. Beigeordnete Gerd Grüner (SPD) mit 54,7 % der Stimmen gegen Stadträtin Gunda Lämmer (CDU) durch.

Bei der Kommunalwahl am 22. April 2012 gab es eine Absprache zwischen der CDU und SPD. Für die Wahl des Landrates stellte die SPD des Landkreises Greiz keinen Kandidaten, während für die Bürgermeisterwahl in der Kreisstadt Greiz der CDU-Ortsverband keinen Kandidaten stellte. Gegen seine Mitbewerber von der Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit (IWA) und Die Linke erhielt der Amtsinhaber diesmal im ersten Wahlgang mit 57,2 % der Stimmen die absolute Mehrheit. Dabei lag die Wahlbeteiligung der wahlberechtigten Greizer bei 49,3 %. Die Wahlanfechtung durch den unterlegenen IWA-Kandidaten Detlef Zietan wurde zurückgewiesen.[23]

Bei der Bürgermeisterwahl am 15. April 2018 erhielt Alexander Schulze im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit 57,1 % (5644 Stimmen). Zur Wahl waren 17892 Wahlberechtigte zugelassen und die Wahlbeteiligung lag bei 55,8 % (9982).[24]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Silber ein von einer eintorigen Zinnenmauer in braunem Ziegelstein umgebenes Gebäude mit einem davorstehenden Turm links und einem aufgesetzten Turm rechts, braunem Mauerwerk, roten Dächern und goldenen Turm- und Dachspitzen; zwischen den Türmen schwebt ein schwarzes Schild, darin ein nach rechts steigender goldener Löwe mit roter Krone, Krallen und gespaltenem Schwanz (reußischer Löwe).“ Das Wappen erschien erstmals 1707 auf einem Stadtsiegel. Zu DDR-Zeiten wurde ab 1951 statt des reußischen Löwen ein blauer Schild mit schräggekreuztem goldenen Weberschiffchen und goldenen Hammer dargestellt, um die ansässige Industrie zu symbolisieren.[25]

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Theater, Musik und MuseenBearbeiten

 
Bibliothek (ehemals Lyzeum) und Gymnasium (heute Lessingschule)
 
Vogtlandhalle

Greiz verfügt als ehemalige Residenzstadt über mehrere Museen und eine umfangreiche Bibliothek. Das 1899 erbaute Theater der Stadt wurde 2010 geschlossen und brannte 2011 nach einer Brandstiftung teilweise aus.[26] Theateraufführungen finden neben anderen Veranstaltungen seither in der 2011 eröffneten Vogtlandhalle statt. Zu DDR-Zeiten wurde das Leben der Stadt durch einen Pionierchor bereichert, der den Namen Paul Dessaus trug. Dem Chor wurde von dem Komponisten eigens sein Lied „An einen jungen Künstler“ gewidmet.[27] Der 1964 gegründete Fanfarenzug Greiz hat sich über die Grenzen Thüringens hinaus großes Renommee erarbeitet.

Im Greizer Park befindet sich das Sommerpalais, das zwischen 1779 und 1789 entstand und im frühklassizistischen Stil erbaut wurde. Maison de belle retraite, Haus des angenehmen Zurückgezogenseins, nannte der Bauherr Fürst Heinrich XI. (1722–1800) in einer Giebelinschrift seine Sommerresidenz. Das Palais wurde jüngst umfassend nach historischen Befunden restauriert und ist zu besichtigen.

Seit 1922 beherbergt es die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz, die Stiftung der Älteren Linie des Hauses Reuß und das Satiricum. Diese fürstliche Büchersammlung umfasst Bestände des Grafen Heinrich XI. zu Obergreiz (1722–1800) aus der Zeit um 1747. Die Bibliothek hat einen umfangreichen Bestand an theologischen, historischen und naturwissenschaftlichen Werken, Enzyklopädien und Reisebeschreibungen. Illustrierte Bücher, Publikationen über Architektur und Gartenkunst, aber auch Sammlungen von Werken der französischen Aufklärung sind Bestandteil der Bibliothek. Im späten 18. Jahrhundert kamen Schriften zur Französischen Revolution hinzu. Heute umfasst der Bestand der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung etwa 40.000 Exemplare des 16. bis 21. Jahrhunderts.

BauwerkeBearbeiten

 
Turm der Stadtkirche St. Marien

Die Innenstadt gliedert sich in zwei Teile: östlich der Elster, zwischen Schlossberg und den Talhängen der Elster liegt die kleine Altstadt und westlich der Elster die Neustadt mit der repräsentativen Carolinenstraße als Hauptstraße. Letztere entstand im späten 19. Jahrhundert und stellt ein geschlossenes Gründerzeitensemble dar. Stadtprägend ist der Schlossberg mit dem Oberen Schloss. Es ist im Kern mittelalterlich, musste aber nach einem Brand im Jahre 1540 wiedererrichtet werden (im Stil der Renaissance) und wurde im 18. Jahrhundert weiter ausgebaut.

Ein bekanntes Fotomotiv ergibt sich vom Bahnhof aus; durch den Schlossberg wurde ein Tunnel für die Bahnstrecke nach Gera gegraben. In dem Oberen Schloss befand sich ein bedeutender Teil des Thüringer Staatsarchivs. Nach dem Umzug des Archivs auf das unterhalb des Schlossbergs liegende Gelände des ehemaligen VEB Herdas werden die ehemaligen Archivräume auf dem Oberen Schloss restauriert. Das Untere Schloss ist neueren Datums, es wurde im 16. Jahrhundert erbaut und nach dem Brand von 1802 in den Jahren danach bis 1809 im klassizistischen Stil neu aufgebaut. Das Untere Schloss beherbergt heute die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz, Musikschule und die Tourist-Information Greiz.

 
Röhrenbrunnen

Die evangelische Stadtkirche St. Marien wurde 1225 das erste Mal urkundlich erwähnt. Sie wurde nach dem Stadtbrand von 1802, der auch eine der größeren Silbermann-Orgeln mit zerstörte, im klassizistischen Stil wiederaufgebaut.[28] Architekt war Christian Friedrich Schuricht, der die Kirche und das Untere Schloss direkt aneinanderbaute. Dabei befindet sich der Turm nicht an der Westfassade, sondern an der Ostfassade über dem Chor. Erst 1881, nachdem jahrzehntelang eine Interimsorgel benutzt wurde, konnte eine angemessene Orgel durch Urban Kreutzbach aus Borna eingebaut werden, die 1919 durch die Firma Jehmlich aus Dresden umgebaut und erweitert und damit die größte Kirchenorgel Ost-Thüringens wurde. Das klassizistische Innenbild der Kirche blieb bis heute weitestgehend erhalten. Unter der Kirche liegt die zugemauerte Gruft der Fürsten und Grafen von Reuß älterer Linie.

 
Hauptwache (Alte Wache)

Neben dem Unteren Schloss und der Stadtkirche liegt die Hauptwache, ein klassizistischer Bau, der heute für Trauungen genutzt wird. Neben der Hauptwache steht der Röhrenbrunnen aus dem Jahr 1820. Vervollständigt wird die klassizistische Stadtsilhouette am Ufer der Elster durch das Lyzeum östlich des Unteren Schlosses. Es wurde 1875 errichtet und ist eine dreigeschossige, dreiflügelige Anlage. Das Justizgebäude entstand als barocker Baukörper in vereinfachter Formensprache in den Jahren 1910–1912 nach Plänen des Architekten Alois Holtmeyer. In Greiz gibt es eine große Anzahl von Wohngebäuden im historistischen Stil und im Jugendstil. Letztere findet man insbesondere in der Thomasstraße, Burgstraße, Marktstraße, Waldstraße und Leonhardtstraße. In der Prof.-Dr.-Friedrich-Schneider-Straße 4 gibt es ein besonders frühes Beispiel von Art-Déco-Architektur (erbaut 1911).

Die Freitreppe Himmelsleiter führt nach Pohlitz.

ParksBearbeiten

 
Der Binsenteich im Greizer Park
 
Die Blumenuhr im Greizer Park
 
Büsten von Goethe und Schiller im Goethepark

Der Greizer Park, zu DDR-Zeiten in „Leninpark“ umbenannt, zählt zu den schönsten Landschaftsparks Thüringens. Er entstand bereits um 1650 als Küchengarten und wurde später mehrmals umgestaltet. Seine heutige Gestalt erhielt der Greizer Park in den Jahren 1873 bis 1876. Wie bei anderen höfischen Parkanlagen dieser Zeit ist er im englischen Stil angelegt. In diesem Park befinden sich das Sommerpalais und das Küchenhaus.[29] 1978 wurde am Eingang des Parks die Denkmalsskulptur „Befreiung“ des Künstlers Jürgen Raue aufgestellt. In der Vorbereitung auf die im Landkreis Greiz veranstaltete BUGA wurde die Skulptur 2006 auf den Alten Friedhof versetzt.[30]

Es gibt weiterhin noch:

  • den Stadtpark, eine Parklandschaft in der Nähe des Greizer Krankenhauses
  • den Park um den Hirschteich, am Ortsausgang in Richtung Mohlsdorf
  • den Goethepark in der Nähe des Bahnhofes

Greiz trägt daher auch den Beinamen Park- und Schlossstadt.

SportBearbeiten

Sportliches Aushängeschild der Stadt ist der RSV Rotation Greiz (Ringen). Der 1931 gegründete Verein stieg im Jahre 2000 in die 1. Ringer-Bundesliga auf und schaffte 2002 mit dem Erreichen des Playoff-Halbfinales um die deutsche Meisterschaft den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Nach dem Rückzug in die Drittklassigkeit aus finanziellen Gründen ist der Verein seit Herbst 2006 wieder in der 2. Bundesliga zu finden. Weitere größere Vereine sind der aktuell in der Landesklasse Ost spielende 1. FC Greiz (Fußball), der VfB Greiz (Tischtennis und Badminton), der 1. SSV Greiz (Basketball), der Tauchclub TC Chemie Greiz sowie der 1. Schwimmklub Greiz. Außerdem liegt Greiz am Elster-Radweg. Auch der Schachsport hat Greiz eine lange Tradition und brachte unter anderem den internationalen Großmeister Lutz Espig hervor.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Im Gartensaal des Sommerpalais gibt es in den Sommermonaten zahlreiche Ausstellungen und Konzerte. Ausgehend von einer Sammlung mit über 10.000 DDR-Karikaturen fanden im Sommerpalais seit 1975 Biennalen der Karikatur statt, die seit 1994 als Triennale veranstaltet werden und in ihrer Form einzigartig im deutschen Sprachraum sind.

Zu den jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen zählen ferner:

  • Mai: Greizer Jazzwerk – Internationales Jazzfestival; Mittelalterspektakel auf dem Oberen Schloss
  • Juni: Park- und Schlossfest
  • August: Pappe Open Air – Alte Papierfabrik Greiz e. V., Kultur- und Museumsnacht
  • September: Greizer Theaterherbst, Ökumenisches Straßenfest, Brauereifest
  • Oktober: Greizer Treffen; Greizer Neustadtfest; Musik- und Bibeltage in der Stadtkirche
  • November: Greizer Herbstlauf; Großer Herbstmarkt zum Buß- und Bettag
  • Dezember: Greizer Weihnachtsmarkt im Schlossgarten; Winterzauber im Sommerpalais; Greizer Fürstenweihnacht im Unteren Schloss; Silvesterkonzert der Vogtland Philharmonie Greiz Reichenbach und in der Stadtkirche

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Die Stadt ist Sitz des Amtsgerichts Greiz, das zum Bezirk des Landgerichts Gera gehört.

SchienenverkehrBearbeiten

1865 wurde eine Eisenbahnstrecke von Greiz-Aubachtal nach Brunn in Sachsen eröffnet, wodurch ein erster Bahnhof auf dem Greizer Stadtgebiet errichtet wurde. Die Bahnstrecke wurde 1879 zum Bahnhof Greiz an der Elstertalbahn verlängert, was mit aufwändigen Ingenieurbauten wie dem Hainbergtunnel und einer Überbrückung der Weißen Elster verbunden war. Die gesamte Strecke wurde 1999 stillgelegt, nachdem schon seit dem 1. Juni 1997 kein planmäßiger Personenverkehr mehr stattfand.

Die Elstertalbahn von Gera über Greiz und Plauen nach Weischlitz wurde 1875 eröffnet. Eine Herausforderung beim Bau war die Untertunnelung des Greizer Schlossbergs. An dieser Bahnstrecke liegen die beiden heute noch existierenden Greizer Bahnhöfe südlich des Zentrums und in Greiz-Dölau. Heute verkehren auf dieser Strecke die Vogtlandbahn und die DB Regio Südost, welche einen Stundentakt nach Gera mit zweistündlicher Durchbindung nach Erfurt sowie einen zeitweise verdichteten Zweistundentakt in Richtung Plauen bilden. Das Bahnhofsgebäude in Greiz ist zurzeit geschlossen und wird für kulturelle Zwecke genutzt. Das Chemiewerk in Greiz-Dölau des Konzerns Nouryon ist das einzige verbliebene Unternehmen in Greiz, welches einen Schienenanschluss besitzt.

Auf der nahegelegenen Sachsen-Franken-Magistrale wurde der Fernverkehr 2006 eingestellt. Die Strecke von Leipzig nach Hof wurde durch die Göltzschtalbrücke, die weltweit größte Ziegelsteinbrücke, und durch deren „kleinere Schwester“, die Elstertalbrücke bei Jocketa, bekannt. Die Göltzschtalbrücke befindet sich in unmittelbarer Nähe an der Landesgrenze im sächsischen Netzschkau und ist vom Greizer Ortsteil Reinsdorf aus sichtbar.

StraßenverkehrBearbeiten

In Greiz kreuzen sich die Bundesstraße 92 von Gera bis zur tschechischen Landesgrenze bei Bad Brambach und die Bundesstraße 94 von Schleiz nach Rodewisch. Ferner existieren Landesstraßen in Richtung Zwickau, nach Mylau mit Unterquerung der Göltzschtalbrücke und nach Neumühle. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle liegt 14 Kilometer entfernt an der A 72 bei Reichenbach im Vogtland. Die Anschlussstelle Lederhose an der A 9 ist 34 Kilometer entfernt und wird vom Verkehr nach Norden und Osten genutzt.

Der Stadtverkehr Greiz, der seit 1925 besteht, wird heute von der „Personen- und Reiseverkehrs GmbH Greiz“ auf sieben Linien bedient. Von 1945 bis 1969 war auch eine Oberleitungsbuslinie in Betrieb.

Greiz liegt auf dem Radfernweg Euregio Egrensis und dem Elster-Radweg. Eine Verlängerung des Göltzschtal-Radwegs, der derzeit an der Göltzschtalbrücke endet, bis zur Mündung in Greiz ist in Planung.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

 
VEB Chemiewerk Greiz-Dölau 1979
 
Alte Papierfabrik, heute ein Kulturverein

Greiz entwickelte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zum bedeutenden Industriestandort mit Webereien (z. B. Firma Arnold), der Textilveredelung (Firma Georg Schleber AG), der Papierherstellung (Firma Günther), der chemischen Industrie in Greiz-Dölau (heute Nouryon) und des Maschinenbaus. Auch in der DDR behielt Greiz diesen Status und baute ihn teilweise noch aus. Bedingt durch eine fehlende Umweltgesetzgebung früherer Zeiten und der laschen Handhabung in der DDR sowie der Tallage der Stadt hatte diese in der Vergangenheit eine sehr schlechte Luftqualität. Diese verbesserte sich nach der Wiedervereinigung vor allem durch Fabrikschließungen, weniger aufgrund neuer Umweltstandards.

BildungBearbeiten

 
Goetheschule

In der Greizer Innenstadt existieren mit der Lessing- und der Goetheschule zwei staatliche Grundschulen, im weiteren Stadtgebiet zudem die Grundschulen in Irchwitz und Pohlitz. Die weiterführenden Bildungsstätten sind die staatlichen Regelschulen "Gotthold Ephraim Lessing" und Greiz-Pohlitz, das Ulf-Merbold-Gymnasium sowie das Staatliche Berufsbildungszentrum „Ernst Arnold“. Die allgemeine Hochschulreife wird außerdem in der seit 2016 staatlich anerkannten Gemeinschaftsschule „Freie Schule Elstertal“ verliehen. Greiz besitzt mit dem Förderzentrum "Carolinenschule" mit Förderschwerpunkt auf geistige Entwicklung und etwa 200 Schülern, dem Staatlichen Förderzentrum Friedrich Fröbel und der Goetheschule drei Förderschulen.

Weitere Bildungsträger sind die Kreisvolkshochschule, die Kreismusikschule "Bernhard Stavenhagen", ein privater Bildungsträger sowie ein privates Bildungsinstitut.

GesundheitsversorgungBearbeiten

 
Blick auf das Klinikum

Das Kreiskrankenhaus Greiz ist ein Regelversorger mit 296 Betten.[31] Der Landkreis ist alleiniger Gesellschafter. 1744 wurde erstmals ein Krankenhaus in Greiz erwähnt. 1893 wurde der erste Krankenhausbau auf dem Reißberg errichtet. 2003 wurde der heutige Funktionsbau übergeben, 2006 ein neues Bettenhaus.

ReligionenBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

 
Einwohnerentwicklung von 1800 bis 2016

1800 bis 1950

  • 1800: 4.000
  • 1833: 5.600
  • 1885: 17.288
  • 1905: 23.114
  • 1931: 39.281
  • 1946: 45.410 a
  • 1950: 42.520 b

1960 bis 1999

  • 1960: 39.097
  • 1971: 38.608
  • 1981: 36.684
  • 1984: 35.822
  • 1994: 30.206
  • 1995: 29.402
  • 1996: 28.610
  • 1997: 27.992
  • 1998: 27.324
  • 1999: 26.706

2000 bis 2009

  • 2000: 26.177
  • 2001: 25.605
  • 2002: 25.037
  • 2003: 24.591
  • 2004: 24.199
  • 2005: 23.764
  • 2006: 23.368
  • 2007: 22.936
  • 2008: 22.548
  • 2009: 22.150

2010 bis 2018

  • 2010: 21.792
  • 2011: 21.310
  • 2012: 21.580
  • 2013: 21.284
  • 2014: 21.111
  • 2015: 21.042
  • 2016: 20.920
  • 2017: 20.517
  • 2018: 20.103

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

a Volkszählungsergebnis vom 29. Oktober
b Volkszählungsergebnis vom 31. August

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Berthold Schmidt: Die Reußen. Genealogie des Gesamthauses Reuß älterer und jüngerer Linie, sowie der ausgestorbenen Vogtslinien zu Weida, Gera und Plauen und der Burggrafen zu Meißen aus dem Hause Plauen. Weber, Schleiz 1903.
  • Alfred Thoß: Die Geschichte der Stadt Greiz von den Anfängen bis zum Ausgang des 17.Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung der Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsentwicklung (= Beiträge zur mittelalterlichen und neueren Geschichte, herausgegeben von Friedrich Schneider, Bd. 3). Fischer, Jena 1933, Nachdruck: Verlag Weißer Stein, Greiz 1991, ISBN 3-928681-01-X.
  • Franz Leber: Greizer Geschichte in Wort und Bild. Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Greiz 1935.
  • Franz Hauschild (Red.): Das schöne und das schaffende Greiz. Ein Stadtbuch in Bild und Wort anläßlich der 750-Jahr-Feier (600 Jahre Stadt). Rat der Stadt, Greiz 1959.
  • Dietfried Köhler: Die historisch-geographische Entwicklung der Industrie des Kreises Greiz unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung der Stadt Greiz, 3 Bände. Diss., Potsdam 1969.
  • Werner Becker (Red.): 50 Jahre Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz. 2 Bände. Greiz 1970.
  • Hubertus Blase (Hg.): Das Bild der Stadt Greiz gestern und heute. Staatliche Museen Greiz, Greiz, 4., veränderte Aufl. 1988.
  • Sven Michael Klein, Edith Voss: Greiz (= Thüringer Städte, Bd. 13). Perthes, Gotha 1994, ISBN 3-623-00974-1.
  • Werner Querfeld: Greiz – Geschichte einer Stadt. Mediatect, Greiz 1995.
  • Kurfürst Moritz und die Renaissance (= Dresdner Hefte, Beiträge zur Kulturgeschichte, Bd. 52), Dresden 1997.
  • Das nördliche Vogtland um Greiz (= Werte der deutschen Heimat. Band 68). 1. Auflage. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 978-3-412-09003-6.
  • Volkmar Schneider (Red.): 800 Jahre Greiz. Stadt Greiz im Vogtland, 1209–2009. Festschrift der Stadt Greiz zur Wiederkehr der 800-jährigen Ersterwähnung und der 650-jährigen Nennung als Stadt. Stadt Greiz, Greiz 2008.
  • Volkmar Schneider, Karsten Schaarschmidt: Greizer Standpunkte. Greiz 800 Jahre, 1209–2009. Buchhandlung Bücherwurm, Greiz 2009.
  • Hannelore Kuna, Edwin Kuna: Historisches Stadtlexikon von Greiz. Haff Verlag, Grambin 2013, ISBN 978-3-942916-84-4.
  • Werner Greiling, Hagen Rüster: Reuß älterer Linie im 19. Jahrhundert. Das widerspenstige Fürstentum? (= Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, Band 12). Verlag Vopelius, Jena 2013, ISBN 978-3-939718-55-0.
  • Rudolf König: Greiz – Stadt der Gründerzeit. Bd. 1: Öffentliche Gebäude und Arbeitsstätten. Buchverlag König, Greiz 2018, ISBN 978-3-943210-28-6.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Greiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Greiz – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Thüringer Allgemeine: Dritte Runde der Gemeindefusion: 40 Gemeinden werden aufgelöst
  3. Matthias Werner: Die Ersterwähnung von Greiz im Jahre 1209: „pars nemoris prope Graitz“. Die Anfänge von Greiz und die älteste Geschichte der Vögte von Weida. Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Frankfurt am Main 2009.
  4. Heimatbote Greiz 1985, Heft 8, S. 148
  5. Heimatbote Greiz 1986, Heft 3, S. 50
  6. Greizer Heimatkalender 2002, S. 18
  7. Heimatbote Greiz 1984, Heft 2, S. 28
  8. Friedrich Schneider: Ausgewählte Urkunden zur allgemeinen Geschichte des Reußenlandes (= Veröffentlichungen des Thüringischen Staats-Archivs Greiz, Bd. 2). Greifenverlag, Rudolstadt 1924.
  9. a b Werner Querfeld: Greiz – Geschichte einer Stadt. Mediatect, Greiz 1995.
  10. Greizer Heimatkalender 1959, S. 14
  11. a b Alfred Pasold: Geschichte der reußischen Landesteilungen von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Einführung der Primogenitur im Jahr 1690. Wagner, Neustadt/Orla 1934, S. 52.
  12. Berthold Schmidt: Burggraf Heinrich IV. zu Meißen, Oberstkanzler der Krone Böhmens und seine Regierung im Vogtland. Gera 1888, S. 232.
  13. Hubertus Blase: Das Untere Schloß zu Greiz und seine Kulturschätze. Kreisheimatmuseum, Greiz, 2., erweiterte Aufl. 1985.
  14. Ulrich Jugel: Der große Greizer Stadtbrand vom 6. April des Jahres 1802. In: Jahrbuch, 10. Jahrgang, Plauen 1993, S. 39–42.
  15. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. (= Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8.) Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 111 ff.
  16. Renate Elbel: Die letzten Kriegstage. Fliegeralarm in Greiz. In: Greizer Heimatkalender, Jg. 2015, S. 161–163.
  17. Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 184.
  18. Anne Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Ch. Links Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-86153-443-3, S. 494.
  19. FOCUS Online: Neuer Flutkanal soll Greiz besser vor Hochwasser schützen. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 20. Juli 2017]).
  20. a b Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2019 in Thüringen – Greiz, abgerufen am 12. Juni 2019.
  21. Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2014 in Thüringen – Greiz, abgerufen am 12. Juni 2019.
  22. Heimat DDR. Erlebnisse. Betrachtungen. Erkenntnisse. Dokumente, darin Michael Gölles: "Lieber Tausend Teropfen Schweiß als einen Tropfen Blut", Hrsg. Horst Jäkel, GNN-Verlag Schkeuditz 2015, S. 61, ISBN 978-3-89819-416-7
  23. FOCUS Online: Wahlanfechtungen im Unstrut-Hainich-Kreis und Greiz erfolglos. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 20. Juli 2017]).
  24. Bürgermeisterwahl 2018 in Thüringen. Abgerufen am 12. Juni 2018.
  25. Manfred Bensing, Karlheinz Blaschke, Karl Czok, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck: Lexikon Städte und Wappen der DDR. Hrsg.: Heinz Göschel. 2. neubearb. und erw. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig Juli 1984, S. 167–168.
  26. Brand im Greizer Theater durch zündelnde Kinder verursacht (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) (In: LocalXXL vom 9. August 2011)
  27. Neue Lieder erklingen, Berlin 1983, S. 14
  28. Stefan Michel: Das historische und theologische Umfeld des Greizer Kirchenbaus von 1803 bis 1805. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der theologischen Aufklärung in Greiz. In: Andreas Hummel, Volker Schimpff, Hans-Jürgen Beier (Hrsg.): Von Kirchen und Burgen. Gedenkschrift für Günter Hummel. Beier & Beran, Langenweißbach 2016, ISBN 978-3-95741-049-8, S. 365–372.
  29. Ilse von Holbek: Der Park von Greiz. In: Das Thüringer Fähnlein. Band 8. Verlag Gustav Neuenhahn, Jena 1939, S. 397–406.
  30. Heimat DDR, a .a. Ort, S. 62
  31. https://www.hospital-greiz.de/ueber-uns.html, abgerufen am 12. Februar 2019.