Triebes

Ort in Deutschland

Die bis 2006 eigenständige Stadt Triebes ist seit der Eingliederung in Zeulenroda ein Ortsteil der dabei neu entstandenen Verwaltungseinheit Zeulenroda-Triebes im Freistaat Thüringen, im Thüringer Vogtland.

Triebes
Wappen ab 1994
Koordinaten: 50° 41′ 10″ N, 12° 1′ 24″ O
Höhe: 351 m
Einwohner: 3024 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1. Februar 2006
Postleitzahl: 07950
Vorwahl: 036622
Triebes (Thüringen)
Triebes

Lage von Triebes in Thüringen

Evangelische Stadtkirche
Evangelische Stadtkirche

LageBearbeiten

Triebes liegt nordöstlich von Zeulenroda im Thüringer Schiefergebirge in der Talsenke des gleichnamigen Flusses auf 343 m ü. NN.

GeschichteBearbeiten

Der Ort Triebes wurde 1209 erstmals im Zusammenhang mit einem Bertoldus de Tributz (Berthold von Triebes) urkundlich erwähnt und geht auf eine sorbische Gründung zurück. 1919 wurde Triebes das Stadtrecht verliehen.

Die Teichmühle gehörte einst zum Rittergut. Dieses wurde 1533 erstmals urkundlich genannt. Schon um diese Zeit existierte die Teichmühle als Mahl- und Schneidemühle, denn es gab Bauern und Einwohner. Der letzte Besitzer starb 1946 im Alter von 55 Jahren ohne männlichen Erben, damit endete eine 200 Jahre anhaltende Erbfolge. In den alten Gemäuern richteten sich zu DDR-Zeiten ein Reifenhandel und eine Vulkanisierwerkstatt ein, heute ist dort ein Klempnermeister ansässig.

Schon 1555 verzeichneten Steuerlisten den Sandmüller Adam Burkhardt als Besitzer der Sandmühle. 1910 wurde der Mahlbetrieb eingestellt. Das Sägewerk arbeitete noch einige Zeit, bis die Gebäude mit Wohnungen ausgebaut wurden. 1999 wurden die alte Sandmühle und auch das Möbelwerk abgerissen. Eine Verschönerung der brach liegenden Fläche ist geplant.[1]

Um 1700 entwickelte sich aus der kleinen Ansiedlung ein Weberort. 1870 waren in Triebes mehr als 300 selbstständige Webermeister ansässig. Auf Veranlassung des reußischen Fürsten Heinrich XIV. wurde im Jahr 1875 die Geraer Jute-Spinnerei und -Weberei gegründet. Triebes gewann damit erheblich an wirtschaftlicher Bedeutung. 1912 arbeiteten in der Jute 1.500 Menschen.

Im Zuge der zunehmenden Industrialisierung fand am 2. April 1873 die Grundsteinlegung der Farbenfabrik Friedrich Pratz & Co. statt. Aus dem Schiefergestein am Kranich wurde schwarze Farbe und aus der Lehmgrube beim Friedhof Ockerfarbe gewonnen. Am 7. Juli 1881 firmierte das Unternehmen C. G. Fehre Farbenfabrik um. 1884 übernahm der Sohn Friedrich Fehre das Unternehmen und erweiterte das Farbenspektrum um die Farben Chromocker und Chromorange. Aufgrund der schlechten Rentabilität wurden neue Geldgeber gesucht, und das Unternehmen 1890 erneut umbenannt in Triebeser Farbenwerke C. G. Fehre Nachf. 1893 trat Otto Wohlberedt aus Dresden als Teilhaber ein. Er vermochte das Unternehmen in die Rentabilität zu führen. 1897 errichtete er das erste Elektrizitätswerk in Mitteldeutschland. Mittels einer Dampfmaschine konnte der gesamte Elektro-Energiebedarf von Triebes gedeckt werden.

Am 29. Januar 1901 wandelten Otto Wohlberedt und Dr. Peters das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, die 1905 in AG für Lithoponefabrikation umbenannt wurde. Ebenfalls 1905 wurde das typische Backsteingebäude Bahnhofstraße 2 errichtet. 1927 übernahmen die Sachtleben AG und die I.G. Farben die Aktienmehrheit. 1933 wurde Wohlberedt, damals Mitglied des Lithopone-Aufsichtsrats, die Ehrenbürgerwürde der Stadt Triebes verliehen. 1937 endete die Zeit der Farbenfertigung in Triebes, die AG für Lithoponefabrikation verlegte die gesamte Produktion und ihren Sitz nach Wünschendorf/Elster.[2] Das bereits zum Stadtbild gehörende Industriegebäude der Lithopone an der Bahnhofstraße wurde 1937 durch Fritz Sachs und Ingenieur Hermann Grimm übernommen, um dort die Werkzeugmaschinenfabrik Sachs & Grimm einzurichten.[3]

 
Industriegebäude Bahnhofstraße 2
 
HYDRAUMA – Logo
 
HYDRAUMA – Einständerpressen – PYE
 
Barrierefreies Wohnen in Triebes

Die Hauptprodukte waren hydraulische Pressen, vorzugsweise Einständerpressen. Unter der Marke Hydrauma wurden die Erzeugnisse in alle Welt exportiert. Neben der Hauptproduktion wurden hydraulische Räummaschinen, Pumpen und hydraulische Steuereinheiten für Bagger, Autokrane und Slipanlagen für Schiffswerften hergestellt. Nach dem Ausscheiden von Fritz Sachs wurde der Betrieb 1954 unter staatliche Treuhand-Verwaltung gestellt und firmierte nun unter Hermann Grimm. Am 1. Juli 1956 wurde eine staatliche Beteiligung von anfangs 50 % aufgenommen, entsprechend dem ehemaligen Anteil von Fritz Sachs. Als Komplementär fungierte die Industrie- und Handelsbank. 1958 wurde Hermann Grimm von der LDPD-Fraktion für eine Wahlperiode in die Volkskammer der DDR gewählt. 1959 trat der VEB Wema Zeulenroda als Komplementär ein, der im Rahmen der Erzeugnisgruppenarbeit der „Leitbetrieb“ seitens der VVB WMW (Karl-Marx-Stadt) war. 1960 wurde das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Gemeinsam, jedoch unter der konstruktiven Federführung der Wema Zeulenroda, wurde 1970 eine konstruktiv einheitliche Baureihe von hydraulischen Einständerpressen entwickelt (PYE-N, PYE-S/1, PYE-SS). Das bis dahin geltende Hydrauma-Logo kam nun nicht mehr zur Anwendung. Nach dem Ausscheiden des Kommanditisten Hermann Grimm wurde das Unternehmen 19671 im Rahmen der sozialistischen Umgestaltung in Volkseigentum umgewandelt und firmierte nun als VEB Werkzeugmaschinenfabrik Triebes. Der Betrieb wurde 1976 schrittweise in die Baugruppenfertigung für die PYE-Baureihe integriert, er verlor damit seinen Status als Finalproduzent und fungierte als reiner Zulieferer für den VEB Wema Zeulenroda. 1980 wurde der Betrieb als Werk IV in den VEB Wema Zeulenroda übernommen. Das Werk IV wurde 1992 geschlossen und an die MAT-Transier verkauft. Damit ging die Aera des Werkzeugmaschinenbaus in Triebes zu Ende. 2011 wurde das Grundstück der MAT-Transier von der AWO (Arbeiterwohlfahrt-Soziale Dienste Zeulenroda GmbH) käuflich erworben. Hier entstand ein Objekt mit barrierefreien- und behindertengerechten Wohnungen.

Im April 1945 wurde Triebes von Soldaten der US-Armee besetzt, denen ab Ende Juni die Rote Armee folgte. Im Juni 1946 wurden im Metschwald bei Triebes vom sowjetischen Sicherheitsdienst NKWD sieben Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren aus dem Greizer Oberland erschossen und ihre Leichen verscharrt. Ihnen war „Werwolf“-Tätigkeit vorgeworfen worden.

Mehla wurde am 6. April 1994 eingemeindet.[4] Am 1. April 1999 folgte Dörtendorf.[5] Am 1. Februar 2006 wurden Zeulenroda und Triebes zur neuen Doppelstadt Zeulenroda-Triebes vereinigt.[6] Formal bedeutete das die Auflösung der Stadt Triebes und die Eingliederung nach Zeulenroda.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die Einwohnerzahl von Triebes ist im letzten Jahrzehnt relativ konstant geblieben, was jedoch auf die beiden Eingemeindungen zurückzuführen ist. Sie schwankt zwischen 4.000 und 4.300 Einwohner.

Entwicklung der Einwohnerzahl von Triebes
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Datum Einwohnerzahl
1842 1254
1933 4814
1939 4816
31. Dezember 1994 4174
31. Dezember 1995 4146
31. Dezember 1996 4128
31. Dezember 1997 4120
31. Dezember 1998 4083
31. Dezember 1999 4261
31. Dezember 2000 4230
31. Dezember 2001 4192
31. Dezember 2002 4144
31. Dezember 2003 4113
31. Dezember 2004 4099
31. Dezember 2005 4040

PolitikBearbeiten

Die Parteien CDU (12 Sitze), SPD (2) und Linkspartei.PDS (2) bildeten den letzten gewählten Stadtrat von Triebes.

Bürgermeister der Stadt TriebesBearbeiten

1990, bei den ersten freien Kommunalwahlen nach der Wende, wurde Gerhard Helmert (CDU) Bürgermeister und blieb es bis zur Städtefusion mit Zeulenroda. Anschließend war er bis 30. Juni 2006 Ortsbürgermeister von Triebes. Sein Nachfolger Hartmut Strobel (CDU) wurde am 7. Mai 2006 gewählt.

Zeitraum Name
1990–2006 Gerhard Helmert
1981–1990 Lothar Schmeißer
1959–1981 Ulrich Engelhardt
1952–1959 Max Feustel
1948–1952 Fritz Kranert
1945–1947 Kurt Knoll
1945 Heinrich Roth
1933–1945 Ernst Vollrath
1904–1933 Reinhold Müller
1900–1904 Albus Pfeiffer

WappenBearbeiten

Von 1975 bis 1994 trug Triebes das rechts dargestellte Wappen, was 1994 durch das in der Infobox dargestellte Wappen ersetzt wurde. Die amtliche Beschreibung des aktuellen Wappens lautet: „In Gold eine schwarze Löwenpranke mit roten Krallen, die ein nach rechts verschobenes rotes Passionskreuz aus vier in der Mitte geflochtenen Juteschnüren hält.“

Die Löwenpranke als Machtsymbol ergibt sich aus der Bedeutung der Landgrafen in der thüringischen Geschichte. Der Löwe ist aus dem Stammwappen der Fürsten von Reuß entnommen, deren Familienzweig Reuß-Köstritz seit 1681 Triebes in Besitz hatte. Die vier kreuzartig verflochtenen Juteschnüre verweisen auf die früher bedeutende Jute-Spinnerei und -Weberei.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Das Winkelmannsche Haus aus dem Jahre 1617[7] ist in Blockbauweise errichtet und gehört zu den letzten erhaltenen Gebäuden seiner Art in der Ostthüringer Region.
  • Gedenkstein von 1997 im Metschwald (an der Straße von Neuärgerniß nach Mehla) mit der Inschrift: „Den Toten zur Ehre / den Lebenden zur Mahnung / Hier wurden vom sowjetischen NKWD / unschuldig hingerichtet: Namen, Jahrgang und Wohnorte von 7 Jugendlichen / Rehabilitiert 1994 durch die russische Justiz“
  • Stadtkirche Triebes

LiedgutBearbeiten

Zum Liedgut gehören das eigens getextete Triebes-Lied von Otto Patzer. Der Liedtext beschreibt die Geschichte der Stadt, von den Anfängen und der Entwicklung der Weberei (später die Jutespinnerei, mit den damals existierenden Schornsteinen, welche die Waren unter anderem nach Amerika, in die Nil-Region, nach Java und Sumatra exportierte), über die Ortsteile Kranich und dem Tscherlich bis hin zu den Einwohnern (diese Passage bezieht sich wohl auf die Zeit, in der die Bauern noch ihre Fron leisten mussten – „Ein Völklein gut, voll Sangesfreud, gastfreundlich stets und heiter, so sind fürwahr die Triebser Leut, wenn arm an Gut auch leider.“)[8]

Ein weiteres regional bekanntes Lied ist das Thüringen-Lied[9].

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Haltepunkt Triebes (2020)

Triebes liegt an der Landstraße vom Zentrum der Stadt nach Hohenleuben und verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Werdau–Weida–Mehltheuer. Die Wirtschaft in Triebes wird von kleineren Handwerks-, Dienstleistungs- und Handelsbetrieben geprägt. Im Gewerbegebiet am westlichen Ortsrand sind seit den neunziger Jahren zahlreiche Neuansiedlungen zu verzeichnen.

PartnergemeindenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Folgende Personen wurden in Triebes geboren:

In Triebes haben gewirktBearbeiten

  • Reinhold Müller (1875–1940), deutscher Beamter und Politiker, Bürgermeister von Triebes

WeblinksBearbeiten

Commons: Triebes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Günter Steiniger: Mühlen an der Auma, der Triebes, der Leuba und im Güldetal. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2011, ISBN 978-3-86777-296-9, S. 135–141, S. 142–143.
  2. Otto Wohlberedt: Erinnerungen aus meinem Leben.
  3. Chronik des Unternehmens anlässlich des 25. Gründungsjubiläums 1962
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006
  7. Webseite des Winkelmannschen Hauses
  8. http://comenius2000.50megs.com/2002-03/Songbook/song-triebes/Triebes.htm
  9. https://www.youtube.com/watch?v=AQcDzAbFDpE