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FDP Thüringen
Thomas L. Kemmerich
Thomas L. Kemmerich
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Vorsitzender Thomas L. Kemmerich
Stellvertreter Dirk Bergner
Thomas Nitzsche
Gerald Ullrich
Schatz­meister Frank-André Thies
Geschäfts­führer Tim Wagner
Hauptsitz Liebknechtstraße 16 a
99085 Erfurt
Landtagsmandate
0/91
Mitglieder­zahl 1.260 (Stand: 31. Dez. 2017)[1]
Website www.fdp-thueringen.de

Die FDP Thüringen ist der Landesverband der FDP im Bundesland Thüringen.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Vorgeschichte: Liberale Parteien in ThüringenBearbeiten

Auch in den Vorgängerstaaten Thüringens bestand eine Vielzahl von liberalen Parteien, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach Mehrheiten bei Wahlen erringen konnten. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ging die Bedeutung der Liberalen immer weiter zurück. Spiegelbildlich erfolgte der Aufstieg der Sozialdemokraten. Auch in der Weimarer Republik setzte sich der Niedergang der liberalen Parteien fort. Hatte bei der Landtagswahl 1919 die DVP noch 15,77 % und die DDP noch 7,30 % der Stimmen erhalten, so war der Stimmenanteil dieser beiden liberalen Parteien auf zusammen 11 % bei der Landtagswahl 1929 geschrumpft. 1932 waren DDP (1,87 %) und DVP (1,80 %) nur noch Splitterparteien.

1933 erfolgte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Verbot der demokratischen Parteien.

LDPD ThüringenBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte auch Thüringen eine Neugründung einer liberalen Partei. Am 9. Juni 1945 wurde als Vorläufer des Landesverbandes die Demokratische Partei Thüringens in Weimar gegründet. Am 2. Dezember 1945 erfolgte die Umbenennung in LDPD. Am 29. Juli 1945 wurde auf der ersten Landesausschusssitzung Leonhard Moog als erster Landesvorsitzender gewählt. Dr. Alphons Gaertner und Hermann Becker wurden stellvertretende Landesvorsitzende.[2]

Große Erfolge erzielte die LDPD bei den Kommunalwahlen im September 1946. So wurde sie in Erfurt stärkste Partei und konnte, bis zu dessen Verhaftung im Oktober, mit Paul Hach den Oberbürgermeister stellen. Bei den halbfreien Wahlen zum Thüringer Landtag 1946 wurde die LDPD mit 28,5 % der Stimmen zweitstärkste Partei.

 
SED-Wahlplakat gegen die LDPD 1946 in Erfurt

In den Folgejahren unterlag die LDP Thüringen einem immer stärkeren Druck durch die SMAD, die Politik der SED vorbehaltslos zu unterstützen. Alphons Gaertner entzog sich diesem Druck 1948 durch Flucht, Hermann Becker wurde am 23. Juli 1948 während einer Sitzungspause des Thüringer Landtags von Angehörigen des NKWD verhaftet und kam erst 1955 wieder frei. Leonhard Moog arrangierte sich mit den neuen Machthabern. Mit den als Scheinwahlen nach Einheitslisten durchgeführten Landtagswahlen in der DDR 1950 war die Gleichschaltung der LDP abgeschlossen. Leonhard Moog wurde trotz seiner Nachgiebigkeit 1950 massiv bedroht und musste nach West-Berlin fliehen, um dem drohenden Schauprozess (bei dem er in Abwesenheit zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt wurde) zu entgehen.

Die LDP Thüringen bestand als Blockpartei bis zur Abschaffung der Länder in der DDR 1952.

Die LDPD Thüringen war Herausgeber der Thüringischen Landeszeitung.

Nach der WendeBearbeiten

In den Wendetagen gründeten sich an vielen Stellen liberale Gruppen. Die neugegründete Deutsche Forumpartei und die Ost-FDP waren die größten Akteure. Diese beiden Parteien schlossen sich zur ersten freien Volkskammerwahl 1990 mit der Blockpartei LDPD zum Bund Freier Demokraten zusammen. Um die Wahlchancen weiter zu verbessern, trat der Bund Freier Demokraten gemeinsam mit der Blockpartei NDPD zusammen. Das Wahlbündnis erreichte in Thüringen 5 % der Stimmen. Die genannten Parteien gingen 1990 in der FDP Thüringen auf.

Die FDP hatte durch die Integration der Blockparteien mit weit über 40.000 Mitgliedern die zweitgrößte Mitgliederzahl nach der in PDS umbenannte SED und noch vor der CDU. Die überwiegende Zahl dieser Mitglied verließ die Partei jedoch kurzfristig. 1992 waren noch 8.000 Mitglieder übrig. Auch in den Folgejahren sank die Mitgliederzahl kontinuierlich und halbierte sich bis heute.[3]

Bei der Landtagswahl in Thüringen 1990 erreichte die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Hartmut Sieckmann 9,3 % der Stimmen und konnte gemeinsam mit der CDU Thüringen die Regierung Kabinett Duchač bilden, in der die FDP drei Minister, darunter Ulrich Fickel als stellvertretenden Ministerpräsidenten stellte.

Nach Ablauf der ersten Wahlperiode begann eine lange Phase der außerparlamentarischen Opposition. Bei der Landtagswahl in Thüringen 1994 scheiterte die FDP mit 3,2 % der Stimmen an der Fünf-Prozent-Hürde. Noch desaströser fiel die Landtagswahl in Thüringen 1999 aus, bei der die FDP nur noch 1,1 % der Stimmen erhielt. Auch wenn die FDP bundesweit in der Krise war und von 1995 bis 2000 bundesweit in nur vier Landesparlamenten vertreten war, war dies das schlechteste Ergebnis der FDP seit ihrer Gründung. 2004 verdreifachte die FDP ihr Ergebnis auf 3,6 %, konnte aber erneut nicht in den Landtag einziehen.

 
Die Abgeordneten der FDP-Fraktion im 5. Thüringer Landtag: v. l. n. r. Lutz Recknagel, Dirk Bergner, Marian Koppe, Franka Hitzing, Uwe Barth, Heinz Untermann, Thomas L. Kemmerich

Erst bei der Landtagswahl in Thüringen 2009 gelang der Wiedereinzug in den Landtag. Mit 7,6 % der Stimmen und 7 Mandaten war die FDP unter Spitzenkandidat Uwe Barth viertstärkste Partei geworden. Die angestrebte schwarz-gelbe Koalition zu bilden, gelang aber aufgrund der erdrutschartigen Verluste der CDU nicht.

Nach einer Wahlperiode schied die FDP bei der Landtagswahl 2014 mit 2,5 % der Stimmen erneut aus dem Thüringer Landtag aus. Daraufhin stellte sich Uwe Barth nach elfjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wiederwahl als Landesvorsitzender; auf dem Landesparteitag im November 2014 wurde Franka Hitzing zu seiner Nachfolgerin gewählt. Sie trat jedoch schon im September 2015 zurück, so dass zunächst kommissarisch Dirk Bergner die Leitung des Landesverbandes übernahm, ehe im November 2015 Thomas L. Kemmerich zum Landesvorsitzenden gewählt wurde.[4]

Trotz der zeitweiligen Schwächen auf Landesebene gilt die Thüringer FDP als einer der stärksten kommunalpolitischen Landesverbände. Die FDP verfügt über 50 Bürgermeister und über 400 kommunale Mandatsträger.

ProgrammBearbeiten

Das aktuelle Programm der FDP Thüringen ist das "Wahlprogramm der FDP Thüringen für die 6. Legislaturperiode des Thüringer Landtages 2014–2019" unter dem Titel "Thüringen entscheidet".[5]

StrukturBearbeiten

OrganisationBearbeiten

 
FDP-Landesparteitag 2017 in Eisenach

Die FDP Thüringen gliedert sich in 21 Kreisverbände. Auf Landesebene ist der Landesparteitag das höchste Organ. Der Landesparteitag setzt sich aus den demokratisch gewählten Vertretern der Kreisverbände (Delegierte) zusammen. Zwischen den Parteitagen ist der Landesparteirat das zweithöchste Gremium der FDP Thüringen. Er besteht aus den Mitgliedern des Landesvorstandes, gewählte Vertretern der Kreisverbände und den Vertretern der liberalen Organisationen. Der Landesvorstand wird alle zwei Jahre gewählt. Seit 2010 besteht er aus insgesamt 15 gewählten Mitgliedern[6], wozu seit 2004 ein Generalsekretär gehört.

KreisverbändeBearbeiten

Die Thüringer FDP gliedert sich in folgende 21 Kreisverbände[7]:

  • Altenburger Land
  • Eichsfeld
  • Erfurt
  • Gera
  • Gotha
  • Greiz
  • Hildburghausen
  • Ilmkreis
  • Jena-Saale-Holzland
  • Kyffhäuserkreis
  • Nordhausen
  • Saale-Orla-Kreis
  • Saalfeld-Rudolstadt
  • Schmalkalden-Meiningen
  • Sömmerda
  • Sonneberg
  • Suhl
  • Unstrut-Hainich-Kreis
  • Wartburgkreis-Eisenach
  • Weimar
  • Weimarer Land

LandesfachausschüsseBearbeiten

Neun Landesfachausschüsse unterstützen die inhaltliche Arbeit der FDP Thüringen:

  • Bildung, Wissenschaft, Hochschule, Kunst
  • Innen, Justiz, Bund, Europa
  • Wirtschaft
  • Gesundheit, Familie, Soziales
  • Haushalt und Finanzen
  • Internationale Politik
  • Verkehr, Bau, Infrastruktur Umwelt, Landwirtschaft, Forsten
  • Netzpolitik, neue Medien und Medienkompetenz
  • Gleichstellung und Vielfalt

ParteivorsitzendeBearbeiten

 
Uwe Barth, langjähriger Landespartei- und Fraktionsvorsitzender
Jahre Vorsitzender
1990–1994 Andreas Kniepert
1994–1999 Peter Röhlinger
1999–1999 Heinrich Arens
1999–2002 Andreas Kniepert
2002–2003 Karlheinz Guttmacher
2003–2014 Uwe Barth
2014–2015 Franka Hitzing
2015 Dirk Bergner (kommissarisch)
seit 2015 Thomas L. Kemmerich

LandtagsfraktionBearbeiten

Die FDP-Fraktion im Thüringer Landtag wurde mit der Konstituierung des am 14. September 2014 gewählten Landtages aufgelöst. Von 2009 bis 2014 stellte die FDP Thüringen sieben Abgeordnete.

FraktionsvorsitzendeBearbeiten

Jahre Vorsitzender
1990–1994 Andreas Kniepert
2009–2014 Uwe Barth

WahlergebnisseBearbeiten

Ergebnisse
Landtagswahlen
8%
6%
4%
2%
0%
'90
'94
'99
'04
'09
'14

LandtagswahlenBearbeiten

Ergebnisse der Landtagswahlen[8]
Jahr Stimmen Sitze
1990 9,3 % 9
1994 3,2 % 0
1999 1,1 % 0
2004 3,6 % 0
2009 7,6 % 7
2014 2,5 % 0

Zur FDP-Fraktion im Thüringer Landtag 1990–1994 gehörten folgende Abgeordnete: Peter Backhaus, Jürgen Bohn, Ulrich Fickel, Maria-Elisabeth Grosse, Achim Häßler, Hartmut Sieckmann, Olaf Stepputat und Annett Stiebritz; der Fraktionsvorsitzende war Andreas Kniepert. Mit Jürgen Bohn, Ulrich Fickel und Hartmut Sieckmann stellte die FDP-Fraktion damals drei Landesminister; zudem war Fickel stellvertretender Ministerpräsident des Freistaats Thüringen.

Zur FDP-Fraktion im Thüringer Landtag 2009–2014 gehörten folgende Abgeordnete: Dirk Bergner, Franka Hitzing, Thomas L. Kemmerich, Marian Koppe, Lutz Recknagel (bis 31. Januar 2014, Nachrücker: Gisela Sparmberg) und Heinz Untermann; der Fraktionsvorsitzende war Uwe Barth.


Ergebnisse
Bundestagswahlen
15%
10%
5%
0%
'90
'94
'98
'02
'05
'09
'13
'17

BundestagswahlenBearbeiten

Bundestagswahlergebnisse[9]
Jahr Stimmen Sitze Abgeordnete
1990 14,6 % 3 Karlheinz Guttmacher, Eva Pohl,

Heinz Hübner (ausgeschieden im Mai 1992, Nachrücker: Christoph Schnittler)

1994 4,1 % 1 Karlheinz Guttmacher
1998 3,4 % 1 Karlheinz Guttmacher
2002 5,9 % 1 Karlheinz Guttmacher
2005 7,9 % 1 Uwe Barth (ausgeschieden im September 2009, Nachrücker: Patrick Kurth)
2009 9,8 % 2 Patrick Kurth, Peter Röhlinger
2013 2,6 %
2017 7,8 % 2 Thomas L. Kemmerich, Gerald Ullrich

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: FDP Thüringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Oskar Niedermayer: Parteimitglieder in Deutschland. Version 2018. (PDF; 1,8 MB) In: fu-berlin.de. Abgerufen am 8. August 2018.
  2. Martin Broszat, Gerhard Braas, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg, München 1993 (2. Auflage), ISBN 3-486-55262-7, Seite 981 Online, Seite 568
  3. Andreas Hallermann: Das Parteiensystem Thüringens; in: Uwe Jun, Melanie Haas, Oskar Niedermayer (Hrsg.): Parteien und Parteiensysteme in den deutschen Ländern, 2008, ISBN 3-531-15439-7, Seite 453–468
  4. Thomas Kemmerich ist neuer Thüringer FDP-Chef. Die Welt, 29. November 2015, abgerufen am 29. November 2015.
  5. FDP Landesverband Thüringen: FDP Thüringen - Die Liberalen online - Landtagswahl 2014. FDP Landesverband Thüringen, abgerufen am 15. Juni 2017.
  6. FDP Thüringen mit neuem Vorstand Landesparteitag 2010 in Bad Langensalza
  7. http://www.fdp-thueringen.de/gliederungen/index.html
  8. Ergebnisse der Landtagswahlen in Thüringen
  9. Ergebnisse früherer Bundestagswahlen. (PDF; 484 kB) In: bundeswahlleiter.de. 3. August 2015, abgerufen am 9. Oktober 2017.