Elgg

Gemeinde im Kanton Zürich in der Schweiz

Elgg (zürichdeutsch [elkː]) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des schweizerischen Kantons Zürich. Es ist eines der sechs historischen Zürcher Landstädtchen.

Elgg
Wappen von Elgg
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Zürich Zürich (ZH)
Bezirk: Winterthurw
BFS-Nr.: 0294i1f3f4
Postleitzahl: 8353 Elgg
8354 Dickbuch
8354 Hofstetten ZH
Koordinaten: 707760 / 262071Koordinaten: 47° 30′ 2″ N, 8° 52′ 8″ O; CH1903: 707760 / 262071
Höhe: 530 m ü. M.
Höhenbereich: 488–890 m ü. M.[1]
Fläche: 24,39 km²[2]
Einwohner: 4960 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 152 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
18,3 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Christoph Ziegler (glp)
Website: www.elgg.ch
Elgg Dorf.jpg

Lage der Gemeinde
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Über dieses Bild
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WappenBearbeiten

Blasonierung

In Rot ein silberner Balken, begleitet von drei schwarzen, goldgezungten Bärenköpfen mit goldenen Halsbändern (2, 1)
 
Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer von 1920

Das 1388 erstmals nachgewiesene Gemeindewappen ist eines der ältesten im Kanton. Lediglich die Wappen von Winterthur (1276), Grüningen (1370), Rheinau (1374) und Zürich (1384) sind älter.[5]

GeographieBearbeiten

Elgg liegt im oberen Eulachtal, ungefähr zwölf Kilometer östlich von Winterthur, unmittelbar an der Grenze zum Kanton Thurgau.

GeschichteBearbeiten

Vor Christi Geburt weisen archäologische Funde bei Quartier-Erschliessungsarbeiten auf der Breiti: 2 spätbronzezeitliche Urnengräber ohne Beigaben und 6 latènezeitliche, birnenförmige Gräber, 2 davon mit Kindern und zum Teil mit Steinen ausgelegten Grabsohlen. Die Gräber hatten exakte Ost-West-Ausrichtung und waren zusätzlich in einer 120 × 110 cm messenden Grube angelegt. Als Beigaben fanden sich eher ärmliche, z. T. vorgängig zerschlagene Keramikgefässe. Bei den Überresten einer weiblichen Toten fand sich eine einzige Potinmünze. Bei den Fundfragmenten unter den Belegen der Brandbestattungen waren auch metallene Trachtenbestandteile.[6]

Der Name «Elgg» wurde erstmals im Jahre 760 schriftlich als Ailaghoga (761/67: Ailihccaugia) in einer Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen erwähnt.[7] 1371 verlieh der Habsburger Herzog Leopold III. dem Ort das Stadtrecht. 1442 kauft Herdegen von Hinwil Schloss und Herrschaft Elgg; dessen Familie bestimmte während der folgenden 130 Jahre die Geschicke der Gemeinde, wobei den Bürgern gewisse Rechte wie die Wahl von drei Ratsherren zugestanden wurden. Im Jahre 1512 erhielt die Herrschaft von Papst Julius II. eigens ein wertvolles «Juliusbanner» für die 1508–1510 im «Grossen Pavierzug» geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.[8]

Nach verschiedenen weiteren Besitzerwechseln kaufte 1712 Generalmajor Hans Felix Werdmüller vom damaligen Besitzer Herkules von Salis-Marschlins die Gerichtsherrschaft Elgg. Die Familie Werdmüller besitzt das Schloss Elgg – seit 1715 als Fideikommiss der «Werdmüller von Elgg» – heute noch. Im Zuge der Helvetischen Revolution 1798 verzichteten die Werdmüllers auf sämtliche gerichtsherrschaftlichen Rechte, und Elgg gehört seither zum Kanton Zürich. In der damaligen Helvetischen Republik wurde Elgg als eine sogenannte Munizipalgemeinde, bestehend aus der politischen Gemeinde Elgg und der Zivilgemeinde Elgg, konstituiert. Nach mehreren Anläufen wurde 1990 die Zivilgemeinde abgeschafft.

1876 zerstörte ein Grossbrand das halbe Städtchen (42 Wohnhäuser, 47 Ökonomiegebäude etc.), welches anschliessend wieder aufgebaut wurde.[9]

Am 15. Januar 2017 entschieden die Stimmbürger in Hofstetten und Elgg, dass die bisher eigenständige politische Gemeinde Hofstetten ab 2018 Teil der Gemeinde Elgg sein wird.[10]

 
Grenzstein mit Hofstetten 1781

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1634 1018
1792 2103
1836 1038
1850 1182
1900 1420
1950 2184
2000 3593
2005 3700
2010 3897
2018 4821

PolitikBearbeiten

Der Gemeinderat, die Exekutive der Gemeinde, setzt sich aus 5 Vertretern und 2 Vertreterinnen der folgenden Parteien zusammen (Stand 2020): Lokalpartei «soso,elgg»: 3 (darunter Gemeindepräsident Christoph Ziegler/glp), SVP: 3, FDP: 1.

Bei den Nationalratswahlen 2019 betrugen die Wähleranteile in Elgg: SVP 36,87 %, SP 13,65 %, glp 13,58 %, FDP 11,29 %, Grüne 10,28 %, EVP 5,78 %, CVP 3,60 %, EDU 2,25 %, und BDP 1,38 %.[11]

WirtschaftBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Elgg wird im Stundentakt durch die S 35 WinterthurWil der S-Bahn Zürich, welche von der Thurbo-Regionalbahn betrieben wird, bedient. Seit Dezember 2018 bedient neu auch im Stundentakt, im Rahmen der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn, die Linie S 12 BruggAltstettenZürich HBStadelhofenWinterthurSchaffhausen/Wil den Bahnhof Elgg. Ab diesem verkehren mehrere Postautolinen:

680 Elgg — Hofstetten ZH — Schlatt ZH — Elsau — Winterthur

681 Elgg, Bahnhof — Elgg, Dorf — Hagenbuch ZH

682 Elgg — Hofstetten ZH — Oberschlatt — Girenbad (fährt nur an Wochenenden)

Die Autobahnanschlüsse Matzingen, Oberwinterthur und Attikon, an den Autobahnen A1 und A7 sind innert weniger Minuten zu erreichen.

KirchenBearbeiten

In Elgg gibt es zwei Kirchen:

Kunst und KulturBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Altes Schützenhaus von 1638, rechts ist der Bogenansatz des einstigen Obertors erhalten, eines der drei Tore der Stadtbefestigung

Sehenswert ist der Dorfkern, der vier Hauptgassen mit Riegelhäusern und den Lindenplatz umfasst. Dort steht auch das bedeutendste Bauwerk des Zürcher Landstädtchens, die 2003/2004 renovierte, mit bedeutenden Wandmalereien geschmückte spätgotische Kirche von 1516, deren Anfänge auf das 8./9. Jahrhundert zurückgehen. Das über dem Flecken thronende Schloss Elgg geht auf eine Burg aus dem 12. Jahrhundert zurück und gehört seit Jahrhunderten der privaten Familienstiftung der «Werdmüller von Elgg».

Ein Museum in einer der alten Weintrotten am Humberg präsentiert altes Handwerk das im Städtchen Tradition hatte, wie die Kammmacherei, die Zinngiesserei und den Ofenbau.

BrauchtumBearbeiten

Die Einwohner pflegen jedes Jahr am Aschermittwoch den historischen Brauch des «Äschli».[13][14] Das ist ein Umzug von schulpflichtigen Knaben in historischen Gewändern, der an die einstigen militärischen Musterungen erinnert und erstmals Anfang des 16. Jahrhunderts gefeiert wurde. Ähnliche Bräuche, genannt Umezug, leben noch im Zürcher Oberland in den Gemeinden Fischenthal und Wald.[15]

Ebenfalls seit Jahrhunderten wird jährlich anfangs Sommer der sogenannte «Waldumgang» durchgeführt. Jeweils am Freitag vor dem 6. Dezember findet der alljährliche Klausmarkt statt. Von April bis Anfang Dezember ist jeden Samstag Markttag mit Frischprodukten, welche zum grössten Teil aus Elgg und der Umgebung stammen.

SportBearbeiten

Der 1922 gegründete FC Elgg spielte in den Saisons 1995–1997 in der 2. Liga (damals vierthöchste Schweizer Liga). Seit der Saison 2015 spielt die 1. Mannschaft in der 3. Liga.

In der höheren Ligen ist hingegen der Faustballverein FB Elgg bzw. die Spielgemeinschaft «Elgg-Ettenhausen» unterwegs, die in der Nationalliga A spielt.

Der Unihockeyclub Elgg (UHC Elgg) spielt derzeit (2019) in der 2. Liga.

Des Weiteren gibt es im Dorf einen Turnverein, einen Damenturnverein, einen Tennisclub, einen Reitverein, einen Schützenverein, einen Unihockeyclub und weitere Sportvereine.

LiteraturBearbeiten

  • Ueli Müller: Elgg. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • K. Hauser: Geschichte der Stadt, Herrschaft und Gemeinde Elgg. Buchdruckerei H. Büche, Elgg 1895.
  • Ulrich Beringer: Der grosse Brand von Elgg am 9. Juli 1876. Ein Erinnerungsblatt. Elgg 1926.
  • Karl Mietlich: Geschichte der Stadt, Herrschaft und Gemeinde Elgg. Volksverlag, Elgg 1946.
  • Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kanton Zürich. Band 7: Der Bezirk Winterthur. Südlicher Teil. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1986 (Kunstdenkmäler der Schweiz 76), ISBN 3-7643-1786-8, S. 282–417.
  • Helmut Jaeckel, Conrad Schneider: Elgger Leben Elgg Erleben. Obergass, Winterthur 2006, ISBN 978-3-033-00796-3.
  • Markus Stromer: Geschichte des Landstädtchens Elgg. Chronos, Zürich 2010, ISBN 978-3-0340-1053-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Elgg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BFS – generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Wie die Gemeinde zu ihrem Wappen kam. In: Der Landbote. 22. Juni 2017, abgerufen am 21. September 2018.
  6. Andreas Mäder, Christian Winkel: Elgg-Breiti: Brandstellen, Gruben, Gräber der Spätbronzezeit; Graben, Gräber der Latènezeit. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 15. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 2000, ISBN 3-905647-28-1, S. 15–16.
  7. Vergleiche – auch zur ungelösten Namendeutung – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 318 f.
  8. Winfried Hecht: Das Juliusbanner des zugewandten Ortes Rottweil. In: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. 126/7 (1973/4). doi:10.5169/seals-118647
  9. Der ganze Abschnitt nach Markus Stromer: Geschichte des Landstädtchens Elgg.
  10. Reto Flury: Gemeindefusionen: Elgg schluckt Hofstetten. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. Januar 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 22. Januar 2017]).
  11. Wahlen 2019. Abgerufen am 23. Mai 2020.
  12. Roland Böhmer: Die reformierte Kirche von Elgg. (= Schweizerische Kunstführer, Nr. 849, Serie 85). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2009, ISBN 978-3-85782-849-2.
  13. Website der Aschermittwoch-Gesellschaft: Die Geschichte des Äschli
  14. Der Elgger-Brauch «Äschli» auf der Gemeinde-Website
  15. Gemeinde Wald ZH: Knabenumezüge. In: Webseite der Gemeinde Wald ZH. Gemeinde Wald ZH, 2019, abgerufen am 28. Januar 2022.