Turbenthal

Gemeinde in der Schweiz
Turbenthal
Wappen von Turbenthal
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Winterthurw
BFS-Nr.: 0228i1f3f4
Postleitzahl: 8488
UN/LOCODE: CH TUR
Koordinaten: 706277 / 254802Koordinaten: 47° 26′ 8″ N, 8° 50′ 51″ O; CH1903: 706277 / 254802
Höhe: 550 m ü. M.
Fläche: 25,07 km²
Einwohner: 4900 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 195 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
20,01 %
Gemeindepräsident: Georg Brunner
Website: www.turbenthal.ch
Turbenthal

Turbenthal

Karte
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Turbenthal [ˈtʊrbənˌtaːl] (im einheimischen Dialekt: [ˈtʊːrbəˌtaːl]) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz.

NameBearbeiten

Der Name des Dorfes ist erstmals im Jahr 825 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen als Turbatuntale belegt, dann 829 als Turbatun und noch 1330 als Turbaten. Er dürfte auf eine keltische Form *Turbādūnum mit der Bedeutung ‚befestigte Siedlung am Flusse Turbā‘ zurückgehen; Turbā (< idg. *twer- ‚drehen, wirbeln‘) wäre dabei der alte Name der Töss.[2]

WappenBearbeiten

Blasonierung

In Rot ein schrägrechter, silberner Balken, belegt mit drei blauen Ringen.

GeographieBearbeiten

Die im oberen Tösstal gelegene Gemeinde zählt mit ihren 25,07 km² zu den grösseren des Kantons und umfasst neben dem Dorf Turbenthal zahlreiche weitere Ortschaften. Seit dem frühen 19. Jahrhundert bestanden auf dem heutigen Gemeindegebiet zehn Zivilgemeinden:[3]

Diese wurden bis 1930 nach und nach alle aufgelöst, ihre Aufgaben gingen an die politische Gemeinde über.[4]

Vom Gemeindegebiet sind 58 % bewaldet, 35 % werden landwirtschaftlich genutzt, 4 % sind Siedlungsflächen und 3 % entfallen auf Verkehrsbauten. Der mit 540 m ü. M. tiefste und zugleich westlichste Punkt der Gemeinde befindet sich auf der Grenze zur Gemeinde Zell ZH an der Töss, der höchste auf 842 m an der Grenze zu Hofstetten.

GeschichteBearbeiten

Um das Jahr 700 wurde in der Region um Turbenthal das Christentum eingeführt. In einer Urkunde aus dem Jahre 858 übertrug ein Reginbert seinen Besitz und seinen Anteil an der „Basilika in Turbanturn“ dem Kloster St. Gallen. Das Kloster übte in den folgenden Jahrhunderten Einfluss auf die Kirche aus.

1328 wurde in Dokumenten erstmals die Stammburg des Adelsgeschlechtes von Breitenlandenberg erwähnt, das damals nicht nur im Tösstal Macht besass. Die Burg stand „hoch über dem Dorf“ Turbenthal. Die grosse Burganlage wurde 1804 abgebrochen. Teile davon wurden in Häuser eingebaut und sind teilweise noch erhalten. Bis 1452 gehörte die Gemeinde Turbenthal zum Gebiet der Grafschaft Kyburg. Als die Stadt Zürich die Grafschaft kaufte, wurde das Dorf zürcherisch.

Im 17. Jahrhundert wurde Turbenthal bekannt durch die zahlreichen grossen Spinnereien und Webereien. Das Dorf litt unter Hungersnöten. Nach einer schweren Krise wurde die Hausindustrie durch die Fabrikindustrie abgelöst. Erste Baumwollspinnereien entstanden. 1830 erhielt das Dorf den traditionellen Jahrmarkt, der auch heute noch im Frühling und im Herbst stattfindet.

1875 wurde die Tösstalbahn durch das Dorf gebaut. Vor 1920 trat die Töss mehrmals über die Ufer und richtete teilweise verheerende Schäden an. In den 1930er Jahren wurde das Flussbett mit Schwellen saniert.

OrtsmuseumBearbeiten

Das Ortsmuseum Turbenthal[5] befindet sich im ehemaligen Ökonomieteil des Stiefelhauses. Seit 1988 wurden Gegenstände des früheren Brauchtums, des Handwerks und der Heimindustrie aus dem Tösstal zusammengetragen. Im Ortsmuseum können auch Künstler aus der Region ihr Schaffen vorstellen. Besondere Bedeutung haben die ausgestellten Gegenstände aus dem persönlichen Nachlass der Schriftstellerin Olga Meyer. Sie hat in ihren Romanen Anneli, Sabinli oder Gesprengte Fesseln das frühere Leben im Tösstal beschrieben.

PolitikBearbeiten

Gemeindepräsident ist Georg Brunner (FDP) (Stand 2010).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Reformierte Kirche, 1512 erbaut, 858 als basilika in Turbanturn erwähnt

Auf dem Gebiet von Turbenthal gibt es vier Kirchen:

  • Die evangelisch-reformierte Kirche im Ortskern von Turbenthal wurde unmittelbar vor der Reformation in den Jahren 1510 bis 1512 erbaut. Der alte Turm musste zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen werden. Seit 1904 prägt der heutige, viel höhere Turm das Dorfbild.[6]
  • Im Weiler Sitzberg befindet sich die zweite evangelisch-reformierte Kirche auf Turbenthaler Boden. Sie ist vor allem bekannt wegen ihrer Barockorgel, die in den Jahren 1741–1743 durch den Orgelbaumeister Georg Friedrich Schmahl aus Ulm erstellt wurde.[7]
  • Die römisch-katholische Kirche von Turbenthal ist die Herz-Jesu-Kirche. Sie befindet sich an der Schulstrasse und ist ein Gesamtkunstwerk des Künstlers Emil Sutor. Sie stammt aus dem Jahr 1934.
  • Die evangelisch-methodistische Kirche steht an der Tösstalstrasse und wurde 1902 erbaut.[8]

ReligionBearbeiten

Von den 4891 Menschen in der Gemeinde sind 40 Prozent reformierter Konfession und 18 Prozent katholisch (Stand Ende 2019).[9]

VerkehrBearbeiten

Die Tösstalbahn verbindet das Dorf seit 1875 mit der Stadt Winterthur und verkehrt heute als Teil des Zürcher Verkehrsverbundes regelmässig als S 26 WinterthurBaumaRüti ZH und S 11 AarauLenzburgDietikonZürich HBStettbachWinterthurSeuzach/Sennhof-Kyburg (– Wila) . Im Sommer kann man Spezialfahrten mit den alten Dampflokomotiven durch das Tösstal geniessen.

Ab Turbenthal, Bahnhof verkehren folgende Postautolinien:

805 Turbenthal — Hutzikon — Girenbad

806 Turbenthal — Bichelsee — Ithaslen — Dussnang

807 Turbenthal — Wila — Schmidrüti — Sitzberg

825 Turbenthal — Wildberg — Ehrikon — Madetswil — Russikon — Pfäffikon ZH

Turbenthal ist für den Strassenverkehr ein Verkehrsknotenpunkt Richtung St. Gallen, Rapperswil SG, Winterthur, Frauenfeld und Uster.

Der nächste bediente Bahnhof befindet sich in Winterthur-Seen.[10]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Alfred Marxer (1876–1945), Kunstmaler und Grafiker, geboren in Turbenthal.

LiteraturBearbeiten

  • Hans Martin Gubler, Kunstdenkmäler der Schweiz Band 76 „Die Kunstdenkmäler des Kanton Zürich Band 7 Der Bezirk Winterthur Südlicher Teil“ Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK Bern 1986 ISBN 3-7643-1786-8 S. 24–111.

WeblinksBearbeiten

Commons: Turbenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Andres Kristol, Turbenthal ZH (Winterthur) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG), Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 891.
  3. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 6: Tavetsch Val – Zybachsplatte, Supplement – letzte Ergaenzungen – Anhang. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1910, S. 212, Stichwort Turbenthal.
  4. Website der Gemeinde Turbenthal (Geschichte) (Memento vom 24. Februar 2011 im Internet Archive)
  5. Verein für ein Ortsmuseum in Turbenthal: Ortsmuseum Turbenthal. Abgerufen am 1. Dezember 2014.
  6. Website der Evangelisch-reformierten Kirche Turbenthal. Abgerufen am 29. April 2014.
  7. Website der Reformierten Kirche Sitzberg. Abschnitt Barockorgel. (Memento vom 8. August 2011 im Internet Archive) Abgerufen am 29. April 2014.
  8. Website der evangelisch-methodistischen Kirche Turbenthal. Abgerufen am 29. April 2014.
  9. https://statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/daten/gemeindeportraet_kanton_zuerich.html#a-content Statistik ZH (abgerufen am 7. Februar 2020)
  10. Haltestellenfahrpläne. Abgerufen am 25. Februar 2019.