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Rheinau ZH

Gemeinde im Kanton Zürich, Schweiz
ZH ist das Kürzel für den Kanton Zürich in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Rheinauf zu vermeiden.
Rheinau
Wappen von Rheinau
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Andelfingenw
BFS-Nr.: 0038i1f3f4
Postleitzahl: 8462
Koordinaten: 687566 / 277706Koordinaten: 47° 38′ 39″ N, 8° 36′ 14″ O; CH1903: 687566 / 277706
Höhe: 400 m ü. M.
Fläche: 8.96 km²
Einwohner: 1299 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 145 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
20,1 % (31. Dezember 2016)[2]
Gemeindepräsident: Andreas Jenni (SP)
Website: www.rheinau.ch
Rheinau gesehen von Westen

Rheinau gesehen von Westen

Karte
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Über dieses Bild
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Rheinau ist eine politische Gemeinde im Bezirk Andelfingen des Schweizer Kantons Zürich.

WappenBearbeiten

Blasonierung:

In Blau ein gestreckter linkssteigender silberner Salm

Das Wappen aus dem Jahr 1374 ist nach den Wappen von Winterthur und Grüningen, aber noch vor jenem Zürichs, das drittälteste Wappen des Kantons Zürich.[3]

GeographieBearbeiten

Bei Rheinau bildet der Rhein eine Doppelschleife. Die Ortschaft liegt in der westlichen Schleife gegenüber der Rheininsel mit dem ehemaligen Kloster Rheinau. Der Rhein wurde für das Kraftwerk Rheinau gestaut. Die Ortschaft grenzt in drei Himmelsrichtungen an die Bundesrepublik Deutschland. Von der Gemeindefläche dienen 26,7 % der Landwirtschaft, 54,8 % sind mit Wald bedeckt, 4,2 % sind Verkehrsfläche und 7,1 % Siedlungsgebiet, 7,0 % sind Gewässer.

 
Rheinschleife mit Rheininsel Rheinau
 
Rheinau, historisches Luftbild von 1929, aufgenommen aus 500 Metern Höhe von Walter Mittelholzer

BevölkerungBearbeiten

  • Bevölkerungsdichte: 150,7 Einw./km2
  • Anzahl Haushalte: 591 (Stand: 2000)
  • Konfessionszugehörigkeit: 34 % evangelisch-reformiert, 31 % römisch-katholisch, 35 % andere oder keine konfessionelle Zugehörigkeit (Stand: 2017)[4]

PolitikBearbeiten

Die SVP hat 29,10 %, die SP 20,60 %, die Grünen 10,34 %, die CVP 10,26 %, die glp 7,82 %, die FDP 6,99 %, die BDP 5,59 % und die EVP 2,22 % der Wählerstimmen (Nationalratswahl 2011).[5]

Gemeindepräsident ist Andreas Jenni (Stand 2018).

Die Gemeinde erregte anfangs Juni 2018 Aufmerksamkeit, als die SP-Gemeinderätin Karin Eigenheer verkündete, dass der Gemeinderat an der örtlichen Bevölkerung das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) testen möchte. Das Projekt wurde von der aargauer Filmemacherin Rebecca Panian initiiert.[6] Sie versuchte, über Crowdfunding die Mittel dafür einzuwerben.[7] Für das Vorhaben wurden im Juni 2018 Freiwillige gesucht, welche das Projekt unterstützen und dabei als Geldempfänger mitmachen möchten. Ab 2019 soll jeder Rheinauer über 25 Jahren die Möglichkeit bekommen, ein Jahr lang einen Grundbetrag von monatlich CHF 2500 zu erhalten.[7] Wenn jedoch ein Empfänger mehr verdient als CHF 2500, kann dieser kein BGE mehr beziehen.[8] Es handelt sich also um eine Supplementation des Einkommens auf CHF 2500 und demnach wurde die angepriesene Bedingungslosigkeit bereits kritisiert.[9] Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass die Finanzierung nicht zustande kam.[10]

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • 1870 Johann Wipf (Pater Pirmin), (1802–1874)
  • 1923 Friedrich Ris, (1867–1931)
  • 1943 Rupert Nieberl, (1872–1949)

GeschichteBearbeiten

Die Geschichte von Rheinau beginnt in der Bronzezeit (vgl. Altenburg-Rheinau). Später, der Legende nach 778, wurde das Kloster Rheinau gegründet. Im Jahr 1126 befestigte Graf Rudolf von Lenzburg die beim Kloster entstandene Siedlung Rheinau. Gegen den stärker werdenden Anspruch der Grafen von Sulz wurde 1455 mit der Eidgenossenschaft ein Schutzvertrag abgeschlossen, der das Kloster zunächst vor weiteren Übergriffen der benachbarten klettgauischen Adelsfamilien bewahrte. Von Zürich her griff 1529 die Reformation auch auf Rheinau über. 1532 wurde das Kloster wiederhergestellt und entwickelte sich zu einem Zentrum der Gegenreformation.

Während der Wirren nach dem französischen Einmarsch in die Schweiz im Jahr 1798 wurde das Kloster vorübergehend aufgelöst, 1803 im Rahmen der Mediation aber wiederhergestellt. Das Gebiet des Klosters mit dem Städtchen Rheinau wurde dem wiederhergestellten Kanton Zürich zugeordnet. In den Abteigebäuden auf der Insel wurde nach der Aufhebung des Klosters 1862 bis 2000 eine psychiatrische Klinik untergebracht.[11] Seit Anfang 2000 stehen 5000 m² ehemalige Klosterräume leer und sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden. Der Verein Pro Insel Rheinau koordiniert die kommunalen Interessen und begleitet die Neunutzung der kantonalen Räumlichkeiten auf der Klosterinsel.

HexenprozesseBearbeiten

In den Jahren 1618 und 1619 wurden in Rheinau 7 Hexen verbrannt. Per Zufall entdeckte der Historiker Stephan Aregger um die Jahrtausendwende in den Beständen des Staats- und Klosterarchivs Gerichtsunterlagen zu den Hexenprozessen. Zum 400 Jahr Jubiläum veröffentlichte er 2019 diese Unterlagen.

Um 1611 starben 200 von 500 Einwohnern des Städtchens Rheinau an der Pest. Im Zuge der Kleinen Eiszeit plagten Hungersnöte die Bevölkerung. Das soziale Gefüge in der Gemeinde war schwer erschüttert und der Glaube an die Existenz des Teufels und in die Magie war allgegenwärtig. Besonders Witfrauen gerieten rasch in den Verdacht, Hexen zu sein. 1618 wurden in Rheinau Magdalena Muntelin sowie die Witwen Verena Binder und Anna Schildknecht auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im März 1619 wurden Regula Kempf und Ursula Rapold, ebenfalls Witwen, hingerichtet. Am 4. September 1619, anlässlich der dritten Folter, machte die verheiratete Regula Manz unter Qualen ein umfassendes Geständnis: Pakt mit dem Teufel, Teufelsbuhlschaft, Hexenritt und Teilnahme am Hexensabbat auf dem Heuberg bei Jestetten. Auch ein Schadenszauber hatte sie gestanden. Sie habe dem Kind ihrer Schwester eine Spinne in den Mund gesteckt, worauf dieses gestorben sei. Am 3. Oktober wurde sie, zusammen mit Margaretha Manser, auf dem Galgenbuck enthauptet und anschliessend verbrannt. Die Aschen der 7 Opfer wurden irgendwo verscharrt. Auch kein Eintrag im Totenbuch sollte an sie erinnern. Die Tilgung aus der kollektiven Erinnerung war erfolgreich und hielt fast 400 Jahre.

Da Rheinau zu dieser Zeit mit dem Kloster ein eigenes Territorium unter eidgenössischer Schirmherrschaft war und noch nicht zum Kanton Zürich gehörte, werden diese 7 Hexenprozesse nicht zu den seit 2019 durch die Forschung des Staatsarchivar Otto Sigg bekannten 84 Zürcher Hexenprozesse mit Todesfolge gezählt.[12][13]

Forensische KlinikBearbeiten

Im August 2007 wurde nach zwei Jahren Bauzeit in Rheinau die forensische Klinik PUKZH fertiggestellt. Der Klinik angegliedert ist ein Gefängnis. Es werden psychisch kranke Straftäter aus der gesamten Deutschschweiz aufgenommen.

Möglicher Endlager-StandortBearbeiten

Schon seit den 1990er Jahren gilt das Zürcher Weinland aufgrund seiner Opalinuston-Gesteinsschichten im geologischen Untergrund als möglicher Standort für ein Endlager von radioaktiven Abfällen. Im Januar 2015 hat die Nagra ihre ergebnisoffene Suche mit drei Standorten für hoch radioaktive Abfälle (HAA) und sechs Standorten für schwach- und mittel radioaktive Abfälle (SMA) auf zwei Standorte eingeschränkt: Die Region Bözberg im Aargau und das Zürcher Weinland. Beide Standorte eignen sich demnach auch für ein kombiniertes Lager HAA und SMA und werden von der Nagra als die geologisch-technisch geeignetsten Standorte eingestuft. Welcher Standort (allenfalls wären es auch beide, einer für HAA und einer für SMA) schliesslich ausgewählt wird, entscheiden im weiteren Verlauf des Verfahrens Nagra und ENSI sowie auf politischer Ebene das Bundesparlament und allenfalls eine Volksabstimmung.

Die Oberflächen-Anlagen für das Lager befänden sich auf dem Gebiet der Gemeinden Rheinau ZH und Marthalen.[14]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 7). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1938, DNB 365803030.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 20. September 2017.
  3. Wie die Gemeinde zu ihrem Wappen kam. In: Der Landbote. 22. Juni 2017, abgerufen am 21. September 2018.
  4. Statistisches Amt des Kantons Zürich – Datenbank (Gemeindeporträts), abgerufen am 24. Juni 2018.
  5. Nationalratswahlen 2011: Hochrechnung, Resultate, Stimmbeteiligung. (Nicht mehr online verfügbar.) Statistisches Amt des Kantons Zürich, archiviert vom Original am 3. April 2013; abgerufen am 29. September 2014.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.zh.ch
  6. Raffaela Angstmann: Rheinau will das Grundeinkommen testen | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. Juni 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 6. Juni 2018]).
  7. a b Charlotte Theile: Ein Dorf testet das Grundeinkommen. In: sueddeutsche.de. 6. Juni 2018, abgerufen am 10. Juni 2018.
  8. Zürcher Gemeinde Rheinau will Grundeinkommen testen. In: Tages-Anzeiger, Tages-Anzeiger. ISSN 1422-9994 (https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/zuer cher-gemeinde-rheinau-will-grundeinkommen-testen/story/29596646 [abgerufen am 6. Juni 2018]).
  9. www.20minuten.ch, 20 Minuten, 20 Min, www.20min.ch: Zürcher Gemeinde will Grundeinkommen testen. In: 20 Minuten. (20min.ch [abgerufen am 6. Juni 2018]).
  10. «Für Rheinau hat sich das Grundeinkommen bezahlt gemacht». In: tagesanzeiger.ch. 4. Dezember 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  11. Vergleiche dazu Birgit Schoop-Russbült: Psychiatrischer Alltag in der Autobiographie von Karl Gehry (1881–1962). Medizinische Dissertation, Zürich 1989 (= Zürcher medizingeschichtlicher Abhandlungen, 204)
  12. Warum in Rheinau 7 Hexen verbrannt wurden In: Landbote vom 2. September 2019 (nur über Paywall abrufbar)
  13. Sieben Hexen auf 500 Einwohner In: Schaffhauser Nachrichten vom 10. September 2019 (nur über Paywall abrufbar)
  14. Standortgebiete für geologische Tiefenlager, sicherheitstechnischer Vergleich: Vorschläge für Etappe 3 (Memento des Originals vom 11. Februar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nagra.ch (PDF, 7,5 MB) der Nagra vom Januar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.