Dieter Mann

deutscher Schauspieler

Dieter Mann (* 20. Juni 1941 in Berlin; † 3. Februar 2022 ebenda) war ein deutscher Intendant, Regisseur, Schauspieler, Hörspielsprecher und Hochschullehrer. Seinen Durchbruch hatte er in den 1970er-Jahren in Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W. als junger Rebell Edgar Wibeau, den er über 300-mal auf der Bühne spielte.[1] In seiner Karriere spielte er in etlichen Theaterinszenierungen und in über 140 Film- und Fernsehproduktionen. Zwischen 1984 und 1991 war er Intendant des Deutschen Theaters Berlin. Zudem war er Mitglied der Akademie der Künste der DDR und seit 1993 der Akademie der Künste Berlin angeschlossen.

Dieter Mann, 2007

LebenBearbeiten

Herkunft und AusbildungBearbeiten

Dieter Mann wurde als Sohn eines Arbeiters in Berlin-Tiergarten geboren und besuchte die Grundschule in Berlin-Pankow. Er absolvierte nach seinem Schulabschluss eine Lehre als Dreher im VEB Kühlautomat Berlin. Von 1955 bis 1957 war er als Facharbeiter im VEB Schleifmaschinenwerk Berlin tätig. Nach dem Abitur an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Friedrich Engels in Berlin begann er 1962 ein Studium an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin.

PrivatesBearbeiten

Dieter Mann hatte einen älteren Bruder, der als Auslandskorrespondent tätig war. Er lebte mit seiner Ehefrau bei Königs Wusterhausen am Krüpelsee. Seine im Juni 1980 geborene Tochter Pauline Knof ergriff wie ihre Mutter Barbara Schnitzler und ihr Vater ebenfalls den Schauspielberuf. Im Mai 2016 gab er bei einer Lesung am Deutschen Theater Berlin bekannt, dass er an Parkinson erkrankt sei.[2]

KarriereBearbeiten

 
Dieter Mann (Mitte) mit Inge Keller (l.) und Mathilde Danegger (r.), 1966

TheaterBearbeiten

Noch während des Studiums wurde Mann 1964 von seinem Lehrer Friedo Solter an das Deutsche Theater (DT) verpflichtet[3] und hatte seinen ersten großen Erfolg als Wolodja in Unterwegs von Wiktor Rosow.

Dieter Mann war von 1964 bis 2006 festes Mitglied im Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin, wo er eine Vielzahl von Rollen in zeitgenössischen und klassischen Theaterinszenierungen verkörperte, u. a. den Tempelherrn in Gotthold Ephraim Lessings Nathan der Weise, den Clavigo in Goethes Trauerspiel, mehr als 300-mal den jungen Rebellen Edgar Wibeau in Die neuen Leiden des jungen W.,[1] den Truffaldino in Goldonis Diener zweier Herren, den Demetrius im Sommernachtstraum, den Wehrhahn in Hauptmanns Biberpelz, den Kreon in der Antigone von Sophokles und den Odysseus in Ithaka von Botho Strauß.

Nach seinem Ausscheiden aus dem festen Engagement trat Mann beim Deutschen Theater weiterhin als Gast und zudem in diversen Rollen am Berliner Ensemble und am Staatsschauspiel Dresden auf. Engagements als Gastschauspieler führten ihn an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das Schauspiel Frankfurt, die Wiener Festwochen, die Sächsische Staatsoper Dresden sowie an das Staatsschauspiel Dresden, die Bregenzer Festspiele, das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Wiener Burgtheater und das Theater Basel. Mann hielt auch diverse Lesungen und trat mit literarischen Soloabenden auf.

Film und FernsehenBearbeiten

1965 gab Mann sein Filmdebüt in Gerhard Kleins Berlin um die Ecke in der Rolle des jungen Metallbetriebsarbeiters Olaf, der gemeinsam mit seinem Freund Horst gegen das schlechte Arbeitsklima angeht. Die Dreharbeiten wurden seinerzeit von der SED unterbrochen, da der Film zu kritisch erschien. Die Uraufführung fand erst 1987 statt.

Bereits ab Januar 1965 gestaltete Dieter Mann – oft mit Gitarre und eigenem Gesang – als Präsentator die Anfänge des Jugendfernsehens im Deutschen Fernsehfunk. Basar hieß dieses unterhaltende Studiomagazin; es bot Musik, Interpreten und Themen für 12- bis 16-Jährige an und wurde bis 1972 ausgestrahlt.[4]

Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre trat er vornehmlich in Nebenrollen auf. 1968 besetzte ihn Konrad Wolf in der Rolle des Willi Lommer in seinem Spielfilm Ich war neunzehn. Unter Rainer Simon spielte er in dem DEFA-Märchenfilm Wie heiratet man einen König? den Bauern. In Frank Beyers Vierteiler Die sieben Affären der Doña Juanita übernahm er die Rolle des Lewerenz. In der Thomas-Mann-Verfilmung Lotte in Weimar spielte er 1975 den Diener Karl. 1976 agierte er in dem Fernseh-Zweiteiler Auf der Suche nach Gatt, der auf einem Roman von Erik Neutsch basiert, als Bergarbeiter Eberhard Gatt, der eine Karriere als Redakteur und Journalist anstrebt und während eines Abendkurses seine zukünftige Frau kennenlernt, in der Titelrolle. 1978 war er in einer Hauptrolle in Bruno Kappels Adaption des Franz-Josef-Degenhardt-Stoffes Brandstellen unter der Regie Horst E. Brandts zu sehen. Eine weitere Hauptrolle hatte Mann 1980 als der in der Midlife-Crisis befindliche vierzigjährige Bibliothekar Karl Erp in Herrmann Zschoches Glück im Hinterhaus, der frei auf dem Roman Buridans Esel von Günter de Bruyn beruht. 1981, als er am 2. Mai die Samstagabendshow Ein Kessel Buntes moderierte, war er Fernsehliebling der Zeitschrift FF dabei. Damit honorierte das Publikum auch Manns komödiantische Darstellung der Hauptrolle in dem Fernsehschwank So ein Mann, den Hans-Joachim Preil für ihn geschrieben hatte. 1986 trat er in allen sieben Episoden von Christa Mühls Weihnachtsgeschichten in unterschiedlichen Verkleidungen und Rollen auf.

 
Dieter Mann im Hörspielstudio, 1990

Nach der Wende war Mann in einigen Produktionen auf der Kinoleinwand und im Fernsehen zu sehen. Er übernahm wiederholt Gastauftritte, u. a. in Serien wie A.S. – Gefahr ist sein Geschäft, Peter Strohm, Tresko, Ein starkes Team, Stubbe – Von Fall zu Fall, In aller Freundschaft, Rosa Roth, Bella Block und mehrfach im Tatort. Von 1998 bis 2007 war er neben Ulrich Mühe als Prof. Dr. Siegmar Bondzio in der Serie Der letzte Zeuge zu sehen.

In Frieder Wittichs Filmkomödie 13 Semester übernahm er die Rolle des Professors Schäfer der TU Darmstadt. Seine letzte Leinwandrolle spielte er 2011 an der Seite von Renate Krößner in Vergiss dein Ende als der an Demenz leidende Günter. Seine letzte Rolle vor der Kamera hatte er 2014 an der Seite von Michael Gwisdek, Anna Loos, Ursula Karusseit, Jutta Wachowiak und Marie Gruber in Udo Wittes Fernsehkomödie Die letzten Millionen.

2020 erhielt Mann den Ehrenpreis des Deutschen Schauspielpreises 2020 für sein Lebenswerk.[5]

HörspielarbeitenBearbeiten

Dieter Mann betätigte sich auch als Hörspielsprecher. Ab 1968 wirkte er kontinuierlich in zahlreichen Hörspielproduktionen für den Rundfunk der DDR mit. 2001 las er gemeinsam mit seinen Schauspielkollegen Otto Sander, Ulrich Mühe, Dagmar Manzel und Katharina Thalbach im Rahmen von Die Lieblingsgedichte der Deutschen. 100 Gedichte mehrere Gedichte ein, u. a. Stufen von Hermann Hesse.[6]

Theatrografie (Auswahl)Bearbeiten

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

KinoBearbeiten

FernsehenBearbeiten

FernsehfilmeBearbeiten

Fernsehserien und -reihenBearbeiten

Hörspiele und FeaturesBearbeiten

Tonträger (Auswahl)Bearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Dieter Mann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Berliner Morgenpost – Berlin: Der Berliner Intendant Dieter Mann blickt auf sein Leben zurück. 20. Mai 2016, abgerufen am 20. Mai 2016 (deutsch).
  2. Sebastian Bauer: Schauspieler Dieter Mann: "Ich leide an Parkinson". In: bz-berlin.de. 27. Mai 2016, abgerufen am 27. Mai 2016.
  3. Früherer Intendant des Deutschen Theaters in Berlin: Schauspieler Dieter Mann ist tot. In: Der Tagesspiegel. 3. Februar 2022, abgerufen am 3. Februar 2022.
  4. Dieter Mann bei fernsehenderddr.de
  5. Ehrenpreis für Dieter Mann im späten Sommer der Gerechtigkeit. In: Berliner Zeitung. 20. August 2020, abgerufen am 20. August 2020.
  6. Gerd Ueding: Fülle und Vielfalt. In: Die Welt, 20. Januar 2001.
  7. Dieter Mann bei filmportal.de