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Sachsen Radio sendete ab Juli 1990 auf dem Gebiet des späteren Bundeslandes Sachsen sein Programm auf den ehemaligen Frequenzen von Radio DDR II. Das Programm war der direkte Nachfolger zu den ehemaligen Bezirksendern in Leipzig, Dresden und Chemnitz/Karl-Marx-Stadt. Sachsen Radio sendete sein Programm aus dem Leipziger Funkhaus Springerstraße, in dem ab 1992 auch der Hörfunk des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) untergebracht war.

GeschichteBearbeiten

Am 18. Juni 1990 war der Journalist Manfred Müller unter der Regierung von Ministerpräsident Lothar de Maizière zum Landesrundfunkdirektor des Landes Sachsen berufen worden. Müller organisierte für das sich eben von der Zentralgewalt des ehemaligen DDR-Rundfunks emanzipierende Sachsen Radio mit seinen Regionalstudios in Dresden und Chemnitz Aufbaukredite vom Bayerischen Rundfunk und holte sich erfahrene Mitarbeiter aus der Bundesrepublik Deutschland in sein Direktorium: als technischen Direktor Werner Hinz vom Deutschlandfunk, den Erfinder des Hinz-Trillers für den ARI-Verkehrsfunkdecoder, Detlef Kühn vom Gesamtdeutschen Institut als Verwaltungsdirektor und als Chefredakteur Uwe Eckhard Böttger vom Deutschlandfunk. In der zehn Monate währenden Amtszeit Müllers gelang es ihm, aus einem Regionalstudio, das vordem täglich sechsstündige Programmfenster für Radio DDR I zugeliefert hatte, eine Sendeanstalt mit zweieinhalb Vollprogrammen – Sachsen 1, Sachsen 2 und Sachsen 3 – zu formieren. Am 19. April 1991 wurde Manfred Müller vom Rundfunkbeauftragten der Einrichtung gemäß Artikel 36 des Einigungsvertrages, Herrn Rudolf Mühlfenzl entlassen.[1]

Bis zur endgültigen Abwicklung lag die Leitung von Programm und Personal in den Händen des Verwaltungsdirektors Detlef Kühn und des kommissarischen Landesrundfunkdirektor Dr. Detlef Rentsch.

Mit der Novelle des Rundfunkstaatsvertrages für die fünf neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung wurde am 31. Mai 1991 der MDR als Dreiländeranstalt für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründet. Am 1. Januar 1992 nahmen die Programme des Mitteldeutschen Rundfunks ihren Sendebetrieb auf.[2]

Das Sachsen Radio fand seinen Nachfolger vor allem in MDR 1 Radio Sachsen und in MDR Kultur. So wurde am 10. Juli 1991 eine erste Programm-Konzeption für einen MDR-Kulturkanal – damals noch MDR 3 genannt – erarbeitet und dem Gründungsintendanten des Mitteldeutschen Rundfunks als Vorschlag zugeleitet.[3]

ProgrammeBearbeiten

Sachsen Radio strahlte mit Sachsen 1 zunächst nur ein Regionalprogramm für Sachsen aus. Das Programm bestand im Wesentlichen aus aktuellen regionalen Informationen, Schlagern, Pop und Unterhaltung. Bekannteste Sendung war der „Sachsendreier“. In den Morgen- und Nachmittagsstunden wurde das Programm regional nach Leipzig, Dresden und Chemnitz/Karl-Marx-Stadt auseinandergeschaltet.

Binnen weniger Wochen gingen die Vollprogramme Sachsen 2 und Sachsen 3 auf Sendung.

Sachsen 2 war zunächst als Kultur- und Klassikprogramm konzipiert, später bekam das Programm ein „Morgenmagazin“ und ein „Mittagsmagazin“, welches stark an die Magazinsendungen der westdeutschen öffentlich-rechtlichen Hörfunksender WDR 2 oder SWF3 erinnerte. Allerdings behielt Sachsen 2 die übrige Sendezeit einen Informations- und Kulturcharakter und sendete Features, Diskussionsrunden und ausgewählte Musik.

Sachsen 3 war zunächst als Pop- und Jugendwelle konzipiert, sendete aber aufgrund von Frequenzsplit mit den nationalen Programmen von Radio DDR nur von 19 bis 24 Uhr. 19 Uhr begann das Programm mit der Sendung „Powerplay“ – im Anschluss folgte um 22 Uhr die Sendung „Moonwalker“. Einer der bekanntesten Sachsen 3 Moderatoren war Frank Schmidt, der später auch für MDR Life hinter dem Mikrofon saß. Am 1. März 1991 änderte sich die Programmfarbe von Sachsen 3 grundlegend. Da das Programm ohne Genehmigung des damaligen Rundfunkbeauftragten Rudolf Mühlfenzl auf Sendung ging, drohte die Abschaltung. Quasi in Nacht- und Nebelaktionen entwickelte binnen weniger Februartage und -nächte eine Handvoll eingeweihter Redakteure klammheimlich ein Programmschema für einen Kultursender. Sachsen 3 – Kultur stand aufgrund seiner programmlichen Veränderungen nun weiterhin eine tägliche Sendezeit von 19.00 Uhr bis 2.00 Uhr nachts zur Verfügung.[3]

BesonderheitenBearbeiten

Im Gegensatz zu den anderen Regionalradios der damaligen DDR (in Brandenburg Antenne Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern RMV 1 und temporär Ferienwelle RMV 2, in Thüringen Thüringen 1 und in Sachsen-Anhalt Radio Sachsen-Anhalt), erweiterte Sachsen Radio kontinuierlich sein Programmangebot. In den Abendstunden wurden ganze drei Programme von Sachsen Radio ausgestrahlt.

Sachsen Radio war das größte Regionalradio der DDR und das einzige mit eigenen Orchestern und Chören sowie einer Hörspielproduktion. Improvisation wurde bei Sachsen Radio großgeschrieben. Da es an Senderäumen fehlte, wurden im Funkhaus und in einem Nachbarhaus kurzerhand Büros entsprechend umgebaut. So beherbergte beispielsweise ein einfaches Zimmer den Sprecherraum für das Kulturprogramm, als Regieraum diente ein Ü-Wagen im Hof, Sichtkontakt zur Technik bestand nur über einen Monitor.[4]

EinzelnachweiseBearbeiten