Debstedt

Ortschaft in der Stadt Geestland

Debstedt (niederdeutsch Debst) ist eine Ortschaft in der Stadt Geestland im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen).

Debstedt
Stadt Geestland
Wappen von Debstedt
Koordinaten: 53° 37′ 18″ N, 8° 38′ 11″ O
Höhe: 4 m ü. NHN
Fläche: 12,92 km²
Einwohner: 2064 (30. Jun. 2017)
Bevölkerungsdichte: 160 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Eingemeindet nach: Langen
Postleitzahl: 27607
Vorwahl: 04743
Debstedt (Niedersachsen)
Debstedt

Lage von Debstedt in Niedersachsen

Debstedt in der Stadt Geestland
Debstedt in der Stadt Geestland
Debstedt von oben

GeografieBearbeiten

Nachbarorte
Sievern Hymendorf
Langen   Drangstedt
Stadt Bremerhaven
(Freie Hansestadt Bremen)
Wehden
(Gemeinde Schiffdorf)

(Quelle:[1])

GeschichteBearbeiten

Das Kirchdorf besteht schon seit dem 11. Jahrhundert und war vor wenigen Jahrhunderten ein regional bedeutsamer Mittelpunkt und Marktort der damaligen Börde Debstedt im Amt Bederkesa.[2] Die Börde umfasste die Kirchspiele Holßel und Debstedt. Um 797 ließ Karl der Große die erste Kirche errichten, die zur Wallfahrts- und Wehrkirche wurde.[2]

Die Dionysiuskirche Debstedt wurde um 1200 gebaut und nach einem Brand 1913 wiedererbaut. Im einflussreichen Kirchspiel Debstedt waren ebenfalls Debstedterbüttel, Langen, Sievern, Wehden, Laven und Spaden eingepfarrt.[3] Heute gehören nur noch Debstedt, Sievern und Wehden dazu.

Während der Franzosenzeit gehörte Debstedt zur Kommune Lehe. Nach dem Sieg über Napoleon wurde das Amt Bederkesa wiederhergestellt und Debstedts Zugehörigkeit dazu ebenfalls. 1840 bekam das Dorf den Status einer Landgemeinde. Nach der Auflösung des Amtes gehörte die Gemeinde zum Amt Lehe (1852–1885), Kreis Lehe (1885–1932), Landkreis Wesermünde (1932–1977) beziehungsweise Landkreis Cuxhaven.

Bei einem Brand vom 13. Juli 1912 wurde die Kirche weitgehend zerstört sowie 26 von 56 vorhandenen Wohnhäusern und Gehöften des Dorfes.

Ende der 1950er Jahre wurde die Stadtbuslinie L der Verkehrsgesellschaft Bremerhaven AG von Friedrichsruh bis zur Gemeindegrenze Langen/Debstedt verlängert; so erhielt Debstedt eine regelmäßige, im Takt fahrende, ÖPNV-Anbindung.[4]

EingemeindungenBearbeiten

Im Jahr 1971 schloss sich die Kommune als Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Langen an, die jedoch 1974 aufgelöst wurde. Seit der Gebietsreform in Niedersachsen am 1. März 1974 gehörte Debstedt politisch zur Gemeinde Langen und seit 1990 zur Stadt Langen.[3]

Seit dem 1. Januar 2015 ist Debstedt ein Ortsteil der neugegründeten Stadt Geestland.[5]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Quelle
1910 472 [6]
1925 564 [7]
1933 657 [7]
1939 664 [7]
1950 12040 [8]
1956 10750 [8]
1973 11690 [9]
2017 2064 ¹

¹ laut Infobox

 

PolitikBearbeiten

OrtsratBearbeiten

Der Ortsrat von Debstedt setzt sich aus einer Ratsfrau und fünf Ratsherren folgender Parteien zusammen:[10]

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

OrtsbürgermeisterBearbeiten

Der Ortsbürgermeister von Debstedt ist Bernd Krüger (Bürgerfraktion). Sein Stellvertreter ist Sven von Glahn (CDU).[10]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Kommunalwappens von Debstedt stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der sämtliche Wappen im Landkreis Cuxhaven entworfen hat.[11]

Blasonierung: „In Blau auf zwei silbernen liegenden, abgewandten Löwen zwei zottige, goldene Männer, ein goldenes gotisches Taufbecken auf ihren Schultern tragend.“[11]
Wappenbegründung: Das im Jahre 1497 gegossene Taufbecken in der Kirche ist ein Wahrzeichen der Gemeinde.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

VereineBearbeiten

In Debstedt gibt es:

  • zwei Gesangsvereine – Seemanns-Chor Debstedt (gegründet 1984) und Singkreis Debstedt
  • einen Hundesportverein
  • einen Oldtimerverein
  • einen Schützenverein
  • einen Heimat- und Museumsverein
  • einen Sportverein
  • die Dorfjugend[12]

PersönlichkeitenBearbeiten

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen

  • Dietrich Martin Matthaei (1708–1762), Pastor zu Debstedt, Sohn des evangelisch-lutherischen Geistlichen und Pädagogen Otto Matthaei
  • Justus Alexander Saxer (1801–1875), lutherischer Theologe und Generalsuperintendent der Generaldiözese Bremen-Verden, er war von 1844 bis 1847 Pastor in Debstedt
  • Georg Haccius (1847–1926), Theologe und von 1890 bis 1926 Direktor der Hermannsburger Mission, er war von 1889 bis 1890 Pfarrer in Debstedt
  • Jan Bohls (1863–1950), Zoologe, Privatgelehrter, Volkskundler und Heimatforscher, eines seiner Projekte war eine Ausgrabung am Debstedter Galgenberg
  • Alfred Sasse (1870–1937), Architekt, er leitete 1913 den Wiederaufbau der Dionysiuskirche in Debstedt
  • Eduard Rüther (1871–1941), Historiker und Gymnasiallehrer, er veröffentlichte 1938 die Chronik von Debstedt – Ein Heimatbuch für Dorf, Börde und Kirchspiel Debstedt (Kreis Wesermünde)
  • Gerhard van Heukelum (1890–1969), Politiker (SPD), Oberbürgermeister von Bremerhaven und Senator in der Freien Hansestadt Bremen, starb in Debstedt
  • Paul Ernst Wilke (1894–1971), Maler des Impressionismus, er lebte u. a. in Debstedt
  • Hans Aust (1926–1984), Lehrer und prähistorischer Archäologe, seit 1966 war er als Kreisarchäologe des Landkreises Cuxhaven tätig, erste praktische archäologische Erfahrungen sammelte er 1949 bei der Ausgrabung eines Grabhügels bei Debstedt
  • Petra Jäschke (* 1960), Politikerin (SPD), von 2015 bis 2019 Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft, sie war im Internat der Seeparkschule Wesermünde in Debstedt tätig
  • Manuela Mahnke (* 1965), Politikerin (SPD), von 2007 bis 2015 Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft und ist seit 2015 Bürgermeisterin der Gemeinde Nottuln, sie war von 2000 bis 2003 als Verwaltungsleiterin bei der DRK-Behindertenhilfe in Debstedt tätig

LiteraturBearbeiten

  • Artur Burmeister: Einst ein Schmuckstück des Dorfes. Die Holländerwindmühle von Debstedt. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 812. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven August 2017, S. 3 (Digitalisat [PDF; 8,1 MB; abgerufen am 13. Juli 2019]).
  • Artur Burmeister: Galgenaufstellung und Hinrichtung in Debstedt. Alle 30 bis 40 Jahre ein makaberes Volksfest am „Hügel des Grauens“. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 835. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Juli 2019, S. 2–3 (Digitalisat [PDF; 5,6 MB; abgerufen am 30. Juli 2019]).

WeblinksBearbeiten

 Commons: Debstedt – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Übersichtskarte Landkreis Cuxhaven. In: cuxland-gis.landkreis-cuxhaven.de. November 2016, abgerufen am 23. Dezember 2019.
  2. a b Aus Debstedts Geschichte. In: debstedt.de. Abgerufen am 5. Februar 2018.
  3. a b Fritz Hörmann, Ude Meyer, Christian Morisse, Eberhard Nehring, Irmgard Seghorn, Egon Stuve, Else Syassen: Flurnamensammlung Wesermünde – Die Flurnamen des Grundsteuerkatasters von 1876. Hrsg.: Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde (= Neue Reihe der Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. Band 27). Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1995, ISBN 3-931771-27-X, S. 5 ([Digitalisat (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive) ] [PDF; 431 kB; abgerufen am 23. Oktober 2019]).
  4. Paul Homann: Bremerhavens Streckennetze (ÖPNV) seit 1881. (PDF; 2,5 MB) In: Webseite BremerhavenBus. S. 33 (Lesezeichen 10. Dezember 1958), abgerufen am 22. Dezember 2019.
  5. Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Gesetz über die Neubildung der Stadt Geestland, Landkreis Cuxhaven. Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 26/2012. Hannover 8. November 2012, S. 430, S. 4 (Digitalisat [PDF; 454 kB; abgerufen am 25. September 2018]).
  6. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Lehe. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 16. April 2019.
  7. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Wesermünde (Siehe unter: Nr. 14). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. a b Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1957 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 25. September 1956, für das Saarland 31. Dezember 1956). W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 192 (Digitalisat).
  9. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 47, Landkreis Wesermünde (Digitalisat [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 22. Dezember 2019]).
  10. a b Der Ortsrat von Debstedt. In: Bürgerinformationssystem der Stadt Geestland. Abgerufen am 5. Februar 2018.
  11. a b Landkreis Wesermünde (Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-9800318-0-2.
  12. Die Dorfjugend von Debstedt stellt jedes Jahr an Pfingsten einen Maibaum auf. Diese Aktion dauert fünf Tage. In den fünf Tagen lernt sich die Dorfjugend kennen und verbringt Zeit zusammen, wenn sie den Maibaum aus dem Wald holt, den Kranz bindet und ihn zum Schluss mit Hilfe von Baumgabeln aufstellt. Jedes Jahr werden aus der Dorfjugend die Ältesten als Betreuer eingesetzt. Teilnehmen darf man nach seiner Konfirmation. Nachdem der Baum aufgestellt wurde, fährt die Jugend auf einem Treckeranhänger durchs Dorf und singt Lieder. Pfingsten fahren alle gemeinsam nach Steinau.