Hauptmenü öffnen

Sievern

Ortschaft in der Stadt Geestland im Landkreis Cuxhaven

Sievern (niederdeutsch Sievern) ist eine Ortschaft in der Stadt Geestland im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen).

Sievern
Stadt Geestland
Wappen von Sievern
Koordinaten: 53° 38′ 44″ N, 8° 36′ 16″ O
Höhe: 5 m ü. NHN
Fläche: 16,3 km²
Einwohner: 1631 (30. Jun. 2017)
Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Eingemeindet nach: Langen
Postleitzahl: 27607
Vorwahl: 04743
Sievern (Niedersachsen)
Sievern

Lage von Sievern in Niedersachsen

Sievern in der Stadt Geestland
Sievern in der Stadt Geestland
Blick aus der Luft über den Sieverner See hinweg auf Sievern

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Das an der Landesstraße 135 gelegene Dorf liegt nördlich vom Stadtteil Langen.

GeschichteBearbeiten

FrühgeschichteBearbeiten

In Sievern lässt sich eine deutlich frühere Besiedlung der Gegend seit ungefähr 3.000 vor Christus nachweisen.[1]

Konzentrationen qualitätvoller Funde, darunter vier Goldhorte (Goldbrakteaten), und eine für den norddeutsch-südskandinavischen Raum einzigartige Konzentration befestigter Siedlungen aus der späten Vorrömischen Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit, der Völkerwanderungszeit sowie des frühen Mittelalters zeigen, dass im Raum Sievern während des 1. Jahrtausends n. Chr. ein Machtzentrum bestanden hat, das den politischen, wirtschaftlichen und kultischen Mittelpunkt für das Elbe-Weser-Dreiecks darstellte. Sievern weist deutlich Parallelen zu den in den vergangenen Jahrzehnten in Südskandinavien erforschten Zentralplätzen oder Reichtumszentren wie Gudme (DK), Sorte Muld (DK) und Uppåkra (S) (neuerdings auch Füsing an der Schlei) auf, ohne dass beim derzeitigen Forschungsstand Aussagen zur Struktur des eisenzeitlichen Sievern möglich wären.

Von der Ersterwähnung bis heuteBearbeiten

Der Ort Sievern wurde 1139 erstmals in einer Urkunde des Bremer Erzbischofs Adalbero erwähnt.

Sievern im Kirchspiel Debstedt gehörte früher zur Börde Debstedt und um 1768 bis 1852 zum Amt Bederkesa. 1840 bekam das Dorf den Status einer Landgemeinde. Die Zugehörigkeit der Gemeinde änderte sich später zum Amt Lehe (1852–1885), Kreis Lehe (1885–1932), Landkreis Wesermünde (1932–1977) beziehungsweise Landkreis Cuxhaven.

1942 fand ein Bauer beim Torfstechen zwölf Goldbrakteaten aus dem frühen 6. Jahrhundert.

Das Dorf mit dem Wochenendgebiet Sieverner See, den Attraktionen am Vorgeschichtswanderweg und der Lage am Alten Postweg ist auch ein Ferienort.

EingemeindungenBearbeiten

Zur Optimierung der Verwaltungsstrukturen schloss sich Sievern der Samtgemeinde Langen von 1971 bis 1974 als Mitgliedsgemeinde an.[2]

Seit dem 1. März 1974 gehörte Sievern zur Gemeinde, ab 1990 Stadt Langen.[3]

Am 1. Januar 2015 wurde Langen in die Stadt Geestland eingegliedert, sodass Sievern nun eine Ortschaft von Geestland ist.[4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 2017
Einwohner 625 681 703 746 1136 1631

(Quellen: 1910,[5] 1925–1939,[6] 1950,[7] 2017 laut Infobox)

PolitikBearbeiten

OrtsratBearbeiten

Der Ortsrat von Sievern setzt sich aus einer Ratsfrau und sechs Ratsherren folgender Parteien zusammen:[8]

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

Ortsbürgermeister/inBearbeiten

Die Ortsbürgermeisterin von Sievern ist Rita Dehn (Bürgerfraktion, WG in Geestland). Ihr Stellvertreter ist Reiner Feldmann (CDU).[8]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Sieverner Kommunalwappens stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Albert de Badrihaye, der sämtliche Wappen im Landkreis Cuxhaven entworfen hat.[9]

Blasonierung: „In Grün über erniedertem silbernem Wellenbalken ein gestürztes silbernes Schwert in fränkischer Form mit goldenem Griff, beseitet von je einer schräggestellten goldener Ähre.“[9]
Wappenbegründung: Der Wellenbalken deutet auf die Aue. Ein fränkisches Schwert ist in Sievern gefunden worden und soll auf die Pipinsburg hinweisen. Die Ähren sind Sinnbilder der Landwirtschaft, des Haupterwerbszweiges der Gemeinde.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BaudenkmaleBearbeiten

Siehe: Liste der Baudenkmale in Sievern

NaturdenkmalBearbeiten

Die Pipinsburg erhebt sich am Sieverner Auetal als ein mächtiger Rundwall. Diese Burg ist während des Normanneneinfalls entstanden.[10] Das genaue Alter ist unbekannt. In der Nähe befinden sich mit Bülzenbett und Heidenschanze bei Sievern (Grabhügel) weitere Kultstätten.

MuseumBearbeiten

Das John Wagener Haus befindet sich im Privatbesitz.

SageBearbeiten

Die Hexe von Sievern

SportvereineBearbeiten

Der TSV Sievern von 1911 e. V. bietet an: Yoga, Badminton, Fußball, Turnen/Bokwa/Zumba, Schwimmen und Tischtennis. Die 1. Herren-Fußballmannschaft war bis 2002 in der Niedersachsenliga vertreten, der höchsten Spielklasse in Niedersachsen. Im Jugendfußball gibt es eine Spielgemeinschaft mit dem TSV Holßel und dem TSV Neuenwalde. In jeder Altersklasse existiert mindestens eine Mannschaft.

Literatur zur FrühgeschichteBearbeiten

  • Karl Hauck: Goldbrakteaten aus Sievern. Spätantike Amulett-Bilder der „Dania Saxonica“ und die Sachsen-„Origo“ bei Widukind von Corvey. In: Münstersche Mittelalter-Schriften. Band 1. Fink Verlag, München 1970.
  • Matthias D. Schön: Grabfunde der Römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit bei Sievern, Ldkr. Cuxhaven. Hrsg.: Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung (= Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet. Band 27). Isensee Verlag, Oldenburg 2001, ISBN 978-3-89598-878-3, S. 75–248.
  • Wolf Haio Zimmermann: Sievern. 1. Archäologisch (= Johannes Hoops, Heinrich Beck, Dieter Geuenich [Hrsg.]: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band 28). 2. Auflage. De Gruyter Verlag, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 368–374.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ortschaft Sievern. In: Internetseite der Stadt Geestland. Abgerufen am 17. Mai 2019.
  2. Fritz Hörmann u. a.: Flurnamensammlung Wesermünde – Die Flurnamen des Grundsteuerkatasters von 1876. Hrsg.: Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde (= Sonderveröffentlichungen der „Männer vom Morgenstern“ Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. Band 27). Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1995, ISBN 3-931771-27-X (Digitalisat (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive) [PDF; 431 kB; abgerufen am 15. März 2019] S. 19).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 249.
  4. Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Gesetz über die Neubildung der Stadt Geestland, Landkreis Cuxhaven. Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 26/2012. Hannover 8. November 2012, S. 430 (Digitalisat [PDF; 454 kB; abgerufen am 17. Mai 2019] S. 4).
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Lehe. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: www.gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 17. Mai 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Wesermünde (→ Siehe unter: Nr. 77). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Köln 1950, S. 52, Sp. 2 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 17. Mai 2019] Landkreis Wesermünde, S. 61).
  8. a b Der Ortsrat von Sievern. In: Internetseite Bürgerinformationssystem der Stadt Geestland. Abgerufen am 17. Mai 2019.
  9. a b Landkreis Wesermünde (Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-9800318-0-2.
  10. Informationen rund um Sievern. In: Internetseite Ferienort Sievern. Archiviert vom Original am 21. März 2011; abgerufen am 17. Mai 2019.