Neuenwalde

Ortschaft in der Stadt Geestland im Landkreis Cuxhaven

Neuenwalde (niederdeutsch Niewohl) ist eine Ortschaft in der Stadt Geestland im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven.

Stadt Geestland
Wappen von Neuenwalde
Koordinaten: 53° 40′ 40″ N, 8° 40′ 50″ O
Höhe: 8 m ü. NHN
Fläche: 32,14 km²[1]
Einwohner: 1747 (30. Jun. 2017)
Bevölkerungsdichte: 54 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Eingemeindet nach: Langen
Postleitzahl: 27607
Vorwahl: 04707
Neuenwalde (Niedersachsen)
Neuenwalde

Lage von Neuenwalde in Niedersachsen

Neuenwalde in der Stadt Geestland
Neuenwalde in der Stadt Geestland
Windpark
Neuenwalde von oben

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Das Dorf liegt nordöstlich von Langen sowie zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. In Neuenwalde kreuzen sich die Landesstraßen 118 und 119. Westlich befindet sich außerdem die eigene Anschlussstelle an der Bundesautobahn 27.

NachbarorteBearbeiten

Midlum
(Gemeinde Wurster Nordseeküste)
Krempel Wanna
(Samtgemeinde Land Hadeln)
Holßel   Flögeln
Sievern Hymendorf

(Quelle:[2])

GeschichteBearbeiten

ErsterwähnungBearbeiten

Die Ortschaft wurde 1334 erstmals urkundlich erwähnt.[3]

EingemeindungenBearbeiten

Im Jahr 1971 bildeten die Gemeinden Krempel, Holßel, Hymendorf und Neuenwalde die Samtgemeinde Neuenwalde mit selbständigen Mitgliedsgemeinden. Die Samtgemeinde wurde jedoch zur Gebietsreform in Niedersachsen wieder aufgelöst und ihre Mitgliedsgemeinden am 1. März 1974 der neugebildeten Einheitsgemeinde Langen zugeordnet.[3] Diese schloss sich zum 1. Januar 2015 mit den Gemeinden der Samtgemeinde Bederkesa zur neuen Stadt Geestland zusammen.[4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 1956 1973 2017
Einwohner 816 854 884 892 1551 1390 1407 1747 ¹
Quelle [5] [6] [6] [6] [7] [7] [1]

¹ laut Infobox

PolitikBearbeiten

OrtsratBearbeiten

Der Ortsrat von Neuenwalde setzt sich aus einer Ratsfrau und sechs Ratsherren folgender Parteien zusammen:[8]

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

Ortsbürgermeister/inBearbeiten

Die Ortsbürgermeisterin von Neuenwalde ist Ellen Frank (CDU). Ihr Stellvertreter ist Peter Bley (CDU).[8]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Kommunalwappens von Neuenwalde stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Albert de Badrihaye, der im Landkreis Cuxhaven an die 80 Wappen entworfen hat.[9]

Blasonierung: „In Rot auf grünem, mit silbernen Wellenstreifen belegten Schildfuß ein silberner Glockenturm mit goldener Glocke in schwarzem Schallloch, goldenem Tor und goldenem Kreuz auf der Spitze.“[9][10]
Wappenbegründung: Der Glockenturm erinnert an das 1334 nach Neuenwalde verlegte Kloster, das für die Entwicklung des Dorfes die größte Bedeutung hatte. Der silberne Wellenstreifen auf grünem Schildfuß weist auf den Mühlenbach in den Wiesen hin.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Damenstift Neuenwalde
  • Kloster Neuenwalde: 1219 wurde in Midlum am Rande des Geestrückens Hohe Lieth durch die Edelherren von Diepholz auf ihrem Erbgut der Vorläufer des Klosters Neuenwalde gegründet. Die dortigen Benediktinerinnen mussten wegen der Feindschaft mit den Bewohnern des Landes Wursten zweimal umziehen, zunächst 1282 nach Altenwalde und schließlich 1334 nach Neuenwalde. Um 1571 wurde die Reformation eingeführt. In den Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges ist das Kloster wegen eines nicht eingehaltenen Vertrages der schwedischen Besatzer abgebrannt worden.[11] Der Wiederaufbau ging in dieser schwierigen Zeit nur unter erheblichen Kostenaufwand und sehr langsam voran. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erhielt 1683 die Ritterschaft des Herzogtums Bremen-Verden das Kloster von den damaligen schwedischen Landesherren unter König Karl XI. Die Absicht war, den unverheirateten Töchtern der Adeligen eine unabhängige Versorgungsstätte als Konventualinnen des Klosters zu bieten. Bis 2015 wurde das Kloster von einer Priorin geleitet. Noch heute (2018) wird das Kloster von Konventualinnen bewohnt. Seit 2014 werden Teile des Gebäudekomplexes aufgrund eines Kooperationsvertrages vom Evangelischen Bildungszentrum Bad Bederkesa genutzt.
  • Heilig-Kreuz-Kirche: Die Kirche des Klosters ist seit ihrer Gründung auch die Pfarrkirche für Neuenwalde und Krempel. Die Kreuzreliquie, der sie geweiht wurde, ist seit 1334 dort erwähnt. Im Jahr 1629 fielen Dach und Inneneinrichtung einem Großbrand zum Opfer. Mit dem Wiederaufbau zwischen 1630 und 1634 erhielt sie ihre heutige Gestalt und einen großen Teil der Inneneinrichtung. Der Glockenturm zeigt sich seit seinem Bau im Jahre 1334 bis heute nahezu unverändert.

FotogalerieBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen

  • Levin von Marschalck (um 1585–1629), erzstiftisch-bremischer Landdrost und Kanzler der Deutschen Kanzlei von König Christian IV. von Dänemark und Norwegen, Propst des Klosters Neuenwalde
  • Carl Johann Heinrich Röver (1851–1929), Orgelbauer in Stade, er schuf 1887 die Orgel der örtlichen Heilig-Kreuz-Kirche
  • Heinrich Rüther (1866–1954), lutherischer Geistlicher und Heimatforscher, von 1892 bis 1912 Pastor in Neuenwalde, Historiker des Klosters Neuenwalde und des Landes Hadeln
  • Reinhard Hübner (1902–1989), Historiker und evangelischer Pfarrer, im Ruhestand wurde er Klosteramtmann in Neuenwalde
  • Lukas Strobel, alias Alligatoah (* 1989), Rapper, Sänger, DJ und Produzent, unter seinem Künstlernamen vermarktet er die beiden fiktiven Figuren Kaliba 69 (Rapper) und DJ Deagle (Produzent), deren Rollen er selbst übernimmt und spielt, wuchs in Neuenwalde auf

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Rüther: Urkundenbuch des Klosters Neuenwalde. Reprint. Hrsg.: Ev.-luth. Kirchengemeinde. Books on Demand Verlag, Neuenwalde 2002, ISBN 3-8311-3167-8 (Erstausgabe: Hahn’sche Buchhandlung, Hannover/Leipzig 1905, Hrsg.: Stader Verein für Geschichte und Altertümer mit Unterstützung der Bremischen Ritterschaft).
  • Robert Wöbber, Friedel Dohrmann (Red.): Festschrift Neuenwalde 1334–1984. Eigenverlag, Bremerhaven 1984.
  • Heinz-Joachim Schulze, Ulrich Faust (Bearb.): Neuenwalde. In: Bayerische Benediktiner-Akademie München, Abt-Herwegen-Institut Maria Laach (Hrsg.): Die Frauenklöster in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen (= Germania Benedictina. Band 11). EOS Verlag, St. Ottilien 1984, ISBN 3-88096-611-7, S. 429–446.
  • Wolf Haio Zimmermann: Die früh- bis hochmittelalterliche Wüstung Dalem, Gem. Langen-Neuenwalde, Kr. Cuxhaven. Archäologische Untersuchungen in einem Dorf des 7.–14. Jahrhunderts. In: Horst Wolfgang Böhme (Hrsg.): Siedlungen und Landesausbau zur Salierzeit. In den nördlichen Landschaften des Reiches (= Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Monographien (Mainz)). Teilband 1. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4135-7, S. 27, 37–46.
  • Fritz Hörmann, Ude Meyer, Christian Morisse, Eberhard Nehring, Irmgard Seghorn, Egon Stuve, Else Syassen: Flurnamensammlung Wesermünde – Die Flurnamen des Grundsteuerkatasters von 1876. Hrsg.: Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde (= Neue Reihe der Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. Band 27). Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1995, ISBN 3-931771-27-X, S. 16 ([Digitalisat (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive) ] [PDF; 431 kB; abgerufen am 23. Oktober 2019]).
  • Dirk Behrens: Kloster Neuenwalde: zur Geschichte des ehemaligen Nonnenklosters und heutigen Damenstiftes Neuenwalde sowie der Heilig-Kreuz-Kirche in Neuenwalde. Hrsg.: Bremische Ritterschaft in Stade. Eigenverlag, Stade 2008, OCLC 245796653 (OCLC-Ausgabe von 1993).
  • Thomas Sterba: Herders neues Klösterlexikon. Herder Verlag, Freiburg 2010, ISBN 3-451-30500-3, S. 541.

WeblinksBearbeiten

Commons: Neuenwalde – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 48, Landkreis Wesermünde (Digitalisat (Memento vom 7. August 2019 im Internet Archive) [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 3. Juni 2020]).
  2. Übersichtskarte Landkreis Cuxhaven. In: cuxland-gis.landkreis-cuxhaven.de. November 2016, abgerufen am 27. März 2020.
  3. a b Ortschaft Neuenwalde. In: Webseite Stadt Geestland. Abgerufen am 11. Mai 2019.
  4. Gesetz über die Neubildung der Stadt Geestland, Landkreis Cuxhaven. In: Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 26/2012. Hannover 8. November 2012, S. 430, S. 4 (Digitalisat [PDF; 454 kB; abgerufen am 11. Mai 2019]).
  5. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Lehe. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 5. Januar 2020, abgerufen am 27. März 2020.
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Wesermünde (Siehe unter: Nr. 66). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. a b Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1957 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 25. September 1956, für das Saarland 31. Dezember 1956). W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 192 (Digitalisat).
  8. a b Der Ortsrat von Neuenwalde. In: Bürgerinformationssystem der Stadt Geestland. Abgerufen am 11. Mai 2019.
  9. a b Landkreis Wesermünde (Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-9800318-0-2.
  10. Neuenwalde. In: Webseite GenWiki (Genealogienetz). Abgerufen am 11. Mai 2019.
  11. K. Gebhardt: Neuenwalder Dienstrolle „des Klosters“ entziffert. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 230. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Februar 1969, S. 3–4 (Digitalisat [PDF; 3,7 MB; abgerufen am 14. März 2019]).