Bischofszell

Gemeinde im Kanton Thurgau in der Schweiz

Bischofszell ist eine Kleinstadt und politische Gemeinde im Bezirk Weinfelden des Schweizer Kantons Thurgau. Bei Bischofszell mündet die Sitter in die Thur. Bischofszell hat als Industriestandort eine regionale Zentrumsfunktion.

Bischofszell
Wappen von Bischofszell
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Weinfelden
BFS-Nr.: 4471i1f3f4
Postleitzahl: 9220
UN/LOCODE: CH BCZ
Koordinaten: 735216 / 262573Koordinaten: 47° 30′ 0″ N, 9° 14′ 0″ O; CH1903: 735216 / 262573
Höhe: 506 m ü. M.
Höhenbereich: 455–619 m ü. M.[1]
Fläche: 11,58 km²[2]
Einwohner: 5907 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 510 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
26,4 % (31. Dezember 2020)[4]
Website: www.bischofszell.ch
Bischofszell, im Hintergrund Alpstein

Bischofszell, im Hintergrund Alpstein

Lage der Gemeinde
Untersee (Bodensee)Bommer WeierEmerzer WeierBiessenhofer WeierHauptwiler WeierHoorbacher WeierRüütiweierHorberweierBodenseeKanton St. GallenKanton St. GallenBezirk ArbonBezirk FrauenfeldBezirk KreuzlingenBezirk MünchwilenAffeltrangenAmlikon-BisseggBerg TGBirwinkenBischofszellBürglen TGBussnangErlen TGHauptwil-GottshausHohentannenKradolf-SchönenbergMärstettenSchönholzerswilenSulgen TGWeinfeldenWigoltingenWuppenauZihlschlacht-SitterdorfKarte von Bischofszell
Über dieses Bild
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Bischofszell war bis 2002 eine Einheitsgemeinde und bis 2010 Hauptort des damaligen Bezirks Bischofszell.

GeographieBearbeiten

Bischofszell liegt an der Mündung der Sitter in die Thur und umfasst die südlich der Sitter auf einer Terrasse gelegene Stadt, Bischofszell-Nord sowie seit 1996 die ehemalige Ortsgemeinde Halden und Teile der ehemaligen Ortsgemeinden Schweizersholz und Gottshaus (Stocken).[7]

GeschichteBearbeiten

Bischoffescella wurde 1155 erstmals urkundlich erwähnt. Die früher bischöfliche-konstanzerische Stadt war wegen ihrer Lage an der Grenze zum Gebiet der Fürstabtei St. Gallen und ihrer Flussübergänge von Bedeutung. Seit dem 19. Jahrhundert hat sie Industriestandort regionale Zentrumsfunktion, liegt aber abseits der grossen Verkehrswege.

EingemeindungenBearbeiten

1996 wurden die Ortsgemeinden Halden und Schweizersholz (ohne die Weiler und Höfe Last, Schluuch, Rohren, Störenhaus und Alt Weingarten) von der Munizipalgemeinde Neukirch an der Thur abgetrennt und mit der Einheitsgemeinde Bischofszell vereinigt.[8] Ebenfalls 1996 wurde der Ortsteil Stocken/Breite der früheren Ortsgemeinde Gottshaus der Einheitsgemeinde Bischofszell zugeteilt.[9]

Wappen und FlaggeBearbeiten

Blasonierung: In Rot ein von gelbem Arm gehaltener gelber Bischofsstab.[10]

Beim Wappen Bischoffszells handelt es sich um das alte Stadtwappen, das im Wesentlichen so aussieht wie auf einer Wappenscheibe aus dem Jahr 1517. 1926 wurde nach einer jahrelangen Kontroverse festgelegt, dass das Bischofszeller Stadtwappen einen von einer Hand gehaltenen Bischofsstab zeige. 1994 wurde das Wappen neu gezeichnet.[10]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Bischofszell[11]
Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Bischofszell[11]
Jahr 1634 1773 1831 1850 1880 1900 1910
Einwohner ca. 550 ca. 950 923 1303 2114 2618 3192
Jahr 1950 1980 1990 2000A 2010 2018
Einwohner 3567 3990 4563 5421 5462 5985
A ab 1996 mit Halden, Schweizersholz, Stocken und Breite

Von den insgesamt 5985 Einwohnern der Gemeinde Bischofszell im Jahr 2018 waren 1573 bzw. 26,3 % ausländische Staatsbürger.[12]

Die Ortschaft Bischofszell zählte im selben Jahr 5695 Einwohner. Davon gehörten 145 (z. B. Blidegg, Leutswil) zur Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf und 97 (u. a. Eberswil) zur Gemeinde Hauptwil-Gottshaus.[12]

WirtschaftBearbeiten

Im Jahr 2016 bot Bischofszell 2718 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 2,4 % in der Land- und Forstwirtschaft, 56,0 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 41,6 % im Dienstleistungssektor tätig.[5] Etwa 1000 Menschen sind bei Bischofszell Nahrungsmittel beschäftigt.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Bogenturm (auch Zeitglockenturm)

Die Stadt Bischofszell ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

Kirchen und KapellenBearbeiten

  • Die katholische Pfarrkirche St. Pelagius, wurde ursprünglich als Kollegiatkirche des Chorherrenstiftes von Konstanz erbaut. Der Chor, die dreischiffige Basilika und die Allerheiligen-Kapelle stammen aus dem 14. Jahrhundert. Der Turm und das neu erbaute Schiff stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die Sakristei wurde zwischen 1708 und 1709, an der östlichen Stirnfront des Chores angebaut. Der Chor wurde um 1770 barockisiert. Im Innern finden sich Fragmente spätgotischer Ausmalungen. Der frühbarocke Hochaltar entstand zwischen 1639 und 1640.
  • Die Michaelskapelle steht frei nördlich der katholischen Kirche. Sie wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut. Im Innern ist sie spätgotisch ausgemalt, das Michaelsbild stammt aus dem Jahr 1731.
  • Die evangelische Johanneskirche wurde erst 1968/69 errichtet, nach den Plänen von Benedikt Huber.

Schlösser und BürgerhäuserBearbeiten

  • Das Rathaus wurde zwischen 1747 und 1750 von Johann Caspar Bagnato errichtet (Marktgasse 11).
  • Das Schloss Bischofszell war ursprünglich die Bischöfliche Burg. Der Unterbau des Wohnhauses stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Oberbau wurde nach dem Stadtbrand von 1419 errichtet. Der östliche Anbau stammt von 1813.
  • Der Bürklersche Freihof befindet sich in der Kirchgasse (Nummer 35).
  • Der Helmsdorfische Freihof befindet sich am Hofplatz (Nummer 27).
  • Der Blarerhof befindet sich in der Schottengasse (Nummer 12).
  • Der Grüne oder von Anwilische Hof befindet sich in der Kirchgasse (Nummer 25).
  • Das Doppelhaus zum Rosenstock und zum Weinstock befindet sich am Marktplatz (Nummer 7 und 9). Im Innern ist es mit Wessobrunner Stuckaturen geschmückt.

Türme und BrückenBearbeiten

  • Der Bogenturm war einst das östliche Aussenwerk, das nach der Befestigung der Vorstadt 1437 errichtet wurde.
  • Die achtjochige Thurbrücke von 1487 führt wegen der natürlichen Felsfundamente in einer krummen Linie über den Fluss (deshalb auch «Krumme Brücke») und gehört zu den bedeutendsten spätmittelalterlichen Brückenbauten der Schweiz.

MuseenBearbeiten

  • Das Typorama ist ein typographisches Museum, mit Handsetzerei, Setz- und Druckmaschinen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, in dem das traditionelle Fachwissen mit Bleisatz und Buchdruck bewahrt und gefördert werden soll.

VeranstaltungenBearbeiten

Die Rosenwoche findet seit 2002 als Fest einmal jährlich in Bischofszell statt, die Stadt bezeichnet sich deshalb als Rosenstadt.[13] Es werden pro Jahr rund 60'000 Besucher gezählt. 2012 wurde der Rosengarten Känzeli neu eröffnet.[13]

Die Tischmesse Bischofszell findet seit 2008 einmal jährlich im Herbst in der Bitzihalle statt. Aussteller aus nah und fern zeigen auf einem einzigen Tisch die Waren und Dienstleistungen. Die Tischmesse Bischofszell ist der Ersatz für die Bigwa, welche vorerst nicht mehr durchgeführt wird.

VerkehrBearbeiten

Die Stadt hat mit Bischofszell Stadt und Bischofszell Nord zwei Bahnhöfe an der Bahnstrecke Sulgen–Gossau. Früher kreuzten die beiden Züge in Bischofszell, allerdings ist dies seit einer Fahrplanänderung 2018 nicht mehr der Fall. Eine Linie des Bus Oberthurgau verbindet die Rosenstadt mit Amriswil.

Die Steigstrasse (Bischofszell – Hauptwil) verzeichnet täglich um die 12'000 Fahrzeuge (Stand 2009).

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gregor Spuhler: Bischofszell (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Margrit Früh: Die Odyssee zweier Silberpokale aus Bischofszell. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung., 101. Jg. 1983, S. 83–90 (Digitalisat)
  • Arthur Geiger: Das Chorherrenstift St. Pelagius zu Bischofszell im Zeitalter der Katholischen Reform, 1500–1700. Hallwag Verlag, Bern 1958.
  • Markus Mattle: Episcopaliscella: vom Stift zur Stadt: Bischofszeller Jubiläen: 750 Jahre Markt und Mauern 1248-1998: 850 Jahre Stadt und Kultur 1150–2000. Weinfelden 2000, ISBN 3-9522022-0-7
  • K. Ro.: Ein halbes Jahrhundert Carton- und Papierfabrik Bischofszell. In: Thurgauer Jahrbuch, Bd. 14, 1938, S. 67–72 (e-periodica)
  • Albert Scheiwiler: Geschichte des Chorherrenstiftes St. Pelagius zu Bischofszell im Mittelalter. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. 45. Jg. 1916, S. 193–294 (Digitalisat)
  • Albert Knoepfli, Beatrice Sendner-Rieger: Bischofszell. Kunst, Kultur, Geschichte. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 541). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1994, ISBN 978-3-85782-541-5.
  • Wer sanct Pelayen zue gehört... Beiträge zur Geschichte von Stift und Stadt Bischofszell und Umgebung in Mittelalter und Früher Neuzeit, hrsg. von Hannes Steiner (Thurgauer Beiträge zur Geschichte, Bd. 154), Frauenfeld 2016, ISBN 978-3-9524186-3-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Bischofszell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BFS – generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021.
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  6. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  7. Gregor Spuhler: Bischofszell (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Dieser Abschnitt basiert weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  8. Mutation Nr. 32i des Amtlichen Gemeindeverzeichnisses der Schweiz, 1986
  9. Mutation Nr. 32f des Amtlichen Gemeindeverzeichnisses der Schweiz, 1986
  10. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  11. a b Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 (Excel-Tabelle; 0,1 MB),
    Wohnbevölkerung – Wohnbevölkerung der Gemeinden 1990, 2000, 2010 und 2011 (PDF; 1,3 MB) und
    Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019 (Excel-Tabelle; 0,1 MB). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 20. Juni 2022.
  12. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 20. Juni 2022.
  13. a b Vroni Krucker: Freundschaft über die Grenzen hinaus – 11. Rosenwoche. (Nicht mehr online verfügbar.) infowilplus, 2012, archiviert vom Original am 22. April 2016; abgerufen am 15. August 2012.

AnmerkungenBearbeiten