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Das Hochstift Konstanz (auch als Fürstbistum Konstanz bezeichnet) war der weltliche Herrschaftsbereich der Fürstbischöfe von Konstanz. Im Gegensatz zum Bistum Konstanz war das Hochstift zersplittert und wesentlich kleiner; die Besitzungen waren beidseits des Bodensees und Hochrheins verteilt.

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Territorium im Heiligen Römischen Reich
Hochstift Konstanz
Wappen
Wappen Bistum Konstanz.png
Karte
Reilly 196 HAAB.jpg
Alternativnamen Fürstbistum Konstanz
Herrscher/Regierung Fürstbischof
Heutige Region/en DE-BW, CH-TG
Reichstag 1 Virilstimme auf der geistlichen Bank im Reichsfürstenrat
Reichskreis Schwäbischer Reichskreis
Kreistag 1 Virilstimme auf der geistlichen Bank
Hauptstädte/Residenzen Konstanz; ab 1526 Meersburg
Konfession/Religionen katholisch
Sprache/n deutsch
Fläche 400 km² (1802)[1]
Einwohner 14.000 (1802)
Aufgegangen in Säkularisation 1803;

Markgrafschaft Baden

Siehe auch Bistum Konstanz

GeschichteBearbeiten

 
Das Neue Schloss in Meersburg, Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz

Eine Urkunde Kaiser Friedrichs I. von 1155 gilt als erste Bestätigung der Besitztümer des Hochstifts. Bischof Eberhard von Waldburg konnte den Besitz beidseits von Bodensee und Hochrhein noch einmal entscheidend vermehren.

In einer Urkunde von 1294 ist der Verkauf der Burg Rötteln mit den zugehörigen Orten Tengen (dem heutigen Hohentengen) und Kaiserstuhl durch die „Freiherrn von Regensberg an das Hochstift Konstanz“ dokumentiert.[2]

Durch die Lage des Hochstifts zwischen der expandierenden Eidgenossenschaft, dem Reich und dem Haus Habsburg war der politische Spielraum ab Mitte des 15. Jahrhunderts dann aber stark eingeschränkt.

Mit der Reformation waren zwar keine territorialen Verluste verbunden, die mit den Pfarreien und Klöstern verbundenen Einkünfte der reformierten Gebiete gingen jedoch verloren. Außerdem musste der Bischofssitz aus der Stadt Konstanz verlegt werden. Residenzstadt wurde Meersburg am Nordufer des Bodensees.

 
Bischöfliches Rundschreiben zum Übergang des Hochstifts Konstanz an Baden vom 30. November 1802
Säkularisation

Im Zuge der von Napoleon eingeleiteten Säkularisation fiel das Fürstbistum Konstanz gemäß § 5 des Reichsdeputationshauptschluss von 1803 als Ganzes an die Markgrafschaft Baden; bereits durch Patent vom 16. September 1802 hatte der Markgraf von Baden das Hochstift provisorisch in Besitz genommen. Letzter Fürstbischof war Karl Theodor von Dalberg.

Reichsrechtliche StellungBearbeiten

Das Hochstift Konstanz hatte Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat. Es hatte dort eine Virilstimme und nahm einen Sitz auf der geistlichen Fürstenbank ein. Als katholischer Reichsstand gehörte das Hochstift auch dem Corpus Catholicorum an.

Im Kreistag des schwäbischen Reichskreises hatte das Hochstift ebenfalls eine Virilstimme und den Vorsitz auf der geistlichen Fürstenbank. Gemeinschaftlich mit dem Herzog von Württemberg nahm der Fürstbischof von Konstanz das Kreisausschreibamt wahr, das wichtigste Amt im Reichskreis. Das Hochstift gehörte zudem dem Ausschuss der Kreisversammlung (Ordinari-Deputation) an.

Wirtschaftliche GrundlageBearbeiten

Die dem Bischof zugehörigen Bauern von der Bischofshöri, einem Gebiet im Dreieck Konstanz – MünsterlingenOttenberg TG, dem Hausberg von WeinfeldenGottlieben, hatten dem Bischof und seinen Klerikern Naturalien und Zinsabgaben zu leisten.[3]

TerritoriumBearbeiten

Im Heiligen Römischen ReichBearbeiten

Im Schwäbischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reich lagen die folgenden Gebiete der weltlichen Herrschaft des Hochstifts:

Bedeutende verlorene Besitzungen waren die Herrschaft Küssaburg und die Stadt Tiengen.

In der Alten EidgenossenschaftBearbeiten

 
Landvogtei Thurgau
 
Gerichtsherrschaften der Landgrafschaft Thurgau um 1750
 
Ämter in der Grafschaft Baden

Der größte Teil der weltlichen Herrschaft des Hochstifts Konstanz lag auf dem Gebiet der Alten Eidgenossenschaft, wobei hier das Hochstift nirgendwo die vollständige Landeshoheit ausüben konnte. In den Obervogteien Arbon und Bischofszell erlangte es immerhin die Landeshoheit exklusive der Militärhoheit.[5] 1798 - in der Helvetischen Republik erloschen hier alle Hoheitsrechte des Hochstifts.

In der Landgrafschaft ThurgauBearbeiten

Bezüglich der altstiftisch-konstanzische Herrschaften war die Landesherrschaft zwischen dem Hochstift und der Alten Eidgenossenschaft umstritten.

Domkapitel und Dompropstei Konstanz gehörten zum Gerichtsherrenstand im Thurgau.

In der Grafschaft BadenBearbeiten

In der Grafschaft Baden (später zum Kanton Aargau) lagen folgende Vogteien des Hochstifts:

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hansmartin Schwarzmaier: Hochstift Konstanz. In: Meinrad Schaab, Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.) u. a.: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im alten Reich. Hrsg. im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Klett-Cotta, Stuttgart 1995, ISBN 3-608-91466-8, S. 466–480.
  • Franz Xaver Bischof: Das Ende des Bistums Konstanz. Hochstift und Bistum Konstanz im Spannungsfeld von Säkularisation und Suppression (1802/03-1821/27). Stuttgart / Berlin / Köln 1989, ISBN 3-17-010575-2.
  • M. Fleischhauer: Das geistliche Fürstentum Konstanz beim Übergang an Baden. Heidelberg 1934.
  • Ludger Beckmann: Konstanzer Bischöfe vom 13. zum 14. Jahrhundert. Freiburg im Breisgau 1995.
  • Konstantin Maier: Das Domkapitel von Konstanz und seine Wahlkapitulationen. Ein Beitrag zur Geschichte von Hochstift und Diözese in der Neuzeit. Stuttgart 1990, ISBN 3-515-04362-4.
  • Rudolf Reinhardt: Die Beziehungen von Hochstift und Diözese Konstanz zu Habsburg-Österreich in der Neuzeit. Wiesbaden 1966.
  • Andreas Bihrer: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich, Band 15.I, S. 368–370 pdf
  • Eberhard Achtermann: Der Besitzstand des Hochstifts Konstanz zu Anfang des 18. Jahrhunderts, S. 93–106 (Scan fehlt) Schriften des Vereins … 103. Jg. 1985
  • Franz Ludwig Baumann: Die Territorien des Seekreises 1800. Karlsruhe : Braun, 1894 (Badische Neujahrsblätter 4) im Internet Archive
  • Hugo Hungerbühler: Staat und Kirche im Thurgau während Helvetik und Mediation 1798-1814, I. Teil Digitalisat
  • Konrad Beyerle: Grundherrschaft und Hoheitsrechte des Bischofs von Konstanz in Arbon. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Stadtverfassung, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 32. Jg. 1903, S. 31–116 bodenseebibliotheken.eu; 34. Jg. 1905, S. 25–146 bodenseebibliotheken.eu
  • Helene Hasenfratz: Die Landgrafschaft Thurgau vor der Revolution von 1798, Frauenfeld 1908 (Inaugural-Dissertation der Universität Zürich) im Internet Archive
  • Anneliese Müller: Hochstift Konstanz. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Erläuterungen Beiwort zu Karte 6,8 Entwicklung ausgewählter geistlicher Territorien in Südwestdeutschland von Meinrad Schaab, H.-M. Maurer, Anneliese Müller, Hans Pfeifer, S. 12–16 Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg (LeoBW)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bistum Konstanz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. ohne die im Bereich der Eidgenossenschaft gelegenen Besitzungen, die bereits 1798 der Helvetischen Republik zugeschlagen wurden; s. Schwarzmaier S. 479
  2. W. H. Mayer: Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut, Verlag A. Philipp, Waldshut (Baden) 1926, S. 211 f.
  3. Ralf Seuffert: Konstanz. 2000 Jahre Geschichte. 2. Auflage. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2013, S. 16.
  4. siehe Baumann S. 13
  5. siehe Müller S. 15
  6. nach Helene Hasenfratz: Die Landgrafschaft Thurgau vor der Revolution von 1798, Frauenfeld 1908, (Inaugural-Dissertation der Universität Zürich), S. 68–84 im Internet Archive