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BMW S 1000 RR

Motorradmodell der Klasse Superbike/Supersportler des deutschen Motorradherstellers BMW
BMW
BMW S1000 RR Studio.JPG
Werkscode K46
S 1000 RR
Hersteller BMW
Verkaufsbezeichnung S 1000 RR
Produktionszeitraum ab 2009
Klasse Motorrad
Bauart Supersportler, Superbike
Motordaten
Viertaktmotor, flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, DOHC, vier über Schlepphebel betätigte Ventile pro Zylinder, Nockenwellenantrieb über Steuerkette, Nasssumpfschmierung, elektronische Benzineinspritzung mit 48 mm Drosselklappen, zylinderselektive Klopfregelung, geregelter Katalysator
Hubraum (cm³) 999
Leistung (kW/PS) 142 (193) bei 13.000 min−1
ab 2015:
146 (199) bei 13.500 min−1
ab 2019:
152 (207) bei 13.500 min−1
Drehmoment (N m) 112 bei 9.750 min−1
ab 2015:
113 bei 10.500 min−1
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 299 (Werksangabe)
324 (WSBK-Version)[1]
Getriebe 6-Gang-Getriebe
Antrieb Kettenantrieb (Dichtringkette)
Bremsen vo. 2 × 320 mm schwimmend gelagerte, gelochte Scheibenbremse, radial befestigte Brembo 4-Kolben-Festsättel / hi. 220 mm Scheibe, Brembo 1-Kolben-Schwimmsattel
Radstand (mm) 1.417
Sitzhöhe (cm) 82
Leergewicht (kg) 202 kg
204,5 kg (inkl. Race-ABS);[2]
197–193,5 kg (2019)[3]
BMW S 1000 RR mit Werner Daemen im Renneinsatz in der IDM Superbike

Die BMW S 1000 RR ist ein Motorradmodell der Klasse Superbike/Supersportler des deutschen Motorradherstellers BMW.

Das Motorrad wurde 2008 auf der Intermot in Köln präsentiert[4] und wird seit Anfang 2009 im BMW-Werk Berlin in Spandau produziert.[5] Von Ende 2012 bis 2014 wurde die für die Rennstrecke optimierte BMW HP4 auf Basis der S1000RR (K46) angeboten.[6]

Auf der EICMA 2018 wurde die dritte Generation, deren Gewicht unter 200 kg und deren Leistung über 200 PS liegt, vorgestellt.[3] Der Werkscode lautet K67. Die Maschine ist Mit 207PS und 197kg fahrfertig angegeben. Besonderheiten sind der Motor mit variabler Nockenwelle, von BMW Shift-Cam genannt und die serienmäßig als Sonderausstattung angebotenen Carbonfaser-Felgen.[7]

KonstruktionsmerkmaleBearbeiten

Die S 1000 RR (K46) ist als Homologationsfahrzeug für die Teilnahme an der Superbike-Weltmeisterschaft konstruiert.

Motor/KraftübertragungBearbeiten

 
Motor der S 1000 RR (im BMW Museum)

Der 59,8 kg schwere Vierzylinder-Reihenmotor hat einen Hubraum von 999 cm³ und eine konventionelle Kurbelwelle mit 180° Hubzapfenversatz. Im Gegensatz zu vergleichbaren Motoren anderer Hersteller werden die 16 Ventile (33,5 mm Einlass- und 27,2 mm Auslassventile aus Titan) im Zylinderkopf nicht über Tassenstößel, sondern über extrem kleine, kohlenstoffbeschichtete Schlepphebel betätigt, die laut BMW wesentlich geringere Massenkräfte gegenüber Tassenstößeln aufweisen.[8] Damit können grundsätzlich höhere Drehzahlen und schärfere Steuerzeiten bei geringeren Reibungsverlusten und besserer Füllung verwirklicht werden. Laut BMW soll dies Drehzahlen über 14.000/min ermöglichen. Die vier Zylinder haben eine Bohrung von Ø 80 mm Durchmesser, die Kolben einen Hub von 49,7 mm bei einem Verdichtungsverhältnis von 13,0:1.

Die Motorsteuerung ist in vier Modi (Rain, Sport, Race, Slick) einstellbar und steuert die längenvariablen Ansaugrohre und die optionale Traktionskontrolle. Beim Rain-Modus wird die maximale Leistung auf 110 kW (150 PS) reduziert (163 PS ab Modell 2012)[9], der Slick-Modus wird erst nach Einsetzen eines Kodiersteckers (Aktivierungssperre) freigeschaltet.

Die Kraft wird über eine Mehrscheiben-Ölbadkupplung mit Anti-Hopping-Funktion, ein 6-Gang-Getriebe und eine Dichtring-Kette auf das Hinterrad übertragen.

Bei einem Prüfstandtest leistete eine zulassungsfähige Serienmaschine 147 kW (200 PS) bei 12.400 min−1, das maximale Drehmoment betrug 123 Nm bei 9400 min−1. Gegenüber der Konkurrenz hatte der Motor im Jahre 2009 eine Mehrleistung von ca. 14,7 kW (20 PS).[10]

FahrwerkBearbeiten

BMW verzichtet bei der S 1000 RR auf hauseigene Technikmerkmale wie Telelever-Vorderradführung und Kardanantrieb mit Paralever. Stattdessen ist das Motorrad mit Leichtmetall-Brückenrahmen, Upside-down-Gabel und Zweiarmschwinge mit indirekt angelenktem Monofederbein klassenüblich ausgestattet. Der Lenkkopfwinkel beträgt 66,1°, der Nachlauf hat einen Abstand von 95,9 mm.

Das Fahrzeug wird wahlweise mit einem einstellbaren, nur ca. 2,5 kg schweren Antiblockiersystem und einer Traktionskontrolle angeboten. Das Trockengewicht beträgt 178 kg.

KraftstoffversorgungBearbeiten

Der Kraftstofftank fasst 17,5 Liter, davon sind vier Liter Reserve. Der Hersteller empfiehlt die Verwendung von bleifreiem Benzin mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan.

Konkurrenzmodelle mit vergleichbarer Fahrzeugcharakteristik sind die Ducati 1199 Panigale, Honda Fireblade, Kawasaki Ninja ZX-10R, KTM 1190 RC8, Suzuki GSX-R1000, Yamaha YZF-R1 und die Aprilia RSV4.

BMW S 1000 RR 2020 (K67)Bearbeiten

Auf der EICMA 2018 wurde die dritte Generation der BMW S 1000 RR vorgestellt.[11] Der Motor wurde komplett neu entwickelt und besitzt nun eine variable Nockenwelle, von BMW Motorrad Shift-Cam genannt, welche die Leistung und das Drehmoment in niedrigen Drehzahlen erhöht.[12] Der Wasser/Ölgekühlte Vierzylinder-Reihenmotor mit 999ccm leistet nun 207 PS bei 13.500U/min und hat ein maximales Drehmoment von 113Nm bei 10.000U/min. Zusammen mit dem geregelten 3-Wege Katalysator erfüllt der Motor die Euro4 Norm. Das Motorrad wiegt fahrbereit 197kg.[13]

Einsatz im RennsportBearbeiten

Seit der Saison 2009 engagiert sich BMW mit der S 1000 RR SBK werksseitig in der Superbike-Weltmeisterschaft. Die Werkseinsätze wurden vom Rosenheimer Team alpha Racing geleitet. Das Semi-Werksteam alpha Technik-Van Zon-BMW fährt seit der Saison 2009 mit vier Fahrern in der IDM Superbike. 2013 zog das Werks-Team nach Mailand um und beendete im selben Jahr den werksseitigen Superbike-Einsatz.

Im Superbike-TT-Rennen auf der Isle of Man errang Michael Dunlop am 31. Mai 2014 auf BMW S 1000 RR den ersten TT-Sieg für BMW nach 75 Jahren. Im Ziel hatte er nach sechs Runden auf dem Snaefell Mountain Course 20,5 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Guy Martin (Suzuki). Letzter Sieger vor Dunlop für die Münchner war „Schorsch“ Meier 1939 auf BMW 255 Kompressor gewesen.[14]

Seit 2017 wird auch eine Rennversion ohne Straßenzulassung angeboten.

ZuverlässigkeitBearbeiten

Im Vergleich zu Wettbewerbsmodellen wie der Suzuki GSX-R 1000 oder Kawasaki Ninja ZX-10R[15] zeigten sich im 50.000-km-Dauertest der Zeitschrift Motorrad nennenswerte Defekte: Bemängelt wurde eine eingelaufene Einlassnockenwelle (laut BMW ein Härtungsfehler), Steuerkettenspanner, Rad- und Lenkkopflager sowie Abgasklappe.[16][17] Die S 1000 RR erreichte damit den 20. Platz in der Dauertestwertung.

Technik der S 1000 RR (WSBK-Version)Bearbeiten

Kenngrößen Daten[18]
Motor Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor
Leistung ca. 154 kW (209 PS)
Nenndrehzahl über 14.000 min−1
Hubraum 999 cm³
Bohrung 80 mm
Hub 49,7 mm
Verdichtung 14:1
Einspritzanlage 48 mm Dell’Orto
Tank 17,5 l
Getriebe 6-Gang
Trockengewicht 178 kg
Radstand 1428 mm
Länge 2056 mm
Breite 532 mm
Vorderradfederung Öhlins TTX Upside-down-Gabel, 43 mm Gleitrohre
Hinterradfederung Öhlins TTX Federbein
Vorderradbremse 2 Scheiben Ø 320 mm, Brembo 4-Kolben-Monobloc-Festsättel
Hinterradbremse 1 Scheibe Ø 220 mm, Brembo Einkolben-Bremssattel
Vorderrad OZ Racing-Magnesium-Gussrad, 3.75 × 16.5″, Pirelli-Einheitsreifen
Hinterrad OZ Racing-Magnesium-Gussrad, 6.25 × 16.5″, Pirelli-Einheitsreifen

Neuzulassungen in DeutschlandBearbeiten

Jahr Quelle Neuzulassungen
2010 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[19] 2.049
2011 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[20] 1.749
2012 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[21] 1.676
2013 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[22] 1.135
2014 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[23] 1.046
2015 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[24] 1.340
2016 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[25] 1.132
2017 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[26] 858
2018 Industrie-Verband Motorrad Deutschland[27] 812

Anmerkung: In den ersten drei Jahren wurden insgesamt 26.000 S 1000 RR verkauft.[28]

Mediale NutzungBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ralf Schneider: Neu 09: BMW S 1000 RR. In: Motorrad. Nr. 05, 2009, ISSN 0027-237X, S. 12–15.
  • Ralf Schneider: Neuheiten: Vorstellung BMW S 1000 RR. In: Motorrad. Nr. 12, 2009, ISSN 0027-237X, S. 16–18.

WeblinksBearbeiten

  Commons: BMW S1000RR – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alan Cathcart: BMW S 1000 RR-Superbike. In: Motorrad, Ausgabe 21/2009. 24. September 2009, abgerufen am 21. April 2014.
  2. Daten & Ausstattung. In: bmw-motorrad.de. 19. Februar 2000, abgerufen am 8. August 2019.
  3. a b press.bmwgroup.com vom 6. November 2018, Die neue BMW S 1000 RR, abgerufen am 20. November 2018.
  4. BMW stellt K 1300 und S 1000 RR vor. In: vol.at. 8. Oktober 2008.
  5. Produktionsstart des Supersportlers. In: Focus. 3. Februar 2009.
  6. faz.net vom 14. September 2012, Mit DDC in neue Sphären, abgerufen am 16. März 2019.
  7. Daten & Ausstattung. Abgerufen am 24. Juli 2019 (deutsch).
  8. Werner Koch: Der BMW S 1000 RR-Motor im Detail. In: Motorrad, Ausgabe 5/2010. 18. Februar 2010, abgerufen am 21. April 2014.
  9. Motorcyclist online review (englisch)2012 BMW S1000RR | First Ride, abgerufen am 16. Mai 2012.
  10. BMW S 1000 RR: 200 PS, abgerufen am 8. Mai 2009 (Memento vom 28. März 2009 im Internet Archive)
  11. Technische Daten und Details neue BMW S 1000 RR 2019 - Modellnews. Abgerufen am 24. Juli 2019 (deutsch).
  12. Daten & Ausstattung. Abgerufen am 24. Juli 2019 (deutsch).
  13. Daten & Ausstattung. Abgerufen am 24. Juli 2019 (deutsch).
  14. Michael Dunlop holt historischen Isle of Man TT Superbike-Sieg für BMW Motorrad. www.press.bmwgroup.com, 2. Juni 2014, abgerufen am 7. Juni 2015.
  15. Ralf Schneider: Zum Strippen zu schade. In: Motorrad, Ausgabe 14/2006. 22. Juni 2006, abgerufen am 21. April 2014.
  16. Andreas Bildl: Defekte beim Test: Zwischenbericht Dauertest BMW S 1000 RR. In: Motorrad. Ausgabe 26/2011, 3. Dezember 2011.
  17. Andreas Bildl: Dauertest-Abschlussbilanz: BMW S 1000 RR. In: Motorrad, Ausgabe 4/2012. 2. Februar 2012, abgerufen am 21. April 2014.
  18. Technische Daten des Superbikes Tracktest: WSBK-BMW S 1000 RR (Teil 2): Technische Daten des Superbikes (abgerufen am 8. Januar 2012)
  19. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2010 (kumuliert). (PDF; 486 kB) Mojomag.de: IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., abgerufen am 17. Februar 2011.
  20. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2011 (kumuliert). (Nicht mehr online verfügbar.) Mojomag.de: IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., archiviert vom Original am 14. Juli 2015; abgerufen am 16. März 2019.
  21. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2012 (kumuliert). (Nicht mehr online verfügbar.) Mojomag.de: IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., archiviert vom Original am 18. Dezember 2013; abgerufen am 16. März 2019.
  22. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2013 (kumuliert). (Nicht mehr online verfügbar.) Mojomag.de: IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., archiviert vom Original am 14. Juli 2015; abgerufen am 16. März 2019.
  23. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2014 (kumuliert). (Nicht mehr online verfügbar.) Mojomag.de: IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., archiviert vom Original am 14. Juli 2015; abgerufen am 16. März 2019.
  24. Neuzulassungen Top 50 Modelle Krafträder Dezember 2015 (kumuliert). (Nicht mehr online verfügbar.) Mojomag.de: IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., archiviert vom Original am 23. Januar 2016; abgerufen am 16. März 2019.
  25. Top 50 Modelle Kraftraeder - Dezember 2016 (kumuliert) Seite 17 von Industrie-Verband Motorrad Deutschland, (Pdf, 3,9 MB), abgerufen am 16. März 2019.
  26. Top 50 Modelle Kraftraeder - Dezember 2017 (kumuliert) Seite 17, von IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V. (Pdf, 3,9 MB), abgerufen am 16. März 2019.
  27. Top 50 Modelle Kraftraeder - Dezember 2018 (kumuliert) Seite 17, von IVM Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V., (Pdf, 3,9 MB), abgerufen am 16. März 2019.
  28. faz.net vom 14. September 2012, Mit DDC in neue Sphären, abgerufen am 15. März 2019.