Cruiser (Motorrad)

Motorradtyp

Cruiser ist seit den 1990er Jahren die Bezeichnung für eine Kategorie Motorräder, deren Designmerkmale auf US-amerikanische Serienmaschinen (Harley-Davidson, Indian, Henderson) zurückzuführen sind, wie sie etwa ab den 1930er Jahren insbesondere für den Polizei- und Militäreinsatz gebaut wurden. Stilbildende bis -blühende Merkmale sind langer Radstand, breite Bereifung, großvolumiger Motor, große Kotflügel, breiter Lenker sowie relativ weit vorn angebrachte Trittbretter und daraus resultierende aufrechte Sitzposition, (ab 1949 auch) Telegabelverkleidungen sowie typisches Touren-Zubehör wie Windschutzscheibe, Packtaschen, Zusatzscheinwerfer und Sturzbügel. Durch Umbau solcher ausgemusterter Behördenmaschinen, sogenannter „Hogs“ (Schweine), entstanden ab etwa 1948 die ersten sogenannten „Chopped Hogs“ (faschiertes Schwein, Schweinehack oder Hackepeter), woraus sich später der Begriff Chopper und das Akronym HOG, sowohl 1983 für Harley Owners Group, als auch 1986 beim Börsengang an der New York Stock Exchange für die Aktie des Unternehmens Harley-Davidson, ableiteten.[1][2][3][4][5]

Harley-Davidson Heritage Softail, typischer Cruiser
Schwedischer DIY-Diesel-Hybrid-Custom-Ratbike-Chopper-Cruiser (zeitgenössische Neuinterpretation des Garbage-Wagon-Styles)
Typischer Kinderkarussell-Cruiser

Motorisiert sind Cruiser typischerweise mit einem großvolumigen, langhubigen V2-Motor, der sich durch ein hohes Drehmoment bereits im niedrigen Drehzahlbereich auszeichnet. Durch diese Motorcharakteristik eignen sich Cruiser gut zum ruhigen und dennoch kraftvollen Dahingleiten. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, so fertigte BMW einen Cruiser auf Basis ihres 2-Zylinder-Boxermotors und Honda verwendet einen 6-Zylinder-Boxermotor aus der Gold Wing.

Hunter S. Thompson erinnert in seinem wegweisend legendären Motorradroman Hell’s Angels, dass Motorräder diesen Typs umgangssprachlich auch „Garbage Wagons“ (Müllwagen) genannt werden.[1]

Im Cruiserstil werden sowohl Leichtkrafträder mit 125 cm³ (z. B. Honda VT 125 Shadow) als auch hubraumstarke Maschinen bis 2.300 cm³ (Triumph Rocket III) angeboten.

Eine Auswahl an Cruisermodellen verschiedener Hersteller:

Extreme Exemplare sind zum Beispiel die individuell gefertigten Motorräder von Boss Hoss mit Chevrolet-V8-Motoren von über 8.000 cm³ Hubraum und die Triumph Rocket III mit 3-Zylinder-Reihenmotor und 2.300 cm³ Hubraum.

BildergalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

QuellenBearbeiten

  1. a b Hunter S. Thompson: Hell's Angels, S. 91ff: „In the argot of the cycle world the Harley is a "hog," and the outlaw bike is a "chopped hog." Basically it is the same machine all motorcycle cops use, but the police bike is an accessory-loaded elephant compared to the lean, customized dynamos the Hell's Angels ride. ... The Angels refer to standard 74s as "garbage wagons," and Bylaw Number 11 of the charter is a put-down in the grand manner: "An Angel cannot wear the colors while riding on a garbage wagon with a non-Angel." A chopped hog, or "chopper," is little more than a heavy frame, a tiny seat and a massive, 1,200-cubic-centimeter (or 74-cubic-inch) engine. ... A columnist for the Los Angeles Times once described hogs as "the kind of cycle the German couriers used to run down dogs and chickens -- and people -- in World War II: low brutish machines, with drivers to match."“
  2. Oluf F. Zierl, Dieter Rebmann: Harley-Davidson Geschichte und Mythos, Könemann Verlagsgesellschaft mbH, Köln 2000
  3. Darwin Holmstrom: Das Harley-Davidson-Jahrhundert, Mobi Dick Verlag, Kiel 2003
  4. D. Rebmann, H. Rösler, F. Sander: Harley-Davidson Legenden, Heel Verlag GmbH, Königswinter 2008
  5. Albert Saladini, Pascal Szymezak: Harley Davidson, Karl Müller Verlag, Köln 2008