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Čapljina

Ort in Bosnien und Herzegowina
Čapljina
Чапљина

Wappen von Čapljina

Čapljina (Bosnien und Herzegowina)
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Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation BiH
Kanton: Herzegowina-Neretva
Koordinaten: 43° 7′ N, 17° 42′ OKoordinaten: 43° 6′ 36″ N, 17° 42′ 0″ O
Höhe: 15 m. i. J.
Fläche: 256 km²
Einwohner: 28.122 (2013)
Bevölkerungsdichte: 110 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 36
Postleitzahl: 88300
Struktur und Verwaltung (Stand: 2016)
Gliederung: 27 Ortsgemeinschaften
Bürgermeister: Smiljan Vidić (HDZ BiH)
Postanschrift: Trg Kralja Tomislava
88300 Čapljina
Webpräsenz:
SokolacRogaticaRudoVišegradPaleFočaGackoKalinovikNevesinjeBilećaTrebinjeRavnoLjubinjeKonjicIstočni MostarBerkovićiNeumMostarStolacČapljinaČajničeGoraždePale-PračaUstipračaFoča-UstikolinaSrebrenicaBratunacMilićiHan PijesakZvornikBijeljinaBrčkoUgljevikLopareVlasenicaŠekovićiOsmaciOlovoIlijašHadžićiIlidžaTrnovoIstočni Stari GradIstočna IlidžaVogošćaSarajevo-Stari GradSarajevo-CentarSarajevo-Novi GradIstočno Novo SarajevoNovo SarajevoVisokoGlamočLivnoBosansko GrahovoKupresKupres (RS)ŠipovoJajceDonji VakufBugojnoGornji VakufProzor-RamaJablanicaTomislavgradPosušjeGrudeŠiroki BrijegLjubuškiČitlukFojnicaKreševoKiseljakBusovačaNovi TravnikTravnikZenicaVitezKakanjVarešBrezaKladanjŽiviniceKalesijaSapnaTeočakTuzlaLukavacČelićSrebrenikBanovićiZavidovićiŽepčeMaglajTešanjUsoraDobretićiGradačacGračanicaDoboj IstokVelika KladušaCazinBužimBosanska KrupaBihaćBosanski PetrovacDrvarSanski MostKljučPetrovac (RS)Istočni DrvarRibnikMrkonjić GradJezeroKneževoKotor VarošTeslićBanja LukaOštra LukaKrupa na UniPrijedorNovi GradKostajnicaKozarska DubicaGradiškaSrbacLaktašiČelinacPrnjavorDerventaDobojStanariModričaBrodPelagićevoDonji ŽabarOrašjeDomaljevac-ŠamacŠamacOdžakVukosavljeLage der Gemeinde Čapljina in Bosnien und Herzegowina (anklickbare Karte)
Über dieses Bild

Čapljina (kyrillisch Чапљина) ist eine Großgemeinde (Općina) in Bosnien und Herzegowina mit rund 28.000 Einwohnern. Die mehrheitlich von Kroaten bevölkerte Gemeinde liegt in der südlichen Herzegowina und gehört zum Kanton Herzegowina-Neretva der Föderation.

Čapljina grenzt im Norden an die Großgemeinden Čitluk und Mostar, im Osten an Stolac, im Süden an Neum und Dubrovnik (Kroatien), im Nordwesten an Ljubuški und im Westen an Metković (Kroatien).

Hauptort der Gemeinde ist die gleichnamige Stadt. Das Gemeindegebiet gliedert sich in die 27 Ortsgemeinschaften (Mjesna zajednica, kurz MZ) Bivolje Brdo, Bobanovo, Čapljina I, Čapljina II, Čeljevo, Doljani, Domanovići, Dračevo-Sjekose, Dretelj, Gabela, Gabela Polje, Gnjilišta, Grabovine, Klepci, Lokve, Opličići, Počitelj-Hotanj, Prćavci, Prebilovci, Svitava, Gorica-Struge, Šurmanci, Šuškovo, Višići, Tasovčići, Trebižat und Zvirovići.

Bei Bobanovo und Šuškovo handelt es sich um neue Siedlungen, die für kroatische Flüchtlinge aus Zentralbosnien gegründet und nach Mate Boban bzw. Gojko Šušak benannt wurden.[1]

BevölkerungBearbeiten

Bei der letzten Volkszählung 2013 lebten in der Großgemeinde Čapljina 26157 Menschen in 7916 Haushalten. Im Durchschnitt also 3,30 Personen pro Haushalt. Darunter waren 12947 (oder 49,50 %) Männer und 13210 (oder 50,50 %) Frauen.

Von den 23555 Personen ab 10 Jahren waren 340 (oder 1,44 %) Analphabeten. Bei den Frauen waren es 2,46 % und bei den Männern 0,40 %.

Von den 21938 Einwohnern ab 15 Jahren hatten 793 Personen gar keine Schulbildung (Frauenanteil 86,63 %). Andererseits hatten 2237 Personen eine Hochschulausbildung (Frauenanteil 51,27 %).[2]

Ethnische GruppenBearbeiten

Schon traditionell waren die Kroaten die stärkste Bevölkerungsgruppe in der Großgemeinde Čapljina. Jedoch gab es zwischen 1991 – der letzten Volkszählung im gemeinsamen Staat Jugoslawien – und 2013 bedingt durch den Krieg starke Verschiebungen bei den prozentualen Anteilen. Durch den Bosnienkrieg verringerte sich einerseits die Anzahl der Bosniaken und Serben stark. Durch kroatische Flüchtlinge aus anderen Teilen von Bosnien-Herzegowina wuchs die Gruppe der Kroaten andererseits stark an.

Die kleineren Gruppen der Montenegriner, Albaner, Mazedonier, Slowenen und Roma zählten jeweils nur 5 bis unter 50 Personen.

Bei der Volkszählung 2013 war zudem Jugoslawe keine der vorgeschlagenen Auswahlmöglichkeiten mehr. Bei den Muslimen 1971, 1981 und 1991 handelt es sich um Slawen serbokroatischer Muttersprache, die seit 1993 offiziell als Bosniaken bezeichnet werden.

Ethnische Gruppen in der Großgemeinde Čapljina
Gruppe Volkszählung 1971 Volkszählung 1981 Volkszählung 1991 Volkszählung 2013[3]
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Bosniaken/Muslime 6999 24,78 % 6830 26,24 % 7672 27,52 % 4541 17,36 %
Serben 3896 13,80 % 3467 13,32 % 3753 13,47 % 714 2,73 %
Kroaten 16884 59,79 % 13931 53,51 % 14969 53,69 % 20538 78,52 %
Andere 461 1,63 % 1804 6,93 % 1488 5,34 % 364 1,39 %
Einwohner 28240 100 % 26032 100 % 27882 100 % 26157 100 %
Anmerkungen:Bosniaken 1971, 1981 und 1991 als Muslime aufgeführt;1971 206, 1981 1591 und 1991 1047 Jugoslawen

GlaubensbekenntnisseBearbeiten

Die Verteilung der Bevölkerung nach Religionen widerspiegelt die ethnische Zugehörigkeit. Es wurden im Jahr 2013 20362 (oder 77,85 %) Katholiken, 4598 (oder 17,58 %) Muslime, 709 (oder 2,71 %) Orthodoxe, 211 Personen mit anderen Glaubensbekenntnissen, 89 Atheisten und 45 Agnostiker erfasst. Die restlichen 143 Personen verweigerten eine Angabe.[4]

GeografieBearbeiten

 
Das Rathaus von Čapljina am König-Tomislav-Platz

Die Verbandsgemeinde wird durch den Verlauf des Neretva-Tals bestimmt, das von Norden nach Süden verläuft und sich von einer engen Schlucht im Norden nach Süden hin zu einer Tiefebene verbreitert.

In unmittelbarer Nähe des Hauptorts münden zwei weitere Flüsse, die Bregava aus Osten und der Trebižat aus Nordwesten, in die Neretva. Im Zuge dieser Flüsse haben sich ebenfalls steil abfallende enge Täler gebildet.

Im Südosten wird die Tiefebene sumpfig und bei entsprechender Witterung entstehen hier die Seen Hutovo Blato und Deransko Jezero, deren Ausdehnung bis zu 20 km² erreichen kann.

Die Tiefebene ist sehr fruchtbar und wird außer im sumpfigen südostwärtigen Teil hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Die sich im Zuge der Taleinschnitte anschließenden Höhenzüge sind verkarstet und landwirtschaftlich kaum nutzbar. Die Großgemeinde hat eine Gesamtfläche von ca. 256 Quadratkilometern.

GeschichteBearbeiten

 
Minenwarntafel an der Gemeindegrenze

Im Jahr 626 kamen Slawen in die römischen Provinzen Dalmatien und Pannonien. Die Osmanische Besetzung dauerte von 1483 bis 1878. Ab 1918 gehörte Čapljina zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dessen Name 1929 in Königreich Jugoslawien geändert wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs verübten am 13., 14. und 15. April 1941 serbische Freischärler, sogenannte Tschetniks, ein Massaker an der Zivilbevölkerung in Čapljina und Umgebung. Dabei wurden 28 Kroaten und Bosniaken getötet und 85 Häuser niedergebrannt.[5] Unter den Ermordeten befanden sich auch Frauen und Kinder:

Es kamen dann zwei Tschetnitzi bis zum Haus und schlugen die Türe ein [...] die verstorbene Schwägerin [Frana Vego] drückte sich mit den [sechs] Kindern in eine Ecke. Als die Tschetnitzi noch an der Türe waren, hörte ich jemanden fragen, was sie mit den Kindern und Frauen wollten. Jener vor dem Hause antwortete: Mach' sie alle der Reihe nach nieder. Dann begannen die beiden vor der Türe mit Dum-Dum-Geschossen zu schießen und trafen die verstorbene Schwägerin viermal in den Kopf. [...] Vier ihrer Kinder wurden verwundet [...] Als die Schwägerin getroffen wurde, hielt sie gerade ihr sechs Monate altes Kind in den Armen [...][6]

Im Juni 1941 verübte die Ustascha im Ortsteil Prebilovci ein Massaker an der serbischen Zivilbevölkerung. Dabei wurden mehr als 600 serbische Zivilisten von Kroaten ermordet. Während des Bosnienkriegs wurde die Gedenkstätte von kroatischen Extremisten zerstört.[7]

Von 1945 bis 1992 war Čapljina dann Teil der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ).

Während des Bosnienkriegs (1992–1995) erfolgten in den Jahren 1993/94 massive ethnische Säuberungen, vor allem durch Truppen des HVO. Muslimische Einwohner wurden vertrieben, gefangen genommen oder umgebracht. Die Altstadt von Počitelj – eines der wichtigsten Kulturgüter der Herzegowina – wurde schwer beschädigt. Seit 1993 betrieben kroatische Einheiten in Čapljina und einigen Nachbarorten größere Lager, unter ihnen das Lager Dretelj, in denen bosniakische und serbische Gefangene gefoltert und ermordet wurden.[8][9][10] Zudem wurden Teile des Gemeindegebietes vermint; einige Minenfelder existieren selbst heute noch (2013), unter anderem nahe der vom bosnischen Militär benutzten Grabovina-Kaserne.

Nach dem Friedensschluss von Dayton im Jahr 1995 wurde Čapljina Teil der Föderation Bosnien-Herzegowina innerhalb des Staates Bosnien und Herzegowina.

ReligionBearbeiten

Auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Čapljina finden sich:

PolitikBearbeiten

Wahlergebnisse 1990

Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung hatten zur Folge, dass die HDZ bzw. kroatische Parteien bei allen Nachkriegswahlen eine deutliche Mehrheit erreichten.[11]

VerkehrBearbeiten

Durch Čapljina verlaufen in Nord-Süd-Richtung die Magistralstraße M17 von Mostar nach Ploče und in Ost-West-Richtung die Magistralstraße 6 von Trebinje nach Knin. Perspektivisch soll die Gemeinde einen Anschluss an die Autobahn A1 erhalten.

Ebenfalls durch die Verbandsgemeinde verläuft die elektrifizierte Bahnstrecke Sarajevo–Ploče. 1885 wurde mit der Eröffnung der schmalspurigen Narentabahn die Stadt von der Eisenbahn erschlossen. 1963 bis 1966 trassierten die Jugoslawischen Staatsbahnen (JŽ) die Bahnlinie neu und bauten sie auf Normalspur um. In Čapljina zweigte die Mitte der 1970er Jahre eingestellte 760-mm-Schmalspurstrecke nach Dubrovnik ab.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Čapljina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. European Stability Initiative: Governance and Democracy in Bosnia and Herzegovina (PDF; 228 kB), S. 44.
  2. Endgültige Ergebnisse der Volkszählung 2013
  3. Einwohner nach Volksgruppe; endgültige Ergebnisse der Volkszählung 2013, Seite 57
  4. Einwohner nach Religion; endgültige Ergebnisse der Volkszählung 2013, Seite 71
  5. Dr. Sušnjara: Die Lage der katholischen Kirche in Kroatien. In: Kirche in Not : Erschütternde Christenverfolgung vor unseren Toren. Ostpriesterhilfe, Königstein/Ts. 1953, S. 85.
  6. Aussage der Ruža Vego im Protokoll vom 29 VII. 1941. In: Greueltaten und Verwüstungen der Aufrührer im Unabhängigen Staates Kroatien : in den ersten Lebensmonaten des kroatischen Nationalstaates. Kroatisches Bibliographisches Institut, Zagreb 1942, S. 44.
  7. E. Michael Jones: The Ghosts of Surmanci, South Bend (Indiana), Februar 1998
  8. , Sociology of Religion (Memento des Originals vom 8. Mai 1999 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sociologyofreligion.com, Wake Forest University, Winston-Salem, Herbst 2003
  9. Bojan Aleksov, Marian Apparitions and the Yugoslav Crisis (PDF; 226 kB), Central European University, Budapest, Juni 2004
  10. Bosnia Camp Guard Convicted in Denmark, New York Times, 23. November 1994
  11. Ermin Čengić: Pola desno, četvrt lijevo (Memento vom 22. Februar 2005 im Internet Archive), BH Dani vom 14. April 2000.