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Roisdorf

Stadtteil der Stadt Bornheim (Rhld.)

Roisdorf [ˈroːsdɔrf mit Dehnungs-i] ist mit knapp 6000 Einwohnern einer der größeren Stadtteile von Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis.

Roisdorf
Stadt Bornheim
Koordinaten: 50° 45′ 24″ N, 7° 0′ 39″ O
Höhe: 59 m ü. NHN
Einwohner: 5983 (31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 53332
Vorwahl: 02222
Der Bahnhof Roisdorf
Der Bahnhof Roisdorf

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Roisdorf liegt in der Kölner Bucht zwischen Vorgebirge und Rhein und liegt im Süden des Bornheimer Stadtgebietes. Dort grenzt der Ort an die Bundesstadt Bonn und an Alfter. Durch Roisdorf fließt der Roisdorfer Bornheimer Bach.

GeschichteBearbeiten

Eine ausführliche Darstellung der älteren Geschichte Roisdorfs und der Roisdorfer Mineralbrunnen bieten die Heimatfreunde auf ihrer Internetseite. Hier eine Kurzfassung:

Für die Zeit ab etwa dem Jahre 100 ist die Nutzung des heilkräftigen Mineralbrunnens durch Münzfunde bezeugt. Der am Fuße des fruchtbaren Vorgebirges gelegene, von Wein- und Ackerbau geprägte Ort wurde 1113 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte bis zur Besetzung durch die französischen Revolutionstruppen zur Herrlichkeit Alfter.

Bedeutendster Sohn des Ortes ist Paul von Rusdorf, 1422–1441 Hochmeister des Deutschen Ordens.

Durch den im ausgehenden 18. Jahrhundert bestehenden Kurbetrieb am Mineralbrunnen und der Anbindung Roisdorfs an die linke Rheinstrecke der Bonn-Cölner Eisenbahn-Gesellschaft, siedelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Industriebetriebe an.

Nachdem die französische Verwaltung die Alfterer Herrlichkeit aufgelöst hatte, gehörte Roisdorf seit dem Frieden von Lunéville (1801) offiziell zur neueingerichteten Mairie de Waldorf bzw. als Preußen die Rheinlande übernahm zur Bürgermeisterei Waldorf/Bornheim.

Der damalige Brunnenpächter Johann Gerhard von Carnap war gleichzeitig Bürgermeister von Waldorf und Präsident des preußischen Provinziallandtags. Er änderte das Brunnenlogo in „Roisdorf bei Coeln“ und setzte zudem mit Großbuchstaben „RHEIN-PREUSSEN“ hinzu.

Im Jahr 1920 etablierte sich eine für die Region wichtige Obst- und Gemüseversteigerung.

Von 1954 bis 1975 befand sich in Roisdorf (Bonner Straße 6) die Residenz des äthiopischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland am Regierungssitz Bonn.[2][3]

VerkehrBearbeiten

ÖPNVBearbeiten

Deutsche BahnBearbeiten

Der Bahnhof Roisdorf liegt an der linken Rheinstrecke. Den Bahnhof bedienen die Mittelrheinbahn, die von Köln über Koblenz nach Mainz verkehrt, sowie die Rhein-Wupper-Bahn die von Wuppertal-Oberbarmen über Solingen und Köln nach Bonn-Mehlem fährt.

Linie Linienverlauf Takt
RB 26 MittelrheinBahn:
Köln Messe/Deutz – Köln Hbf – Köln West – Köln Süd – Hürth-Kalscheuren – Brühl – Sechtem – Roisdorf – Bonn Hbf – Bonn UN Campus – Bonn-Bad Godesberg – Bonn-Mehlem – Rolandseck – Oberwinter – Remagen – Sinzig (Rhein) – Bad Breisig – Brohl – Namedy – Andernach – Weißenthurm – Urmitz – Koblenz-Lützel – Koblenz Stadtmitte – Koblenz Hbf – Rhens – Spay – Boppard Hbf – Boppard-Bad Salzig – Boppard-Hirzenach – Sankt Goar – Oberwesel – Bacharach – Niederheimbach – Trechtingshausen – Bingen (Rhein) Hbf – Bingen (Rhein) Stadt – Bingen-Gaulsheim – Gau Algesheim – Ingelheim – Heidesheim (Rheinhessen) – Uhlerborn – Budenheim – Mainz-Mombach – Mainz Hbf
Stand: Eröffnung Haltepunkt Bonn UN Campus 1. November 2017
60 min
RB 48 Rhein-Wupper-Bahn:
Wuppertal-Oberbarmen – Wuppertal-Barmen – Wuppertal Hbf – Wuppertal-Vohwinkel – Haan-Gruiten – Haan – Solingen Hbf – Leichlingen – Opladen – Leverkusen-Schlebusch – Köln-Mülheim – Köln Messe/Deutz – Köln Hbf – Köln West – Köln Süd – Hürth-Kalscheuren – Brühl – Sechtem – Roisdorf – Bonn Hbf – Bonn UN Campus (nur Richtung Bonn-Mehlem) – Bonn-Bad Godesberg – Bonn-Mehlem
Stand: Eröffnung Haltepunkt Bonn UN Campus 1. November 2017
30 min (Wu-Oberbarmen – Köln Hbf)
30 (HVZ) / 60 min (Köln Hbf – Bonn Hbf)
60 min (Bonn Hbf – Bonn-Mehlem)

StadtbahnBearbeiten

Roisdorf West und Bornheim Rathaus sind die beiden Haltepunkte in Roisdorf an der Vorgebirgsbahn der HGK. Die Haltepunkte werden von der Linie 18 der KVB und SWB sowie der Linie 68 der SWB angefahren.

Linie Verlauf Takt
18 Bonn Hbf – Dransdorf – Alfter – Bornheim – Brühl – Hürth – Klettenberg – Barbarossaplatz – Neumarkt – Dom/Hbf (S) – Ebertplatz – Zoo/Flora – Mülheim Wiener Platz – Bf Mülheim (S) – Buchheim – Holweide – Dellbrück – Köln-Thielenbruch 20-Minuten-Takt, ab Brühl 10-Minuten-Takt, am Wochenende tagsüber 30-Minuten-Takt auf der Gesamtstrecke
68 (Ramersdorf – Heussallee/Museumsmeile – ) Bonn Hbf (S) – Dransdorf – Alfter – Bornheim 2 Fahrten in Lastrichtung Mo–Fr (HVZ), sowie abendliche Verstärkung der Linie 18

BuslinienBearbeiten

In Roisdorf verkehren Buslinien der SWB und RVK.

Linie Linienverlauf Unternehmen
817 Hersel – Roisdorf – Bornheim – Swisttal-Heimerzheim – Oberdrees – Rheinbach RVK
818 Hersel – Roisdorf – Bornheim – Merten – Sechtem RVK
882 Roisdorf → Alfter → Roisdorf (Rundverkehr) RVK
633 Sechtem – Bornheim – Roisdorf – Alfter – Bonn-Duisdorf (S) SWB

StraßeBearbeiten

In Roisdorf treffen sich die Landesstraßen 118 und 183. Die Landesstraßen 281 und 183n bilden die östliche Ortsumgehung. Außerdem führt die Kreisstraße 5 durch den Ort. Im Abstand von zwei Kilometern zum Ort befindet sich die Ausfahrt Bornheim (Rhld.) der A 555 zwischen Köln und Bonn. In der Nachbargemeinde Alfter verläuft die B 56.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  Die Wolfsburg (Broicher Hof)[4] am Siefenfeldchen, westlich des „Wohnparks Wolfsburg“,[5] ehemalige Wasserburg, deren Ursprünge (mindestens) in das 15. Jahrhundert reichen. Das Haupthaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, die Vorburg aus dem 18. Jahrhundert. Die Anlage gehörte unter anderem den (namensgebenden) von Wolff-Bergheimerdorf und nachfolgend den von Walbott-Bassenheim-Bornheim.[6] Über dem Portal des Haupthauses hängt das Allianzwappen (von Walbott-Bassenheim und von Wolff genannt Metternich zur Gracht). Besitzer im 19. Jahrhundert waren Gerhard von Carnap (der im Anwesen einen Restaurationsbetrieb unterhielt), Heinrich von Wittgenstein und Wilhelm Rech, dessen Familie heute die Wolfsburg besitzt.[7]
  Haus Wittgenstein, eine Villa nahe Ehrental am Hang des Metternichsberges (an der Stelle einer mittelalterlichen Höhenburg derer von Metternich), 1844/45 erbaut von dem Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner für den Kölner Unternehmer Heinrich von Wittgenstein. Mitte der 1950er ein Kneipp-Sanatorium (später auch Nervenklinik), von 1984 bis 1995 Tagungshaus der Partei Bündnis 90/Die Grünen (ab 1991 auch Bundesgeschäftsstelle). Seit 1996 Sitz des Bibelseminar Bonn e. V. und des christlichen Hilfswerkes To All Nations e. V.
  Haus Tauwetter am Siefenfeldchen (am Hüsbroich, neben der Wolfschlucht), 1873 erbaut von Wilhelm Graf Mörner,[8] einem schwedischen (später preußischen) Architekten und Maler aus thüringischem Adel. Er verkaufte das Anwesen 1898 an den Freiherrn von Wrede (Düsseldorf). Seit 1983 dient die Villa als Therapiezentrum. Nach Mörner wurde in Roisdorf eine Straße benannt (zwischen Schumacherstraße und Eisenbahnlinie).
  Villa Anna[9] an der Südstraße, errichtet um 1870. Sie beherbergte zeitweise die „Obst- und Gemüsebauschule“ des Landkreises Bonn. Das Eingangstor an der Ecke Annastraße / Schußgasse wurde 2003 restauriert. Vor 1990 führte es auf das (heute parzellierte und bebaute) Areal der Villa, die ca. 170 m weiter oberhalb steht (das Bild wurde von der Annastraße aus fotografiert).
  Torso der alten Sebastiankirche an der Kreuzung Siegesstraße / Siefenfeldchen (heute Glockenturm und Jugendtreff). Das Schiff wurde 1980 abgerissen. Die neoromanische Pfarrkirche war 1874–1876 von Heinrich Nagelschmidt errichtet und durch eine Turmfront 1896/1897 von Johann Adam Rüppel[10] ergänzt worden (die Turm-Chor-Achse verlief – unüblich – von SO nach NW).[11]
  Haus Custor an der Mineralquelle, Brunnenstraße (aus der Schußgasse fotografiert). Die Mineralquelle war schon zur Römerzeit bekannt (Münzfunde). 1774 entdeckte der Medizinstudent Kauhlen (Duisburg) die Heilkraft des Wassers. Im 19. Jh. wurde Roisdorfer Wasser zu einem Exportartikel. Mitte des 19. Jahrhunderts wollte Gerhard Freiherr von Carnap (Elberfeld) Roisdorf zu einem Kurort entwickeln. 1876 pachtete Wilhelm Custor (Köln) die Quelle von denen zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (Alfter) und legte die Basis für die Firma Roisdorfer Mineralquellen GmbH & Co. KG. Nach Custor ist eine Roisdorfer Straße benannt (östlich der Eisenbahnlinie).[12]
  Centralmarkt Roisdorf/Straelen[13] (Hauptadresse: Raiffeisenstraße 10, an der Ostseite des Geländes). Der Centralmarkt Roisdorf wurde 1920 als „Kreis-Obst- und Gemüse-Versteigerung Vorgebirge“ gegründet. Der Neubau an der Raiffeisenstraße stammt aus dem Jahre 1993. Heute (2009) ist der Markt eine Tochtergesellschaft von Landgard. Hier befindet sich auch eins von fünf deutschen Depots der Euro Pool System.
  Der Heimatblick (ehemaliges Hotel, Restaurant, Café) auf dem Vorgebirgskamm (ca. 150 m ü. NHN, ca. 100 m über dem Rhein) an der Grenze zu Alfter, zwischen Brombeer- und Eibenstockweg inmitten von Brombeer-Kulturen, Fernblick in die Kölner Bucht (nach Köln, Bonn und ins Siebengebirge). Der Restaurationsbetrieb wurde am 27. September 2009 eingestellt.

Schulen / VereineBearbeiten

  • Sebastian-Schule-Grundschule
  • Alexander-von-Humboldt Gymnasium
  • Bibelseminar Bonn (Theologische Ausbildungsstätte)
  • Ortsausschuss Roisdorf
  • Senat Förderkreis Roisdorfer Karneval e. V.
  • TC Roisdorf (Tennisclub)
  • TuS Roisdorf (Sportclub)
  • BSG Roisdorfer Quellen (Fußballclub)
  • Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Roisdorf
  • To All Nations e. V. (internationales Hilfswerk)
  • Musikfreunde Roisdorf
  • Junggesellenverein „Echte Fründe“ Roisdorf 1994 e. V.
  • KC Roisdorfer Bandoleroz (Kegelclub)
  • KG Vorgebirgssterne Roisdorf 1974 e. V. (Karnevalsverein)
  • Interessengemeinschaft Roisdorfer Karneval
  • Kolpingfamilie Roisdorf
  • Kirchenchor „Cäcilia“ Roisdorf
  • Heimatfreunde Roisdorf
  • Katholische Frauengemeinschaft Roisdorf
  • Paulusverein Roisdorf
  • Verein Roisdorfer Gewerbetreibende e. V.

Literatur / QuellenBearbeiten

  • Heimatfreunde Roisdorf.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daten – Zahlen – Fakten. Stadt Bornheim/Rheinland, 31. Dezember 2016, abgerufen am 12. Juni 2017.
  2. Walter Raunig, Asfa-Wossen Asserate (Hrsg.): Ethiopian art: a unique cultural heritage and modern challenge, Marie Curie-Skłodowska University Press, 2007, ISBN 978-83-227-2692-1, S. 87/88.
  3. Bundeshaushaltsplan, Bundesdruckerei, 1955, S. 718.
  4. Etliche Häuser tragen den Namen Wolfsburg: Die Burg in Schwarzrheindorf (dort gibt es, wie in Roisdorf, eine Straße An der Wolfsburg), die Villa Wolfsburg (Mülheim an der Ruhr), eine Villa (kombiniert mit den Resten einer Burg) in Marburg, Schloss Wolfsburg in Wolfsburg und eine Ruine Wolfsburg bei Neustadt an der Weinstraße.
  5. Wo sich heute der Wohnpark befindet, lag das wüstgefallene Dorf Grippekoven (auf das kein Straßenname hinweist).
  6. auch Waldbott- oder Walpot-Bassenheim, der Bekannteste des Geschlechts ist Heinrich I., erster Hochmeister des Deutschen Ordens
  7. Daten zur Wolfsburg
  8. Klaes Varner Vilhelm greve Mörner of Morlanda, * 1831 auf Gåvetorp in Småland (Schweden), † 1911 in Koblenz
  9. Villa Anna – ein Denkmal des Gemüsebaus am Vorgebirge
  10. Kirchenbaumeister Johann Adam Rüppel
  11. Die neue Sebastiankirche wurde 1973/1974 nahe der Haltestelle Roisdorf-West auf dem Gelände des ehemaligen Clarenhofs nach Plänen von Theodor Scholten (Oberhausen) errichtet.
  12. Daten zum Roisdorfer Mineralbrunnen
  13. Straelen ist eine Stadt am Niederrhein (Kreis Kleve), Sitz des Landgard-Konzerns.