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Walberberg

Stadtteil der Stadt Bornheim (Rhld.)

Walberberg ist ein Stadtteil von Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Er liegt am und im Vorgebirge zwischen Köln und Bonn, mit jeweils rund 13 Kilometer Luftlinie Entfernung zu diesen Zentren. Die Ortschaft ist durch die Autobahn 553 und die Vorgebirgsbahn gut an die benachbarten Zentren angebunden.

Walberberg
Stadt Bornheim
Koordinaten: 50° 47′ 52″ N, 6° 54′ 44″ O
Höhe: 90 m ü. NHN
Einwohner: 4801 (31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 53332
Vorwahl: 02227
Walberberg – Hexenturm und Pfarrkirche
Walberberg – Hexenturm und Pfarrkirche

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Walberberg liegt als nordwestlichster Stadtteil von Bornheim an der Grenze zur Stadt Brühl auf einem von Osten nach Westen zum Vorgebirge ansteigenden Gelände zwischen 70 und 140 m ü. NHN, wobei sich der untere Teil der Ortschaft naturräumlich innerhalb der Kölner Bucht noch der Brühler Lössplatte – einer lössbedeckten Mittelterrassenplatte zwischen dem Nordwesten Bonns und dem Norden Hürths[2] – zuordnen lässt. Unmittelbar nordöstlich schließt sich der Brühler Stadtteil Schwadorf an. Entlang des nördlichen Ortsrands verläuft der Rheindorfer Bach.

GeschichteBearbeiten

Der Ortsname Walberberg wurde erstmals als mons sanctae walburgis im Jahre 1118 n. Chr. urkundlich in den Annales Rodenses erwähnt. Hier ging es u. a. um die Schenkung eines Weinberges am Sankt Walburgisberg (Walberberg) an die Abtei Klosterrath.

Aber bereits im Jahre 962 hatte der Kölner Erzbischof Brun in einer Urkunde unter anderem zwei Hufen in Berge an das Stift der heiligen Caecilia in Köln vermacht. Es ist davon auszugehen, dass mit Berge (oder Berech) das heutige Walberberg gemeint war, da die Reliquien der heiligen Walburga, die nach der Überlieferung der Kirche und dem Berg den Namen gegeben haben sollen, erst um das Jahr 1069 auf Veranlassung von Erzbischof Anno II. von Eichstätt nach Walberberg überführt worden waren. Hierbei soll es sich um die Hirnschale und den Stab der heiligen Walburgis gehandelt haben.

Ferner wird im Volksmund „Walberberg“ noch heute als „Berech“ bezeichnet. Aber auch die Angaben aus der Schenkungsurkunde von 962 sprechen dafür, dass mit Berche die Ortsansiedlung gemeint war, aus der sich im Laufe der Jahre das heutige Walberberg entwickelte. In Walberberg steht eine alte Linde, die als Gerichtslinde bekannt ist. Die erste urkundliche Erwähnung einer Linde an diesem Platz ist in einem Vertrag von 1478 zu finden: „Diß ist geschehen in dem Dorfe Walberberg op dem Kirchhoff gegen der Linde“.

Landesherrlich gehörte Walberberg bis Ende des 18. Jahrhunderts zum Kölner Domkapitel (Kurköln) und war Namensgeber der Herrlichkeit Walberberg im kurkölnischen Amt Brühl, zu der neben Walberberg die Kitzburg und die Rheindorfer Burg gehörten.[3]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Bornheim-Walberberg
von NW, Wahrzeichen Hexenturm und Pfarrkirche St. Walburga.
 
Pfarrkirche St. Walburga
 mit romanischem Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert, älteste Teile aus dem frühen 11. Jahrhundert, Nachfolgebau der Eigenkirche einer fränkischen Grundherrschaft aus dem 8. Jahrhundert. Diese Saalkirche gehörte zu den seltenen ländlichen Sakralbauten, die bereits in dieser Zeit aus Stein und nicht aus Holz errichtet wurden. Im mittelalter war der Kirchenbau die Klosterkirche für die Zisterzienserinnen, die 250 Jahre lang (von 1197 bis 1447) das Leben in Walberberg prägten. Im Pfarrgarten sind noch heute mauerreste des ehemaligen Klosters vorhanden, das wahrscheinlich in den Wirren des Truchsess'schen Krieges (1583 bis 1588) bzw. während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) zerstört worden war.
 
Hexenturm
fünfgeschossiger Rundturm nördlich der Pfarrkirche, wurde Ende des 12. bzw. Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet und diente den Besitzern als Wohnturm. Die Bezeichnung Hexenturm tauchte erstmals 1817 auf. Der kreisrunde Turm zeigt bei einer Gesamthöhe von 21 m. Der Turmaußendurchmesser beträgt über alle Geschosse 8,60 m. Die massive Umfassungsmauer weist im Erdgeschoss eine Stärke von 2,20 m auf, die sich geschossweise bis auf eine Stärke von 0,90 m im abschließenden Turmgeschoss verjüngt. Die Rücksprünge der Innenwand bilden das Auflager für die Geschossdecken.[4]
 
Römerkanal
Relikt an der Walburgisstraße (an der Grundschule gegenüber der Pfarrkirche), die lichte Höhe beträgt ca. 120 cm, die lichte Breite ca. 80 cm. Die römische Wasserleitung (Bauzeit zwischen 70 und 90 n. Chr.) ist mit einer Länge von 95,4 km (vom „Grünen Pütz“ im Rosenthal zwischen Nettersheim und Urft bis zur Kölner Stadtmauer) das größte archäologische Baudenkmal nördlich der Alpen und das zweitlängste Aquädukt weltweit.
 
Aldeburg
(von lateinisch „altus“ - hochgelegen), auch Keltenring genannt, eine Ringwallanlage, deren Entstehungszeit noch ungeklärt ist. Die ehemalige Fliehburg hat die Form einer (nach Süden zugespitzten) Ellipse.[5] Die große Halbachse (in NNO-SSW-Richtung) beträgt ca. 55 m, die kleine Halbachse ca. 33 m, das Areal misst demnach ca. 0,6 ha.[6] Die Anlage liegt in einem Buchenwald südwestlich der Kitzburger Mühle (ca. 450 m von ihr entfernt).
 
 
 
Rheindorfer Burg
 mittelalterliche Burganlage aus dem Jahre 1140, am nördlichen Ortsrand von Walberberg.[4] 1925 gründete der Dominikanerorden nach Kauf und Umbau der Burganlage dort das Dominikanerkloster St. Albert, das bis 1975 Sitz der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Dominikaner in Deutschland war. Während des Krieges war das Kloster von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt und als Lazarett genutzt worden. Nach Beschluss des Provinz-Kapitels der Dominikaner vom Oktober 2004 wurde das Kloster Ende 2007 aufgegeben. Am 25. November 2007 feierten die Walberberger Dominikaner zusammen mit dem Provinzial P. Hans-Albert Gunk und Brüdern aus allen Niederlassungen der Dominikanerprovinz Teutonia und unter Beteiligung von vielen Gläubigen in der Klosterkirche den letzten Gottesdienst. Mit Schreiben vom 31. Dezember 2007 hat der höchste Obere der Dominikaner, der Ordensmeister Carlos Azpiroz Costa, gemäß den Satzungen der Dominikaner das Kloster ordens- und kirchenrechtlich aufgehoben.[7] Zum 1. März 2008 wurde der Klosterkomplex an eine private Unternehmensgruppe verkauft, die Einrichtungen im Bereich betreutes Wohnen, Pflege, Hotel und Gastronomie betreibt.
 
 
Kitzburg
am südlichen Ortsrand von Walberberg gelegen, Herrensitz (18. Jahrhundert) auf mittelalterlichen Grundmauern (13. Jahrhundert), ehemalige Wasserburg (15. Jahrhundert), heute im Besitz der Familie von Canstein.[4]

Schulen / BildungBearbeiten

  • Thomas-von-Quentel-Schule, Grundschule in Walberberg
  • Jugendakademie Walberberg
    In den 1960er Jahren (erster Bauabschnitt 1964–1967 von Felix Stalder und Harald Schmuck) von der Dominikanischen Frauengemeinschaft gegründet. Dort besuchen Jugendliche und junge Erwachsene die Angebote der Jugendakademie Walberberg. Die Akademie liegt an einem Wiesenhang oberhalb von Walberberg. Sie besteht aus mehreren, als Einheit konzipierten Bauteilen, die sich um ein dreigeschossiges Hauptgebäude gruppieren, darunter aus abgetreppten Wohntrakten. Es handelt sich um eine rechteckige Stahlbetonskelettkonstruktion.[8]
  • Walberberger Museumsstube
    Das Walberberger Heimatmuseum im „Haus im Garten“ der katholischen Pfarrgemeinde St. Walburga wird vom Förderkreis Historisches Walberberg eV betrieben. Es vermittelt mit seiner archäologischen Sammlung und den interessanten Exponaten einen anschaulichen Einblick in die frühe Geschichte von Walberberg, von der Steinzeit bis zur Neuzeit.[9]

SonstigesBearbeiten

 
360-Grad-Panorama des Ortes mit Hexenturm und Pfarrkirche
Als Kugelpanorama anzeigen

Im Ort wurde teilweise die vierte Staffel der Fernsehserie Stromberg (ProSieben) gedreht. Er diente als Kulisse für das fiktive Finsdorf. Das (fiktive) Versicherungsbüro des Bernd Stromberg war dabei in der Walberberger Hauptstraße angesiedelt. Auch für die ARD-Krimiserie Mord mit Aussicht wurde auf das dortige dörfliche Flair zurückgegriffen.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daten – Zahlen – Fakten. Stadt Bornheim/Rheinland, 31. Dezember 2016, abgerufen am 12. Juni 2017.
  2. Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.); Ewald Glässer (Bearb.): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123. Selbstverlag, Bonn-Bad Godesberg 1978, ISBN 3-87994-328-1, S. 32. (=Geographische Landesaufnahme 1:200.000. Naturräumliche Gliederung Deutschlands)
  3. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 63/92.
  4. a b c Bernhard Gondorf: Die Burgen der Eifel und ihrer Randgebiete. Ein Lexikon der „festen Häuser“. J. P. Bachem, Köln 1984, ISBN 3-7616-0723-7, S. 51.
  5. Bernhard Gondorf: Die Burgen der Eifel und ihrer Randgebiete. Ein Lexikon der „festen Häuser“. J. P. Bachem, Köln 1984, ISBN 3-7616-0723-7, S. 50 (Motte Aldeburg).
  6. 3,14 × 55 × 33 m²
  7. Rufus Keller, Heribert Dietz, Gerfried A. Bramlage: Dominikaner in Walberberg. Dominikaner-Provinz Teutonia, Köln 2014, ISBN 978-3-00-046593-2.
  8. Ursel und Jürgen Zänker: Bauen im Bonner Raum 49–69. Versuch einer Bestandsaufnahme. In: Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kunst und Altertum am Rhein. Führer des Rheinischen Landesmuseums Bonn. Nr. 21. Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1969, S. 82/83.
  9. Homepage Walberberg - Museum

WeblinksBearbeiten

  Commons: Walberberg – Sammlung von Bildern