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Cäcilia von Rom

römische Märtyrerin, christliche Heilige und Patronin der Musik

Cäcilia von Rom (* um 200 in Rom; † um 230 ebenda) war eine frühchristliche Jungfrau und Märtyrin. Ihr Gedenktag ist der 22. November. Cäcilia gehört zu den Heiligen, die im Kanon des ersten Hochgebets der römisch-katholischen Kirche genannt werden.

Überlieferung

 
Domenichino, Kopfstudie für das Kuppelfresko der hl. Cäcilia in der Capella Farnesiana der Abtei von Grottaferrata, 1608–10
 
Marmor-Relief der heiligen Cäcilia, orgelspielend mit zwei singenden Engeln von Balthasar Schmitt. 1892 Rom.
 
Hl. Cäcilia in der Rosette der Pfarrkirche St. Laurentius Sommerau

Der kirchlichen Tradition zufolge, die sich auf die Passio sanctae Caeciliae stützte, war die heilige Cäcilia eine Jungfrau und Märtyrin, die im 3. Jahrhundert in Rom lebte und aus dem römischen Geschlecht der Cäcilier stammte.[1] Wiewohl sie im ältesten Verzeichnis der Märtyrer von Rom, der Depositio martyrium nicht genannt wird, finden sich Belege ihrer Verehrung ab dem 4. Jahrhundert. Der älteste Bericht findet sich im Martyrologium Hieronymianum, aus ihm geht hervor, dass ihr Fest in Rom bereits im 4. Jahrhundert begangen wurde.[2]

Den Märtyrerberichten (Actae) aus dem 5. Jahrhundert zufolge, die auch ins Griechische übertragen wurden[3], versprach sich die christliche Jungfrau Cäcilia, die aus einer Familie römischer Senatoren stammte, Jesus Christus und gelobte ewige Jungfräulichkeit. Ihre Eltern verheirateten sie mit dem heidnischen Jüngling Valerianus, der jedoch ihre Jungfräulichkeit unangetastet ließ, da Cäcilia ihm berichtete, sie sei mit einem Engel verlobt, der über ihren Körper wie über seinen Augapfel wache. Als Valerianus den Engel zu sehen wünschte, sandte Cäcilia ihn zur Via Appia, wo er Papst Urban begegnete, der Valerianus taufte, woraufhin der Engel erschienen sei und das Paar mit Rosen und Lilien krönte.[4] Wegen ihres Glaubens gaben Valerianus und sein Bruder Tiburtius reichlich Almosen. Sie beteiligten sich auch an Bestattung christlicher Märtyrer und wurden daraufhin von dem Präfekten Turcius Almachius zum Tode verurteilt. Ein anderer Soldat, Maximus, der mit der Ausführung der Hinrichtung beauftragt wurde, habe sich geweigert, sich zum Christentum bekannt und das Martyrium mit den beiden erlitten.

Cäcilia, die inzwischen das gemeinsame Haus der Kirche als Versammlungsort vermacht hatte, wurde dazu verurteilt, im Bad dieses Hauses ertränkt zu werden. Da sie jedoch unverletzt blieb, habe der Henker daraufhin versucht, sie zu enthaupten, was ebenfalls misslang. Schwer verwundet, lebte sie noch drei Tage lang und verteilte ihre Reichtümer unter den Armen. Papst Urban ließ sie zwischen Bischöfen und anderen Märtyrern in der Calixtus-Katakombe bestatten.[5]

Anderen Schilderungen des Martyriums zufolge seien alle drei, Valerianus, Tiburtius und später auch Cäcilia, enthauptet worden, weil sie das Opfer vor dem Tempel des Jupiter verweigert hätten.

Die lateinische Fassung der Actae geben als Zeitpunkt des Martyriums der heiligen Cäcilia die Regierungszeit des Severus Alexander an, die griechischen Menae hingegen die des Diokletian. Eine These, die auf Forschungen de Rossis basiert, besagt, Cäcilia habe das Martyrium schon zu einem früheren Zeitpunkt in Sizilien erlitten. De Rossi beruft sich dabei auf eine Schrift, in der es heißt „passa est autem beata virgo Marci Aurelii et Commodi imperatorum temporibus“ (das heißt in den Jahren 177–180).[6]

Im Jahre 822 ließ Papst Paschalis den Sarg der Heiligen aus Zypressenholz in eine ihr geweihte Kirche bringen. Der Legende nach wurde der Leichnam unverwest[7] geborgen und in der Basilika Santa Cecilia in Trastevere beigesetzt, die auf der überlieferten Stelle ihres Wohnhauses errichtet wurde. Die Basilika, die Stationskirche am Mittwoch der zweiten Fastenwoche ist[8], wurde in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgeschmückt, unter anderem mit der Fresken von Pietro Cavallini im 13. Jahrhundert und der berühmten Skulptur von Stefano Maderno. Dieser schuf die Statue nach der Öffnung des Sarges am 20. Oktober 1599; zuvor soll eine Terziarin des Ordens der Brüder und Schwestern von der Buße des hl. Dominikus, Caterina Paluzzi, in einer Vision die genaue Lage des Leibes der heiligen Cäcilia in der Kirche geschaut haben.[9]

Verehrung

Ihr Gedenktag in der katholischen Kirche, den orthodoxen Kirchen, der anglikanischen Gemeinschaft und der evangelischen Kirche ist der 22. November. Dies ist der Jahrestag der Weihe der über ihrem früheren Wohnhaus errichteten Basilika Santa Cecilia in Trastevere.[10]

Da die heilige Cäcilia vor allem als die Schutzpatronin der Kirchenmusik gilt, sind ihre Attribute die Orgel, ein anderes kleineres Tasteninstrument oder andere Instrumente wie die Geige, zusätzlich das Schwert (als Attribut des Martyriums) und Rosen als Attribut der Jungfräulichkeit.

Verbindung zur Kirchenmusik

 
Darstellung der hl. Cäcilia auf einer Fahne aus dem Jahr 1929 (die zahlreichen Rosen sind ein Attribut der Heiligen)
 
Cantantibus organis, gregorianische Antiphon zu den Laudes am Cäcilientag

Die Verbindung der hl. Cäcilia zur Kirchenmusik, insbesondere zum Stundengebet und zum Orgelspiel, die in der christlichen Ikonographie eine große Rolle spielt, hat ihren Ursprung im Martyrologium Hieronymianum vom Anfang des 5. Jahrhunderts: Venit dies in quo thalamus collocatus est et cantantibus organis illa in corde suo soli Domino decantabat dicens: Fiat cor meum et corpus meum immaculatum, ut non confundar („Es kam der Tag, auf den die Hochzeit festgesetzt war, und zum Klang der Instrumente sang sie in ihrem Herzen allein dem Herrn mit den Worten: ‚Mögen mein Herz und mein Leib unbefleckt sein, damit ich nicht zuschanden werde‘.)

Die teils aus der Passio der Heiligen stammenden Texte finden sich im römischen Stundenbuch seit dem 8. Jahrhundert.[11] In der ersten Antiphon zu den Laudes vom Fest der heiligen Cäcilia wurde daraus: Cantatibus organis, Caecilia Domino decantabat dicens: Fiat cor meum immaculatum, ut non confundar („Zum Klang der Instrumente sang die Jungfrau Cäcilia dem Herrn mit den Worten: Möge mein Herz unbefleckt sein, damit ich nicht zuschanden werde“).[12] Ähnliche Formulierungen enthielten der Antwortgesang und die Lesung der Matutin.[13]

Die Cäcilienfeiern wurden im 17. und 18. Jahrhundert mit großen, eigenen Kompositionen, den Cäcilienoden, begangen. Unter den Komponisten, die dazu Werke beitrugen waren Henry Purcell, John Blow, Jeremiah Clarke, Maurice Greene, Daniel Purcell und Georg Friedrich Händel (Alexander’s Feast or the Power of Music. An Ode Wrote in Honour of St. Cecilia und Ode for St. Cecilia’s Day, Texte von John Dryden). Im deutschsprachigen Raum entstand beispielsweise das Werk Cäcilia oder Die Feier der Tonkunst des Komponisten Georg Valentin Röder (1780–1848). Auch Benjamin Britten folgte mit der Hymn to St. Cecilia (Text von W. H. Auden) dieser Tradition. In Italien schuf Alessandro Scarlatti 1708 das Oratorium Il martirio di Santa Cecilia. Charles Gounod komponierte 1855 die Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile, die im Deutschen meist kurz Cäcilienmesse genannt wird.

Der Cäcilianismus ist eine einflussreiche katholische kirchenmusikalische Restaurationsbewegung aus dem 19. Jahrhundert. Von der heiligen Cäcilia leitet sich auch der Name des Kirchenmusikfestivals Cecyliada in Police in Polen her.

Siehe auch

Literatur

Darstellungen, Monographien:
Adaptionen:

Weblinks

  Commons: Cäcilia von Rom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bernhard Hemmerle: Die heilige Caecilia – Patronin der Kirchenmusik (Digitalisat)
  2. Johann Peter Kirsch, St. Cecilia, in The Catholic Encyclopedia, Band 3, New York: Robert Appleton Company, 1908.
  3. Johann Peter Kirsch, St. Cecilia, in The Catholic Encyclopedia, Band 3, New York: Robert Appleton Company, 1908.
  4. Johann Peter Kirsch, St. Cecilia, in The Catholic Encyclopedia, Band 3, New York: Robert Appleton Company, 1908.
  5. Johann Peter Kirsch, St. Cecilia, in The Catholic Encyclopedia, Band 3, New York: Robert Appleton Company, 1908.
  6. James Barber Lightfoot: The Apostolic Fathers (Patres Apostolici), Band 2. S. 520
  7. Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 91.
  8. Das vollständige Römische Meßbuch – lateinisch und deutsch mit allgemeinen und besonderen Einführungen im Anschluß an das Meßbuch von Anselm Schott OSB, Benediktiner der Erzabtei Beuron (Hrsg.), Herder, 1952, S. 992
  9. Alessia Lirosi, Il corpo di santa Cecilia (Roma, III-XVII secolo), S. 5–51, Nr. 36 in: Mélanges de l'École française de Rome, Custodi del sacro. Le monache romane e il culto delle reliquie nella Roma della Controriforma (Rivista della Storia della Chiesa in Italia), 2/2012;
  10. Bernhard Hemmerle: Die heilige Caecilia – Patronin der Kirchenmusik (Digitalisat)
  11. Bernhard Hemmerle: Die heilige Caecilia – Patronin der Kirchenmusik (Digitalisat)
  12. Antiphonale monasticum pro diurnis horis. Juxta vota RR. DD. Abbatum congregationum confoederatarum ordinis Sancti Benedicti a solesmensibus monachis, 1934, S. 1140
  13. Bernhard Hemmerle: Die heilige Caecilia – Patronin der Kirchenmusik (Digitalisat)