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Rüegsau
Wappen von Rüegsau
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Emmentalw
BFS-Nr.: 0956i1f3f4
Postleitzahl: 3417
UN/LOCODE: CH HRU (Hasle-Rüegsau)

CH RUE (Rüegsauschachen)

Koordinaten: 617741 / 208133Koordinaten: 47° 1′ 26″ N, 7° 40′ 19″ O; CH1903: 617741 / 208133
Höhe: 589 m ü. M.
Fläche: 15,1 km²
Einwohner: 3256 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 216 Einw. pro km²
Website: www.ruegsau.ch
Karte
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Rüegsau ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Emmental des Kantons Bern in der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Rüegsau liegt im unteren Emmental. Die Gemeinde umfasst von der Emme her entlang des Rüegsbaches die Dörfer Rüegsauschachen, Rüegsau, Rüegsbach und Rinderbach sowie mehrere Weiler. Sie hat etwa die Form eines Rechteckes von rund 2 km Breite und 8 km Länge. Der tiefste Punkt liegt am Ufer der Emme auf 560 m. ü. M., der höchste Punkt auf der Höchi oberhalb des Vorderen Almisberg auf 841 m. ü. M.[2]

WirtschaftBearbeiten

In der Gemeinde liegen die Hauptsitze der Firmen Blaser Swisslube AG, einem der führenden Hersteller von Kühl- und Schmiermitteln für die Maschinenindustrie, und des europaweit tätigen Ingenieur- und Vermessungsunternehmens von Hans Grunder, die Grunder Ingenieure AG. 2017 gab es in der Gemeinde 67 Landwirtschaftsbetriebe.[2]

TourismusBearbeiten

 
Kirche Rüegsau mit Pfarrhaus
 
Kapelle St. Blasius Rüegsbach

Der Tourismus spielt nur eine kleine aber nicht unbedeutende Rolle, mehrere typische Emmentaler Gasthöfe bieten Zimmer an und im Weiteren sind Ferien auf dem Bauernhof möglich.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Ein kleines Museum zur Geschichte liegt direkt an der Emme. In der Kapelle St. Blasius im Ortsteil Rüegsbach befinden sich die ältesten Kirchenglocken der Schweiz (aus dem 12. und 13. Jahrhundert). Die Hauptsehenswürdigkeit ist jedoch die Holzbrücke über die Emme zwischen den Gemeinden Hasle und Rüegsau.

Die Brücke von RüegsauBearbeiten

 
Alte, gedeckte Brücke

Die Bogenholzbrücke ersetzte eine Jochbrücke, die 1837 bei der Wassernot im Emmental fortgeschwemmt wurde. Jeremias Gotthelf schrieb darüber:

«Tobend wütete die Emme das Tal hinunter, viele hundert Fuss breit, fast von einem Emmenrain zum andern, Hasle und dem Rüegsauschachen zu. Dort hatten die Winkelwirtschaften sich längst geleert, männiglich ängstlich die dreifach gejochte Brücke verlassen, die mit ihren engen Zwischenräumen den Holzmassen den freien Durchgang wehrte. Hier wie an allen oberen Orten dachte kein Mensch an Massnahmen zur Schirmung der Brücken, wie es doch in früheren Zeiten üblich wart und namentlich bei der Haslebrücke. Die gehemmte Emme bäumte Tanne auf Tanne, Trämel[3] auf Trämel, bis weit oberhalb der Brücke türmten sich die krachenden Holzhaufen. Zu beiden Seiten strömten nun die Wasser aus mit immer steigender Gewalt und suchten dem Strom eine ungehemmte Bahn. Noch einige Minuten, und ihr Beginnen wäre auf der Hasleseite gelungen. Es harrten in den Schrecken des Todes die Kalchofenbewohner der einbrechenden Wasserflut, welche die ganze Oberburgebene verwüstet ein neues Bett sich gegraben hätte. Es flohen die Rüegsauer durch das steigende Wasser und überall war ein Beten, dass die Brücke doch voneinander gehen möchte.»[4]

Die alte Brücke wurde fortgeschwemmt. 1837 wurde der Neubau einer Bogenholzbrücke von der Berner Regierung bewilligt. 1955 wurde diese Brücke abgebrochen und durch eine moderne Betonbrücke ersetzt. Die Holzbrücke wurde gelagert und 600 m weiter Emme abwärts in den Jahren 1957/1958 wieder aufgebaut. Sie ist mit einer Bogenspannweite von 60,15 m die längste Holzbogen-Spannbrücke Europas.[5] und wurde zum Wahrzeichen der Gemeinden Hasle und Rüegsau.

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Hasle-Rüegsau der BLS AG wird zusammen mit der Gemeinde Hasle bei Burgdorf benutzt.

GeschichteBearbeiten

Der Name Rüegsau erscheint erstmals in einer Urkunde von 1139 und kommt von "ruggere aue", oder "ruhe Aue". Prägend für die ganze mittelalterliche Geschichte von Rüegsau war ein 1528 aufgehobenes Benediktinerinnenkloster, das Kloster Rüegsau.[6]

BevölkerungBearbeiten

Die Gemeinde zählte am 31. Dezember 2017 3256 Einwohner. Nach einem deutlichen Bevölkerungsrückgang in den 1960er und 70er Jahren, wächst die Bevölkerung seit den 1990er Jahren gleichmässig.[7]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1764 1850 1900 1950 1980 2000
Einwohner 959 2294 2567 2902 2611 2935

PolitikBearbeiten

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahl 2015 betrugen: SVP 40,6 %, BDP 17,6 %, EDU 10,8 %, SP 9,9 %, FDP 6,3 %, EVP 6,1 %, GPS 3,3 %, glp 2,8 %, CVP 0,8 %.[8]

SchulenBearbeiten

Die Gemeinde betreibt zwei Primarschulen, eine in Rüegsbach und eine im Rüegsauschachen. Zusammen mit Hasle wird eine Sekundarschule betreiben. Zwei weitere Primarschulen in Neuegg[9] und Rinderbach wurden geschlossen.

BücherBearbeiten

  • Walter Laedrach: Die Brücke von Rüegsau, 1926
  • Hans Würgler: Heimatkunde von Rüegsau, 1965
  • Walter Lehmann: Üsi Gmein, üses Dörfli u dr Mucky, 2012

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. a b Gemeinde Rüegsau - Zahlen und Fakten (Memento vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive) Webseite der Gemeinde
  3. Tanne bezeichnet zum Bau von Flusswehren und Staudämmen benutzte Tannenäste, Trämel, abgeleitet von Tram, «Balken», sind Rundhölzer wie sie etwa bei der Konstruktion von Geländetreppen verwendet wurden. Vgl. Alfred Helfenstein: Das Namengut des Pilatusgebietes. Keller, Luzern 1982, ISBN 3-85766-004-X, S. 38 f. (Tänsch, Trämelegg). Siehe auch Trambaum und Trambahn.
  4. Jeremias Gotthelf: Die Wassernot im Emmental am 13. August 1837, Erzählung, Erstdruck 1852
  5. Daten zur Brücke (Memento vom 11. September 2016 im Internet Archive)
  6. Hans Würgler: Heimatkunde von Rüegsau, 1965
  7. Anne-Marie Dubler: Rüegsau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  8. Resultate der Gemeinde Rüegsau. Staatskanzlei des Kantons Bern, 18. Oktober 2015, abgerufen am 23. April 2016.
  9. Berner Zeitung: Die Neuegg wird zur Seminardestination