Matrei am Brenner

Gemeinde in Österreich

Matrei am Brenner, ehemals Deutsch-Matrei[1] (in Abgrenzung zu Windisch-Matrei, häufig abgekürzt Matrei a. Br.), ist eine Marktgemeinde mit 918 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2021) im Bezirk Innsbruck-Land in Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Innsbruck.

Marktgemeinde
Matrei am Brenner
Wappen Österreichkarte
Wappen von Matrei am Brenner
Matrei am Brenner (Österreich)
Matrei am Brenner
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Innsbruck-Land
Kfz-Kennzeichen: IL
Fläche: 0,36 km²
Koordinaten: 47° 8′ N, 11° 27′ OKoordinaten: 47° 7′ 51″ N, 11° 27′ 11″ O
Höhe: 992 m ü. A.
Einwohner: 918 (1. Jän. 2021)
Bevölkerungsdichte: 2568 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6143
Vorwahl: 05273
Gemeindekennziffer: 7 03 27
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Brennerstraße 59
6143 Matrei am Brenner
Website: www.matrei-brenner.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Paul Hauser
Gemeinderat: (Wahljahr: 2016)
(11 Mitglieder)

5 Liste für Arbeiter Angestellte und Wirtschaftstreibende, 3 Aktiv für Matrei, 3 Matreier Liste

Lage von Matrei am Brenner im Bezirk Innsbruck-Land
AbsamAldransAmpassAxamsBaumkirchenBirgitzEllbögenFlaurlingFritzensFulpmesGnadenwaldGötzensGries am BrennerGries im SellrainGrinzensGschnitzHall in TirolHattingInzingKematenInnsbruckKolsassKolsassbergLansLeutaschMatrei am BrennerMiedersMilsMühlbachlMuttersNattersNavisNeustift im StubaitalOberhofen im InntalObernberg am BrennerOberperfussPatschPettnauPfaffenhofenPfonsPolling in TirolRanggenReith bei SeefeldRinnRumSt. Sigmund im SellrainScharnitzSchmirnSchönberg im StubaitalSeefeldSellrainSistransSteinach am BrennerTelfes im StubaiTelfsThaurTrinsTulfesUnterperfussValsVölsVoldersWattenbergWattensWildermiemingZirlTirolLage der Gemeinde Matrei am Brenner im Bezirk Innsbruck-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Brennerpassstraße in Matrei
Brennerpassstraße in Matrei
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Matrei liegt im nördlichen Teil des Wipptals, etwa 17 km südlich von Innsbruck. Matrei mit seinem geschlossenen Ortskern mit teils reich verzierten Bürger- und Gasthäusern ist flächenmäßig die zweitkleinste Gemeinde Österreichs (nach Rattenberg).

Kulturell, wirtschaftlich und siedlungsmäßig ist die Gemeinde stark mit Pfons und Mühlbachl verbunden.

NachbargemeindenBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Funde der späten Bronzezeit und der Hallstattkultur beweisen eine frühe Besiedelung an einer verkehrsgeografisch wichtigen Stelle. Der Name leitet sich von der römischen Straßenstation Matreium ab, die in der Tabula Peutingeriana verzeichnet ist, und hat wahrscheinlich einen vorrömischen Ursprung. Zahlreiche Urnengräber deuten auf eine größere antike Siedlung hin. 955 wurde ein „locus Matereia“ erstmals urkundlich erwähnt.

Mit dem Namen war ursprünglich ein Wald gemeint (1160: „apud silvam Matereia“). Der Name lässt sich zu lateinisch materia ‚Bauholz‘ stellen. Noch heute gibt es die Flur Matreiwald in der Nachbargemeinde Mühlbachl.[2]

 
Matrei mit der Pfarrkirche im Vordergrund, zwischen 1870 und 1898

In der Zeit der Karolinger wurde in Matrei eine Pfarre errichtet. Diese erstreckte sich einst über das gesamte mittlere und untere Wipptal. 1251 wurde Matrei zum Markt erhoben. 1497 trat der Bischof von Brixen den Markt an Tirol ab, das Marktgericht blieb jedoch bis 1810 bestehen und wurde dann dem Landgericht Steinach einverleibt.[3] Matrei gehörte lange Zeit zum Besitz der Grafen und Fürsten von Trautson. Der rege Personen- und Warenverkehr über den Brennerpass machte Matrei zu einer wichtigen Station im Fuhrverkehr. Er hörte mit der Eröffnung der Brennerbahn 1867 fast gänzlich auf.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Matrei am 22. März 1945 bombardiert, es gab 48 Todesopfer. Die zerstörten Häuserreihen wurden nach dem Krieg in der ortsüblichen Bauweise wiedererrichtet.

Eine Gemeindezusammenlegung mit Mühlbachl und Pfons wurde in einer Volksabstimmung 1974 abgelehnt, 2020 mit deutlichen Mehrheiten in allen drei Gemeinden jedoch befürwortet. Die Fusion soll zum 1. Jänner 2022 erfolgen.[4]

Oberhalb von Matrei in der Gemeinde Mühlbachl steht die 1622 errichtete Wallfahrtskirche und das Kloster von Maria Waldrast.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung von Matrei am Brenner

PolitikBearbeiten

Die letzten Bürgermeisterwahlen fanden gleichzeitig mit den Gemeinderatswahlen am 14. März 2010 statt.[5]

Paul Hauser wurde zum Bürgermeister und Lisa Jenewein zur Vizebürgermeisterin gewählt.

Partei Prozent Stimmen Sitze im Gemeinderat Koppelung
Liste für Arbeiter, Angestellte und Wirtschaftstreibende 43,43 % 248 5 A
Aktiv für Matrei 19,96 % 114 2 B
Matreier Liste 16,11 % 92 2 A
Unser Matrei-Unsere Zukunft 20,49 % 117 2 B

Im Herbst 2020 hat die Bevölkerung für eine Gemeindefusion mit Pfons und Mühlbachl votiert.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die Matreier Pfarrkirche bzw. Wallfahrtskirche Unser Herr im Elend und die Friedhofskirche hl. Johannes stehen auf der anderen Seite der Sill in der Altstadt auf Pfoner Gemeindegebiet.
  • Spitalskirche Heiliger Geist
  • Die Burgruine Matrei steht auf einer das Wipptal sperrenden Hügelkette in Mühlbachl
  • Burg Trautson

TourismusBearbeiten

Die Gemeinde Matrei gehört touristisch gesehen zum Tourismusverband Wipptal und seine Seitentäler. Besonders prägend für die Gegend ist das Naturschutzgebiet „Serles – Blaser – Zuckerhütl“ und das Kloster Maria Waldrast, das sich bereits auf Gemeindegebiet von Mühlbachl befindet. Die Serles, gerne als „Hochaltar Tirols“ bezeichnet, gehört wohl aufgrund seiner Form zu den bekanntesten und markantesten Berggipfeln rund um Innsbruck. Am Fuße der Serles liegt das höchstgelegene Kloster Mitteleuropas: Maria Waldrast.

SommerBearbeiten

Das Erlebnisreich rund um das Kloster umfasst ein umfangreiches Wegenetz für Wanderer mit den Themenwegen Quellenweg und Schöpfungsweg. Als Einkehrmöglichkeit gibt es die Ochsenalm sowie den Klostergasthof Maria Waldrast mit großer Sonnenterrasse.

WinterBearbeiten

Anfang Dezember findet seit 2001 jährlich der "Tiroler Operettenadvent" in Matrei statt. Neben einem traditionellen Weihnachtsmarkt mit Musik-Gruppen, Hirtenspiel und regionalen Produzenten im Ortskern von Matrei (auch direkt in den Handwerksbetrieben/Gasthöfen) gibt es noch eine musikalische Aufführung im Gemeindesaal von Pfons. Ansonsten gibt es schöne Winterwanderwege und eine 5 km lange beleuchtete Naturrodelbahn bei Maria Waldrast.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Von wirtschaftlicher Bedeutung sind Tourismus und Gewerbebetriebe. Die Wasserkraft der Sill wird durch das 1898 errichtete Laufkraftwerk Brennerwerk mit einer Leistung von 7,7 MW genutzt.

Verkehrsmäßig ist der Ort durch die Brenner-Bundesstraße, die Brennerautobahn und mit einem Bahnhof der Brennerbahn erschlossen. Von Matrei gibt es durch die S-Bahn Tirol (Linie S3 und Linie S4) eine Anbindung an Innsbruck und den Brenner. Vom Bahnhof in Matrei kommt man anschließend mit dem Bus ins Navistal.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Otto Jäger († 1385), Abt von Kloster Ebrach (1349–1385)
  • Josef Eisenstecken (1779–1827), Tiroler Freiheitskämpfer und k.k. Major
  • Joseph Stolz (1811–1877), Wundarzt und Psychiater in Hall in Tirol
  • Michael Stolz (1820–1890), Bildhauer und Zeichner
  • Hans Buchgschwenter (1898–1985), Bildhauer und Maler
  • Sepp Tanzer (1907–1983), Komponist und langjähriger Kapellmeister der Stadtmusikkapelle Wilten (Innsbruck)
  • Max Bair (1917–2000), Interbrigadist, später Landessekretär der Kommunistischen Partei Österreichs in Tirol
  • Maria Isser (1929–2011), Rennrodel-Weltmeisterin 1957
  • Marianne Stöger (* 1934), Lepra-Krankenschwester in Südkorea
  • Andreas Hörtnagl (* 1942), Bürgermeister in Gries am Brenner
  • Günther Mader (* 1964), österreichischer Skirennläufer
  • Alfred Hörtnagl (* 1966), österreichischer Fußballspieler

WeblinksBearbeiten

Commons: Matrei am Brenner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Matrei am Brenner – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der Große Brockhaus, Leipzig, 15. Aufl. 1932, Bd. 12, S. 254
  2. Peter Anreiter, Christian Chapman, Gerhard Rampl: Die Gemeindenamen Tirols: Herkunft und Bedeutung (= Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchives). Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 3-7030-0449-5, S. 154 ff.
  3. Mag. Michael Fritz: Matrei am Brenner. Abgerufen am 16. November 2018 (österreichisches Deutsch).
  4. Wipptaler sind für Gemeindefusion, tirol.orf.at vom 20. September 2020
  5. [1] tirol Unser Land