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Karel Gott (2018)
Karel Gotts Unterschrift

Karel Gott (* 14. Juli 1939 in Pilsen; † 1. Oktober 2019 in Prag) war ein tschechischer Sänger und Komponist. Der „goldene Stimme aus Prag“ genannte Schlagersänger, der auch auf Deutsch sang, hat Schätzungen zufolge mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft.[1]

Leben und KarriereBearbeiten

 
Karel Gott (2002)
 
Museum Gottland (2007)

Karel Gott war das einzige Kind von Karel Gott (1911–1982) und Marie Valešová (1910–1977). Als Sechsjähriger zog er mit seinen Eltern von Pilsen nach Prag. Dort besuchte er das Gymnasium und spielte mit Freunden in Tanzcafés. Eigentlich wollte er Kunstmaler werden, sah jedoch keine Chance, die Aufnahmeprüfung der Kunstakademie Prag zu bestehen, und machte zunächst bei ČKD eine Ausbildung zum Starkstromelektriker.

1958 begann seine Karriere mit Auftritten in Prager Tanzcafés. Im folgenden Jahr fiel er bei einem Nachwuchswettbewerb dem tschechoslowakischen Bandleader Karel Krautgartner auf, der ihn auf eine Tournee mitnahm und ihn dem Prager Konservatorium empfahl, wo er drei Jahre Gesang studierte. Erste Aufnahmen machte er 1960 auf Englisch. 1963 erschien seine erste Single, eine tschechische Version von Henry Mancinis Moon River. 1967 nahm er am Midem-Festival in Cannes teil und absolvierte ein sechsmonatiges Gastspiel in Las Vegas.

Beim Grand Prix Eurovision 1968 vertrat er Österreich mit dem von Udo Jürgens geschriebenen Lied Tausend Fenster. Er belegte Platz 13. Im folgenden Jahr war er im Film Charley’s Onkel in einem Gastauftritt mit zwei Schlagern zu sehen. In der Zeit nach dem Ende des Prager Frühlings erwog er bei einem längeren Aufenthalt im westlichen Ausland kurzzeitig die Emigration, kehrte aber schließlich in die Tschechoslowakei zurück. 1975 wurde in Wuppertal der erste Karel-Gott-Fanclub Deutschlands gegründet.[2]

Eines seiner bekanntesten Lieder ist das Titellied Die Biene Maja der japanischen Zeichentrickserie Die Biene Maja. Die meisten seiner Schlager komponierte Karel Svoboda. Zu seinen in Deutschland populären Hits zählen die Titel Weißt du wohin, Schicksalsmelodie, Einmal um die ganze Welt, Bábička, Nie mehr Bolero, Das Mädchen aus Athen, Jede Nacht oder Fang das Licht (im Duett mit Darinka). Textdichter seiner rund 900[3] auf Deutsch gesungenen Lieder sind unter anderem Michael Kunze, Bernd Meinunger, Filip Albrecht,[4] Kurt Feltz sowie Fred Weyrich.

Karel Gott wurde als „Die goldene Stimme aus Prag“, „Sinatra des Ostens“, „Goldene Nachtigall“ oder „Bote guter Nachrichten“ bezeichnet. Er trat in zahlreichen TV-Shows auf. Neben seiner eigenen Show trat er auch in der Gilbert Bécaud Show, beim Nashville Country Music Festival, auf der Europarty, in der Rudi Carrell Show, der James Last Show oder bei Ein Kessel Buntes auf. Seine Diskografie umfasst rund 120 Alben, zu denen sich zahlreiche Kompilationen gesellen. Es gibt keine offiziellen Angaben über die Anzahl seiner verkauften Alben. Schätzungen zufolge wurden mehr als 30 Millionen Tonträger verkauft.[3] Allein in Tschechien und der Slowakei verkauften sich seine Alben insgesamt etwa 15 Millionen Mal, wofür ihm als bisher einzigem Interpreten eine Diamantene Schallplatte durch den bedeutendsten tschechischen Verlag Supraphon überreicht wurde.

Karel Gott wurde mit mehr als 50 Diamant-, Platin-, Goldenen und Silbernen Platten als erfolgreichster Künstler von Supraphon, Melodija, Polydor, Philips, PolyGram, Universal und anderen Verlagen geehrt. Beim tschechischen Publikumspreis „Goldene Nachtigall“ wurde er 42 Mal zum Lieblingssänger des Jahres gekürt.[5][6] Er arbeitete mit Musikverlagen aus Europa, den Vereinigten Staaten und Japan zusammen. So veröffentlichte er seine Aufnahmen nicht nur in vielen europäischen Ländern von Portugal bis Russland, sondern auch in den Vereinigten Staaten, Kanada und Japan. Obwohl er auch Lieder auf Französisch, Italienisch, Russisch, Hebräisch, Spanisch, Romani, Polnisch, Ungarisch, Serbokroatisch und in anderen Sprachen sang, waren seine Alben auf Tschechisch und Deutsch am erfolgreichsten.

In der Villa in Jevany östlich von Prag, die Karel Gott von 1969 bis 2005 bewohnte, hat 2006 das Museum Gottland eröffnet, das Ende Februar 2009 vorläufig wegen finanzieller Probleme geschlossen wurde.[7] 2008 nahm Karel Gott mit dem Rapper Bushido das Lied Für immer jung auf, das Platz 5 der deutschen Singlecharts erreichte und mit zwei Goldenen Schallplatten ausgezeichnet wurde. 2010 spielte er sich selbst bei einem Gastauftritt in Bushidos autobiografischem Film Zeiten ändern dich.

Politisches und gesellschaftliches EngagementBearbeiten

In Tschechien wurde ihm mitunter sein ungestörtes Verhältnis zum früheren kommunistischen Regime in der Tschechoslowakei vorgeworfen. Er gehörte zu den Mitunterzeichnern der von der Kommunistischen Partei initiierten „Anticharta“ und damit zu den Künstlern, die sich öffentlich gegen die demokratischen Ideen der Charta 77 aussprachen.[8]

PrivatesBearbeiten

 
Ivana und Karel Gott 2013

Karel Gott war mit Ivana Macháčková (* 1976) verheiratet. Die Hochzeit fand im Januar 2008 in Las Vegas statt. Mit ihr hat er zwei Töchter, die 2006 und 2008 geboren wurden. Zwei weitere Töchter (* 1973 und * 1987) stammen aus zwei früheren, nichtehelichen Verbindungen. Er lebte mit seiner Familie in einer Villa auf einem Hügel im Prager Stadtteil Smíchov. Im November 2015 wurde bekannt, dass er an Krebs (Non-Hodgkin-Lymphom) erkrankt war.[9] Nach mehrmonatiger Behandlung galt er nach Ansicht der Ärzte seit Juli 2016 als geheilt.[10] Im September 2019 gab er bekannt, dass bei ihm akute Leukämie diagnostiziert worden war.[11] Karel Gott starb am 1. Oktober 2019 im Alter von 80 Jahren in seinem Prager Haus im Kreise der Familie.[12] Tschechien nahm am 12. Oktober 2019 mit einem Staatstrauertag im Prager Veitsdom Abschied von Karel Gott. Die Messe zelebrierte der Prager Erzbischof Dominik Duka.[13]

DiskografieBearbeiten

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schlagerstar Karel Gott ist gestorben. In: n-tv. 2. Oktober 2019. Abgerufen am 2. Oktober 2019: „Karel Gott stand fast sechs Jahrzehnte auf der Bühne und veröffentlichte fast 300 Plattenalben und CDs, die Schätzungen zufolge mehr als 50 Millionen Mal verkauft wurden.“
  2. Wo die schönen Mädchen wohnen. In: wuppertaler-rundschau.de, 5. April 2015, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  3. a b Karel Gott – Die Heiterkeit des Seins. Porträt zum 75.Geburtstag. In: Die Zeit. Nr. 21, 15. Mai 2014, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  4. Robert Rohál: Textů pro Karla Gotta jsem napsal asi dvacet, říká německý textař Filip Albrecht. Interview mit Karel Gotts Textdichter Filip Albrecht. In: novinky.cz (tschechisch), 31. Januar 2014, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  5. Zu Karel Gotts 80er: Schlangestehen für „Null-Euro“-Schein. In: orf.at, 14. Juli 2019, abgerufen am 14. Juli 2019.
  6. Schlagerstar Karel Gott ist gestorben. In: n-tv. 2. Oktober 2019. Abgerufen am 2. Oktober 2019: „Insgesamt 42 Mal gewann er den Publikumspreis "Goldene Nachtigall".“
  7. Karel-Gott-Museum Gottland geschlossen@1@2Vorlage:Toter Link/news.orf.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., orf.at, 1. März 2009.
  8. Mariusz Szczygiel: Gottland. Reportagen. Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-41966-3.
  9. Karel Gott. Er hat Krebs. In: gala.de, 3. November 2015, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  10. Karel Gott feiert Comeback nach schwerer Krebserkrankung. In: sueddeutsche.de. 11. Oktober 2016, abgerufen am 10. März 2018.
  11. Zdrcující zpráva: Karel Gott má leukemii!. In: blesk.cz (tschechisch), 12. September 2019, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  12. Süddeutsche Zeitung: Schlagersänger Karel Gott ist tot. 2. Oktober 2019, abgerufen am 2. Oktober 2019.
  13. mdr/dpa: Letzte Ehre für Sänger Karel Gott - Requiem im Prager Veitsdom 12. Oktober 2019, abgerufen am 13. Oktober 2019.
  14. Verleihung der Nationalmedaille. In: shortnews.de, 30. Oktober 2009.
  15. https://www.trebbia.org/en/
  16. Karel Gott: Unser Beruf geht praktisch zu Ende. In: focus.de, 13. Mai 2014.