Ich steh mit einem Fuß im Grabe

Kantate von Johann Sebastian Bach

Ich steh mit einem Fuß im Grabe (BWV 156) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte das Werk in Leipzig für den 3. Sonntag nach Erscheinung des Herrn, die am 6. Januar gefeiert wird, und führte es erstmals am 23. Januar 1729 auf.[1] Die Kantate ist bekannt für ihre Eröffnungssinfonie für das Orchester und das Oboensolo.

Bachkantate
Ich steh mit einem Fuß im Grabe
BWV: 156
Anlass: 3. Sonntag nach Erscheinung des Herrn
Entstehungsjahr: 1729
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Kantate
Solo: A,T,B
Chor: (S,A,T,B)
Instrumente: Ob; 2Vl, Va; Bc
Text
Johann Hermann Schein, Kaspar Bienemann
Liste der Bachkantaten

GeschichteBearbeiten

Ich steh mit einem Fuß im Grabe war Bachs vierte und letzte Kantate für den dritten Sonntag nach Erscheinung des Herrn (Epiphanie). Die vorgeschriebenen Schriftlesungen für diesen Sonntag wurden aus dem Brief des Paulus an die Römer (Regeln für das Leben [Römer 12, 17–21 EU]) und aus dem Evangelium nach Matthäus (Heilung eines Aussätzigen [Matthäus 8, 1–13 EU])[2] entnommen. Der Librettist war Christian Friedrich Henrici (auch als Picander bekannt). Er brachte zwei Choralmelodien ein: Machs mit mir, Gott, nach deinem Güt von Johann Hermann Schein (1628) und Herr, wie du willst, so schicks mit mir von Kaspar Bienemann (1582).[1] Die Sinfonie stammt wahrscheinlich aus einem früheren Oboenkonzert und wurde später im Rahmen von Bachs Cembalokonzert in f-Moll adaptiert.[1]

Besetzung und AufbauBearbeiten

Das Werk ist für drei Vokalsolisten (Alt, Tenor und Bass), einen vierstimmigen Chor, eine Oboe, zwei Violinen, eine Bratsche und den Generalbass geschrieben.[3]

Die Kantate hat sechs Sätze:

  1. Sinfonie
  2. Choral (Sopran) und Arie (Tenor): Ich steh mit einem Fuß im Grabe
  3. Rezitativ (Bass): Mein Angst und Not
  4. Arie (Alt): Herr, was du willt, soll mir gefallen
  5. Rezitativ (Bass): Und willst du, dass ich nicht kranken soll
  6. Choral: Herr, wie du willst, so schicks mit mir.

MusikBearbeiten

Die Eröffnungssinfonie ist mit Oboe, Streichinstrumenten und Generalbass besetzt und in F-Dur geschrieben.[1] Im Vergleich zu einer späteren Version für Cembalo und Orchester (dem langsamen Satz des Konzerts BWV 1056) ist die Melodie klar, unkompliziert und harmonisch auf die Vorbereitung des zweiten Satzes ausgelegt.[4]

Der zweite Satz ist eine Kombination aus einer Tenor-Arie und einem Sopran-Choral mit obligaten Streichinstrumenten. Ungewöhnlich ist der Beginn mit einer synkopierten Generalbass-Linie unter Unisono-Streichinstrumenten.[1][5] Der Satz enthält Sequenzen und harmonische Kontraste.[4]

Beide Bass-Rezitative sind als Secco-Rezitativ in Moll-Tonart verfasst. Der erste und der dritte Satz der Kantate sind durch eine disjunkte Melodielinie und eine abschließende Arioso-Linie gekennzeichnet. Der zweite und der fünfte Satz sind vergleichsweise „heller in Stimmung und Geist“.[4] Es nimmt die Melodie der Choralfassung vorweg.[6]

Die Altarie wird von Oboe und Violine in Terz und Sexten begleitet. Der Satz enthält mehrere Beispiele für Wortmalerei.[1] Formal handelt es sich bei dem Satz um eine veränderte Da capo-Arie.[4] Es hat einen „allgemein sonnigen Effekt; … wird nur vorübergehend durch aufgeladene Harmonien gestört“.[5]

Der letzte Satz ist eine vierteilige Fassung des Chors in C-Dur.[1] Die Phrasenlängen werden variiert, um einen „Hinweis auf Zeitlosigkeit“ zu liefern.[4]

AufnahmenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g Traupman-Carr, Carol: Cantata 156, Ich steh mit einem Fuß im Grabe. Bach Choir of Bethlehem. 2005. Abgerufen am 14. Februar 2012.
  2. Cantata BWV 156. bach-cantatas. Abgerufen am 4. Juni 2013.
  3. BWV 156. University of Alberta. Abgerufen am 4. Juni 2013.
  4. a b c d e Mincham, Julian: Chapter 40 BWV 156. jsbachcantatas. Abgerufen am 4. Juni 2013.
  5. a b BWV 156. Emmanuel Music. Abgerufen am 4. Juni 2013.
  6. Cantata No. 156. Allmusic. Abgerufen am 4. Juni 2013.