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Großlellenfeld

Ortsteil des Marktes Arberg

Großlellenfeld ist ein Ortsteil des Marktes Arberg im mittelfränkischen Landkreis Ansbach. Mit 537 Einwohnern ist er der größte Ortsteil des Marktes.

Großlellenfeld
Markt Arberg
Koordinaten: 49° 6′ 51″ N, 10° 37′ 55″ O
Höhe: 480 (460–489) m ü. NHN
Fläche: 4,75 km²
Einwohner: 537 (2010)
Bevölkerungsdichte: 113 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1971
Eingemeindet nach: Lellenfeld
Postleitzahl: 91722
Vorwahl: 09836
Großlellenfeld vom Hesselberg aus
Großlellenfeld vom Hesselberg aus
Großlellenfeld von Südwesten

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt inmitten von Feldern und Wiesen rund 3,6 Kilometer südöstlich von Arberg. Im Westen liegt der Hackhofberg, im Norden das Flurgebiet Aue, dahinter der Moßberg (493 m ü. NN). Südlich des Ortes fließt der Mühlgraben, der 0,75 km weiter westlich in den Dennenloher See mündet.[1]

GeschichteBearbeiten

Lellenfeld war ein früher Siedlungsraum des Römischen Reiches: In den Jahren 1892/93 wurde durch Wilhelm Kohl, Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission, die sogenannte „Teufelsmauer“, ein 34 Kilometer langer Abschnitt des Raetischen Limes (ORL-Strecke 14) von Mönchsroth bis Lellenfeld archäologisch untersucht. 1893 gelang es Heinrich Eidam, seit 1892 Streckenkommissar für den Abschnitt von Kleinlellenfeld bis zur Rezat, im Wald bei Kleinlellenfeld die Bauabfolge der römischen Limeseinrichtungen nachzuweisen.[2]

Die erste Erwähnung des Ortes war im Jahr 1070, als Gundekar II. (1019–1075), Bischof von Eichstätt 1057–1075, eine Pfarrkirche in Lellenfeld weihte. Gemeinsam mit Burchhard von Cronheim bezeugte um 1140 Giselbert von Lellenfeld (Gisilbertus de Nellenuelt) die Schenkung des Wolftrigel und Diemo von Fronhofen an die Propstei Berchtesgaden.[3] Im Jahr 1294 trat der Ortsadelige Konrad von Lellenfeld in das Kloster Auhausen ein. Sitz der Herren von Lellenfeld war eine Wasserburg, deren genaue Lage unbekannt ist. Der alte Ortsname von Großlellenfeld war Niederlellenfeld.

15 Bischöfe verliehen 1337 der Wallfahrtskirche einen umfassenden Ablass. Im Jahr 1524 wurde eine Ehehaft, eine Art Gemeindeordnung, erlassen. Ein Jahr später, 1525, beteiligten sich 18 Besitzer von Anwesen am Fränkischen Bauernaufstand. Nach einem Grenzvertrag von 1537 zwischen dem Bistum Eichstätt und den Markgrafen war nur der Ortsbereich Großlellenfelds als Enklave Eichstätter Territorium, seine Flur dagegen markgräflich.

Im Jahr 1615 wurden in Großlellenfeld 52 Anwesen genannt. Die Grundherren waren das Hochstift Eichstätt (25 Anwesen), das Schlossgut Eybburg (sieben Anwesen), das Markgraftum Ansbach (13 Anwesen, davon ein Anwesen des ehemaligen Klosters Heilsbronn), die Reichalmosenpflege Dinkelsbühl (drei Anwesen) und Leonrodisches Schlossgut Dennenlohe (vier Anwesen). Der Weiler Schweinbühl und die beiden Höfe Kaltenhof und Hagenhof in der Flur waren bereits aufgelassen und lagen öde. 2002 hatte Großlellenfeld 172 Anwesen.

1627 wurde Anna Golder/Gölderin von Großlellenfeld als vermeintliche Hexe angeklagt, gefoltert und hingerichtet durch Enthauptung und Verbrennung.[4] Der Dreißigjährige Krieg 1618–1648 führte in Lellenfeld zwischen 1632 und 1648 zu Zerstörungen und Not. Pfarrer Kraft musste sich wochenlang in den Wäldern verstecken. Die Pfarrei wurde abwechselnd auch von Arberg und Cronheim aus betreut.

Die Markgräfin Friederike Luise von Ansbach (1714–1784), Schwester Friedrichs des Großen (1712–1786), besuchte 1730 die Pfarrei. Großlellenfeld war ein bischöflich-eichstättisches Dorf im Oberamt Ahrberg-Ohrenbau.

Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde die Ruralgemeinde Großlellenfeld gebildet. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Wassertrüdingen.[5] Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 4,750 km².[6]

Am 1. April 1971 schloss sich die bis dahin selbstständige Gemeinde Großlellenfeld mit der Gemeinde Kleinlellenfeld zur Gemeinde Lellenfeld im Landkreis Dinkelsbühl zusammen.[7] Der Landkreis Dinkelsbühl wurde am 1. Juli 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern in den Landkreis Ansbach eingegliedert. 1978 wurde die Gemeinde Lellenfeld in die Marktgemeinde Arberg eingemeindet.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2010
Einwohner 359 375 393 395 406 419 416 383 360 386 407 408 411 409 420 390 390 415 398 479 412 379 392 443 429 537
Häuser[8] 61 70 82 84 80 76 82 86 122
Quelle [9] [10] [11] [11] [12] [11] [13] [11] [11] [14] [11] [11] [15] [11] [11] [11] [16] [11] [11] [11] [17] [11] [6] [18] [19]

ReligionBearbeiten

Großlellenfeld gehört nicht der katholischen Pfarrei St. Blasius in Arberg an, sondern ist immer noch eine eigenständige Pfarrei.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

  • Die Pfarrkirche Beatae Mariae Virgines (Mariä Heimsuchung) ist eine ehemalige Wehr- und Wallfahrtskirche. Um 1300 wurde eine gotische Vorkirche mit älterer Friedhofsbefestigung erbaut. Im 13./14. Jahrhundert wurde sie mit einem Befestigungsring und einem zweigeschossigen Quaderbau mit Torhaus versehen. Johann III. von Eych (1404–1464), Fürstbischof des Hochstifts Eichstätt (1445–1464), förderte die Marienwallfahrt in Großlellenfeld und ließ dort zwischen 1446 und etwa 1500[A 1] eine spätgotische Hallenkirche innerhalb der erweiterten Friedhofsbefestigung neu bauen. Im Jahr 1610 erhielt der gotische Kirchturm nach Blitzschlag ein Kuppeldach. Zur neugotischen Ausstattung der Kirche von 1881/82 gehören eine, vermutlich vom Eichstätter Hofbildhauer Matthias Seybold geschaffene, barocke Kanzel von 1734 (wurde 1806 aus dem Kloster Rebdorf angekauft) und eine Bittnerorgel von 1856 aus der Frauenkirche Nürnberg. Ein Kreuz mit Bronzekruzifix vom Ende 19. Jahrhunderts vervollständigt die Ausstattung.[20]
  • Auf der Gemarkung gibt es zwei Kapellen, eine an der Straße nach Kemmathen (Massivbau mit Satteldach, 1760) und eine zweite unterhalb der Südwestecke des Friedhofs (Massivbau mit Satteldach, 18. Jahrhundert).[20]
  • In den Jahren 1663/64 wurden in Lellenfeld ein neuer Pfarrhof und eine neue Schule gebaut. Es folgten weitere Schulbauten 1794 und 1843 durch die Gemeinde. Das Gebäude wurde 1884 erweitert.
  • Ein gemauerter Feldaltar vom Anfang des 19. Jahrhunderts enthält in einer Nische ein Gemälde der Krönung Mariae.[20]
  • Rund 500 Meter südwestlich der Pfarrkirche befindet sich ein spätmittelalterliches Sandsteinkreuz und rund drei Kilometer nordwestlich des Ortes, links an der neuen Straße in Richtung Bechhofen, steht auf einem Sockel eines ehemaligen Steinkreuzes ein neueres Holzkreuz.[20]
  • 2050 Meter ostsüdöstlich der Kirche wurden auf einer Länge von 325 Metern Spuren des römischen Limes gefunden. Das archäologische Geländedenkmal ist als Abschnitt des Obergermanisch-Rätischen Limes seit 2005 Teil des UNESCO-Welterbes und ein gesetzlich geschütztes Bodendenkmal im Sinne des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes (BayDSchG). Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind erlaubnispflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden anzuzeigen.[20]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Arberg#Großlellenfeld

NaturdenkmälerBearbeiten

Das Großlellenfelder Moor ist ein 10,8 Hektar großes Naturschutzgebiet.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

In Großlellenfeld befinden sich eine ehemalige Grundschule (geschlossen 2008) und ein Kindergarten.

VerkehrBearbeiten

Die Kreisstraße AN 60/WUG 25 führt zur Staatsstraße 2221 bzw. nach Cronheim zur Staatsstraße 2219. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Oberhambach und Kleinlellenfeld. Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg sichergestellt.

Durch den Ort führt der Deutsche Limes-Radweg. Er folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtsBearbeiten

  • Raimund Veit (1785–1857), Pionier der Landwirtschaftswissenschaft in Bayern

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Nach anderen Angaben wurde der Bau 1468 beendet.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Großlellenfeld im BayernAtlas
  2. (mst): Historisches Erbe präsentieren: Limes-Stele in Kleinlellenfeld aufgestellt. In: Altmühl-Bote vom 29. September 2004.
  3. Antiquitates Nordgavienses oder Nordgauische Alterthümer und Merkwürdigkeiten, Band 2, S. 427.
  4. Hermann Thoma: Zur Hexenverfolgung in den oberstiftischen Ämtern des Hochstifts Eichstätt und ihren Randgebieten – Teil II. In: Alt-Gunzenhausen. Hrsg. Verein für Heimatkunde Gunzenhausen. Gunzenhausen. 2006. Bd. 61. S. 107.
  5. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 71 (Digitalisat).
  6. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 762 (Digitalisat).
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 448.
  8. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  9. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 32 (Digitalisat).
  10. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 252 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 385 Einwohner.
  11. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 167, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  12. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1004, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  13. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1171, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  14. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1102 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1168 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1206 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1036 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 170 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 324 (Digitalisat).
  20. a b c d e Hans Wolfram Lübbeke, Otto Braasch: Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler. Band 5 von Denkmäler in Bayern, hrsg. von Michael Petzet, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1986, ISBN 3-486-52396-1. S. 217.